NATUR-KUNST-KOMPOSTLOCH…

mit einem dankritual verabschiede ich mich von meinem kompostloch

dank dem ort der mir so wunderbare aufschlüsse und erklärungen geschenkt hat

dank den pflanzen die mich überraschten weil ich sie in der vielzahl hier nicht erwartet hatte
ganz besonderen dank dem springkraut das mich auch heute wieder umduftet und betört

ich wage zwei blütenstiele zu entwenden und stelle sie in eine vase
meine ganze wohnung duftet und hält die erinnerung noch etwas in die länge gedehnt wach
auch in der vase
bilsenkraut fenchel sumpfknöterich und hühnerhirse
sie stehen für alle anderen im kompostloch

dank allen kräften der natur die mich ein ganzes jahr lang begleitet haben
es war das aufregendste und schönste kunstjahr in meinem leben

BOTANISCHER GARTEN V

SEIDENBLUME…

die seidenblume verrät durch nichts so schnell weshalb sie den namen trägt
erstmal erkannte ich sie nicht weil ich auf sie im vergangenen jahr durch ihre balgfrüchte aufmerksam geworden war

die blätter sind lederartig erinnern an gummibaumblätter
die blüten kugelförmig – d. h. viele kleine blüten stehen zu einer kugel zusammen
als sie dann welkte hing sie schlapp herunter und verriet nichts

erst als sich die balgfrüchte zeigte ging mir ein licht auf
nochmal suchte ich nach dem namensschild und fand auch eines – seidenblume also
ich erinnere den platz vom vergangenen jahr
dass die aufgeplatzten früchte dann das seidige offenbaren
konnte ich an den pflanzen nicht nachvollziehen
die balgfrüchte wurden schon vorher entwendet


wikipedia

aber auf einem foto bei wikipedia fand ich die herrliche seidenpracht
wie der schleier einer fee – leicht gewillt zu fliegen
und die samen dem wind preiszugeben

SOMMERAUSKLANG…

….
Hat je ein Duft wie Abendphlox geduftet?
Blaut´ je ein Tag so tief wie Eisenhut?
Sind nun die Sinne wurzelhaft entgruftet
Und trinken, vollmondgleich, aus reifster Flut?

Erfüllte Zeit! Wir opfern deiner Fülle,
Die uns mit Nächten ohne Stern umschwarzt.
Doch bald macht uns des Herbstes große Stille
Um so viel reicher, als du ärmer wardst.

(Carl Zuckmayer. In “Und strömt und ruht”. Gedichte und Bilder. Heinrich Pleticha. Daniela Kulot. Thienemann Verlag)
heute gefunden bei sonja
http://wildgans.wordpress.com/


WEISNICH

der ausklingende sommer bringt noch einmal eine unverschämt farbenprächtige seite von sich zum ausdruck
jetzt wo es nicht mehr so heiss ist
umschmeicheln mich die unterschiedlichsten düfte
war es bei der hitze nur ein einziger dumpfsüsser duftschwall
kann ich sie jetzt differenzierter wahrnehmen
der phloxduft in seiner süsse
die tomaten sehr viel herber
dill und kamille schleichen sich ein
ich sitze auf einer taunassen bank und geniesse

und das gras nicht vergessen
zauberhaft in jeder form und seinen poetischen bildern

BOTANISCHER GARTEN III …

VIOLETTE WUCHT…
im botanischen garten kassel

wochenlang beglückt er mich nun schon mit seiner blütenwucht
mit seinen aufblühenden und verblühenden blumen und pflanzen

im lauf einer woche hat sich die gartenverbene grosse flächen erobert
begeistert mit seiner violetten pracht die spielerisch mit anderen farben prachtvolle bilder zaubert
im abendlichen gegenlicht ist die zauberei vollkommen
ein ehepaar – sie sagt – wir fahren gar nicht mehr weg
wir sind hier so glücklich
eine andere frau bemerkt
so viele menschen waren sonst nie hier
nein der garten war aber auch noch nie so schön wie in diesem jahr
das spricht sich rum

cosmea und verbene
sie spielen miteinander
führen einen sommertanz auf
sie umschmeicheln sich und mich mit ihren zarten formen
auf galanten beinen wiegen sie sich im wind
inbegriff des sommers
hindenken an den sprotte-garten auf sylt
dessen frau cosmea hiess

karden
ich liebe sie in ihrem aufrechten stand
und fotografiere sie gern im gegenlicht
dann kommt in ihrem stacheligen wesen das
leichte und beschwingte hervor

KLEINE SOMMERFULDA…

anders als im mai 2012
ist jetzt mitte august das frühlingshafte gelb verschwunden
springkräuter machen sich breit – wie in meinem kompostloch
das gras durfte nicht wachsen wie zur documentazeit
alles muss wieder seine ordnung haben
die mir gar nicht liebe
und dabei könnten sich in der aue wunderschöne blumenwiesen auftun für bienen und hummeln und anderes getier
und zur freude der besucher/innen

die ordnung macht mich ganz kirre
nichts mehr wo man rätseln könnte
was sich da wohl tut wie im vergangenen jahr
ob da richtige tiere (gemeint waren die pinkbeinigen hunde
human und senior im kompostloch „untilled“ von pierre huyghe) zu sehen seien
und was der hügel auf dem „bollengrün“ zu bedeuten hat

auch um die kleine fulda herum alles schön gemäht
und es würde hier am wenigsten und keinen stören
so habe ich eben nur nasse füsse und bin nicht nass bis an die hüften wie im mai letzten jahres
über die ufer wagt sie sich hin und wieder nach starken regenfällen
die ablagerungen am ufer machen es sichtbar
welch ein glück

der duft des springkrautes weckt erinnerungen an das „untilled“
wo es mich in diesem jahr gar nicht so recht betören will
dass es hier wachsen darf ist ja schon grosszügig gedacht
bis die samen springen dauert es noch ein paar tage
und ich hoffe dass es nicht vorher noch beseitigt wird

ich kann nicht juchzen wie im mai
die neige des sommers macht melancholisch
und das allzu stumpfe grün leuchtet auch die landschaft nicht aus
grün kann unsäglich eintönig sein
bis dann der herbst wieder schönste farben zaubert
also bis zum herbst

siehe auch
AN DER KLEINEN FULDA
mai 2012

EMPATHIE FÜR CHAOS…

chaotische ordnung

in dem chaos
das die natur veranstaltet
gibt es eine ordnung
die mit menschlichem verstand nicht zu fassen ist
egal was ihr zustösst
sie findet wieder heraus
findet immer wieder einen weg
ihren eigenen weg
wenn man sie lässt

indem die menschen das chaos zu ordnen versuchen
zur ihrem eigenen vorteil
stellen sie sich gegen die natur

die natur braucht die menschen nicht
aber wir brauchen die natur

in diesem jahr haben starke sonnenbestrahlung und unwetter den pflanzen im kompostloch
wo im vergangenen jahr zur gleichen zeit pierre huyghes „untilled“ platziert war
arg zugesetzt
das chaos vom vergangenen jahr war für mich ein ästhetischer augengenuss
wärend ich mich in diesem jahr auf etwas völlig anderes einspielen muss
vergleichen gilt nicht


ordnung im chaos

immer neu gucken ist die devise – besonders beim fotografieren
das verstehen beruft sich gern auf wiedererkanntes
neusehen schleppt immer diesen bestand mit sich herum
fast wollte ich gestern nicht „schon wieder“ nachschauen
was sich verändert hat
sondern nur ein paar fotos von meinem zur zeit verfolgten GRAS machen
aber dann fand ich doch wieder alles verändert vor und liess mich mit hineinziehen

so ein chaos

EINST BAUM JETZT TIER…

BAUMTIER

wenn ein baum
nach einem schlag
versucht
das beste aus sich zu machen
und sich dann entscheidet
tiergestalt anzunehmen
ist das nicht gerade
das leichteste

er muss sich recken
und strecken
in die gliedmassen hinein
muss teile von sich abstossen
die er nicht mehr braucht

das schwierigste jedoch
ist der kopf
hier könnte es ein auge werden
das ist da schon angelegt
und die schnauze
das könnte das vorne sein
wo das hinten schon fehlt
und mit einem tiefen seufzer
ist auch das geschafft

am schwierigsten aber
das ist die miene im gesicht
wie soll er wissen
wie ein tier in die welt schaut
und hat ein tier eine miene
wenn er nun eine miene hätte
so wie ein mensch
würde man ihn dann nicht
auch als mensch
oder tiermensch sehen
das ist alles
sehr schwer zu entscheiden
aber das schlechteste
wäre es nicht

aber die flügel
die muss er sich abschminken
für eine vogelgestalt
ist der kopf viel zu schwer
er beschliesst also
am boden zu bleiben
es riecht ein bisschen
nach teer und altem holz
nach öl und naja
nach alter eisenbahn eben

so hält es
einst baum jetzt tier
das eine weile aus

MEIN ZUCKERSÜSSES SCHÖNES…

es hat so schöne augen
einen zuckersüssen mund
eine schnickeschnacke locke
und ist auch ganz gesund

es schaut´ mich an und lächelt
ich habs grad noch gesehn
hätt ich es nicht beachtet
es wär um mich geschehn

ein namenloses tier
das kann doch gar nicht sein
ich nenn´ es für mich bano
am bahnhof wurd´ es mein

du zuckersüsses schönes
mein schnickeschnacke tier
schön dass ich dich gefunden
in diesem bahnquartier

rosadora

WAS LEBT – IST SICH NAH…

josef guggenmos

wegwarte

da stehst du am weg,
stehst immerzu.
wegwarte am weg,
auf wen wartest du?

mit blauen augen
schaust du mich an.
was weiss ich,
was ich dir sagen kann?

wegwarte, raue,
du bist schön, du bist da.
du bist du, ich bin ich.
was lebt, ist sich nah.

wie schön er das sagt: was lebt ist sich nah
wenns doch immer so wäre

meine wegwarte ist eine aus der erinnerung
meiner kindheit
ich erinnere dass es viele gab
auf dem weg zum sommerhölzchen
dem kleinen für mich geheimnisvollen wäldchen

die sterne waren wie verlockungen
das blau schöner als das blau des himmels
bei aller lieblichkeit der blüten
war die pflanze störrisch
und liess sich schlecht pflücken
ich pflückte gerne blumen als kind
heute lasse ich sie lieber

eine einzige finde ich in meinem kompostgarten
wenn wir uns begrüssen
scheint sie mir zuzunicken
wenn wir uns verabschieden
singt sie mir noch das chicory-lied
und wir beginnen zu tanzen
und immer bange ich
dass sie beim nächsten mal
nicht mehr da sein könnte

CHICORY-bachblüte
bachblütentanz
von anastasia geng

ENERGIEMONSTER…

energiemonster gegen natur und mensch und tier

sie erzeugen alternative energie
das ist lobenswert
aber müssen diese windmonster
denn gleich solche ausmasse vorweisen
ich lobe den erfindungsreichtum der männer
aber reicht ihre intelligenz nicht aus
sich unauffällige energiewesen einfallen zu lassen
ich habe da nicht so schnell eine idee
sie sollten nicht so landgreifend sein
die landschaft nicht so verschandeln
und die vögel nicht umbringen
sie sollten auch geräuschlos daher kommen
die menschen beschweren sich über
schlaflosigkeit und kopfschmerz und andere
körperliche symtome

man weiss ja immer erst im nachhinein
was erfindungen so anrichten
(siehe atombombe)
und was die menschen sich damit alles
einfallen lassen
die landschaft reicht ihnen nicht
sie wollen auch das meer
und was bitte wollen sie noch an M(E)EHR

das schlimme ist
sie sind auch noch fotogen
und in schönen farben gehalten
so dass sie mich in besitz nahmen
portraits forderten
und dass ich eines dieser monster
fast erklommen hätte

man müsste die erfinder ans windrad binden
und sie solange schleudern
bis ihnen ihre erfindung geläutert
und neu hervorschimmern würde
(läutern = reinigen, klären, von Verunreinigungen befreien
erklärung des wortes, wortbedeutung im duden)
und ihn
(von charakterlichen Schwächen, Fehlern befreien – duden)
sich nicht anmassen
die lösung gefunden zu haben

im tierpark sababurg traf sich gestern ein komitee
mal sehen was für einsichten es errungen hat