ROSE AUSLÄNDER – 11.05.1901 – 03.01.1988 …

im seidigen
maigrün
einer frühlingsnacht
bin ich
geboren
erzählte mir
meine mutter

der frühling ist
mein liebstes
alphabet
{rose ausländer}

Mai
Mit Maiglöckchen 
läutet das junge Jahr 
seinen Duft 

Der Flieder erwacht 
aus Liebe zur Sonne 
Bäume erfinden wieder ihr Laub 
und führen Gespräche 

Wolken umarmen die Erde 
mit silbernem Wasser 
da wächst alles besser 

Schön ist’s im Heu zu träumen 
dem Glück der Vögel zu lauschen 

Es ist Zeit sich zu freuen 
an atmenden Farben 
zu trauen dem blühenden Wunder 

Ja es ist Zeit 
sich zu öffnen 
allen ein Freund zu sein 
das Leben zu rühmen 

(Rose Ausländer)

Bildergebnis für rose ausländer

13.8.86

für rose ausländer

ich bring dir
worte
vom kreuz des südens
wo sterne sich türmen
von den wassern der ozeane
aus ihren tiefsten tiefen
leg meinen traum
zu deinem
der da nun ruht
unabänderlich

(duschenka-rosadora)

https://de.wikipedia.org/wiki/Rose_Ausländer

MENSCHEN IM FRÜHLING…

UM DEN PENONEBAUM…
oder – machen sie mal ein foto
KIRSCHBLÜTEN_P1620781israil und gualam kommen aus afganistan. sie bitten mich, ein foto von ihnen zu machen. so kommen wir ins gespräch. israil schreibt mir die mailadresse auf, an die ich die fotos schicken kann. als ich frage, wie man das schreibt – ach der kann das nicht lesen…
sie wohnen in einem heim in homberg. na, in der nähe war ich auch mal evakuiert – 1943 – als hier alles in klumpatsch ging. wir reden eine weile.

MENSCHEN_ISRAEL UND GUALAM_ AFGANISTAN_30.036 MENSCHEN_REWETO MIT SCHISCHA_APFEL_30.038reweto mit seinen freunden sitzt auf der wiese und sie rauchen. sie rauchen eine schischa mit apfelgeschmack. ich bekomme einen zug – so unter freunden und fühle mich willkommen. sie erzählen von sich. – ich bin chefkoch – ich kann kochen – und haareschneiden kann er auch – und nähen und und und… es scheint mir, er ist ein künstler. ismail hilft mir aus meiner hockstellung auf. ich will noch den penonebaum fotografieren. mit so einem blütenhintergrund gibt es ihn nur einmal im jahr.
MENSCHEN_KEIN THEATER_EINFACH SCHÖN_30.037schöne menschen sind hier. ich zeige meine bewunderung. ein paar, das mir durch die festliche bekleidung auffällt – nein, vom theater sind wir nicht. das ist ein alter wintermantel. – altes hat oft seinen reiz nicht verloren. jetzt bin ich, die fotografieren möchte – ja bitte. und ein kurzes gespräch. einfach schön.
KOPFTUCHFRAUEN_AYLIN UND SCHEWALL_TÜRKEI:DEUTSCHLAND_30.039aylin und schewall. ich bin neugierig und frage, welche bedeutung für sie das kopftuch hat.
aylin ist aus deutschland, die eltern aus der türkei. eine pilgerreise nach mekka hat sie drauf gebracht. das war der springende punkt. es ist tradition. ob es nicht unbequem ist. nein überhaupt nicht. sie geht sogar bekleidet zum schwimmen.
ich versuche zu verstehen und es leuchtet mir irgendwie nicht ein. es steht für mich mit integration im widerspruch, wo sie doch eigentlich deutsche sind. aber sie besitzen eine ungeheure grazie und wirken weiblich auf besondere art.

TRISHA BROWN…

1936 – 2017

“Warum nicht einfach die Wand eines Gebäudes hinunterlaufen? Schwerelos wie auf dem Mond. Mit ihrer Tanzkompanie verließ Trisha Brown das Studio und ging auf die Straßen von Soho.

Mit Modern Dance wollte sie nichts zu tun haben. Es ging ihr um alltägliche Bewegungen. “Für mich geht es immer darum, über das hinauszugehen, was ich bereits weiß und dann herauszufinden, ob mir das Vergnügen macht”, sagt die 71-Jährige. Seit den späten 60ern lebt sie in einem Loft am Broadway in Soho. Und genau dort entstanden auch die Zeichnungen für die documenta. 
Als hätte sich Trisha Brown die Aufgabe gestellt, ihre choreografische Erfahrung auf kleinstem Raum zu verdichten, tanzte sie dazu – mit einem Kreidestift zwischen den Zehen – auf einem Stück Papier: Zeichnen als Spur von Körperbewegung und Körperradius. “Ich versetze mich in die Zeichnung wie in eine Improvisation beim Tanz, ich übertrage das Tanzen auf das Zeichnen”, erklärte sie.“
“Und wenn ich spüre: das ist gut, dann muss ich ein bisschen Abstand nehmen, um nichts zu überstürzen. Denn manchmal liegt die Schönheit in der Andeutung”, so Trisha Brown.
wie beim tanz suchte sie nach frischen gesten…

http://www.trishabrowncompany.org/

bei der d12 in kassel…

TRISHA BROWN_I_4FLOOR OF THE FOREST

TRISHA BROWN_II_“Dann hangeln sich die Tänzer über Seile und Kleidungsstücke, die in einem Metallrahmen gespannt sind. “Floor of the Forest” heißt die Installation. Die Tänzerinnen – die “Movers”, wie Brown sie nennt – bewegen sich langsam und mit ausdruckslosen Gesichtern in dem Gestell. Synchron sind sie zueinander, aber nicht zu der für die monotonen Bewegungen viel zu fröhlichen Musik. Ist das Ballett vorbei, krabbeln ein paar der Tänzerinnen durch die Seile, legen sich auf die gespannten Hemden oder klettern über die Jeanshosen. 

Das etwa vier Meter lange Gerüst hat die Künstlerin 1968 für eine ihrer Tanzvorführungen erfunden. Damals begann Trisha Browns nach neuen Räumen und Bewegungsformen für den Tanz zu suchen. “Ich begann damit, zwei Seile auszuspannen und auf ihnen herumzuklettern, aber das ging daneben. Dann habe ich ein Art Netz ausgespannt, Kleidungsstücke darauf gehängt und die Anweisung gegeben, auf das „Gerüst“ zu klettern und sich auszusuchen, in was man hineinschlüpfen will”, erinnert sie sich. “

TRISHA BROWN_III_1 TRISHA BROWN_IV_2 TRISHA BROWN_V_3ich hatte gehofft, dass trisha brown bei der d14 wieder dabei sein würde. tanz ist ein sich immer wandelndes element der kunst – flüchtig und doch bleibende eindrücke hinterlassend. mit ihrem tanzprojekt in kassel überraschte sie mit ihrer suche nach neuen räumen und bewegungsformen für den tanz. ihr tanzstil war einmalig – ihn nachzuahmen kann nicht gelingen – doch anregungen, neue wege zu gehen, gibt er in jedem fall.

ich vermisse sie schon jetzt und viele andere menschen sicher auch.

Trisha Brown wurde 1936 in Aberdeen im US-Bundesstaat Washington geboren. Sie lebt in New York. Ausstellungen: Akademie der Künste, Berlin, 2007 (DE); Henry Art Gallery – University of Washington, Seattle, 2004 (US); Tate Liverpool, 2003 (UK)

 

WELTFRAUENTAG 2017…

03.02.08_annaelisabeth v., 061_ausschn_bearbeitet-1ANNA ELISABETH TRÜMPER geb. LÖFFELHOLZ – 19.01.1918 – 08.03.2008

img006_emilie_300EMILIE LÖFFELHOLZ geb. RÖNSCH – 27.6.1875 – 1963

ein Europaabgeordneter hat gerade gesagt, dass Frauen weniger verdienen sollen, weil sie „schwächer, kleiner und weniger intelligent” seien! -  und das, nachdem er schon Migranten mit “Exkrementen” verglichen und im Plenum den Hitler-Gruß gezeigt hat. Es reicht!

sie sind immer noch da – diese stinktiere, denen es an intelligenz und rücksichtnahme fehlt. ihnen sollte das wort gar nicht erst erteilt werden, sonst könnten andere fauldenker auf die idee kommen, er könnte recht haben.
daher ist der frauentag wichtiger denn je.
die angriffe gegen frauen laufen nur auf anderer ebene,  und erdogan will vergewaltiger unbestraft davonkommen lassen, wenn der die frau, die er vergewaltigt hat, heiratet. auch vergewaltigung in einer ehe gehört bestraft…
die liste der gründe, weshalb der frauentag noch nicht zuendegedacht ist, ist lang, aber lassen wir uns nicht abschrecken…

and all the sisters…

aretha franklin – SISTERS ARE DOIN´ IT FOR THEMSELVES…

heute auch auf KULTURZEIT

WIEDEDERHOLUNG morgen früh

ERWACHEN…

Night Palace
joanne kyger
ETEL ADNAN_IV_P1610438
the best thing about the past is that it is over when you die. you wake up from the dream that´s your life. then you grow up and get to be post-human in a past that keps happening ahead af you.

Das Beste an der Vergangenheit ist, dass es vorbei ist, wenn du stirbst. Du wachst aus dem Traum auf, das ist dein Leben. Dann wachst du auf und wirst in einer Vergangenheit post-menschlich sein, die vor dir vor sich geht.

ETEL ADNAN
„der gedanke, dass du erwachst, wenn du stirbst – erwachen anstatt für immer schlafen, dass du eine vergangenheit bewohnen wirst… du weißt es nicht, du kannst es nicht erklären…“

ETEL ADNAN_I_P1610435also, ich muß es durchdenken – das leben ein traum. das sagt man schon mal und wir glauben doch, dass es nicht realistisch ist. dass ich erwache, wenn ich sterbe, das könnte mir gefallen. nicht auferstehen, nein, das körperliche abstreifen. erwachen heißt auch, begreifen, verstehen, das wäre schön, dass mir das gelingt, worum ich mich ein lebenlang bemüht habe. ja, ich denke, dass ich mich bemühe auf meine weise, neugierig wie ich nun bin…
ich könnte mir ausmalen, wie es dann sein wird, aber wie etel sagt, du weißt es nicht, du kannst es nicht erklären. spekulationen sind gestattet in dem bewußtsein, dass es eben spekulationen sind. sie geben keine sicherheit, vielleicht einen kleinen trost und dass meine anstrengungen von diesem erwachen abgelöst werden…

ERREGUNG…

„Im Februar gerät die Jahreszeit in Erregung, knapp unter dem Erdboden.“
Etel Adnan in Jahreszeiten
BOT. GARTEN KS_MÄRZENBECHER_P1610391frühblüher wagen sich heraus, sie warten nicht auf das frühjahr. sie erwecken in uns die hoffnung, dass alles seine ordnung hat.
freude kommt in uns auf. grundlos wie mir scheint, wir sind noch nicht über den berg.die vögel waren auch zuversichtlicher als in jedem jahr vorher. sie haben den weiten weg vom süden auf sich genommen, ohne dass hier ihr leben in sicherheit wäre.

BOT. GARTEN_KS_WINTERLINGE_P1610131die erde bläht sich auf, oder sind es die pflanzen, die das bewirken. so in frühjahrsform haben wir vertrauen in sie. dank der klimaerwärmung recken sich die pflanzen schon vor der zeit in position. der winter könnte unserer freude einen strich durch unser befinden machen. er hat schon so manches schnippchen hervorgezaubert. schnee im mai und unsere freude erhält einen knick.
nehmen wir die freude als geschenk, auch wenn sie nicht von dauer ist.

WETTER UND POESIE…

ETEL ADNAN aus einem gespräch mit klaudia ruschkowski

ETEL ADNAN_GRIECHENLAND_II_P1610399ich halte das wetter für ein höchst poetisches element.
wir schwimmen im wetter, wetter ist die luft, die uns umgibt. wir befinden uns im wetter, als wären wir mitten in einem see, genau wie ein fisch im wasser. wie ein flugzeug oder ein vogel in der luft. das wetter beeinflußt uns, es gibt immer irgendein wetter. es ist zu heiß, zu kalt, nicht warm genug, nicht kalt genug, gutes wetter, schlechtes wetter – selbst wenn wir das wetter nicht spüren, ist es doch da. wir spüren es nicht, weil es sich um einen bestimmten zustand handelt. ich liebe das wetter…”

aus JAHRESZEITEN

GRIECHENLAND KOMMT ZU HILFE…

ETEL ADNAN_GRIECHENLAND_I_P1610398“Es gibt Schriften, die sich der Wahrnehmung entziehen. Die trianguläre Gestalt der Sprache wirkt auf die Vorstellung: ein Ansturm an Sein. Druck wirkt auf die Zeit, beugt sie. Die Beugung überträgt sich auf die Seele, die versucht, dem Abgrund zu entkommen, während ihr davor graut, noch tiefer zu fallen. GRIECHENLAND KOMMT ZU HILFE.   Türen schleifen und verhüten die Rückkehr der Zukunft.”

E T E L _ A D N A N …

Etel Adnan,
Schriftstellerin und Malerin, geboren 24.02.1925 in Beirut, Libanon
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ZUM 92. GEBURTSTAG ALLES GUTE…

Auf der dOCUMENTA (13) 2012 war sie eingeladen, ihre Bilder und Zeichnungen zu zeigen, Geheimtipp und Shooting Star zugleich.
etel adnan_d12_IV_DSC_4895
Etel Adnan, die am 24. Februar 2017 92 Jahre alt wird, ist eine der wichtigsten literarischen Stimmen unserer Welt. Ebenso nomadisch wie kosmopolitisch ist sie durch ihr Leben gezogen: zwischen Ost und West, alten und neuen Sprachen, Poesie, Literatur und Malerei: eine Reise voller Entdeckungen, konfrontiert mit immer neuen Kriegen, voll der Erinnerungen. In Gespräche mit meiner Seele kulminiert das, was sich durch Etel Adnans gesamtes Schreiben zieht: ein poetisch-philosophischer innerer Dialog.
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Wie spricht man mit der eigenen Seele? Die Seele, sagt Etel Adnan, ist ein eigenes Wesen, an das man vielleicht nie gedacht hat, das sich aber auf einmal bemerkbar macht: ‘Ich kann nicht anders, als mit dieser Seele zu sprechen, als wäre sie eine lebenslange Gefährtin. Wir waren eins, und wir waren verschieden. Wie begegneten wir einander? Was taten wir einander an?’
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Etel Adnan hat sich zeitlebens mit den elementaren Fragen des Lebens auseinandergesetzt. Ihrer Wahrnehmung entgehen weder Momente des Alltags, Form und Funktion von Gegenständen, die Natur in ihren zahllosen Veränderungen, noch politische Konstellationen und Mächte, die skrupellos in unser Leben eingreifen. Sie versteht die Poesie als Mittel, Gegenwart sichtbar zu machen.

 

HILDE DOMIN zum gedenken…

22.02.2006
22.02.2017

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da ist es gerissen ‚das goldene seil’ – ‚da wird schon der name gerufen’ – ‚hinweg aus der….welt, …unter die alles vermengende erde.’
‚ich komme wieder’, hatte sie noch gesagt, ‚wenn ich hundert bin’. die worte sind noch in meinem ohr. ich habe mir nicht träumen lassen, dass sie das nicht wahr machen würde, diese kleine resolute person mit den grossen worten. da war sie neunzig. kraftvoll formte sie silbe für silbe, ihr sprechen hatte einen harten ton.
der ‚böse löffel’ des ‚vergessens’ fiel nun – fast unerwartet – in die ‚schale aus schatten’. unerwartet, weil fast ein hauch ewigkeit mit der person hilde domin verbunden ist. sie war schon zu lebzeiten eine legende. da will man nicht wahrhaben, dass sie eines tage nur noch legende sein wird.

‚…die pause ist vorbei.’ 
‚stehenbleiben und sich umdrehen hilft nicht. es muss gegangen sein’. dieser letzte weg von den ‚verlierbaren lebenden’ zu den ‚unverlierbaren toten.’
 viele ihrer lebenden hatte sie schon lange verloren auf unterschiedlichste weise, aber letztlich doch die meisten durch das grosse grauen, das in die welt gekommen war. da ist es ein trost, sie bei den toten zu wissen, zu denen sie nun gehen wird, zu den unverlierbaren. 
auch von sich muss sie sich nun trennen. ‚ich muss mich von mir trennen. ich werde weggeführt von mir’. sie hat den weg lange vorher angedacht, obwohl sie hundert werden wollte. die verlängerung der lebenszeit für erfahrenes leid, für ihr genommene möglichkeiten.
 schon lange ‚immer wieder die schwarzen vögel über mich wegfliegend. diese frühaufsteher… und des abends… ein verspäteter, der in meinem haar übernachtet. ’
immer sehen wir sie, diese schwarzen vögel, immer sehen wir sie, wie sie über und um uns kreisen. ‚immer’ ihnen gegenüber ‚die geste der tapferkeit.’ obwohl wir sie, diese schwarzen verkünder, nur angsvoll ertragen und lieber haben, wenn sie andernorts kreisen – trotz der gewissheit ihrer existenz und das gerne vergessend.
 doch einmal werden ‚wir hingelegt und alles für immer erinnern – oder vergessen.’ diese unsicherheit, der wir nicht vorgreifen, der wir uns still ergeben und auf erlösung hoffen in dem erkennen: 
‚dein tod oder meiner – kostbarster unterricht: so hell, so deutlich, dass es gleich dunkel wird.’

‚am ende ist das wort,
immer
am ende
das wort’.
ich war hier. 
ich gehe vorüber
 ohne spur.
 die ulmen am weg 
winken mir zu wie ich komme,
 grün blau goldener gruss,
 und vergessen mich, 
eh ich vorbei bin.
ich gehe vorüber – aber ich lasse vielleicht 
den kleinen ton meiner stimme,
 mein lachen und meine tränen 
und auch den gruss der bäume im abend 
auf einem stückchen papier.