ERINNERN AN ERMORDETE JÜDISCHE MITBÜRGER/INNEN…

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig.
der künstler erinnert an die opfer der ns-zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten wohnort gedenktafeln aus messing ins trottoir einlässt.
bis ende mai werden 4000 STOLPERSTEINE in über 500 orten deutschlands und in mehreren ländern europas gelegt sein
mit den steinen vor den häusern soll die erinnerung an die menschen lebendig bleiben, die einst dort wohnten
und in konzentrationslagern ermordet wurden.
auf den steinen steht geschrieben: z. b.
HIER WOHNTE…
ROSA ROSENGARTEN GEB.1875 ERMORDET 1943 AUSCHWITZ

Ein Stein.
Ein Name.
Ein Mensch.

Für 120 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines STOLPERSTEINS übernehmen.

MÜLLERGASSE 2

ALLES BEGINNEN…

ganz zaghaft beginnt es
mit dem ende fängt das neue an
es entfaltet sich fast unmerklich und dann ist es einfach da
wie hier das springkraut
das im vergangenen jahr so riesig empor wuchs
und im blühen sich verduftete
und dann lustig seine samen in die gegend versprang
und nun ist es wieder da
ich bin neugierig ob es wachsen darf
und noch einmal ein wenig documenta-flair
hier in das kompostloch zaubert

sonst ist nichts mehr so wie es war
die wege und anhäufungen sind plattgewalzt
ein dicker querliegender baum wurde zersägt
ein anderer musste ebenfalls weichen
die zeugen für zusammengebrochene kultur gibt es nicht mehr
und die begegnungen sind vergangenheit
schade

WEISSER RIESE…

aus der entfernung dachte ich
dass es etwas aus eis gefrorenes sei
doch beim näheren betrachten
stellte ich fest
dass es der reinste marmor war
glattgeschliffen
und in eine form gezwungen
schmeichelhafte oberfläche
sich mir einschmeichelnde form
mir zum erstaunen

Venske & Spänle
»Gumpfot Weißer Riese«
2009, Marmor, poliert, 288 x 80 x 90 cm

aus „neue kunst in alten gärten“:
Was soll das? Und was hat das mit Überleben zu tun? Alles! Es gilt, um heute überlebensfähig zu sein, vielleicht mehr als je zuvor, das Ähnliche im Unähnlichen zu erkennen, um so wie in einer gelungenen Metapher unterschiedliche Wirklichkeiten miteinander zu verbinden. Nur, wenn wir das Ungesehene uns vorstellen und das Unorthodoxe denken können, wird uns dies dazu befähigen, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue zu gehen. Und nur das sichert unser Über-leben. Denn, wie schon Alexander Kluge in einem sprichwörtlich gewordenen Werktitel deutlich gemacht hat: „In Gefahr und höchster Not bringt der Mittelweg den Tod.”

SEHNSUCHT NACH EINEM BACH…

CHOFIM

nach einem gedicht von nathan jonathan

UFER

ufer sind manchmal
sehnsucht nach einem bach,
der geliebt hat.
in unserer gegend gibt es trugbäche.
ich sah einmal ein ufer,
das hatte der bach verlassen und vergessen,
und es blieb zurück mit gebrochenem herzen
aus steinen und sand.
auch der mensch
– kann sein, dass er zurückbleibt
verlassen und ohne kraft –
wie das ufer.

1. strophe
TANZ n. heimann
aus ASCHIRA
jüdische lieder