PENONE-BAUM IN BLÜTE…

das wäre es doch – wenn der penone-baum auschlagen und blühen würde
aber so hat er das ganze jahr über konjunktur und nicht nur ein paar tage im jahr

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die gustav mahler-treppe ist dagegen üppig beblüht und viele menschen gehen in frühlingslaune
andere – meist jüngere – haben schallklappen auf und scheuklappen folglich sehen sie nicht wo sie gehen und was sie umgibt – schade
die blüten sind ganz erschrocken und werden sich schon bald zurückziehen

auf der wiese menschengelage – vorwiegend junge menschen
dicht unterm penone-baum eine gruppe die sich mit einem klötzchenspiel erheitert
ich frage ob ich mitspielen darf – na klar
und ob sie den künstler des baumes kennen
nein
einer weiss dass der baum schon lange vor der documenta da stand

kunst ist leise – kunst ist laut – kunst wird erkannt oder auch nicht…

GUISEPPE PENONE_KIRCHBLÜTE__bearbeitet-1wikipedia:
Am 27. Mai 2010 wurde Giuseppe Penone als erster Teilnehmer der im Jahr 2012 stattfindenden dOCUMENTA (13) bekannt gegeben und im Juni desselben Jahres – also 2010 – Penones Arbeit Idee di Pietra (Ansichten eines Steins) als erstes Kunstwerk der dOCUMENTA (13) in der Kassler Karlsaue nahe der Orangerie eingeweiht.
Die etwa 9 Meter hohe Bronzeskulptur, die sich auf die Pflanzaktion 7000 Eichen von Joseph Beuys beruft, stellt einen blattlosen Baum dar, dem die Zweige abgeschnitten wurden und in dessen Ästen sich ein großer Granitfindling verfangen zu haben scheint. Am Fuße des Bronzebaums pflanzte Penone eine kleine Stechpalme, die zur Eröffnung der nächsten documenta eine stattliche Größe erreicht haben soll.

leider hat die kleine stechpalme die erhoffte grösse bis heute nicht erreicht
immer zerren und zupfen menschen daran herum knicken zweige ab…

die einwände für das aufstellen der skulptur war erheblich und stürmisch weil: „Ein zeitgenössisches Kunstwerk wäre ein erheblicher Fremdkörper in dem (…) barocken Erscheinungsbild der Anlage.“
jedoch war das begehren der bürger – warum auch immer – grösser

an der aktion spendeten sie 70.000 euro – 560 spender beteiligten sich daran

ENDLOS – UNAUFHÖRLICH…

endlos I_COVER__bearbeitet-1
94 seiten
bei BoD

immer ist eine geschichte endlos
ich muss sie nur weiter verfolgen

yuma und senior sassen seinerzeit auf diesem splithügel
die dOCUMENTA begann und endete nach 100 tagen

meine geschichte ging da noch weiter
ich habe auch heute immer noch ein interesse an ihr
an der geschichte meine ich

das erste buch ist genau die zeit der dOCUMENTA 13

endlosII_COVER__bearbeitet-1
312 seiten
bei BoD

das zweite dann die zeit danach bis heute
das ist eine viel längere spanne
und wie ich jetzt schon sagen kann
wird es ein drittes buch geben

endlos – unaufhörlich
war ein titel der mir zufiel
wie ich heute sehe hat er eine tiefe bedeutung

PIERRE HUYGHE…

Europas höchstdotierter Kunstpreis, der Roswitha-Haftmann-Preis, geht erstmals an einen Franzosen. Der Stiftungsrat der Roswitha-Haftmann-Stiftung vergibt den mit 150 000 Franken dotierten Preis dieses Jahr an Pierre Huyghe. Die Übergabe findet heute im Kunsthaus Zürich statt.

Der im Jahr 1962 in Paris geborene Pierre Huyghe fand zuletzt mit seiner Installation aus Pflanzen, Objekten und Tieren auf der dOCUMENTA 13 weltweit Beachtung.

nach einem jahr steht der kompostgarten (kompostierungsanlage der stadt kassel) in schönstem grün
nichts erinnert mehr an die d13
die psychodelischen pflanzen wurden entfernt
die bienenfrau abtransportiert und
die bienen in ihren heimatort witzenhausen zurückgeholt
die hunde human und senior wurden von ihrer gastfamilie adoptiert

die grösste fläche wird von brennnesseln bedeckt
sie dominieren und sind die heimlichen siegerinnen
in diesem frühjahr entdeckte ich bis jetzt über 25 pflanzenarten
die gräser nicht eingerechnet

der ort weiss von seiner berühmtheit nichts
er wird weiterhin für seine bestimmung existieren
kompostieren

DAS BEINAHE UNMÖGLICHE…

die poesie
tanz und gesang auch
ist eine elementare form der kunst
du drückst nicht nur funktionale dinge aus
nein du willst es ausdrücken
das sich beinahe unmöglich sagen lässt
also sagen wir es poetisch
wir schreiben ein gedicht

etel adnan

schriftstellerin und malerin
unterrichtete geisteswissenschaften
und philosophie
in san rafael, kalifornien
war feuilletonredakteurin
in beirut
u. u. u….

GESCHICHTEN AUS DEM KOMPOSTLOCH II…

FREMDE WESEN IM KOMPOSTLOCH

wesenstreu
dieses kompostloch
immer wieder gestalten
neue und ganz neue
am rande und auch mittendrin
schlamm überall schlamm

erst fällt ein
menschliches wesen hinein
na fast jedenfalls
und dann ein kleiner stier
im schlamm liegend
besonders süchtig

die weisse podenco-hündin
schnüffelt spürt und spurt
einen weg um den schlamm herum
ist auf der anderen seite nun
noch ehe das menschliche wesen
seine beine gerettet hat

den vom rande
am baume anlehnenden
nehme ich mit
immer wieder die nähe
zu meinem paradiesort
bezeugend

SOLIDE BEZIEHUNG…

ich habe eine solide beziehung zum universum aufgebaut
da bin ich mir sicher
ich bewege mich frei zwischen sonne und mond
ich gehe noch weiter
ich stürze mich in schwarze löcher und tauche heil wieder auf
ich reite auf kometen zähle galaxien
ich bin auf du und du mit lichtjahren und all das
seit ich in sekundenschnelle zum rand des universums gereist bin
und die seltsame bewegung die ich dort angelangt erlebte
ahnungsvoll für den beginn eines chaos hielt

etel adnan
libanesische malerin und schriftstellerin
dOCUMENTA 13
aus: im herzen des herzens
eines anderen landes

GESCHICHTEN AUS DEM KOMPOSTLOCH I…


ausdrucksvolle ergebenheit


doch ja – ich kenne dich


begrüssung mit küsschen


vertrauensvoll aus der hand

ABBRUCHARBEITEN (ZUSAMMENBRUCH UND WIEDERAUFBAU) MARLON MIDDEKE

marlon schreibt mir
er baut die hütte ab
ich also hin
wiedersehensfreude – grosse
human die weisse podenco-hündin
erstmal scheu

marlon schraubt
und schraubt und schraubt
dann klopfen und treten
biegen und brechen
ich halte die wände
sammle die schrauben

human schaut skeptisch
ist ängstlich weicht zurück
erkundet den neuen alten ort
beschnuppert dieses und jenes
ist sehr nervös und gribbelig
läuft mit rosa übern acker

nach fast zwei stunden
sie hat gesch… und gefressen
hat geschaut ist gelaufen
legt sie sich auf einen hügel
so als hätte sie
ihn endlich wiedererkannt

die hütte ist kurz und klein
erst war sie auch nicht gross
die teile am boden
wehmut aus erinnertem
gern hätte ich mit marlon
hier eine ausstellung initiiert

die mhk erlaubt es nicht
spielverderber
wir suchen einen anderen ort
neu
immer alles neu
unverzagt

ALLES BEGINNEN…

ganz zaghaft beginnt es
mit dem ende fängt das neue an
es entfaltet sich fast unmerklich und dann ist es einfach da
wie hier das springkraut
das im vergangenen jahr so riesig empor wuchs
und im blühen sich verduftete
und dann lustig seine samen in die gegend versprang
und nun ist es wieder da
ich bin neugierig ob es wachsen darf
und noch einmal ein wenig documenta-flair
hier in das kompostloch zaubert

sonst ist nichts mehr so wie es war
die wege und anhäufungen sind plattgewalzt
ein dicker querliegender baum wurde zersägt
ein anderer musste ebenfalls weichen
die zeugen für zusammengebrochene kultur gibt es nicht mehr
und die begegnungen sind vergangenheit
schade

KUNST REIHENWEISE…

ganz ohne kunst muss man hier im kompostloch auch 5 monate nach der dOCUMENTA 13 nicht auskommen. schön in reihen geordnet setzt hier der künstler oder die künstlerin dem chaos eine gewisse ordnung entgegen. nicht geschnitten, sondern gebrochen sind die
hölzchen, die sich nur dem springkraut zuordnen lassen und mit der pinkenen farbe nicht zu verkennen, dass es sich hier um ein übnerbleibsel aus pierre huyghes „untilled“ handelt.
es hat mich erfreut, meine fotobegeisterung gesteigert und ich vermute, dass das kleine höhlenbauwerk gleich nach beendigung der d13 vielleicht vom selben künstler stammen könnte.
soviel geduld und fantasie muss belohnt werden.
ich widme diese fotos und den artikel dem unbekannten künstler oder künstlerin….