BAHNHOF UNTERGRUND JULI 2017…

es war abbruchzeit. der zoll- und verladebahnhof war schon gefallen – niedergeschubbst. jetzt war die ladestrasse an der reihe. mit akribie und ausdauer hatte ich den abriss – also das verschwinden – der barackenähnlichen häuser fotografiert und gefilmt.
ich begegnete einem bahnbeamten, der erzählte mir von der unterschicht oder – etage, die unter der ladestraße ihr restdasein verbrachte. mit begeisterung erzählte er von stillgelegten aufzügen und räumen, die von dem abriss evtl. noch betroffen sein könnten.
dass diese räumlichkeiten – und es waren nicht wenige und keine kleinen – auch verschwinden würden, konnte ich nicht einfach so hinnehmen. ich bat darum, sie fotografieren zu dürfen, damit sie nicht sang- und klanglos einfach verschwinden würden und sich niemand mehr daran erinnern würde.
der BB lies sich überreden und ermöglichte mir ein einsteigen in die unteretage. er führte mich um viele ecken durch alle räume und leuchtete sie mir aus mit einer taschenlampe.

in einer collage habe ich sie alle verewigt, damit auch ja keines verloren gehe. und im nachhinein bin ich stolz, diese idee und eindringlichkeit gehabt zu haben.


EIN BAHNHOF VERSCHWINDET…

heute abend wird im FS mein film
EIN BAHNHOF VERSCHWINDET
gezeigt:

https://www.lpr-hessen.de/medienprojektzentren/kassel/20:50

Ein Bahnhof verschwindet
von Christina Ecknigk, Baunatal
Seit 2014 hat die Künstlerin Rosadora den Abbruch des alten Zollbahnhofs hinter dem Kulturbahnhof
fast täglich fotografiert und gefilmt.

rosadora

WIE WOLKEN SPIELEN…

AM ALTEN BAHNHOF…

vielen objekten kann ich nicht mehr hinterher, deshalb entscheide ich mich für die, die zu mir kommen. wolken kommen und gehen, treiben ihr himmlisches spiel, verändern mir ein bild schnell oder auch langsam, aber gewiß. am alten bahnhof habe ich gute sicht und schöne zugaben. häuser, baracken, bäume und ähnliches lockern die sicht auf oder schränken sie ein – jenachdem.

seit 2012 bewege ich mich nun auf dem gelände. es ist mir inzwischen sehr vertraut und die vielen veränderungen und umschichtungen auch. keine gegend habe ich bisher besser kennengelernt als diese. den zoll- und verladebahnhof und die ladestrasse mit ihren gebäuden habe ich noch vor dem abbau sorgfältig und umfassend fotografiert und zusammen mit dem abbau in über tausend fotos und filmsequenzen aufgezeichnet.

beim wiederaufbau – fraunhofer – sind es über die jahre weit mehr geworden und ein ende ist noch nicht abzusehen. der bau steht, der innenausbau ist am laufen. und für mich ist eigentlich nur noch die fertige ausführung von interesse. also schaue ich von außen und schmücke die ansichten mit wolken und dergleichen. die wolken sind gute „schmücker“ und die gibt es in diesem jahr besonders reichlich.

FRIDAYS FOR FUTURE in K A S S E L …

EIN ZEICHEN SETZEN…

KLIMAKRISE auch in KASSEL angekommen + 1,5 ° C

chr. ist engagiert. er ist berufsschullehrer – seine schülerinnen und schüler konnte er zu dem demoausflug bewegen. er thematisiert, was er von dem klimawandel erhofft. ich treffe die gruppe nach ende der demo an der FRAUNHOFER baustelle hinter dem alten hauptbahnhof.

bei der menschenschlange, über deren anzahl gerätselt wird, vermisse ich aufklärende banner, eine kindergruppe brüllt noch laut und deutlich: AUTOS RAUS, AUTOS RAUS, AUTOS RAUS – na bitte – deutliche ansage.

KLIMASCHUTZ KENNT KEINE GRENZEN   greenpeace

eine FAIRE WIRTSCHAFT ist möglich

UNSERE WELT auf den schultern der jugend

und was sonst noch…

BIOTOP BAHNHOF…

EINST LADESTRASSE…

vorderseite

rückseite

plattgemacht

und heute…

BIOTOPE

oft zwischenakkorde und selten beachtet, überraschen mich immer wieder ob ihres ideenreichtums und vielfältigkeiten. die mich verwirrende frage ist, wo sie diese – fast kann man sagen BIOVERSITÄT – versteckt halten. lange zeit sind sie in dunkelheit und abgrund verborgen, um dann, sobald sie wieder ans licht befördert werden, fast zu prahlen mit irgendwie nicht erklärbaren blumen und gewächsen. wie lange hält ein samen das aus – vergraben und vergessen worden zu sein – wo und wie verbirgt er diese ausdauer.
hier am bahnhof gab es schon einige biotope – erst vor dem abriss des zoll- und verladebahnhofs. da erklärte sich die vielfalt wie von selbst durch seine beständigkeit über jahre.
nach dem abriss eine pause bis zum beginn des fraunhofer baues. staunen macht mich diese sprunghaftigkeit – wie herausgesprungen kommen sie – die blumen und pflanzen und hier sogar die bäume, die an größe mich immerhin in der kurzen zeit überwuchsen. nach der steten bebauung nun kein biotop mehr.
dafür in der einstigen ladestrasse – heute beuys strasse – der helle wahnsinn. nicht nur aus erde, sondern aus einem splitbelag heraus gelang es ihnen, in kürzester zeit diese fläche – gegenüber der fraunhofer baustelle – zu bespielen – könnte ich fast sagen. in diesem jahr zwar hohe pflanzen und büsche – doch in ihrem wachstum durch die trockenheit gestört und auch aufgehalten. vor zwei jahren noch freude durch das ausbrechen der kleinen pflänzchen – in diesem jahr dann die große enttäuschung durch die trockenheit.

BEUYS BÄUME UMBLÜHT…

HINTER DEM ALTEN BAHNHOF…

gerade zeigen sich die beuys-bäume hinter dem alten bahnhof, u. a. in der clara immerwahr strasse, umrandet von beginnender blumenpracht, und ich habe angst, dass diese pracht in den nächsten tagen, ehe es so richtig zur pracht kommen könnte, abgemäht wird, dass es trotz klimabedenken den ordnungsliebenden gartenbefugten einfallen könnte, alles abzumähen, wie im vergangenen jahr. da hatte es von mohn über , margeriten, wiesenknöpfen, schafgarbe, versch. kleesorten, flockenblumen, oranges habichtskraut und einige mehr hervorgebracht.


ich hoffe, ich hoffe, dass es in diesem jahr wachsen darf. ich werde es anregen.

wo die vielen beuys steine und bäume im nachhinein noch aufgetaucht sind, weiß ich nicht. aber sie sind da, dass sie in dieser noch trostlosen gegend an bedeutung gewinnen könnten, müssen wir abwarten. vielleicht, wenn fraunhofer dem ganzen eine angemessene sicht zukommen läßt…

dass mir diese neue art baum – säuleneiche – gefallen würde, kann ich nicht sagen. sie sieht sehr gezwungen aus und hält angeblich kalten wintern stand (aber ob es die hier noch mal gibt).

NOVEMBER-BIOTOP…

… AM ALTEN BAHNHOF

NOVEMBER-BIOTOP BAHNHOF…

der klälteeinbruch, der auf sich warten läßt, spielt auf meinem biotop eine wunderbare rolle – einige blüten schmücken den streifen längs der bahnhlinie noch. verschiedene, die nicht unbedingt von der kälte abhängig sind, sondern ihre zeit abgelaufen ist aus anderen gründen, ziehen sich zurück, fast möchte ich sagen – in sich zurück – und versuchen sich in den brauntönen.
ich werde beobachten, welche im nächsten jahr wieder erscheinen und welche einmalblüher/innen sind. sicher kommen auch noch neue hinzu, die es diesmal nicht gleich bis ans licht gebracht haben.
ich erfreue mich an allen, den kommenden und den gehenden. die abwechslung läßt mich auf der lauer liegen.

ns
dies ist mein TAGEBUCH und die wiederholungen zeigen die veränderungen auf….

BAHNHOF LADESTRASSE…

DEM ENDE ENTGEGEN…

es schreit zum steinerweichen – hält die ohren steif – und dotzt mit aller kraft die großen brocken klein. die werden verladen und weggeschafft zum recycling. der wegschlepper hat eine nummer aus dem kasseler raum.

der kasseler hauptbahnhof, der längst nur noch die nähere umgebung bedient, ist noch immer als hauptbahnhof beschildert. die unterkellerung muß noch dran glauben, dann ists gut – für was auch immer.
immer wieder reizvoll die freigelegten zerreiß- und abbruchbrocken vor dem nun freiwerdenden blick. ich halte jede kleine veränderung fest. das erinnern ist jetzt schon nicht ganz leicht.

ein einziger arbeiter baggert sich durch den bruch, lädt schaufel für schaufel alles auf einen riesigen lastwagen, eigens für solche transporte vorgesehen.
mir geht es noch nicht wieder so gut, als dass ich ihm oder ihnen, es sind zwei riesenteile, nachfahren könnte, um zu sehen, wo alles receycelt wird. frage demnächst einfach, wo sie abbleiben mit dem zeugs…
was mit dem freigeräumten platz passiert, weiß ich auch noch nicht.

BAHNHOF LADESTRASSE II…

achja: DIE BUDE IST WEG…

habe ich ja auch noch nicht – also, die bude ist weg. gelauert habe ich eine ganze lange weile und zum schluß noch am boden gesessen und gefilmt, wollte zeugin sein für das, was war und das, was nun nicht mehr ist. ich nenne sie buden an der ladestraße.
2014 wurde die andere seite abgerissen – also der zoll- und verladebahnhof – nun der rest.
lange standen sie leer – die buden – lange liegt es brach – das abgerissene land, auf dem fraunhofer bauen will. gut ding will ja weile haben – aber da ist sicher nicht die wartezeit – also die leere zeit – gemeint.

der vordere, weiß angestrichene, teil der buden soll stehen bleiben. wozu denn das – ich bin neugierig. niemand weiß von was, auch die bahnhleute nicht. der abgerissene teil war wie ein schutzwall – schall- und sichtmäßig. waren es seinerzeit die autos, die waren brachten und holten, sind es jetzt die kvg-busse, die am ende der ladestraße ihren rast- und wendeplatz haben. mit einem höllentempo fahren sie ein und wieder aus und teilweise im minutentakt. gar nicht so fraunhofer-like und mir gefällt das auch nicht.
am freitag ist die abrissfirma nicht da – da könnte ich… aber ich liege schmerzgeplagt auf meinem sofa – ischias hat mich im griff. laufen war nicht und sitzen war nicht und somit schreiben war auch nicht und erst heute…
wenigstens habe ich das letzte mäuerchen, das letzte fenster, den letzten stein noch im bild festhalten können. wenn sie wüßten, diese dinge, dass ich sie gebannt habe für immer, wären sie vielleicht nicht so traurig und eher neugierig auf das, was nun kommt, zwar voneinander gegtrennt, aber wer weiß…

BAHNHOF LADESTRASSE II…

WEG VOM FENSTER…

hier müßte es eher heißen: die fenster sind weg. als ich die bilder machte, waren sie noch da – nun sind nicht nur die fenster weg, die ganze bude ist weg…

etwas festhalten, wie es war – die erinnerungen unterstützen. und ich sage mir – das ist kunst. im bild sind sie schöner als in wirklichkeit – die fenster. die erinnerung sagt noch einmal etwas anderes – die verblasst eher. nicht unbedingt – sie kann auch schönreden. was ist schon erinnerung – und warum sollen wir uns an so etwas erinnern – fenster in den hallen der ladestraße… bleibt – warum sollen wir uns überhaupt erinnern – sollen wir das?