ALLESINALLEM…

als ich ihn fand schwamm er in diesem wasserbecken
ich dachte nicht dass ich ihn retten müsste aber ich fischte ihn heraus
dieser klassische schädel aus wurzelholz hatte es mir angetan
er sollte einen platz bei mir zuhause haben
wieder eines von diesen allesinallem-dingen

das auge blickte mich fragend an
der hinterkopf hatte einen touch von diesen ägyptischen prinzessinnen
um echnaton herum mit den ausgeprägten hinterköpfen

ich liess einen eisenstiel mit fuss bauen
auch sollte der kopf geölt seine beste maserung zeigen

irgendwie ging das daneben – das mit dem ölen ist ihm nicht bekommen
nun habe ich versucht das öl wieder abzubekommen
mit aceton und heissem wasser
ich hoffe dass ihm das nicht allzu weh getan hat
habe ich versucht
den alten zustand wieder herzustellen
was nicht gelang
aber vielleicht sind die erinnerungen immer anderer natur

nun hat er schon einige kollegen bekommen
wie man in der schweiz sagen würde
und meine wohnung wird so zum museum
zur besichtigung frei gegeben
komm mal vorbei

KOMPO…

KOMPOSTGNOM
ODER DER MIT DEN VIELEN GESICHTERN

anfang april sah ich ihn an einem baum lehnen so als würde er auf mich warten
in den vergangenen monaten fiel er mir schon auf
auch zur dOCUMENTA 13 war er anwesend
seine neugier ließ aus seinem kopf einen zweiten wachsen
und nun muss er den mit seinem arm abstützen
fast hätte es ihn auseinandergerissen
so viel war es was in ihn eindrang und was er zu hören und zu sehen bekam

ein ganzes jahr ist es her dass die ersten arbeiten für die dOCUMENTA 13 begonnen haben
dieser einjährige hat so viel erlebt dass er beschlossen hat
es müsse für sein ganzes leben reichen
zu hektisch
zu aufregend und laut
zu viel gerede
das gerede wird in zukunft unterbleiben
soviel steht fest
aber ob die bagger und bulldoggen ihn verschonen werden
das ist nicht sicher
auch die gärtnerinnen und gärtner mit ihrem spitzen gerät
könnten an ihm schaden nehmen und ihn werfen
wohin immer sie wollen

dass ich ihn mitnahm kam ihm gerade recht
ich klemmte ihn mir unter den arm und fotografierte noch dies und das
wechselte ihn mal von links nach rechts
gab ihn dann marlon damit er ihn mir trage bis ich fertig
wäre mit meiner arbeit

human die weisse dOCUMENTA-podenco-hündin
schnupperte an dem gnomenkerlchen
wäre fast der täuschung erlegen dass es ein knochen sei
stellte aber schnell den irrtum fest

zuhause legte ich ihn erstmal zum trocknen in mein büro
wo findus mein stubenkater die gleiche erfahrung machte wie human
nach ein paar tagen duschte ich ihn mit härterem strahl ab
veränderungen treten ein nach wasser und trockenheit
immer sind sie überraschend

heute dann war er mein fotomodell
aber das gesicht das ich so deutlich sah
wollte sich nach der dusche nicht mehr so deutlich zeigen
sehen und sehenwollen sind zwei ganz verschiedene dinge
dass er verschiedene gesichter hat ist sicher
und dass sich mir immer mal wieder ein anderes zeigen wird ist klar
so klar wie auch wir nicht nur ein gesicht haben

EIN ENGEL WERDEN…

EIN ENGEL WERDEN…

etel adnan:
„…denn je weiter wir nach „aussen“ gehen, desto mehr werden wir uns „innen“ wiederfinden.

…und wenn wir jenseits von raum und zeit angekommen sind,
wird sich etwas anderes erschliessen.
wir werden wissen,
was es für den menschen bedeutet
ein engel zu werden.“

alles ist in allem
materie nimmt gestalt an
doch die ist nicht in alle ewigkeit festgelegt
aus diesem kann auch jenes werden
in einem baum befinden sich unzählige gestalten
sie treten hervor und ich kann sie sehen
nicht immer
ich muss mich einstimmen einschwingen
und der baum muss bereit sein
sich mir zu schenken
mich einzuweihen in das grosse geheimnis

diesen engel fand ich bei meinen fotoarbeiten im urwald
ich nahm ihn mit mir
seiner beschützende geste wollte ich mich
ergeben
ich wollte schreiben versichern
aber das geht nicht
nur solange ich diesen schutz wahrnehme
ist er auch da für mich
gerät er in vergessenheit
verschwindet er

NEST IM NEST IM NEST . . .

die frage
ob die vögel alte vogelnester im kommenden jahr wieder beziehen scheint gelöst
im urwald fiel mir beim fotografieren dieses zauberhafte ding fast in die arme
das war schon im vergangenen herbst oder winter

es ist in mehrerer hinsicht zauberhaft
dass ein vogel ausschliesslich vogelfedern zum auspolstern seines nestes verwendet
sozusagen sich auf eigenes produkt sich bettet ist schon die ausnahme
mal ein federchen hier ein federchen da
aber ausschliesslich ein nest aus vogelfedern
das hat mich entzückt

dieser vogel geht uns voran in dem sinne
sich auf eigenes zu besinnen
es ist stimmig durch und durch
es ehrt die eigene gattung
und mich hat es überalle maßen beglückt
dass es mir vor meine füße fiel
war der ausdruck dafür
dass ich es mitnehmen durfte oder gar sollte

es liegt in meinem bücherregel
mit anderen vogelnestern
und ich höre die vögel singen
jeden tag sommer wie winter
und im frühling kommen die aussenkonzerte noch dazu

GESCHICHTEN AUS DEM KOMPOSTLOCH III

FAST KOMPOSTIERT

aber nur fast
wiederspenstig stiel blatt und busch
starren sinnes die brennesseln
obwohl neue sich anschicken
das terrain zu erobern
schon oder erst jetzt

brennessel starr- und leichtsinn
beherrscherin des ortes
paradiesisch hartnäckig
sich haltend an eigenes gesetz
neugierig in neuer gier
mir blickhalt und grosse lust

nachtschattengewächs
brennessel distel und springkraut
sehne neues herbei
nicht vergessen vergangenes
verbinden mit kommendem
das neue jahr mit dem alten

wiedersehen birgt erkennen
neusehen macht neugier riesengross
hinter dem hügel weisse federn
fuchs ich sehe dich
entenpaar vertrauensvoll
in schlammpfütze

ALLES BEGINNEN…

ganz zaghaft beginnt es
mit dem ende fängt das neue an
es entfaltet sich fast unmerklich und dann ist es einfach da
wie hier das springkraut
das im vergangenen jahr so riesig empor wuchs
und im blühen sich verduftete
und dann lustig seine samen in die gegend versprang
und nun ist es wieder da
ich bin neugierig ob es wachsen darf
und noch einmal ein wenig documenta-flair
hier in das kompostloch zaubert

sonst ist nichts mehr so wie es war
die wege und anhäufungen sind plattgewalzt
ein dicker querliegender baum wurde zersägt
ein anderer musste ebenfalls weichen
die zeugen für zusammengebrochene kultur gibt es nicht mehr
und die begegnungen sind vergangenheit
schade

EINSATZ GEGEN BIENENGIFTE…

https://secure.avaaz.org/de/bye_bye_bee_killers_germany/?tGiGUdb

BITTE LESEN
UND REAGIEREN

es ist wichtig, dass unsere bienen leben.
einstein sagte:
wenn die bienen sterben,
sterben wir nach vier jahren auch.

alles, was blüht und früchte tragen soll, muss bestäubt werden.
die meiste arbeit leisten die bienen.
das einsetzen von pestiziden ist gewissenlos
den bienen, anderen tieren, uns und
der gesamten umwelt gegenüber.

rosadora

zappelbiene von der seite von
danny jöckel
imker witzenhausen

er hat die bienen ins „untilled“ von pierre huyghe gebracht
und nach der dOCUMENTA 13 wieder abgeholt
es geht ihnen gut