
ein stück welt
in mich hineinnehmen
es umdeuten
nach meinem mass
und es wieder
vor die tür setzen
ihm nachschauen
ob es eine andere
richtung nimmt

ein stück welt
in mich hineinnehmen
es umdeuten
nach meinem mass
und es wieder
vor die tür setzen
ihm nachschauen
ob es eine andere
richtung nimmt

worte
manchmal
fliegen sie
und
ich kann eines fangen
wenn ich die hand öffne
verblasst es
fällt zu boden
und weint

merkschwere fantasiebilder…
‚Keines ihrer Augen will das andere begleiten, stellen Sie sich vor, Sie hätten dieses Leiden!’
jelinek
leiden am leiden, vermeiden begleiten, rechtsaug und linksaug, obenaug und untenaug, niemals begleiten, niemals mittig. niemals die mitte sehen, mitte sein nicht. verschwindende mitte.
augenfälligkeiten gekonnte, nicht selbstverständliche. sichtweisen leichte, nur unter grösster anstrengung. leiden vermeiden. leichtigkeit schwierigst erzwungen, leichtes ansehen gekonnt vermieden. unbeschwertester blick in die ferne. kontrollvermeidung rechts links. die ferne verwitscht auf einen punkt. scheinbar sich begleitende augen in gezieltes blicken. leiden wegen des leidens. merkschwere fantasiebilder anpeilend. rückversichernder blick ins nichts. verstohlenes lächeln mit geschlossenen augen. grossartige brillenschau. offensichtlicher sehgewinn am leiden vorbei.

GEFUNDEN BEI EVA DEMSKI

diese unsagbare
trägheit am morgen
die wie eine schlange
vor der tür liegt
ihr fressen fordert
sich dick und fett
vor mir aufbäumt
und schalkhaft sagt
nun tu doch endlich was

kassel, 13 uhr 30
jedes jahr die gleiche szenerie:
die kraniche fliegen über mich und ich freue mich unbeschreiblich. die frühlingsboten sind glücksbringer – sie bringen den frühling zurück. sie bezeugen, dass der lebenskreis nicht unterbochen ist, dass die natur über alle von menschen erbauten hindernisse siegt, wiede rund wieder. der sichere instinkt der kraniche und anderer tiere, der grösser ist als das, was wir erahnen können.
das gibt mir eine so grosse hoffnung, wie kaum etwas auf der welt.


die nacht
umspielt meine träume
erwärmt sie mir
gegen die kälte der zeit
und der menschen
die einsam gehen
im schneebedeckten feld

ich suche
die worte in mir
hexe und engel
liegen sich
in den haaren
die eine spricht
mir den weisen teil zu
der andere trägt
ihn mir wieder fort
spricht segen und frieden
und ähnliche verheissungen
hexe mahnt
misstraue
mischt hinzu
ein quentchen lebefroh
eine brise bittersüss
ich rühre
und fische
wort um wort
neu

es ist schon früher hell am morgen und länger hell am abend. dass das licht zunimmt, ist deutlich spürbar. die energien regen sich. etwas zu beginnen fällt merkbar leichter.
das lichtfest, welches die kelten als imbolc feierten mit der lichtgöttin brigid, wird auch heute und immer wieder mehr begangen. die christen nennen es mariä-lichtmess und ich frage mich, warum sie denn die alten feste abgewandelt feiern, obwohl sie alles was vor ihnen war als ‚heidnisch’ benennen…
heute gehe ich hinaus und rüttele die bäume wach und scherze mit den samen, die sich schon in der erde regen. dass in diesem jahr besondere vorsicht geboten ist übermütig zu sein, wissen sie wohl selbst. die schneeglöckchen waren im vergangenen jahr längst mit ihren köpfchen im lockenden licht.
dass mehr licht auch immer mehr schatten bedeutet, davon wissen die leichten seelen, die mit depressionen sich plagen, ein lied zu singen. das licht leuchtet auch noch die letzten ecken aus. das, was bedrückt, ist in dieser zeit wahrnehmbarer als in den anderen jahreszeiten.
die liebenden finden sich.
die maulwürfe bauen neue wohnungen für ihre nachkommen.

wortfenster
öffnen
wintersätze
hinaushängen
frühlingswind
hindurchpusten lassen
damit sie sich läutern
leichter werden
immer leichter