DIE HOHE KUNST DES NÄHENS…

ISTVÁN CSÁKÁNY
the sewing room

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zuerst eine nähwerkstatt, wie sie ästhetischer und staubfreier nicht sein kann.
kunst in doppelter hinsicht: zum einen die subtil und in mühseliger klein- und feinarbeit gefertigten nachbildungen der maschinen und einer ganzen nähwerkstatt – alles ist genau so, wie es war, als die produktion eingestellt wurde.
in holz gearbeitet strahlen die gerätschaften wärme aus, räumen dieser kühlen, aufgeräumten, menschenleeren atmosphäre etwas wie andacht ein. es ist wie eine verbeugung vor den arbeiterinnen und arbeitern, die einmal an solchen arbeitsplätzen geschafft und geschaffen haben.
zum anderen ist die massarbeit von anzügen hohe kunst, hohe kunst der arbeit. arbeit ist ein teil jeder kunst, ob handwerklich oder gedacht.

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eingefrorene zeit. sie bringt mich in eine zeit, die einmal war. mir fällt ein: SINGER. ich selbst habe auf einer singer-nähmaschine, ähnlich diesen modellen, genäht, meine mutter hat darauf genäht, mein grossvater, den ich nie kennengelernt habe, war schneidermeister.
es fällt mir weiter ein, dass ich mir als vierjährige mit der nähnadel durch meinen zeigefinger stach. meine mutter steckte mir den finger kurzerhand in einen becher mit wasser, das sich sogleich blutrot verfärbte. ich war so stolz auf mein blut und dazu gleich einen ganzen becher voll. vom nähen hat es mich nicht abgehalten.
nach dem krieg war nähen auch eine kunst. meine mutter nähte alles, vom kleid, über unterhosen und stoffschuhen bis hin zur gardine, einfach alles. später tat ich das auch.

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der sewing room ist also ein raum der erinnerungen. er erinnert an vergangene zeiten und den damit verbundenen erlebnissen und ereignissen. schade, dass ich mich nicht einmal an eine der maschinen setzen darf.
es geht auch mal wieder, wie bei so vielen werken darum, dass die verbindungen unterbrochen sind. sie sind durchtrennt, abgerissen. das abgetrennte finden wir in unseren erinnerungen wieder.

Ein Gedanke zu “DIE HOHE KUNST DES NÄHENS…

  1. Wow, und das alles aus Holz!! So klasse!!
    Ich habe meine Singer noch und nähe, wenn ich mal wieder umziehe und Gardinen brauche oder so. Habe für meine Tochter früher genäht..
    Näherinnen für elend wenig Lohn – und dann werden die Sachen in Billigläden verkauft – haben ja nicht viel in der Herstellung gekostet…
    Solche Dinge fallen mir dann ein.

    ..grüßt dich Monika

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