
im himmel ist hoch-zeit
vögelmusik lädt zum tanzen ein
die herzen bewegt’s

im himmel ist hoch-zeit
vögelmusik lädt zum tanzen ein
die herzen bewegt’s

Wo sind
die Auferstandenen
die ihren Tod
überwunden haben
das Leben liebkosen
sich anvertrauen
dem Wind
kein Engel
verrät
ihre Spur
ROSE AUSLÄNDER –
einhundertacht – 108 – wäre sie heute geworden.
‚Das Leben liebkosen’ – wie jung ihre Gedanken sind, so nahe dem Tod, und den fühlte sie in den letzten Jahren ihres Lebens ständig. Sie sprang ihm von der Schippe, immer wieder, sie (Rosalie Scherzer) reichte ihm scherzend ihre Hand, spielte mit ihm. Den Spieltrieb hat sie sich erhalten. (Ich spiele noch).
‚Das Leben liebkosen’ – so spielerisch und leicht es sich anhört, so sehr kostete es ihre ganze Seelenkraft, sich gefühlsmässig dem Leben in ihren Gedichten (wieder) zuzuneigen, nach allem, was sie erlebt hat.
‚Das Leben liebkosen’ – fast eine Empfehlung in den Tag hinein, für einen Moment den Auferstandenen folgen, behutsam ihre Hinterlassenschaften in Augenschein nehmen, sie drehen und wenden und schauen, was sie uns sagen, uns dem Wind anvertrauen in unserem Nichtverstehen und den Engeln danken, dass sie in ihrer Nichtspur einen Lichtschein hinterlassen haben.
Ich lese ihre Gedichte und immer wieder neu.
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rosadoratruemper@t-online.de

Immer
die Mailiebe
die auf den Blütenleim
geht
dem süssduftenden
Geheimniss
des Frühlings
nicht widerstehen
kann
Liebmai Liebmai
lass gut sein

Die Mondin spricht
lässt silberne Schwingen herab
auf denen ich reite
zu meiner Geliebten
in mondheller Nacht
den Sternen gefällts

Den Schlangenbiss
zulassen
weise werden
im giftigen Traum
den Dämmerschlaf beenden
den Schleier der Erkenntnis
lüften
Eva wird Ave

Mein Schaukelherz
schwingt im Jasmin
meine Sommerhaut
zirpt nach deinen Blütenfingern
Hochzeit feiern wir
wie in jedem Jahr
und die Nachtigall
und die Nachtigall
könnt nicht schöner singen
leise erklingt ihr Lied
und immer leiser

Heilige (HAGIA), die Göttliche (DISE)
als hagazussa sind ihr beide seiten der welt vertraut. eine seite wurde abgespalten. sie ist die brücke zwischen den diesen welten.
nie musste der spakat, den die hagazussa machen muss, gespreizter, geöffneter, dem fremden mehr zugeneigt sein, als jetzt.
alles muss neu werden, nichts kann hinübergerettet werden. nicht ein einziges fitzelchen vom alten können wir mitnehmen auf die andere seite. was wir nicht freiwillig loslassen, wird uns abgeschlagen, abgenommen, entrissen. die andere seite, wir können sie in uns finden.
lasst uns tanzen, ihr hexenfrauen, tanzt rüber und nüber, alles entsteht neu, in diesem moment.

den poesiestern
leicht
auf die geöffnete hand legen
ihm schöne augen machen
das losungswort verraten
flüstern
als würden wir ihn
im schlaf stören
den stern
gewiss sein
dass er es hört
behutsam
an seiner seite gehen
wenn er sich langsam
ganz langsam
in den tag bewegt
„Wir müssen das Alltägliche in Poesie verwandeln.“
– Robert Stern –