DIE WELT HOCHWERFEN…

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wer es könnte
die welt
hochwerfen
dass der wind
hindurchfährt

hilde domin

werfen, wie man getreide hochwirft, um die spreu von den körnern zu trennen. Wenn das ginge – die welt hochwerfen, dann wäre jetzt der geeignete zeitpunkt dafür – hoch und höher, damit die ‚spreu’ sich verfliegen möge in alle winde und noch viel höher, damit sie sich an anderem ort nicht niederlassen kann. Mögen die winde sie fressen…

wir kehren ein im wort, wir finden uns im wort, finden uns selbst

denn wir essen brot
aber wir leben vom glanz

UR-WALD – UR-ALT…

uralter urwald
sababurg

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eigentlich müsste ein so vergehender wald traurig stimmen. doch die traurigkeit stellt sich nicht ein. so viel stärke, so viel aufrichtigkeit und anmut, so viel bewundernswerte vielfalt von werden und vergehn. bäume sind vorbilder in der ausprägung ihrer eigenheiten und jeder baum überzeugt. dieser grosse da, wie er sich reckt und streckt, dem himmel entgegen, in seiner vergänglichkeit. bis zur vollkommenen unsichtbarkeit lebt er und hört auch dann nicht auf zu existieren.
er hat sich verwandelt in etwas anderes. er lebt weiter in den erinnerungen der menschen.

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20 JAHRE UND NOCH MEHR…

göttinger tanzgruppe feierte ihr 20stes…

seit 20 jahren besteht die tanzgruppe für kreistänze nun schon.
gestern trafen sich die frauen und männer zum feiern und tanzen.
rosadora – zu tanzzeiten ‚duschenka’ – gründete die gruppe und ute übernahm sie dann, von jetzt aus gesehen zur halbzeit.
dass nicht wenige vom ersten tag dabei sind, spricht für sich. die jetzigen kannten die ersteren nicht und die wiederum nicht die derzeit tanzenden, aber das gemeinsame tanzen klappte und bereitete freude.
am rande nur konnten die zwischenzeitlichen ereignisse ausgetauscht werden, der tanz stand im mittelpunkt.

ich füge ein paar fotos ein.
ute schickt mir evtl. noch die laudatio. die reiche ich dann nach.

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blumen für die tanzleiterinnen Continue reading

EINE WUCHT IN GELB…

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gelb ist eine farbe, die das herz öffnet, weit – viel zu weit, und vervollkommnet mit dem duft des rapses fast nicht auszuhalten. ich verspüre den drang, mich im rapsfeld zu suhlen und zu wälzen wie ein tier, das die hemmungen des ‚das darfst du nicht’ nicht kennt. wenigstens wage ich mich über eine fahrspur tief ins feld hinein. mirko folgt zögernd. die farbe gelb, die sich an ihn hängt und an ihm kleben bleibt – auch an mir, aber mir macht das nichts – versucht er durch klopfen und abwedeln von seinen kleidern zu bekommen. Continue reading

EIN LEUCHTEN IN DER WELT…

jüdischer friedhof breitenbach

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…immer ist ein leuchten in der welt.
der jüdische friedhof in breitenbach ist einzig. 1987 hat man die grabsteine, die von der schreckensherrschaft verwüsteten, wieder aufgestellt. in reihen sind sie geordnet. das ist ein gewöhnungsbedürftiger anblick. grabfelder gibt es, mit ausnahme von zwei gräbern, nicht. auch wenn die gräber zerstört sind – die toten sind gegenwärtig. eine bestimmte energie geht von ihnen aus. diese ist offen, lässt mir platz – für mich, für meine wahrnehmungen und eigene betrachtensweise.
immer wieder finde ich auf jüdischen friedhöfen diese sehr verschiedenartige ausprägung der steine und symbole. auch hier überraschen mich die reichen sinngebenden formen der steine und abbildungen. Continue reading

FREUDENTANZ DER GEISTER…

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aufgeführt auf dem jüdischen friedhof in kassel.
ich komme zu besuch
ich habe wut – es ist frisch gemäht
was hat das gartenamt für ein interesse, die jüdische friedhofsordnung
so zu verletzen. ordnung, sauberkeit – zauberwörter der deutschen

ich versuche meine wahrnehmung auf das einzustellen, was ich vorfinde.
sonne und wolken wechseln ab und das licht ist ideal. es umflutet das zarte grün, das sich so grün zeigt, dass es fast blendet. auferstehung! unmissverständlich.
licht legt sich auf steine, bringt sie zum glänzen. die ‚aufrechten’ werfen schatten, nicht sehr lange – es ist gegen mittag. die kastanien setzen lichter in den tag und in die nacht. Continue reading