

wie leben bäume mit dem wechselnden licht des tages –
mit der sonne, die sie durchstrahlt,
mit dem wind, der sie durchstreift,
mit dem regen, der ihr laub glänzend erfrischt
oder mit dem sternenhimmel?
mit den vögeln, die von ihnen zum himmel aufsteigen,
mit vielerlei getier zwischen wurzeln,
stamm und zweigen?
still, festgewurzelt in der erde
und doch ständig wachsend in bewegung,
mit allen elementen in verbindung,
kräfte empfangend aus erde und wasser,
von sonne und mond, winden und lüften,
der kälte wie der wärme ausgesetzt.

kein anderes lebewesen spiegelt den kreislauf des jahres wie sie:
im steigen ihrer kräfte, im schwellen ihrer knospen,
in ihrem zarten frühlingsgrün und himmlischen blühen,
in ihrem überfluss und flammenden herbstlaub,
ehe sie ihr leben ganz in sich zurückziehen.
und in der grossen winterruhe, die sie überkommt,
bereiten sie den neuen frühling vor.
gerda gollwitzer





























