FRAUNHOFER NEUBAU…

EINE RUINE HAT PLATZ FÜR HIMMEL…

ZERSTÖRUNG IST KOMPLIZIERT – MINDESTENS SO SCHWIERIG WIE SCHÖPFUNG…KUNST KANN LEUCHTEN…THOMAS HIRSCHHORN   eine ruine hat platz für himmel

ANTONIO GRAMSCI   zerstörung ist kompliziert – mindestens so schwierig wie schöpfung

THOMAS HIRSCHHORN   KUNST kann leuchten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FRAUNHOFER NEUBAU…

ABSURD VIELE BERGE…

die farben ausreizen
die erdberge auch
farbschicht an farbschicht
klumpen an krümel

dazwischen das leben
himmelüberwölbt
augen springen
haben viel zu tun

stufig nach unten
bergig nach oben
zuschauer die bäume
am rande des geschehens

stellwerk weicht nicht
kmw aufdringlicher denn je
aa ein störender lichtblick
baugeschichtliche weisen

tief in tiefen
erde spricht bände
schwarz wie die nacht
schwarz wie die nacht

rettung naht
scheinbar nur
erde bleibt erde
im inneren verwundet

FRAUNHOFER BAUSTELLE…

AM GRUNDE ALLEN GESCHEHENS…

tief geschabt
platt gedrückt
was der erde geschieht
geschieht auch uns

vor 4 jahren
schon einmal umgewälzt
an die luft gezerrt
die erdballen
und mit ihnen große
gesteinsbrocken
einige verhinderten das bergen
durch allzugroßes gewicht

nun noch einmal gezuckelt
und gezerrt ans licht des tages
ihnen droht gewalt
vernichtung
und umwandlung
in kleinste teilschichten
so erleben sie die möglichkeit
vielerorts verstreut zu werden
eine neue seinsqualität
zu bekommen

sie werden sich einschmeicheln
einschleichen
in tiefste erdgeschehnisse
oder andernfalls
in oberschichten
der welt
den lauf der dinge
besänftigen

hier besehen
wird die wälzung
weiter fortschreiten
mir schauspiel bieten
für längere zeit

https://www.hna.de/kassel/arbeitsagentur-zieht-an-wolfhager-strasse-in-kassel-ngz-10313740.html

dieses, in den 70 jahren erbaute hochhaus, soll bis 2020 vergangenheit sein. in seiner klaren form ist es fast schön und nur die baumängel rechtfertigen sein verschwinden…

 

E R D E N . . .

FRAUNHOFER NEUBAU KASSEL VI…

ich überlege, ob diese berge von – ja von was denn – also, von verschiedenster beschaffenheit aus geschrettertem von schon einmal verbautem material als ERDEN zu bezeichnen sind.
ich neige dazu sie so zu benennen, da in einer warteschleife von den bauarbeiten pflanzen hervorgesprossen sind, was bei nichtvorhandensein von erde nicht möglich wäre, mit wenigen ausnahmen. von sommerflieder und rainfarn über goldruten und kamille, nachtkerzen, klee und phacelia und grünem, das scheinbar niemals blüht, und vielem mehr.


deshalb bringe ich die erdberge in verbindung mit Claire Pentecost die bei der d13 erden als die neue währung – Soil-erg – benannte. also können diese verschiedenen erdberge nicht völlig wertlos sein. in diesem falle muss fraunhofer aber richtig viel zahlen, damit sie weggebracht und andernorts abgeladen werden können.


also ist mein werk das preisgünstigste. die wolken unterstützen mich – mal wieder – und tun ihr bestes, damit meine bilder – nur von außen gesehen – gelingen. erde und wolken erscheinen mir in schönstem licht, von schneeweiß bis zum tiefsten violettblau, als würden sie ein großes spiel hervorzaubern. es ist fliessend – das spiel – fliesst mir auf und wieder davon. es gilt mitzuspielen, sonst ist es, wie nicht gewesen.
erde und wolken haben eine große entsprechung, oder sind sie gar eins – etwas unzertrennliches. heute erschien es mir so und niemals mehr kann ich sie voneinander trennen – und ich mittendrin…

FRAUNHOFER BAUSTELLE II…

BESPRECHUNG BEI SCHÖNEM WETTER…

die vielen gehäufelten erdberge – was soll mit ihnen werden? der sechsertrupp wirds herausfinden und evtl. erfahre ich es auch. ich bin weggegangen, weil es mir zu heiß war. muß noch vorsichtig sein und selbst gut auf mich aufpassen. heute war alles besser ausgeleuchtet – aber was solls.

wenn die erdberge verschwinden, ist auch die zeit der pflanzen vorbei. schade, als biotop war es sehr interessant für mich. es sind zum teil sehr giftige pflanzen. ich habe es herausgefunden, weil ich sie probiert habe – bitter, bitter, bitter… die scheinen mit der hitze gut zurecht zu kommen und finden immer wieder einen weg ans licht.und der molkerei-schornstein – der keiner mehr ist. jetzt ist er wie ein zeigerfinger auf allen – nein, auf vielen meiner bilder. schon beim abbruch hat er das geschafft und ich muß sagen, dass er mich auch reizt – so als orientierung vielleicht oder als erkennungszeichen.

FRAUNHOFER BAUSTELLE…

IN DER WARTESCHLEIFE…

die arbeiten sind seit wochen eingestellt wegen insolvenz einer firma, die bohrtürme sind verschwunden und bohren in der zwischenzeit sicher woanders. es geht nicht weiter. dass ich heute früh alleine auf das baugrundstück durfte zum fotografieren, war ein geschenk. zwar war die sonne zögerlich und es gab nicht die rechte beleuchtung für meine fotos, aber immerhin.
überall schön gehäufelte erdberge, ein teil schon durchgerüttelt und nach kampfmitteln abgesucht, ein anderer teil wartet noch darauf. die berge haben in der zwischenzeit versucht, ein neues biotop hervorzubringen – das wäre dann das dritte seit 2014, dem ich hinterher bin.
die natur wartet auf mit ungeheuren kräften, das erstaunt mich immer wieder. die vielzahl der pflanzen und ihr rasches hervortreten ist einmalig – und dazu bei der trockenheit der letzen monate.
den platz muß ich erst erkunden um beste blicke wählen zu können, die hier in ihrer art einzig und nicht ganz einfach aufzufinden und einzuordnen sind. das erste mal sich durch die ordentliche unordnung zu bewegen und die bildausschnitte einzufangen ist ganz schön anstrengend, und manchmal eröffnet sich etwas einfach so. überraschungen sind schöne belohnungen und neugier ist wohl teil meines tuns.

FRAUNHOFER BAUSTELLE – HÜGEL

FRAUNHOFER BAUSTELLE – PFLANZEN

FRAUNHOFER – STRASSENNAMEN…

CLARA IMMERWAHR STRASSE –
JOSEPH BEUYS STRASSE

gut gewählt sind die strassennamen am verschwundenen zoll- und verladebahnhof, die das baugrundstück von FRAUNHOFER säumen – CHEMIE und KUNST.


clara immerwahr hätte heute sicher einen arbeitsplatz bei FRAUNHOFER finden können. ob sie das gewollt hätte, weiß ich nicht. forschung wird bei fraunhofer groß geschrieben. vielleicht hätte sie sich damit aus der misere giftgas, welches das arbeitsfeld ihres gatten war, befreien können – vielleicht hätte sie damit ihrem suizid ausweichen können – vielleicht hätte sich bei fraunhofer ein betätigungsfeld ihrer vorstellung ergeben – vielleicht – vielleicht.

die clara immerwahr straße ist eine unscheinbare – noch – führt vom nichts ins nichts – näher betrachtet von schiller zu beuys. windig ist es hier – fast immer, sofern er weht, der wind.

mit den straßennamen hält FRAUNHOFER auf der einen seite den CHEMIschen werdegang am laufen – möge die andere seite – die KUNST – auch einen ausschlag finden auf diesem neuen gelände – die JOSEPH BEUYS STRASSE legt dazu ja vielleicht den grundstein… vielleicht – vielleicht – vielleicht…

https://de.wikipedia.org/wiki/Clara_Immerwahr

Nach dem Studium der Chemie wurde sie im Jahr 1900 als erste Frau an der Universität Breslau mit einer physikalisch-chemischen Arbeit (Beiträge zur Löslichkeitsbestimmung schwerlöslicher Salze des Quecksilbers, Kupfers, Bleis, Cadmiums und Zinks) promoviert. wikipedia

FRAUNHOFER NEUBAU – V …

IN EINER MONDLANDSCHAFT…

ich treffe mich mit zwei zuständigen herren auf dem baugelände und befinde mich zwischen angehäufelten erdhügeln. mit etwas größerem abstand schaue ich über sie hinweg, näher dran versperren sie mir die sicht. sie erinnern mich an die kunstbilder HÜGEL meiner ausstellung zum thema EIN BAHNHOF VERSCHWINDET. auch hier suchen meine augen nach dem thema KUNST und sie in bildern einzufangen. fand ich sie beim abbruch erst zum ende, kann ich sie hier ja nicht schon zu beginn ausfindig machen. vielleicht wäre das die suche nach einer anknüpfmöglichkeit. – aber locker machen – offen bleiben…

rost bleibt weiter für mich interessant, wenn auch nur schrott. bis zu 5 meter tief mussten sich die suchtrupps durchwühlen. nun ist die aktion beendet und es kann mit den bohrungen losgehn.dazu werden schotterstrassen angelegt, damit die riesigen bohrtürme nicht kankeln oder umstürzen. mit den stelzen beginnt ein weiterer teil der vorbereitungen – ich bin sehr neugierig und werde es dokumentieren.

FRAUNHOFER NEUBAU – IV …

STEINBROCKEN – 2014 – 2018

ABBRUCH-STEINBROCKEN – 2014

DERSELBE BROCKEN – 2018

da taucht er plötzlich wieder auf, er und einige andere auch noch. übersehen – das kann nicht sein, dazu sind sie zu groß. aber was dann – nicht klein zu kriegen, weil zu hart, oder keine maschine am ort war, die ihn hätte fressen können.
auf jeden fall haben die kampfmittelberger einiges zu tun, bis sich ihnen das angezeigte hindernis zeigt. vom 10. stockwerk aus – also von oben – rätsele ich, was dieser längliche fleck im gelände sein könnte. eben – auch ein riesengroßer steinbrocken, der einem riesen hätte als tisch dienen können. was sie damit wohl machen.

sind wahre schätze, die da noch versteckt in der erde schlummern. bestimmt nicht zur freude des neuen bauherrn. die suche der kampfmittelberger dauert in unerwarteter weise.
werde den abbruch-menschen fragen, was der grund war für die hinterlassenschaften…