BIOTOP AM BAHNHOF…

WIE IM EILTEMPO…

und bei der großen hitze fast ganz ohne regen, wächst dieses biotop heran – ganz ohne zutun. es ist, als ob es sich beeilt, die ganze fläche zu vereinnahmen. die pflanzen dehnen und strecken sich, kriechen am boden. der sommerflieder schießt den vogel ab. er kriecht nicht zu kreuze, nein, bäuchlings schiebt er sich, wird breit und üppig, fast übermütig. violett und weiß präsentiert er sich, verziert damit die letzten sommerlichen tage.

ganz verzweifelt bin ich, weil ich einige der pflanzen gar nicht benennen kann – so viel unwissenheit. wenigstens finde ich sie gleichsam alle schön und interessant. ein admiral begleitet mich – oder begleite ich ihn? einem rotschwänzchen sagt dieses ausnahmegebiet zu, letztens sogar ein hase – immerhin.

das gebiet ist eingezäunt und hält mir die außenwelt ein bißchen vom leibe. biotopische sonderstellung. ein zug und noch einer – wie aus einer anderen welt. die abendsonne schmeichelt und auf dem frauenhofer-gelände ist auch ruhe eingekehrt.

BOMBE AUS DEM ZWEITEN WELTKRIEG…

am ständeplatz in kassel…

sammelplatz der hilfskräfte für die sicherheit und evakuierung ist die joseph-beuys-strasse am alten hauptbahnhof.

ab 18 uhr ist hier richtig was los. ich hatte das bahnhofsbiotop fotografiert und gerate dazwischen – zwischen jetzt flott eintrudelnde fahrzeuge und eine meute junger männer. joseph beuys hätte sich über diesen aktivitätenstart sicher gefreut – endlich mal was los. ich mische mich dazwischen, mache mich schlau, was da geplant ist.
von gesprächen über die evakuierung hin bis zu schwelgende erzählungen über die verträglichkeit von katzen und hunden – ich habe einen kater aus sifnos geschmuggelt vor 13 jahren – geht es ganz lebhaft zu. andere sitzen am boden, warten auf ihren einsatz.

die bombe wurde gefunden am ständeplatz, am neuen haus dem Gelände der Evangelischen Bank, früher mal Allianz Lebensversicherung. da hab ich gearbeitet als buchhalterin und bin täglich über die bombe gestiegen, ohne davon zu wissen. ich äußere leichtfertig, dass die nach dem krieg erbauten häuser doch ruhig in die luft gesprengt werden könnten – sie strotzen vor hässlichkeit und sind beileibe kein schmuck für die stadt – naja…
achja, ich kann mich noch an den vorfall erinnern, dass unterhalb der allianz eine alte frau ein grundstück mit haus und garten besaß, das sie nicht frei geben wollte zur weiteren bebauung. da gab es eifrige gespräche und ich bewunderte die alte wegen ihrer hartnäckigkeit.

wo der sammelplatz für die zu evakuierenden ist frage ich – das wissen die männer nicht – noch nicht. dass sie besonders angespannt wären, kann ich nicht sagen. wahrscheinlich sind solche einsätze alltag bei ihnen.
noch ein gespräch hier und eines da – ich sammle eindrücke – wie frederick…

HENSCHEL II…

GROSSE HALLE – FÜHRUNG MAX…

HENSCHEL – das war eine entdeckung für mich – sozusagen von innen nach außen.
IBRAHIM MAHAMA veranstaltet zur d14 in einer der hallen seine performance. jutesäcke wurden in großer zahl zu einem riesigen ganzen zusammen genäht von freiwilligen – das waren insbesondere studentinnen. ich ging, um die aktion zu fotografieren und blieb hängen in für mich interessanten gesprächen und kam mehrmals wieder.

zuerst entdeckte ich die wahnsinnsarchitektur und das morbide der alten halle. später dann beschloss ich, mir den ganzen gebäude komplex anzusehen – suchte nach jemandem, der mich in das innere einer halle hinein lassen konnte.
der stand plötzlich – wie aus dem nichts – vor mir. er hatte die schlüssel in der tasche – einfach so.
er ließ mich in eine der größten hallen hinein und hängte sich an meine fersen. ich war überwältigt. morbide – das scheint ein lockvogel für mich zu sein. ganz genau schaute ich mich um und max machte das spiel mit. er erzählte auch von den arbeitern, die in dieser halle lokomotiven und sonstwas zusammenbauten.
am ende bedankte max sich bei mir und ich meinte, dass ich mich bei ihm bedanken müßte für seine geduld. nein, sagte er, er sei ja schon oft durch die halle gegangen, aber sooo hätte er sie noch nie gesehen.
henschel – das ist eine weltbekannte firma und die gebäude sprechen noch heute bände.
heute ist sie zwar in fremden händen – ein investor sagt man. aber ich hoffe, dass er das werk nicht abreissen und fremdbestimmen wird, in wohneinheiten sozusagen.
zur zeit nutzen es einige kleine firmen und studentinnen und studenten, aber die großen hallen wären eine möglichkeiten für veranstaltungen, wie z. b. die documenta.

http://regiowiki.hna.de/Henschel#Werk_Rotenditmold.2F_Wolfhager_Stra.C3.9Fe

https://de.wikipedia.org/wiki/Sophie_Henschel

siehe auch im blog

SOPHIE HENSCHEL – sie leitete 16 jahre die geschicke der firma und schuf viele soziale einrichtungen in kassel

LANDSCHAFTEN…

hier FELDER UM DORLA herum
kreis fritzlar homberg…

herbstlandschaften

felder weit und breit – abgeerntet – leeres land, das nicht leer ist.
wie ein geschenk für mich als fotografin und künstlerin und heute
ein weiteres geschenk dazu – wolkengebilde einmalig schön.
sie schmücken meine bilder, geben ihnen einen glanz drauf,
der nicht so ohne weiteres und schon gar nicht immer zu haben ist.

sie, die wolken, waren der grund, weshalb ich mich auf die sprünge machte.
immer mal wieder reizen mich diese landschaften oder felder. sie geben
einen so weiten atem in die bilder und in mein herz, das ich ganz schön verwöhnen muß.
und wenn ich sie später dann wieder anschaue, schließen sie mich ein –
es ist später auch das in-ihnen-mich-wiederfinden – so etwas wie geborgensein.

in der landschaft habe ich als kind gewohnt und sie lockt mich immer wieder.
felder sind mir vertraut.

KOHLFELDER…

DORLA, WEHREN, WERKEL, LOHNE
sind des hessenlandes krone…

werkel nimmts mit blaukraut auf –
dorla mit wirsing

ich genieße es, wieder auf meinen eigenen beinen ins feld zu laufen zu können.
es ist ein gutes gefühl. die kohlköpfe symbolisieren so etwas wie fülle und reife.

und immer treffe ich menschen – sogar in einem kohlfeld. da kommt timo gelaufen
mit rucksack. von kassel will er in ein dorf bei fritzlar. das ist noch ein gutes stück
zu gehen. seine ma hat geburtstag. dass ich ihn die reststrecke fahren könnte,
lehnt er ab. er will durchhalten. architekturstudent – das liegt mir. wir quatschen
ein weilchen undaus der nähe betrachtet erscheint ihm der kohl fotogen.

in dorla klopfe ich bei meiner schulfreundin ilse aus kindertagen. die verrät mir,
dass es richtung gudensberg noch einige kohlfelder gibt. den tip nehme ich gerne und
halte dort auch noch mal an. da habe ich als kind kornblumen, mohn, kamille, margeriten
und rittersporn gepflückt. blumenkind – schon immer…
von den blumen auf denkohl dekommen – naja, die blumen gibts heute eben nicht mehr.

FRAUNHOFER BAUSTELLE II…

BESPRECHUNG BEI SCHÖNEM WETTER…

die vielen gehäufelten erdberge – was soll mit ihnen werden? der sechsertrupp wirds herausfinden und evtl. erfahre ich es auch. ich bin weggegangen, weil es mir zu heiß war. muß noch vorsichtig sein und selbst gut auf mich aufpassen. heute war alles besser ausgeleuchtet – aber was solls.

wenn die erdberge verschwinden, ist auch die zeit der pflanzen vorbei. schade, als biotop war es sehr interessant für mich. es sind zum teil sehr giftige pflanzen. ich habe es herausgefunden, weil ich sie probiert habe – bitter, bitter, bitter… die scheinen mit der hitze gut zurecht zu kommen und finden immer wieder einen weg ans licht.und der molkerei-schornstein – der keiner mehr ist. jetzt ist er wie ein zeigerfinger auf allen – nein, auf vielen meiner bilder. schon beim abbruch hat er das geschafft und ich muß sagen, dass er mich auch reizt – so als orientierung vielleicht oder als erkennungszeichen.

FRAUNHOFER BAUSTELLE…

IN DER WARTESCHLEIFE…

die arbeiten sind seit wochen eingestellt wegen insolvenz einer firma, die bohrtürme sind verschwunden und bohren in der zwischenzeit sicher woanders. es geht nicht weiter. dass ich heute früh alleine auf das baugrundstück durfte zum fotografieren, war ein geschenk. zwar war die sonne zögerlich und es gab nicht die rechte beleuchtung für meine fotos, aber immerhin.
überall schön gehäufelte erdberge, ein teil schon durchgerüttelt und nach kampfmitteln abgesucht, ein anderer teil wartet noch darauf. die berge haben in der zwischenzeit versucht, ein neues biotop hervorzubringen – das wäre dann das dritte seit 2014, dem ich hinterher bin.
die natur wartet auf mit ungeheuren kräften, das erstaunt mich immer wieder. die vielzahl der pflanzen und ihr rasches hervortreten ist einmalig – und dazu bei der trockenheit der letzen monate.
den platz muß ich erst erkunden um beste blicke wählen zu können, die hier in ihrer art einzig und nicht ganz einfach aufzufinden und einzuordnen sind. das erste mal sich durch die ordentliche unordnung zu bewegen und die bildausschnitte einzufangen ist ganz schön anstrengend, und manchmal eröffnet sich etwas einfach so. überraschungen sind schöne belohnungen und neugier ist wohl teil meines tuns.