BAUMFÜSSE…

grün ist die farbe der hoffnung…
AUE_BAUMFÜSSE_I_P1610422baumfüsse – schoß es mir durch den kopf und ich fand, das die bäume gerade jetzt im frühjahr ihre füße recht weit hervorstrecken. zum teil auffällig dadurch, dass sie mit moos bewachsen sind und dem geflecht reichlich platz geben. sie schmücken sich, dachte ich, und dies ist ihre frühjahrsmode.

AUE_BAUMFÜßE_FÜSSE_01.031gut gemacht und gut genutzt. sie passen sich an und sehen doch nie gleich aus. von jahr zu jahr überraschen sie mich. in diesem jahr hat es besonders viel moos, das grün sticht ins auge, gibt durch die farbe grün mir schwung und hoffnung. grün ist die farbe der hoffnung. vielleicht brauchen wir grad sehr viel davon, die weltlage entmutigt…

AN DIE BÄUME IM WINTER…

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gute bäume,
die ihr die starr entblätterten arme reckt zum himmel
und fleht wieder den frühling herab!
ach, ihr müßt noch harren, ihr armen söhne der erde,
manche stürmische nacht, manchen erstarrenden tag!

aber dann kommt wieder
die sonne mit dem grünenden frühling euch;
nur kehret auch mir der frühling und sonne zurück?
harr geduldig, herz, und bring in die wurzel den saft dir!
unvermutet vielleicht treibt ihn das schicksal empor.

Johann Gottfried von Herder (1744 – 1803)

FRÜHLINGSWIND IM NOVEMBER…

KARLSAUE ZUM BASSIN…

AU_VOM NORDTOR ZUM BASSIN_TOR_III_20.111ein vogel singt frühlinslieder schon am frühen morgen. das wetter ist irritierend – nicht nur für menschen. schön ists im sturmwind zu laufen. die menschen sind aus den häusern gepurzelt, als wäre baumblattausverkauf.

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sie rascheln unter den füßen – noch – bis sie von den gärtnern weggepustet werden. weich, wie auf einem teppich gehe ich. so ein tag ist ein geschenk.

AU_VOM NORDTOR ZUM BASSIN_TANSENDE WASSERBLÄTTER_II_20.11
der wind peitscht das wasser im see auf. die blätter tanzen den wasserblatttanz – schön anzusehen. ach wäre ich doch ein blatt – nur für eine kleine weile.
noch vor wenigen tagen war das landschaftsbild ein so ganz anderes. jetzt ist die tönung beig-braun – ein bißchen gelb – unvermutet ein kleines rot – so genügsam und doch üppig in seiner art.

AU_VOM NORDTOR ZUM BASSIN_DREI BÄUME HOCH_VI_20.114 AU_VOM NORDTOR ZUM BASSIN_STEFFI UND TEDDY_V_20.113

die menschen führen freudig ihre hunde aus – so viele hunde. ich setze mich auf eine bank. ein hund kommt zu mir gleaufen, leckt mir die hände, schnüffelt ausgiebig. die besitzerin kommt auch – steffi – eine kunststudentin. na das paßt ja – steffi und teddy. wir reden lange – es ist redewetter – und die luft fast lau bis bissig.
frühling im november – das wars doch…

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NATURHOLZWUNDER…

AUE_HOLZ MACHT KUNST_FLEDERMAUS_VII_P1570737was ist wo und was ist was – finden – schauen – da ist alles – nichts ist da. ja was denn nun – wenn etwas zum wunder werden soll, mußt du es finden. offenenauges schlure ich durchs herbstlaub – das so bunte und vielfarbige – schlunze vom nordtor bis zum großen bassin – mache ein foto nach dem anderen – so schön ist die welt im herbst – und lande – über thomaseiche und baumhasel im ablageplatz der mhk.
das ist froppevoll mit pflanzenabfall jeglicher art und einem berg zersplitterten holzstämmen. der erlangt meine aufmerksamkeit.

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das viertel eines stammes steht allein und aufrecht im weg. kunst – denke ich –  die offene fläche ins schwarze fallend mit nuancen von hell bis dunkel. absichtslos. es verleitet mich dazu, die schnittflächen des holzabfallhaufens genauer zu betrachten.

AUE_HOLZ MACHT KUNST_ II_03.111 AUE_HOLZ MACHT KUNST_ III_03.112 AUE_HOLZ MACHT KUNST_FROSCHFRAU AUF THRON_V_KOMPO II_03.114 AUE_HOLZ MACHT KUNST_KOMPO_VI_03.115

sie werden – mir zur freude – ebenfalls mit kunstblick betrachtet – kunst – die nichtgemachte – wie nur natur es verbirgt.

AUE_HOLZ MACHT KUNST_I_FLEDERMAUS_03.11menschen haben den bäumen die schläge beigebracht – es war nicht einmal ein schlagabtausch. bäume schlagen zwar aus – im besten alter – aber sie schlagen nicht auf menschen los. die maßen sich an, die lebenszeit eines baumes zu bestimmen – machen ihn dann nieder – alles zur sicherheit der menschen – versteht sich – als ob sie so wehrlos wären – die menschen – und wenn schon…
zuhause bewegen mich die wunderbilder noch immer – ich schiebe sie herum – ordne sie mit- und untereinander – finde namen und entdecke schließlich die froschfrau auf ihrem thron. na sowas… das höchstmaß der synergie ist erreicht, was kunstmacher sicher nicht verstehen können – die ist ja auch natürlich – nicht gemacht. also – auf den zufall – auf das finden – auf das allerwichtigste auf der welt die natur…

EINMAL UM DIE INSEL…

SIEBENBERGEN ist eine insel – eine kleine – mit exotischen pflanzen und bäumen. von mai bis oktober kann man sie betreten – gegen entgeld versteht sich. doch von oktober bis mai ist sie zugesperrt. warum, ist mir völlig unklar. die bäume und planzen im herbst- und wintermodus wären eine schau für sich.

DRUMHERUM_I_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.111 also gehe ich aussenherum – schleichweg – sozusagen. die inselherbstbäume aus diesem abstand zu sehen ist besonders. ich kann sie ja ein bisschen heranzoomen… den weg, der keiner ist, gehe ich zum erstenmal. immer mal wieder sah ich menschen dort von der insel aus. und nun sehe ich, dass da gar kein weg ist – wie eine streuobstwiese – nur, dass da keine obstbäume stehen, sondern wunderbare birken – weiden – ahörner – und einige mehr.DRUMHERUM_III_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.113

DRUMHERUM_IV_BRÜCKE_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.114ungefähr kann ich mir denken, wo ich da rauskomme – an der weißen brücke, die so schmutzig ist, dass sie schon nicht mehr weiß ist. ich überquere sie, um meine inselrunde zu vervollkommnen.
AUEGEIST_DRUMHERUM_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.11und wie sollte es anders sein, in der aue ist man niemals alleine. ich werde beobachtet.
an einem dicken baumstamm schaut sie heraus wie aus einem fenster – die baumjule.
eindrucksvoll wie sie da so klebt und alles beobachtet. lange geschichten müßte sie erzählen können, wenn, ja wenn….

DRUMHERUM_INSEL SIEBENBERGEN_LICHT_P1570462

DRUMHERUM_V_HINTER_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.116plötzlich verändert sich das licht wie auf einer bühne. in der ferne dunkle wolken, oder besser gesagt, eine dunkle regenwand. und ehe sie ganz heranzieht, verändert sich das licht, wie man es selten nur zu sehen bekommt. das sind die momente, die mich beglücken und wo ich denke, dass ich vielmehr bei doppeldeutigem wetter draußen sein müßte. ein schauspiel seltener art und sondergleichen.
DRUMHERUM_IVI_VOR DER INSEL_NSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.118 DRUMHERUM_VI_HÄNGEBUCHE_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.117
die parkarbeiter räumen die bänke weg – und – zum schluß meiner runde will ich mich niederlassen auf einer bank, die gestern noch da stand. was diese parkarbeiter für ein verhältnis haben zu den menschen in dem park. alte menschen müssen auch im winter eine möglichkeit zum draufsitzen haben. sie gehen ihre runden sommers wie winters.
und bänke, die dem winter standhalten, gibt es doch. falls sie ein bißchen teurer sind als die grüngestrichenen, die immer abgebaut und nachgebessert werden müssen, blieben doch die mühen des ab- und wiederaufbauens und die kosten dafür erspart. achso, das sind arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, sorry, wie so vieles andere im park. ich wette, der rasen wird nochmal gemäht.

DRUMHERUM_II_BÄUME_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.112 DRUMHERUM_V_BLÄTTER UND PILZE_INSEL SIEBENBERGEN_AUE_02.115

mein rundgang war besonders, weil erstmalig, und der bunte herbst hat mir viele bunte bunte bilder geschenkt. anna sagt, das ist jetzt das ende mit bunt, und ich denke – nicht ganz – danach kommt auch noch was…

DIE PRACHT DER BÄUME…

KARLSAUE

AUE_MÄDCHEN VOR TRAUERBUCHE UND BRÜCKE_P1570321

DIE PRACHT DER BÄUME
da ich die grüne pracht der bäume zärtlich liebe
und folglich mich anjetzt im herbst bei ihrem fall,
bei der entblätterung der wipfel überall
und der vernichtung des laubes recht betrübe,
so deucht mir doch, ob hör ich sie im fallen
zu meinem troste dies mit sanftem lispeln lallen:
„du siehst uns von dem geliebten baum
nicht, um denselben zu entkleiden,
noch um ihn nackt und bloß zu lassen, scheiden;
ach nein, wir machen frisch und schönern blättern raum.“

barthold hinrich brockes (1680 – 1747)

AUE_TEICH_II_31.10

AUE_TEICH_I_01.011scharlach eiche

AUE_TEICH_III_31.101kaukasische flügelnuß

AUE_TEICH_KAUKASISCHE FLÜGELNUSS_31.102
am baumalphabet
das leben lernen
den fragen
eine richtung geben
die antworten finden
mal mehr
mal weniger

rosadora

VÖGEL DES GLÜCKS…

KRANICHE ÜBER DER AUE…

KRANICHE_AUE_P1570161sie holen den frühling zurück. schon vor wochen sah ich die ersten sehr eifrigen. die hörte ich mehr als dass ich sie sah. sie holen den frühling obwohl ich den herbst mindestens ebenso schön finde. ihr rufen berührt mich immer sehr und ich denke an die weiten strecken die sie zurücklegen und mir ist völlig unklar wie sie das hinkriegen. soviel anstrengung – unvorstellbar…

 

ERSCHEINUNGEN…

HUND AM BAUM KARLSAUE…

AUE_BAUMHUND_P1570770ich sitze auf einer bank im park habe das gefühl alles ist beobachtung. es schaut mich an ich schaue zurück und mit dem sich verändernden licht verändern sich die bilder. die bäume sind die hauptstatisten um mich herum. sie verändern sich tagtäglich in richtung herbst.
doch bei längerem sitzen an derselben stelle verschieben sich die lichteinfälle und mit ihnen die schatten und das was mir ins auge fällt. seltsam sitzt da ein hund wo ich noch nie einen sah. er hockt auf seinen hinterläufen und schaut in meine richtung. ich nehme mein tele um mich an ihn heranzupirschen und wie seltsam zeigt er sich jetzt fest an den baum angelehnt. einen moment dauert es bis ich erkenne dass der hund teil des baumes ist der in diesen sekunden – und nur in diesen sekunden – sich mir so zeigt. ein baumhund – ein hundebaum.                                                                                                                 von nun an wird der baum immer nur mein hundebaum sein.
ich staune und noch am nächsten tag versuche ich ihn wieder zu entdecken. aber nichts – garnichts – kein hund am baum – wie auf und davongelaufen. diese erscheinungen mit der veränderung des lichtes die sich sekundenschnell vollzieht macht dass niemals etwas gleich erscheint. und – sind es nicht erscheinungen…

HUNDE RÄUMEN AUF…

IN DER AUE RÄUMEN DIE HUNDE AUF
habe ich den eindruck

AUE_HUNDE RÄUMEN AUF_I_20.09AUE_HUNDE RÄUMEN AUF_SCHÄFERH._P1570771unerbittlich schleppen sie die großen äste von einem ende zum anderen
sie machens den menschen nach wollen dienen und gehorchen
diese armen hunde
aber es macht ihnen spaß das wiederum könnten die menschen den hunden abgeschaut haben
hoffentlich werden sie nicht ausgenutzt – die hunde – von den menschen
aber lustig sah es aus…

R O S T k u n s t …

IM WERKHOF…
WERKHOG_ROSTKUNST_COCA COLA_P1570057
Kampfmittelräumdienst in der karlsaue.
meine fundstücke mögen unbedeutend sein – doch sie taugen immerhin, sie als rostkunst in meine sammlung einzuordnen. geradezu gierig, wie auf einen leckerbissen, bin ich hinter ihnen her. aus einem riesenmetallabfallberg suche ich sie heraus. sie zeigen sich mir in ihrem befreiten zustand und hoffen auf anerkennung – noch ein letztes mal, ehe sie dann an die schrottverwertung verkauft werden. was ihnen da geschieht, will ich gar nicht nachverfolgen. sicher verlieren sie ihre form und damit ihr gesicht, das sie mir noch zeigen.
ich weiss nicht mit sicherheit, wie lange sie im verborgenen zubringen mußten. der räumdienst sucht nach blindgängern, die jetzt an der reihe wären, sich selbst zu zünden. mit akribie suchen sie und finden sicher auch dinge, die nicht aus der bombung von 1943 stammen. ihr sucher zeigt jedes fitzelchen an.

werkhof_rostkunst_II_30.081 werkhof_rostkunst_III_30.082werkhof_rostkunst_I_30.08warum sind sie kunst – rostkunst. sie sind es für mich, weil ich das so will, weil ich sie dazu mache. sie sind es wert, betrachtet und ins licht gerückt zu werden. es erfaßt mich ein schauer, wenn sie mir begegnen und – dass sie nach so langer zeit irgendwie ihre zerschlagene form behalten haben. ihre beschaffenheit überdauert die zeit. sie sind zeitzeugen auf besondere art. sie geben nur zögerliche antworten, so man sie fragt. und ein seltsamer coca cola-knautsch veranlasst mich, die geschichte der firma nachzulesen. ich bin erstaunt, dass sie schon im vergangenen jahrhundert ihre reise begonnen hat – eine reise um die ganze welt und bis in die ablage des werkhofes in der karlsaue in kassel genommen hat. interessant und spannend finde ich die zusammenhänge. alles hat einen anfang und endet nie…