oder –
wo kunst sich niederlässt…
hier klopft sie ans fenster in einem häuschen über den geleisen – unerklärlich wie sie da hin kommt…
hier klebt sie einfach an der wand…
oder –
wo kunst sich niederlässt…
hier klopft sie ans fenster in einem häuschen über den geleisen – unerklärlich wie sie da hin kommt…
hier klebt sie einfach an der wand…
R I S S E
durch das abreissen der asphaltbeläge entstehen in den restebergen brocken mit rissen verschiedenster art – fantastische gebilde – risse-bilder – sie bringen luft zwischen das material und licht und schatten und ausdruck – ich verliebe mich in risse – es ist ein neuer zustand aufstand abstand eben ein neues das es sonst so nicht gibt – vielleicht ist es die einmaligkeit das ausgefallene das herausfallen aus dem üblichen das mir immerwieder das entdecken ermöglicht
WERTVOLLE ERDEN
eine weitere entdeckung – die erden die erdoberfläche die sich nicht ziert und drauflos brodelt bis sie eine eigene form gebiert – es erscheint mir wie eine geburt durch den platschen regen hervorgebracht von der hitze der sonne aufgerissen – erdrisse – gefunden zwischen den abrissen aufrissen verrissen – schöne bilder ausgefallene bilder einmalige bilder so nie wieder morgen schon ganz anders – wie mich das reizt zu zeigen so war die welt so war sie auch so hat sie sich hervorgetan
es ist nicht schwarz es ist nicht weiss es ist schwarzweiss und aufgerollt.
ich mache mir sorgen – es spiralt sich ein und nicht wieder aus – da liegt es nun vor meinen füssen und will dass ich mir gedanken mache. dreht sie sich links- oder rechtsherum – sowohl als auch – kommt darauf an von welcher seite ich sie betrachte. ich kann die rolle nur von einer seite sehen obwohl sie zwei seiten hat – also sowohl lebens- als auch todesspirale. so sind wohl manche sachen… es erklärt vieles aber nicht alles…
ALTER BAHNHOF – AUS DER TRAUM…
alle hoffnungen den alten bahnhof als kulturerbe zu erhalten sind dahin – ab gehts und weg damit.
die abrissarbeiten sind in vollem gange. gerade habe ich noch den gerüsteabbau erwischt – kaum noch vorzustellen wie das hier einmal war. die hoffnung dass hier einmal ein kulturpark entstehen würde mit bleibe für die künstlerinnen und künstler und erhalt des vorhandenen biotps ist verrauscht.
die schienen und blanken sind längst herausgerissen und weggeschafft – und alles was nicht niet- und nagelfast war auch – vor allem die metallteile – erdmassen werden bewegt – gefährlich noch die hochspannungsleitungen die verborgenen – bomben und andere munitionsüberbleibsel – ein wagen der das bergen und entschärfen vornehmen würde steht bereit – und eine unvorstellbare arbeit.
das gerippe eines güter- und verladebahnhofs hat etwas skuriles – fast schäme ich mich dass mir das fotografieren so viel freude macht – hässliches hat auch schöne seiten.
ich finde kleine dinge und nehme sie als souvenire aus denen ich kunst machen will – als könnte ich die erinnerung damit wachhalten.
zerplatzte scheiben rostiges farbreste morbide erdgeschwülste – materialien aus dem zusammenhang gerissen und zu bildern neuerer art geworden
und wieder die schaltkästen – wie bei lara favarettos schrotthaufen – die verbindungen sind schon längst unterbrochen nun wird es deutlich sichtbar – und ich tröste mich dass verbindungen wieder hergestellt werden können – nur wann und wie – eben geduld…
DIE NATURE IST IM EIMER…

sie ist im eimer im topf und deutlicher noch in der shellmuschel – sie fällt auf in pfützen und töpfen – sie erinnern an trommeln – klebt an wänden fliegt schnurrende geräusche – wird bewässert steckt hinter glas fest – kleine dinge spiegeln sich werden doppelt und dreifach verbinden sich mit neugierigen gesichtern – der gestank der seife durchzieht erst den grossen ausstellungsraum dann mein gehirn und verfolgt mich – wenn der wüsste wie eine wildschweinkuhle wirklich ausschaut…
betonmuster an wänden – zigarettenkippen an blechwand – muss das sein
anschlüsse werden gekappt verbindungen gehen verloren – riesenschlangenhaut sollen erschrecken und vertun ihre wirkung in der art –
anfangs reizen mich die spiegelungen in den gezeigten kunstwerken – die offenen fenster spielen mit das ist gut – meingott was haben wir für ein schönes museum und voller licht – das ist noch besser –
ich beginne mein eigenes spiel – das ist gut wenn ich das kann – das ist super – stolpere über eines der vielen kabel – warum liegen die bloss so schutzlos herum –


am ende verliere ich etwas die geduld – es ist genug – einfach genug ist es
ich werde überlegen was es soll – und ich stelle fest – das ist mir alles schon bekannt
komm doch ach komm
wieder und wieder
wiederholen
wiederholung
das ganze leben
11. MAI 2014 bis 27. JULI 2014
WACHSEN BLÜHEN UND VERGEHEN…

im kompostgarten ist es zur zeit sehr auffällig dass wachsen blühen und vergehen unmittelbar nebeneinander existieren – alles hat seine zeit –
im gartenbeet oder oft auch in botanischen gärten und parks wird das verblühte herausgenommen – so ist der jahreslauf der pflanzen nicht nachvollziehbar
den teil des welkens und vergehens sparen wir gern aus
auch in unserem eigenen leben halten wir das oft so – wer schaut schon gern sein eigenes welken an – und das vergehen mündet in den tod
in der pflanzenwelt ist es die verwandlung der wir besser nachspüren könnten würde uns das beispiel der natur besser gegeben und verdeutlicht
vielleicht wäre es einfacher wenn wir nicht dem tod ,anheim gegeben‘ würden sondern die ,verwandlung‘ annehmen könnten

wir wissen nichts
wir wissen alles
unser leben ist endlich
wir hoffen auf ein leben nach dem tod
wo soll das sein
wie fühlt sich das an
wer sind wir dann
das leben ist ein spiel
wir spielen
und nehmen es ernst
das ernste leben
das spielleben
auch das trennen wir
die erinnerung der anderen an uns
unsere hoffnung
nicht umsonst gelebt zu haben

meinen kompostwesen
habe ich einen aufschub gegeben
zwei jahre – seit der d13 – leben sie mit mir
kein wetter hat ihnen leids getan
das tier leiht ihnen seinen kopf
alles in verwandlung
pflanzen
tiere
menschen
DISTULA

ich nenne sie distula in anbetracht ihrer enormen wuchsgrösse und prächtigen entfaltung
hier nimmt sie sich die resterde die feuchtigkeit das licht die wärme und treibt es auf die spitze – sie überwächst mich gestaltet den ganzen hügel – der ist zu einer wildpflanzen-gartenanlage geworden

das morgenlicht gibt einen wunderbaren glanz – die arien der vogelstimmen untermalen das ganze – ein naturschauspiel

es gibt so viel zu entdecken
wenn ich eine pflanze male beginne ich mit einem langen stengel der nach oben wächst und dann das drumherum die blätter die knospen und blüten
hier wo die pflanzen genügend platz haben wachsen sie erstmal in die breite bilden einen kreis und damit eine enorme standfestigkeit – das lässt sich eine vielzahl von pflanzen einfallen – als hätten sie ein gemeinsames muster oder vorhaben

der giftige hahnenfuss wächst üppig in diesem jahr – hatte er zur documentazeit einen schmächtigen wuchs – steht er hier sich ausdehnend und sehr kräftig und übertreibt es ein bisschen für meine begriffe – aber die zählen ja nicht – und – erklär mir natur
die vielen kleinen blüten wirken in der menge – ähneln der strahlenlosen kamille
noch im august letzten jahres hatte die hühnerhirse diesen platz inne – davon kann ich im moment nichts entdecken – gebiete werden gebtauscht und eingenommen nach eigenen gesetzen

die kleinen hahnenfussblüten bilden einen wunderbaren kontrast zu dem ackersenf am hügel – gelb schmückt den ort und stimmt ihn heiter – grosse maiheiterkeit

die krähe kommt – holt sich ihr brot von mir und wagt sich mutig dicht heran – sie kräht die anderen nicht herbei sondern holt sich brocken für brocken und bringt sie in verschiedene verstecke – elegant ist ihr tiefflug
april 2014
heute genau vor 2 jahren am 30. april 2012 und heute am 30. april 2014 habe ich diese fotos vom nordeingang des kompostloches aufgenommen
manchmal ist etwas so als wäre es gestern gewesen und gleichzeitig so als wäre es lichtjahre her – wie in einem anderen leben
in einem film kann man zwei ereignisse nebeneinander stellen unabhängig von zeit –
im gedächtnis werden sie getrennt durch unendlich viele ereignisse die sich dazwischen schieben
viel öfter gehe ich durch den südlichen ein- oder ausgang
auch für pierre huyghes „untilled“ gab es diese beiden möglichkeiten mit der nr. 83 markiert
seit zwei jahren beobachte ich nun diese unaufhörlichen veränderungen
versuche zu verstehen wie das leben tickt was es will oder nicht und was es mir vermitteln kann mit meinen vergleichen und verbindungen – manchmal gehen leute hindurch – dann ist es ein bisschen wie documenta
es ist viel geschehen – aber es ist noch nicht zuende…
liebe RosaDora – geehrte fee
sie sind wahrlich eine zauberin,
immer und immer wieder haben
sie ihre heilenden dienste in kassel
ausprobiert ohne je genau zu erfahren
ob ihre wirkkräfte überhaupt wahrgenom-
men werden von den menschen ihrer freund-
schaft. in der jüngsten zeit aber begegnen sie in
vielfacher weise jenen menschen, welche die unsicht-
bare seelisch-geistige treppe zu ihnen hochsteigen, besser
gesagt zu ihnen in die tiefe kommen und glückliche froh sind,
mit ihnen sprechen zu können. manche geben ihnen klare fragen
zum beantworten, andere verschlucken diese noch ein wenig, denn
letztlich sind noch immer die meisten leute etwas scheu und möchten
sie ja nicht falsch verstehen. ich habe vernommen, wie fein sie diese angst
auflösen zugunsten eines echten gesprächs für die neuentdeckung von kunst und
natur. darum wünsche ich ihnen einen österlicher spaziergang der ganz besondern ART,
wie es sich die kulturwelt in der AUE seit langer – langer zeit erträumt. ihre züri-rose-maria
IM KOMPOSTLOCH – KUNSTGARTEN…

mir ist ganz schwindelig
gerade habe ich meine spirale die ich gestern im kompostloch gelegt habe
weiterverfolgt – immerzu gedreht und gedreht – wie ein derwisch
und kann gar nicht mehr anhalten
weisst du warum eine spirale rechtsherum oder linksherum geht…
sie geht ins leben oder in den tod – tanz
so herum und andersherum…
warum schreiben die menschen von rechts nach links
oder von links nach rechts
und das zuende gedacht – immer weiter – immerfort
da komme ich nicht mehr heraus
kann nicht mehr anhalten
gerade läuten die glocken – 5 uhr 30
die vögel stimmen ein
ein feierlicher moment
auferstehung der natur
auch eine spiralbewegung – hinein und wieder heraus
das war also kein zufall – das unterbewusstsein lässt sich nicht beirren – leben und sterben –
auferstehung – ostern
die spirale ist das symbol des schöpfungsprinzips – der ganze mensch spiralt – wir atmen ein wir atmen aus – wir leben wir sterben – wir leben wir sterben jeden tag jede nacht – tag und nacht – hell und dunkel – der anfang des tages liegt mitten in der nacht…

mühsam ist es diese spirale zu legen – der wind treibt die blätter wieder weg – ich lege aus – ich sammle ein – ich spirale
mir gefällt wie franz ludescher das sagt – die spirale dreht sich – sie wirbelt – sie tanzt –
sogar die innere ordnung allen seins vergisst er nicht – das ist uns nicht immer klar und deutlich – aber es ist so unwiderruflich
franz ludescher:
Die Spirale definiert nicht. Sie dreht, wirbelt, tanzt, nähert sich und entfernt sich wieder. Alles Statische ist ihr fremd. Sie bringt versteinerte Verhältnisse in Bewegung. Sie ist Symbol der Veränderung. Sie ist auch Symbol der Leichtigkeit, des spielerischen allen Lebens, und zugleich Symbol der inneren Ordnung allen Seins.
später lege ich noch eine barriere – eine schranke – eine klare grenze
ich lege sie vor den ackersenfhügel an dem meine lyrik steckt – bis hier her und nicht weiter –
sagt sie – der hügel soll bleiben – der ort soll genau jetzt so bleiben wie er ist
dem park angleichen – angleichen – ein übles wort – gleichmachen
lieben wir nicht das verschiedene das besondere – das besondere weil es anders ist –
daher nehmen wir unsere ideen – unsere fantastischen ausbrüche die der langenweile ein schnippchen schlägt – eine weile die lang andauern soll – die uns dem alltag ferne rückt – die uns schwelgen lässt – uns glücklich sein lässt – für diesen moment
SO GEHT DAS…

die situation im kompostloch – für das ich einen neuen namen suche – ist eine völlig andere als zu beginn
anderthalb jahre war ich neugierige beobachterin habe nichts verändert oder beeinflusst
einfach nur still gelassen und verfolgt was aus restkompost wird
die natur nimmt sich alles zurück in dem sinne dass sie aus den vorhandenen recoursen ihr bestes macht und sie macht viel mehr als zu erwarten ist – gestalterin in allen lebenslagen und immer voller überraschungen
in der 4. phase bringe ich meine moment(a)-kunst ein – moment weil sie nicht von dauer ist, oft nur stunden wie das rote band – manchmal tage aber eben nicht sehr viel länger weil es die parkverwaltung nicht gestattet auch nicht gerne sieht wenn hier menschen herumturnen
sie kommen aber zum ersten zweiten oder dritten mal – sie entdecken den ort finden ihn besonders bis zauberhaft – wenn ich erzähle dass er ausgeräumt wird – dem park angeglichen wird – haben sie einwände
dass es so aber ein besonderer ort sei sagt auch st. 12 jahre aus der ukraine und a. 15 jahre aus russland die jetzt hier in die schule gehen beklagen dass der kunstunterricht gestrichen ist – die zwölfjährige sagt dass sie von kunst nicht so viel ahnung hat und als ich dann ein bisschen von meiner kunst hier an diesem ort berichte hören sie aufmerksam zu und st. hat plötzlich die eingebung dass hier ja auch die fantasie gelockt wird und zählt auf was ihr alles dazu einfällt – ihr kleiner bruder 4 jahre alt hat eine blaue katze gemalt und als ich erzähle dass ich bilder ohne pinsel male nur mit den fingern und händen – ja das wäre klasse
in klassenräumen ist die fantasie eingesperrt hier kann sie fliegen
zwei knaben vielleicht 14 erklettern den gr. hügel – sie wollen für den kunstunterricht fotografieren – staunen das ist ja ein geiler ort – sieht aus wie stonehenge – auch mit ihnen rede ich eine weile – sie müssen ja weiter – für den kunstunterricht auf motivsuche gehen
da kommt einer der schaut genau – er fasst die bilder sogar einzeln an und beguckt sie und macht fotos – er kommt oft mal hier vorbei und schaut was es neues gibt
wir reden lange, ich fotografiere ihn – er braucht fotos für… – und schade wäre wenn der ort verschwände – wann ich denn wieder hier sei – zuhause dann eine mail
liebe rosadora,
das war ein wunderbares treffen mit dir, deinen fotografien und gedichten im naturgarten heute nachmittag. der zufall schreibt doch immer wieder die schönsten geschichten. ich habe gerade etwas auf deinen internetseiten rumgestöbert und bin sehr beeindruckt, es gibt noch viel bei dir zu entdecken.
ich würde mich sehr freuen, wenn du mir die fotos von mir und uns schickst.
wann bist du denn das nächste mal in der aue? ich möchte dir etwas vorbeibringen.
bis dahin herzliche grüße
georg
manfred 71 bleibt gleich 4 stunden will alles genau wissen hat ideen – man könnte man sollte man müsste … hilft mir meine schnüre für das viereck festzuzurren – sein sohn bildet mit noch zwei menschen eine kommission – sage ich mal – die in kassel besonderes aufspürt – diese hat er auf mein tun aufmerksam gemacht – ob sie es sich schon angeschaut haben weiss ich nicht


den i love-hügel habe ich nochmal mit neuen kärtchen bespickt und an der abrisswand des grossen ackersenfhügels meine lyrik angebracht – auf dem alten hügel haben die pflanzen die fähnchen überwuchert und sturm und regen die kärtchen durchweicht – natur ist überwältigend
norbert 51 der mit seinem rad immer mal wieder vorbei kommt liebt diesen ort – für seinen balkon sucht er eine ausgefallene bepflanzung und denkt dass er hier was finden wird – ich bin gespannt
kurt 75 kommt hin und wieder hier vorbei – in dem grossen holzabfallhaufen hat er schon so manches hölzchen gefunden für seine schnitzereien – ich sags ja kreativort
das geht doch nicht – diesen ort zu beseitigen finden alle die hier durchgehen – bleibt zu überlegen
was ich anstellen und wen ich dazu bewegen könnte anzuweisen dass der ort bleibt und zwar so wie er ist
unabgeräumt war er natürlich um ein vielfaches interessanter und fantasieanregender als jetzt – aber ,war‘ gilt nicht – erhalten wäre es
phase 1
100 tage documenta 13
BUCH
endlos – unaufhörlich I
phase 2
1 jahr fotografische dokumentation
des werdens und vergehens der pflanzen im kompost
BUCH
endlos – unaufhörlich II
phase 3
abgesang
räumung der anlage bis auf 6 resthaufen
BUCH
abgesang
phase 4
moment(a)kunst
einbringen von kleinen kunstwerken
die den ort weder verändern
noch einbringen von fremdem material
BUCH
endlos – unaufhörlich III
in arbeit
die meisten der kunstwerke sind nicht mehr an diesem ort zu besichtigen weil ich sie ja immer wieder wegräume(n muss) – doch in meinem blog sind sie zu finden www.rosadora.de
der moment(a)-kunst dauer verleihen…