SIE WAR EINE IKONE…

SO SAH ANREA SAWATZKI EINMAL AUS…

foto: andreas brendel – wikipedia

ich kanns nicht mehr hören
SIE WAR EINE IKONE
SO SAH A. S. EINMAL AUS

diese artikelserie soll sofort gestrichen werden
sie ist so kopflos wie diffamierend
eine frau an ihrem äußeren zu messen
ist menschenverachtend und grenzenlos dumm
das ist rassistisch hoch 3

andrea sawatzki hat vieles geleistet
besonders in ihrer branche
mit ihrem besonderen aussehen wird sie für mich
immer interessanter – sie ist einmalig
wie eigentlich jeder mensch einmalig ist
sie belebt die szene

wir müssen es zu sehen lernen und achten
das alter achten ist in unseren breitengraden
sehr unterbelichtet

letztens im rewe half mir ein ausländischer
junger mann – ich bin 82 –
mein sohn sagte zu mir, dass er anders als bei uns,
das alter schätzt und ehrt,
und dass er das bei uns vermisst

die sichtweisen sensibel halten
und emphatie und hilfsbereitschaft groß schreiben
es wäre grandios

rosadora und danke

MITTEN IM LEBEN…

bot. garten laubendach

angesichts
dass die blätter fallen und
angesichts dass mein haar ist grau
sehe ich
dass wir sterben müssen
mitten im leben
begegnet es uns
lassen müssen wir
ganz leicht werden
noch in diesser zeit
damit einst
unsere seele steigen kann
sich hindurchschlängeln
auf den sternenbahnen
auf unserer reise
zur großen mutter
der zeit
zur zeitlosen moira
die schicksal gibt
und schicksal nimmt
ganz wie ich will

rosadora

GISÉLE FREUND…

„ich habe es nie aufgegeben, erfahren zu wollen, was sich hinter einem gesicht verbirgt.“

giséle freund

foto: tom fecht

ein gesicht ist ein geheimnis. was sich hinter einem gesicht verbirgt und es erkennen zu können, ein noch viel größeres.
physiognomische festlegungen gibt es zwar allzu deutliche und in einer großen vielzahl, die helfen aber nicht weiter. das allein kann nicht ausschlaggebend sein.
kürzlich habe ich eine schulfreundin aus der grundschulzeit wiedererkannt – und das ist immerhin über 70 jahre her – und ich rätsele, was es ist, das mich menschen, denen ich einmal begegnet bin, in meinem gedächtnis speichere. welcher teil von einem gesicht bleibt mir. man sagt, die augen. aber es gibt ja noch so viel anderes. vielleicht stimme, vielleicht gestik, vieleicht bewegung oder etwa etwas ganz anderes. ob ich dem auf die spur komme, oder nicht – es bleibt auch mir ein geheimnis.
es war kein einzelfall. bedingung ist nur, dass ich mit den menschen zu tun gehabt haben muß – verbindungen reißen vielleicht nie ganz ab.
bei der jüngeren generation, die sich kosmetisch verunstaltet, so dass es ein eigentliches gesicht nicht mehr gibt – und ach ja, sonnenbrillen riesig schwarze, welche die augen nicht zu erkennen geben – da stehe ich ratlos da.
vor einiger zeit auf einem gang durch die aue traf ich eine frau, sprach auch eine weile mit ihr. und bei einer wiederbegegnung kurze zeit danach, erkannte ich sie nicht – sie trug eine große schwarze sonnenbrille bei unserer ersten begegnung.
eindruckvolle gesichter sind sowieso rar geworden. alle versuchen jünger auszusehen. männlein wie weiblein täuschen ein jugendliches aussehen vor und laufen sich die lunge aus dem hals. dass sie vor sich selbst davonlaufen, kommt ihnen nicht in den sinn.
zu weit abgeschwiffen – aber es gehört zum thema.
in letzter zeit fällt mir an mir selbst auf, dass ich in einem gesicht lesen kann und je deutlicher ich das erlebe, desto mehr kommt mir in den sinn, dass das mit dem, was ich herauszulesen glaube, nicht stimmen kann. vielleicht ist es ein wiedererkennen, aber kein erkennen. und menschen lassen sich nicht durchschauen. eben sind sie so – und dann wieder ganz anders…
ein gesicht ist und bleibt ein geheimnis.

WIE EINE MÄNADE…

wo ist die schönheit,
wo ist die liebe?
ist eins im andern,
ist keines wahr?
wie eine mänade
durchschluchz’ ich den morgen
durchras’ ich den mittag
durchsehn ich den abend
und taumle ins dunkel
der großen nacht

und doch
überm dunkel
leuchtet ein stern mir
der stern meines ich

so große sehnsucht
so große liebe
so große leiden
die haben erkauft sich
die ewigkeit

hermione von preuschen (1854 – 1918)

ANS FENSTER TRETEN…

FRIEDERIKE MAYRÖCKER

da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete

ich besitze ein wunderbares büchlein von julia kospach mit gesprächen über
LETZTE DINGE mit FRIEDERIKE MAYRÖCKER und ILSE AICHINGER – ausgestattet mit assemblagen von daniel spoerri.
als kostbarer schatz steht es gleich fassbar neben mir im buchregel.
das büchlein, das nur vom format her klein ist, und ich sonst als ein großes bezeichne, mit entstehungsdatum 2008, gibt mir die möglichkeit, immer mal wieder danach zu greifen und mich den LETZTEN DINGEN zu widmen.
anders als friedrike mayröcker, die die tatsache des todes überhaupt nicht akzeptieren konnte und anders als ilse aichinger, die ihn herbeisehnte, kann ich meinen platz gegenüber des todfeindes noch nicht einnehmen.
friederike mayröcker schreibt seinerzeit:


Wenn ich denke, was für eine Lebenszeit andere Lebewesen haben! Riesenschildkröten erreichen ein hohes Alter, manche Bäume werden über 500 Jahre alt, und gerade der Mensch, die sogenannte Krönung der Schöpfung, muß mit 80 oder 90 jahren abtreten?
sie hat dieses alter überschritten. nach den LETZTEN DINGEN habe ich gar nicht mehr damit gerechnet, dass sie sterben könnte. ist sie ja vielleicht auch nicht.
in ihren werken und ihrem tun wird sie noch lange in erinnerung bleiben – so hoffe ich. in unserer kultur will man nach dem tod nicht in vergessenheit geraten – in anderen soll man keine spuren hinterlassen. ja, was denn nun…
ILSE AICHINGER starb 2016
friederike mayröcker am 4. juni 2021
DANIEL SPOERRI ist 91 jahre

mandelbaum verlag – vergriffen
gebraucht angeboten für 120 euro

08.03.2008 – 08.03.2021 – ANNA ELISABETH – MEINE MUTTER…

heute jährt sich zum 13. mal der tag, an dem mutter starb. auf diesem bild ist sie 90 jahre.

die geburtstagsrosen von brigitte sind noch frisch. einen tag danach habe ich sie ins krankenhaus gebracht. an sterben hat sie dabei nicht gedacht.
sie sang noch aus ihrem bett heraus in den himmel hinein: über den wolken muß das glück grenzenlos sein… da, aber nur da – und selbst das können wir nicht mit gewißheit sagen.
13 jahre – und es ist, als wäre es gestern gewesen. sie war keine emanze, aber von ihr habe ich dinge gelernt, die mich für mein leben befähigt haben und emanzipierter waren, als dass man es auf anhieb hätte annehmen können. es bringt mich heute zum schmunzeln, wie man dinge erst spät erkennt…
danke – ANNA ELISABETH.

MAGDALENA GUZOWSKI…

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM 98.STEN GEBURTSTAG…

LIEBE MAGDALENA,
dein leben ist mit dem botanischen garten eng verbunden – nein, du bist der botanische garten für mich, sage ich mal so. nicht, dass du den bauerngarten jahrelang – über 20 jahre – entworfen, beackert, gepflegt und mit viel liebe zusammengestellt hast nach der art der alten bauerngärten, dass man ihn nach deinem weggehen MAGDALENEN-GARTEN nennt, nein,

nicht genug – unermüdlich hast du noch eine lange zeit, besonders an wochenenden, das kakteenhaus behütet und beschützt. hast dir auch das wissen über die kakteen noch angeeignet und mit viel liebe den wissbegierigen besucher/innen vermittelt.


zeigen und erklären ist dir ganz wichtig…


bei der pflanzenbörse…


und im schatten sitzen…

jetzt nun hast du deine füße immer noch nicht hochgelegt. im wohnstift am weinberg hast du einen weiteren (magdalenen)garten angelegt und betreust ihn tag für tag, und erfreust damit deine mitbewohner/innen, die dein tun mit großen augen betrachten und bewundern.
du wirst deinen geburtstag noch nachfeiern, hast du mir verraten, dann wenn ihr alle geimpft seid und hast mich herzlich dazu eingeladen. das wird eine ganz besondere feier denke ich, und alle werden dir wünschen, dass du deinen 100.sten auch noch inmitten deiner blumenpracht erleben wirst. hollaho…

ETEL ADNAN…

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM 96. GEBURTSTAG…

es ist nicht wichtig, ob du dir widersprichst oder nicht, oder wonach du suchst – nach dem anderen, nach der wahrheit. WONACH ICH SUCHE IST DAS, WAS MAN POESIE NENNT. etel adnan – in gespräche mit meiner seele

um mich an dem alter von etel adnan zu messen, bin ich noch nicht alt genug, um zu wissen, wonach ich suche, doch sie gibt mir immer wieder wichtige hinweise – dinge, über die ich stolpere, dinge, die mich auch niederreissen und letztlich doch immer wieder aufrichten. um sagen zu können, dass es die poesie ist, wonach ich suche, bedarf es großer großer weisheit.
und
GEBURTSTAGSGRÜSSE VON GANZEM HERZEN, LIEBE ETEL
rosadora