DORNRÖSCHENSCHLOSS…

EINDEUTIG…
SABABURG_TURMROSEN_II_23.061

SABABURG_TURMROSEN_I_23.06_bearbeitet-1 SABABURG_TURMROSEN_III_23.062

im reinhardswald, da gibt es ein schloss, vielumwoben, vielbesucht und viel geliebt, dem blühen die rosen am turm – hinauf bis in die höchsten fenster. hier war einst das sagenumwobene dornröschen der gebrüder grimm gefangen gehalten. einhundert jahre hat es dort im schlaf verbracht. doch dann kam ein jüngling, forsch und entschlossen, durchbrach die hohe dornenhecke, vielleicht tat sie sich auch von selbst auf, und küsste das dornröschen wach. er heiratete sie, wird berichtet.

DORNRÖSCHENSCHLOß_PRINZESSIN_P1540303
noch heute könnte man das so glauben und kleine dornröschen, ganz entzückend, gibt es auch wieder hier auf dem schloß oder der burg oder…

NEUES JAHR…

NEUES JAHR
das erwartete kam ohne zögern

gestern und morgen

verleihen den gleichen

schalen geschmack im munde

wie im letzten jahr

der nebel

jagt die sonne hinter den berg

und macht sich im tal breit

bis er am morgen

wieder von dannen zieht

fast habe ich mich

an die monotonen geräusche

meines mac gewöhnt

vielleicht verzeihe ich ihm

weil er mir meine gedichte ausspuckt

fein säuberlich gedruckt

und von bestechender

formschöne

den inhalt kann er nicht überprüfen

noch nicht

die briefträgerin

hat ihr jahresbelohnung bekommen

nun verzögert sich die briefzustellung

die falschen hoffnungen

ins neue jahr verschoben

sie werden sich

auch diesmal nicht erfüllen


der museale liebesakt

wird schwächer

von jahr zu jahr


der grünfink ist zutraulicher geworden

er holt sich sein futter

nun, da der schnee wegschmilzt

kein friedensangebot zum neuen jahr

alle setzen auf sieg

wann werden sie wirklich so stark

dass sie keine kriege mehr brauchen

morgen ziehe ich die neue bluse an

und dann gehen wir spazieren

sagte meine grossmutter

und verstarb

der verstand glaubt nur das

was er sieht

aber er sieht nur sehr beschränkt

daher versetzt der glaube

keine berge


wenn ich die grenze überschreite

komme ich

von einem umgrenzten raum

in einen anderen

die menschen brauchen grenzen

weil sie angst haben
vor sich selbst

die geringfügigkeit des denkens

nur von wenigen in anspruch genommen

kann gegen die verfestigung der gedanken

nichts ausrichten


sie haben verlernt

mit dem herzen zu denken

stattdessen versuchen sie

mit dem knie zu atmen

das gelingen ist weniger nachprüfbar

einen weg im nebel gesucht

verhangen die tragfähigkeiten des tages

im dunkeln getappt

am helllichten tag

die ausweglosigkeit des wartens erkannt

und weiter gewartet

in der lotterie gespielt

der gewinn blieb aus

bisher

aber er wird kommen

das ist sicherer

als auf den frieden

der menschheit
zu warten

der zeit gehorchend

so sagt man doch

und nicht herausgehört

was sie von mir will

die vorhandenen mittel strecken

und was tun

wenn keine vorhanden sind

bei virginia woolf eingeladen

ihr platz gemacht für ihre ideen

uns inspirieren lassen

auch das lachen kam nicht zu kurz

ihr tintenfass abgelöst durch den pc

das nachtdunkle

überwältigt die taghelle

unvorstellbar manchmal

dass sich daran etwas ändert

pflastern den weg mit worten

und ihn begehen

damit es der eigene wird

ein lächeln herschenken

in die dunkelheit des tages

damit er zu leuchten beginnt

ich denke afrika

ich denke indien

ich denke hungersnot

und nicht urlaub

die katze läuft durch meinen mac

der hund läuft ihr hinterher

dass der abend kommt ist gewiss

und dennoch überrascht er mich

an jedem tag

wachhalten den verstand

oder wenigstens das

was wir dafür halten

in der wortwanne baden

mich umspülen lassen
mich überspülen lassen

von den schwimmendflexiblen
wortgebilden

mich wenden

mich umwenden und schauen

ob der tag etwas neues gebracht hat

meine füsse unter mich stellen

damit sie mich durch die zeit tragen

die hände strecken

sie ausstrecken

nach den schönsten wortschöpfungen

sie so biegen

dass sie einen klang

einen sinn ergeben

angewärmte luft

zur verfügung stellen

damit der spruchteig

sein volumen entfalten kann

die bedeutung heraushören

aus den reden der politiker
auch wenn es keine gibt

wasser schöpfen

aus den quellen der weisheit

und ergiessen

über weite teile der menschheit

das fallen und aufstehen üben

und nicht müde werden

einer pause platz einräumen

damit das gesagte sich setzen kann

mein begehren zulassen

es stark und laut werden lassen

mein begehren

nach frieden und freiheit

das licht wollen

damit es seine schatten wirft

und ich in ihm stehen kann

im tal den schutz der berge suchen

auf den bergen

die freiheit der gedanken

stehen

aufrecht stehen bleiben

und mich nicht setzen auf jeden stuhl

schon gar nicht

zwischen die stühle

sagen was ich denke

anstösse geben

denkanstösse

und keine angst haben

anzustossen


ich schlürfe meinen kakao

und nun

liegt er mir schwer im magen

schmutzige wäsche waschen

die eigene

und nur die eigene

im keller den wein gesucht

und ihn im kühlschrank gefunden

der vielschichtigkeit des lebens geglaubt

und mich dennoch

für nichts entscheiden können

meinem mac eine seele gegeben

nun schreibt er für mich

die schönsten gedichte

tiefe gedanken niedergeschrieben

als ich sie aussprechen wollte

fanden sie den weg nicht zu dir

auf den kalten worten ausgerutscht

wie auf der eisbahn vor der tür

herabgeschwungen auf flügelworten

und die landung verpasst

mein wortzimmer betreten

und stein um stein nach sinn gesucht

sie stapelten sich vor mir

zu einer undurchdringliche wortwand

auch zimmer wollen zu ihrer zeit

betreten werden

was dir zufliegt

fliegt dir auch wieder davon

nur was du selbst geformt hast

kannst du dein eigen nennen

für kurze zeit

klang der sich erhebt

verleiht mir flügel

mit ihm fliege ich hoch und höher

es wird so wenig gesungen

die tür fällt ins schloss

ich erwarte dein kommen
es nur die nachbarin

viele vögel sind in den süden geflogen

aber ich erfreue mich an denen

die hier geblieben sind

meine finger suchen

nach worten auf den tasten

aber sie halten sich

andernorts versteckt

autobahn

unerbittlich fordert der nebel seine opfer

die schienenstränge

bieten auch nicht mehr sicherheit
in diesen tagen

die kasseler musiktage

haben ausgeklungen

ob sie in hamburg oder münchen

besser klingen

egli ist eine fischart im bodensee

ich denke wenn ich sie esse an eklig

es ist eklig

tiere zu essen

beherrschen den freien fall

auf allen vieren ankommen

und neu ansetzen

den sprung über das entsetzen

immer wieder neu üben

neben mir stehen

und mir zuschauen

manchmal erkenne ich mich sogar

spiegel sind unzuverlässig

manchmal zeigen sie mich dick mal dünn

nie zeigen sie

was ich sehen möchte

mit den fischen

auf dem grund gehen

hinabtauchen

einen schimmer bekommen

von dem nicht sichtbaren

durch die welle hindurchtauchen

als seist du ein teil von ihr

zum meer werden

der sonne danken

für jeden neuen tag

und dass sie sich

nicht immer zeigt

nicht auf das kommende warten

es verhindert das jetzt

es einfach kommen lassen

die bäume

sie winken mir zu

meine treuen begleiter

selbst tief eingeschneit

verlieren sie das hoffen nicht

meine erfahrungen teilen mit der zeit

und sie hinschenken

zu zeiterfahrungen werden lassen

durch die zeit erfahren

eine verbindung herstellen

zwischen mir und mir

von der die ich einmal war

zu der die ich sein werde

dazwischen die
die ich bin

die hände pressen

die hände fest zusammenpressen

als könnte ich ihnen

eine wortentscheidung abringen

dem abend entgegenschauen

in seine dunkelheit fallen

und mich fallen lassen

aus dem tag in die nacht

jetzt lesen

lesen

dass die welt nicht mehr ist

was sie einmal war

so sehr
haben wir uns verändert

je härter der winter

desto grösser die frucht

sagt karlwilhelm

und nun taut es schon wieder

angst haben

dass sich die worte einmal erschöpfen

obwohl sie zahllos zur verfügung stehen

finden ist das problem

unter meinem hut mein haar

unter meinem haar mein kopf

unter meinem kopf

wenn ich das wüsste…

rosadora

MONDKRINGEL…

nichtbilder_281108_lx3-001_400.jpg

im sternengeflecht
die mondin
erwarten

sie macht die nacht
zum tag
setzt nachtgeschichten
an den saum des himmels

verschweigt
das laute geschäft
des tages

streut mondkringel
für mondtänzerinnen

rosadora

W A L P U R G I S . . .

heute, vor siebzig jahren, wurde ich an einem kleinen see in der karlsaue gezeugt.
eine hexe also. dessen waren sich meine eltern nicht bewusst. ein kind der liebe, sagte mir mein vater,
noch kurz bevor er starb.
diese liebe – ich habe sie mein leben lang ersehnt. sie war ihm im krieg verlorengegangen.
weil er im krieg war, sagte er, habe er dort, wo andere ein herz haben, einen stein………

rosadora

300408_walpurgis_roter-himmel-004_500pix.jpg
20 uhr 45 – blick aus meinem fenster – walpurgisabendröte
die hexen kochen das grün ins rot…
Weiterlesen