
die grossen, braunen blätter der magnolie verbiegen und winden sich herbstlich zu kleinen näpfchen oft oder zu einer schale. sie fangen wasser auf, das leuchtet und spiegelt, wenn die sonne herauskommt – wasser vom himmel… Continue reading

die grossen, braunen blätter der magnolie verbiegen und winden sich herbstlich zu kleinen näpfchen oft oder zu einer schale. sie fangen wasser auf, das leuchtet und spiegelt, wenn die sonne herauskommt – wasser vom himmel… Continue reading

herbst spiralt
hinab
rennt die wege entlang
und übers gras
legt sich als teppich
behutsam über die erde
lässt sich einfangen von ihr
und beschützen
verwandelt sich
in winter und frühling
in einer bunten feier
verabschiedet er sich
herbst Continue reading
friedenspreis des buchhandels 19.10.08

die dankesrede von anselm kiefer erforderte höchste konzentration.
von der kabbala zu ingeborg bachmann, nelly sachs, dem talmud, paul celan, chassidischen erzählungen, um nur einige zu nennen, schlug er den bogenzu sich und seinem werk, um immer wieder einen ‚leeren raum’ aufzuspüren in scheinbar vollen und vollgestopften hallen. Continue reading



…
ist es ein lebendig wesen,
das sich in sich selbst getrennt?
sind es zwei, die sich erlesen,
dass man sie als eines kennt?
…
joh. w. goethe

im alten china waren die ginkgoblätter und –nüsse
lange zeit das zahlungsmittel.
das sollte man doch wieder einführen und die banken und die zinsen und den ärger damit abschaffen…
s. ginkgo museum weimar

er ist ein schmeichler – der herbst. und nicht nur er – auch r. m. rilke malt mit worten schmeichelhafte bilder, die an die ewigkeit reichen (um in seinen bildern zu bleiben).
die ‚fernen gärten in den himmeln’ laden ein zum ausruhen. ich möchte für immer darin bleiben, mich zu den blättern legen, mich betten, zum letzten.
doch die erde ist schwer, sie fällt, sie fällt – und das nicht nur bei nacht. es ist tröstlich zu denken, dass sie es nur bei nacht tut. die gärten entfernen sich immer mehr, auch meine vorstellungen, auch ich. und die blätter – sie fallen und fallen.
und die einsamkeit wird grösser… Continue reading

es gibt nicht totes, es sei denn, du tötest es…
was du ablegst ins nichts, ist für dich tot – nur für dich.
die blätter fallen, aber sie sind nicht tot.
in ihren bunten farben sind sie lebendiger denn je.
in ihrem scheinbaren zerfall gehören sie für eine weile der erde an,
werden verwandelt, halten inne, brechen erneut hervor.
der kreislauf ist geschlossen, war immer geschlossen.
es fällt nichts heraus aus dieser welt. Continue reading
die farben im oktober – ein rausch.

heute erst entdeckte ich das gedicht von carl zuckmayer, der im überschwang durch den oktober ‚rauscht’, wie er heute (der überschwang) in der lyrik so nicht mehr geäussert wird. knapp sind die äusserungen und haben ihre berechtigung – knapp aber sind auch die wahrnehmungen und empfindungen geworden, wo es um naturerlebnisse geht.
natur – unsere lehrmeisterin, unsere trösterin, energiespenderin, begleiterin – ewige mutter, von der wir kamen, die uns erwartet am ende unserer zeit… Continue reading
HERBSTTAG

herr: es ist zeit. der sommer war sehr groß.
leg deinen schatten auf die sonnenuhren,
und auf den fluren laß die winde los.
befiehl den letzten früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere tage,
dränge sie zur vollendung hin und jage
die letzte süße in den schweren wein.
wer jetzt kein haus hat, baut sich keines mehr.
wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange briefe schreiben
und wird in den alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die blätter treiben.
rainer maria rilke

das leben ist eine mohrrübe – weiter nichts, antwortete anton tschechov auf die frage von olga, was das leben sei.
wenn ein schriftsteller und arzt diese frage nicht beantworten kann, wieso sollte ich mir dann den kopf zerbrechen und formulierungen finden, die alle nicht stimmen.
wenn ich es trotzdem versuche, kommt so etwas heraus wie: das leben ist das, was du daraus machst – oder, das leben ist alles und nichts – das leben ist verheissungsvoll und nichtig, jenachdem – das leben, um im bilde von tschechov zu bleiben, ist eine gurke.
manchmal ist es wie eine grosse pfütze – du spiegelst dich darin, du springst darüber oder fällst hinein. du musst auf sie aufpassen, damit sie nicht austrocknet und verschwindet. ebenso wird es sich mit der welt und dem leben verhalten, eines tages ist es einfach verschwunden…

lege oder setze dich unter einen laubbaum. suche dir zwei schöne blätter aus und bedecke damit deine stirn oder deine augen. lasse bilder entstehen, wie das kleine blatt, noch ganz knospe, heraus will an die sonne, an den wind, den regen trinken möchte und erfahren, was tag ist und was nacht, wieviel zeit es draussen verbringen wird in einem jahr, ehe es sich wieder ins innen zurückzieht.
sei du selbst ganz blatt und schnuppere den duft, den es verströmt und präge dir ein, wie eine birkenblatt riecht oder das eines ahorns.
nimm diese gefühle in dich hinein und trage sie mit nachhause, damit du noch eine weile davon zehren kannst. Continue reading