VON DER SONNE DURCHSTRAHLT…

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wie leben bäume mit dem wechselnden licht des tages –
mit der sonne, die sie durchstrahlt,
mit dem wind, der sie durchstreift,
mit dem regen, der ihr laub glänzend erfrischt
oder mit dem sternenhimmel?
mit den vögeln, die von ihnen zum himmel aufsteigen,
mit vielerlei getier zwischen wurzeln,
stamm und zweigen?
still, festgewurzelt in der erde
und doch ständig wachsend in bewegung,
mit allen elementen in verbindung,
kräfte empfangend aus erde und wasser,
von sonne und mond, winden und lüften,
der kälte wie der wärme ausgesetzt.

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kein anderes lebewesen spiegelt den kreislauf des jahres wie sie:
im steigen ihrer kräfte, im schwellen ihrer knospen,
in ihrem zarten frühlingsgrün und himmlischen blühen,
in ihrem überfluss und flammenden herbstlaub,
ehe sie ihr leben ganz in sich zurückziehen.
und in der grossen winterruhe, die sie überkommt,
bereiten sie den neuen frühling vor.

gerda gollwitzer

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dann
tragen die lüfte
planetendunst
durch den morgen.
von einem anderen gestirn
niederfallen silbertropfen.
man atmet
den wechsel
der jahreszeit,
von der feuchte zum wind,
vom wind zu den wurzeln.
träume speichernd,
wirkt unter der erd
abgründiges, dumpfes
zusammen
kauert die erdkraft sich,
der gürtel
der fruchtbarkeit
schliesst
seinen ring.

pablo neruda

IM HOHEN LIED DER BÄUME…

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ganz neu, diese gegend,
ganz neu, mein blick,
ganz neu das gefühl zwischen so viel leben, soviel sterben,
beschienen von einer zärtlichen herbstsonne.
die lieder der farben,
sie beginnen im wind zu säuseln, zu singen gar.
farbsinfonie – welch wunderbare töne.
ich beginne zu schweben,
falle ins steppengras,
brombeerzangen klammern.
sonne wirft lange schatten,
in die ich mich stelle,
um gegen das licht
schauen zu können.

die blicke gleiten,
rutschen auf baumschwingen,
machen halt an markantem,
finden sich ein im hohen lied der bäume.

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GELBE STROPHEN…

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gelbe strophen

im regen losgelaufen
und festgestellt,
wie alles intensiver duftet,
die verhaltenen farben
auch ihren reiz haben,
der entschluss belohnt wird.

und wenn sich später die sonne zeigt,
wenn ein herbsttag so zuende geht,
wird einem ganz froh ums herz
und man wagt zu denken,
dass es ein erfüllter tag war.
die sonne im bunten laub,
zieht in bann.
ich wende mich noch einmal um,
lasse den tag vorbeiziehen
wie einen film, den ich mir wünschen,
aber nicht selber aussuchen konnte.

das kleine glück
in gelben strophen

ROT WIE… WEISS WIE… KOHL AUF DEM FELDE…

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keine kohlfelder in diesem jahr in unserer gegend. ich hatte gehofft, wieder felder zu finden – zu fotozwecken selbstverständlich.
diese fotos sind zwei jahre alt.
wie blumig die gebärden –
beschützende, traurige, himmelhochjauchzend sie sind.
mich anrühren lassen von der gebärdenfreudigkeit der kohlköpfe.
gummistiefel sind schon angebracht, wenn man sich ihnen nähern will.
und neugier, damit aus der assoziation kohl ein ungewöhnliches bild wird.

vielleicht finde ich noch ein feld.
ich werde durchs land fahren und die augen auf tun.

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MEIN HAAR WIRD GRAU…

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mein haar wird grau
angesichts
dass die blätter fallen und
angesichts
dass mein haar wird grau
sehe ich
dass wir sterben müssen
mitten im leben
begegnet es uns
lassen müssen wir
ganz leicht werden
noch in dieser zeit
damit einst
unsere seele steigen kann
sich hindurchschlängeln kann
auf den sternenbahnen
auf unserer reise
zur grossen mutter
der zeit
zur zeitlosen moira
die schicksal gibt
und schicksal nimmt
ganz wie ich will

rosadora

WAS IST DAS LEBEN…

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was ist das leben…

das leben ist eine mohrrübe – weiter nichts, antwortete anton tschechov auf die frage von olga, was das leben sei.

wenn ein schriftsteller und arzt diese frage nicht beantworten kann, wieso sollte ich mir dann den kopf zerbrechen und formulierungen finden, die alle nicht stimmen. wenn ichs trotzdem versuche, kommt so etwas heraus wie: das leben ist das, was du daraus machst – oder, das leben ist alles und nichts – das leben ist verheissungsvoll und nichtig, jenachdem. das leben, um im bilde von tschechov zu bleiben, ist eine gurke.

manchmal ist es wie eine grosse pfütze – du spiegelst dich darin, du springst darüber oder fällst hinein. du musst auf sie aufpassen, auf die pfütze, damit sie nicht austrocknet und verschwindet. mit der welt und dem leben wird es sich ebenso verhalten – eines tages sind sie einfach verschwunden…

ist der traum wirklichkeit
oder die wirklichkeit traum
was
wenn nichts wäre
was
wenn das nichts alles ist
meine traumwirklichkeit
füllt das nichts
im wirklichkeitstraum
fällt es heraus
nichts ist alles
alles ist nichts
relativ
die betrachtensweise
aus dem nichts kommen wir
in das nichts gehen wir
und wo sind wir jetzt

rosadora

DER SEEROSENGARTEN…

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den seerosengarten so in ruhe vorzufinden, bedarf einer grossen inneren umstellung.
vor ein paar wochen noch leuchteten mir die seerosen in ihrer ganzen schönheit entgegen.
nun wollte ich die herbstfärbung einfangen mit meiner kamera und meinen sinnen.
das war nicht so einfach. es ist eine gut umsorgte und aufgeräumte anlage. der neue rasenschnitt in leichten schwingungen sagte mir, dass das in liebevoller weise geschieht.

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ein herbstlicher wind erzeugte das klappern der pappelblätter. hier und da fiel ein blatt in einen der teiche, fast unauffällig wegen der ähnlichen färbung.
die seerosenblätter lagen fast alle flach auf dem wasser – die unordentlichen und in fäulnis übergehenden waren wohl gerade weggeräumt worden. aber gerade sie sind es, die das vergehen der pflanzen zeigen und das stirb und werde anschaulich machen.

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das sehen wird zur anstrengung, wenn nicht augenfällig ist, was zu einem bild taugt. es dauerte einige zeit bis ich mich eingesehen hatte und das, was ich sah, für ein motiv als tauglich befinden konnte.

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immer wieder setzte ich mich auf eine der steinbänke, um meine augen und meinen rücken auszuruhen. hin und wieder kam auch die sonne zaghaft hervor. als sie sich dann gänzlich zeigte, war ich mit meiner energie am ende.
es wird noch ein nächstesmal geben und schauen, wie die seerosen den winter überdauern.

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fotos aufgenommen im
SEEROSENGARTEN BOLLERHEY
rothwesten