DAS MACHT, ES HAT DIE NACHTIGALL…

ROSENINSEL KASSEL WILHELMSHÖHE

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stehe
zwischen den rosen
sehe
fotografiere
empfinde
empfinde
grosse freude
schmerz auch
der sich legt
auf den bogen
des beginns
der gegenwart
und des sterbens
stehe
schaue nach innen
wo es beginnt
das leben
wo es ende

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die gesten der rosen, die spielerisch und unbewusst dies alles vollziehen, rühren mich an. in bildern versuche ich zu fassen, was ich nicht verstehen kann. ziehe parallelen zwischen menschenleben und rosendasein.
vergänglichkeit ist in diesen tagen schon deutlich. blütenblätter, die sich einrollen, die sich verfärben vom zartesten rosa ins braune, die zu boden fallen, das oben, zwischen und unten versinnbildlichen. und immer wieder noch neue knospen. der kreislauf öffnet sich, schliesst sich, fällt ins nichts, das uns unbegreifliche.

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Das macht, es hat die Nachtigall 

die ganze Nacht gesungen

Da sind von ihrem süßen Schall

da sind in Hall und Widerhall

die Rosen aufgesprungen

theodor storm (1817 – 4.7.1888)

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es ist der 4. juli, der todestag theodor storms. er hat diese wunderbaren zeilen geschrieben. aber schillernder noch werden sie mir durch den vortrag von jessye norman. ihre stimme, ihre mimik, ihre gesten – niemand kann einem inneren erleben so sehr gestalt geben. ganz rose, ganz aufspringen, ganz freude. ihre hände, ihre zarten gebärden – mit ihnen lässt sie die rosen aufspringen, langsam und unbemerkt nach rosenart.
ich fühle mich reich beschenkt an diesem tag. fast verliebe ich mich ein bisschen in diese frau mit dem wunderbar klassischen gesicht und der noch eindrucksvolleren stimme. sie sagt:

ICH LEBE ALLEIN
IN MEINEM HIMMEL
MEINER LIEBE
MEINEM LIED

ICH BIN GLÜCKLICH

eigentlich wollte ich von der roseninsel schreiben. aber so ist es auch gut. es zeigt, was sich zwischen den rosen so tut. es tut sich viel. interessante menschen traf ich noch und wir begegneten uns im gespräch. rosen sind eine wunderbare überleitung zu gesprächen anderen inhalts.

AGAPI MOU…

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…oder der text im küchenschrank…

da hängt er
der text
schon einige jahre
ich weiss nicht
wie lange
er hängt

heute rührt er mich besonders an. ich weiss nicht, warum. dabei will ich mich doch nicht anrühren lassen – nicht von diesem text.
ich könnte ihn entfernen, damit er mich nicht täglich anspringen kann. aber er geht nicht weg.
hartnäckig beharrt er auf seine gültigkeit – für immer.
als ob es das gäbe – für immer. aber so, schrift geworden, beharrt er auf seine gültigkeit.
hatte er je gültigkeit?
er behauptet es. wenn er je gültigkeit besessen hat, so ist er heute nur noch erinnerung.
ich hasse erinnerungen. meine erinnerungen bringen es nicht fertig, sich zu sondieren in gut und schlecht, so dass ich das eine oder das andere abrufen könnte. deshalb rufe ich nicht ab.
auch nicht in diesem falle. es hat mich gerufen.

es war wie es war und es ist wie es ist, basta…