STARK WIE EIN BAUM…

BIRKE – VOR MEINEM FENSTER…
BIRKO VOR FENSTER_HEIL_P1540336nein, ich möchte kein baum sein, wenn ich mir das auch so manches mal gewünscht habe. seit die birke vor meinem fenster vor einigen tagen – mitten im hochsommer – gestutzt wurde, scheint ihm jede orentierung zu fehlen.

BIRKE_MEINE_II_26.07BIRKE_MEINE_26.071das augenblickliche sturmregenwetter setzt ihr zu wie nie. sie wird gerüttelt und geschüttelt, ja gezerrt, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es ihr nichts ausmacht. ich bange um sie und befürchte, dass sie sich bei dem ansturm nicht auf den beinen, also auf ihrem stamm, halten könnte. auch kann ich es ihr ansehen, wie sie zu kämpfen hat. alle heiterkeit, die sie bisher verströmt hat, alle kraft, die sie ausgestrahlt hat ist verschwunden. meine birke ist zu einem zottelbaum geworden, mit dem man macht, was man will.

BIRKE MIT VÖGGELI_P1490383nun auch noch dieses unwetter denke ich. sie sind ja schon gebeutelt, die bäume, wenn sie auf einem grundstück stehen und an ihnen herumgezupft wird, und erst der lärm – ich denke dabei an das rasenmähen, wobei man ihr, der birke, über die füße, also über die wurzeln fährt. das hat sie nicht gern – das weiß ich. ich sehe dann, wie sie sich abwendet oder ganz in sich hineinkriechen möchte, um dem lärm und geholper zu entgehen.

BIRKE MIT DISTELFINK_DSC_7978ich kann froh sein, dass sie mir bei all dem übel noch sauerstoff und frische luft spendet. es sind ja nicht wenige fahrzeuge, die hier vorbeituckern und auch vorbeirasen. mit dem gestank hat sie dann doppelt zu kämpfen. und alles wie selbstverständlich.
nein, ich möchte nicht stark sein wie ein baum und auf jeden fall kämpfe ich dafür, dass sie dich, meine birke, nicht gänzlich niedermachen.

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U R W A L D …

TOURISTEN FALLEN EIN…

wer das wohl verzapft hat – touristenmassen in scharen – verstopfter parkplatz – gefährdung durch autos auf fahrbahn – gejohle und geschreie durchdringen den wald.URWALD_LEUTE_30.041dass er das erleben muß – der urwald – dass den bäumen dies um die ohren fliegt. was war die idee, so viele menschen hierher zu locken. die großen baumriesen haben sie eingezäunt, um sie zu schützen, und es hält die menschen doch nicht ab, die zäune zu durchbrechen. nur urwaldmäßig ist das nicht mehr. sie versperren wege – wer immer das auch angeordnet hat und weshalb – greifen ein – kontrollieren jeden fleck. vor 30 jahren war es ein URWALD,  in dem nichts gepflastert und abgetrennt war. jetzt ist er eine touristenattraktion.

URWALD_MEIN MAIBAUM_P1630663ich setze mich einen moment auf einen abgesägten baum und fliehe. das kann ich nicht ertragen, das tut mir in der seele weh – diese vermarktung eines urwaldes – eine vergewaltigung des ursprünglichen.

URWALD_I_leute_30.04 meinen maibaum finde ich dann doch noch. ein friedliches bild – diese schafe – aber auch das täuscht.

 

FROSTIGER FRÜHLING…

IN DER KARLS AUE…

zuerst die am boden – der japanische staudenknöterich hält sich am besten. ihn kann so schnell nichts umbringen. sein widerstand ist sprichwörtlich.

AUE_KOMPO_JAP. STAUDENKNÖTERICH_. 25.042dagegen die mammutpflanze hats erwischt. auch erfroren täuscht sie noch haltung vor – steht, aber ganz erstarrt.

AUE_RHABARBER ERFROREN_ 25.04_bearbeitet-1die gleditschie läßt sich nicht irritieren. sie hat energie für ein weiteres austreiben.

AUE_GLEDITSCHIE_ 25.041_bearbeitet-1die kaukasische flügelnuß hats etwas schwerer, treibt aber auch wieder aufs neue aus.AUE_KAUKAS. FLÜGELNUSS_25.044_bearbeitet-1dem großen ahorn scheint es nichts ausgemacht zu haben. obs an seinem widerstand lag, oder dass große bäume besser gegen frost ankommen…

AUE_GR. BAUM ?_25.043die wolken legen sich zwischen sonne und schönheit – lassen denken, es sei alles gut. machen eine schöne landschaft.

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ZWISCHENAKKORD…

U R W A L D …

urwald_brandbaum_P1590197wie einen seelentröster nehme ich ihn – den urwald – nach so vielen kalten und trüben tagen. er nimmt mich so wie ich bin. das allein ist schon trost. die anemonen breiten einen blütenteppich aus vor meinem lieblingsbaum. als erstes besuche ich ihn, sitze eine weile, schaue mich satt an dem zarten grün.

URWALD_MEIN BAUM_24.043_bearbeitet-2in den buchen und eichen tut sich noch nicht so viel. sie sind auf der hut, warten auf den gesicherten frühling, wo die tage wärmer sind. sie brauchen etwas länger zu ihrer entfaltung.

URWALD_3 BÄUME_24.04ausschließlich fotograf/Innen sind unterwegs. erfahrungen tauschen wir aus und technisches zeugs. der urwald gefällt – auch neu entdeckt. ich kenn ihn nun schon seit jahren. habe eine beziehung zu ihm. betrachte ihn mir auch in bildern daheim – immerwieder. stelle fest, wie er sich verändert und wie es immer schneller geht mit der veränderung – scheint mir.

URWALD_FOTOGRAFEN_24.042heute keine großen touren und schon gar keine gewagten. boris sagt, das ist das alter…also altbekanntes in neuer variante. und tief atmen, auch wenn die luft den frühlingsduft kaum wahrnehmbar und zögerlich verströmt.

URWALD_I_24.041die kleinen buchen sind mutig. schon mal zwei große faltblätter ausgestreckt, damit sie niemand übersieht.

buchenbäumchen_P1590159

TAG- UND NACHTGLEICHE…

wir sind in der mitte – in der mitte angekommen. die tage sind ebensolang wie die nächte. wenn die sonne scheint, leuchtet es mir ein, wenn es trübe ist, bin ich nicht so sicher. unser seelisches gleichgewicht dürfte sich nun einpendeln. ein bißchen aufmerksamkeit lohnt sich da schon. leicht schwappt es über – das gleichgewicht und wir werden wieder geschoben und und gezerrt, dahin, wo wir wieder um unser gleichgewicht ringen müssen. AUE_KORNELKIRSCHE_P1440343aue – kornelkirsche

jetzt steigt die wärme, jetzt die freude. noch ein paar tage haben wir zeit, die angesammelten winterschwere loszuschütteln. das helle muntert uns auf, weckt energien, schenkt tatkraft und fantasien – hoffentlich sehr viele…

SCHRECKLICH SCHÖNE BAUMBILDER…

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das schreckliche enthält auch immer schöne bilder. schöne bilder sind nicht nur schön. sie haben oft einen vernichtenden hintergrund. wenn man den nicht weiß, existieren die bilder für sich.

AU_KOMPO II_STAPEL_04.033 KOMPO II_BESTES I_P1610506
die gefällten bäume verursachen mir schmerz. die bilder, die ich auch sehe, in den schrecklichen schnitten, aufrissen und abbrüchen, reizen mich. sie gaukeln mir vor, dass die bäume noch in ihrem sterben schön sind. sie offebaren mir ihr innerstes. sie klagen, aber ich kann es mit meinen menschenohren nicht hören.

AU_KOMPO II_6 AUSWAHL_04.03 AU_KOMPO II_AUSWAHL II_04.031
sie, die bäume, sind nicht nur außen schön. innen sind sie von solch einer farbenpracht und mit ihren verschiedensten formen, die durch das aufreissen, abknicken, hinstürzen und absägen erfahren können wir erkennen, wieviel mühe es ihnen bedeutet, den himmel erklimmen zu wollen und doch am boden festhalten zu müssen. so ganz in diesem widerspruch sich streckend und sich haltend haben diese bäume hier eine ganz schöne größe erreicht.AU_KOMPO II_BILD I__04.032_bearbeitet-1 KOMPO II_ALLERBESTES_P1610520 KOMPO II_ROTE WUCHT_03.03
den grund, warum sie weichen mußten, kenne ich nicht. die ausrede lautet immer – wir müssen das tun. menschen haben immer ausreden für das, was sie tun müssen…
ich werde ihnen, diesen bäumen, in einem film ewigkeit verleihen. so werden sie zu meinen bäumen – und ich bin sicher, sie werden sich erinnern, auch wenn sie einmal im feuer landen sollten…

BÄUME REISEN…

AUE_BÄUME_03.03„Bäume sind keine Erweiterungen des Selbst, sondern reine Erscheinungen. Ihre Zeit überschneidet sich nicht mit der unseren. Sie reisen auf andere Weise. Sie sind zyklisch und werden darum beneidet. Ihre Leben sind nicht Teil unseres tragischen Kontinuums; sie haben eine Leichtigkeit, eine Nähe zu Wasser, Luft und Feuer, alles aus eigener Kraft.“

Etel Adnan in Jahreszeiten

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BAUMFÜSSE…

grün ist die farbe der hoffnung…
AUE_BAUMFÜSSE_I_P1610422baumfüsse – schoß es mir durch den kopf und ich fand, das die bäume gerade jetzt im frühjahr ihre füße recht weit hervorstrecken. zum teil auffällig dadurch, dass sie mit moos bewachsen sind und dem geflecht reichlich platz geben. sie schmücken sich, dachte ich, und dies ist ihre frühjahrsmode.

AUE_BAUMFÜßE_FÜSSE_01.031gut gemacht und gut genutzt. sie passen sich an und sehen doch nie gleich aus. von jahr zu jahr überraschen sie mich. in diesem jahr hat es besonders viel moos, das grün sticht ins auge, gibt durch die farbe grün mir schwung und hoffnung. grün ist die farbe der hoffnung. vielleicht brauchen wir grad sehr viel davon, die weltlage entmutigt…