OKWUI ENWEZOR…

 

 

 

 

 

 

 

fotos: rosadora

als unkonvenzioneller anreger und vermittler zwischen den kulturen machte er sich als mister documenta, wie silke müller von art spezial ihn nannte, einen ruf, der bis heute nachklingt.
für mich war es seine ausstrahlung, die ihn umgab und bis heute nichts eingebüst hat und mir über seinen tod hinaus in erinnerung bleiben und weiterwirken wird.

mit einem blauen buch in einem blauen gewand stand ich vor ihm und bat um seine genehmigung, den besucherinnen und besuchern ihre eindrücke über die d11 zu entlocken und mit einer kurzen notiz in meinem blaues buch zu notieren.
mit WITH COMPLIMENTS! YOU ARE MOST WELLCOME und OKWUI 21.9.02 KASSEL.
gestattete er mir mein vorhaben.
mit den besucherinnen und besuchern tauschte ich viele ansichten aus und mit SIE SIND EIN KUNSTWERK, wegen des blau in blauem outfit, war ich reichlich belohnt.

OKWUI ENWEZOR ist der kurator einer documenta, und ich habe alle erlebt, der mir in erinnerung blieb und bleiben wird. er ist jahrgang 1963, dem jahr, in dem auch einer meiner söhne geboren wurde – das verbindet doppelt. sein tod traf einen der menschen, die verdient hätten, doppelt so alt zu werden, um ein angefangenes, in die zukunft weisendes, vollenden zu können.
meine trauer ist grenzenlos.

JETZT KOMMT GRUND REIN…

FRAUNHOFER BAUSTELLE KASSEL…

erde wurde abgefahren, lastwagenweise – wohin bloß – die grundfläche des neubaus ausgebaggert – in die tiefe, damit es in die höhe gehen kann – stehvermögen bekommt. die einstige ansicht macht mich neugierig. was kann dem weissleuchtenden AA in so klassischer form konkurrenz machen. oder kommt es weg – das weisse. der neuerwerber gibt noch keine auskunft darüber, ob es bleibt oder fällt…
die vergangene woche war sehr effektiv – arbeitsmäßig. es war wie ein ruck, der grosse veränderungen herzauberte. das wetter hat geradezu angespornt zu eifrigem tun.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EIN VORFRÜHLINGSTAG AUF DEM BAU…

FRAUNHOFER NEUBAU KASSEL…

es ist wie eine explosion – eine unzahl verschiedener baufirmen und arbeiter wuseln auf dem baugrund herum. alle scheinen genau zu wissen, was sie zu tun haben. ich bin fasziniert von ihrem arbeitseifer und dass sie sich nicht in die quere kommen. es ist ein buntes treiben. die bagger und fahrzeuge und bohrtürme schicken ein farbiges strahlen in die szenerie. vom himmelblau bis zum sonnengelb – alles vorhanden – das weiss schmückt und strahlt besonders.
der mensch auf der weißen bauhütte, der etwas rückt und regelt und nicht weiß, was das da werden soll, winkt mir zu. ja, ich darf ihn fotografieren. freundlicher tag also.
ein schnittger-fahrzeug – auch der fahrer winkt. schnittger war die abbruchfirma – alte bekannte. nach viereinhalb jahren – als wäre es gestern gewesen.
das klima auf dieser anhöhe ist besonders – wenn es windig ist, dann besonders – wenn die sonne scheint, dann voll und ganz – und regen erst…
und der fraunhofer bau – auch etwas besonderes – denke ich.

 

TAGMOND ÜBER DER BAUSTELLE…

FRAUNHOFER NEUBAU KASSEL…

eine friedliche stimmung bringt die mondin in die szenerie. keine aktivitäten. ruhe im bau. noch ist das jahr neu und ein blauer himmel ebenso. hier wird nun auf neue art gewerkelt – alles in richtung: es wird schon. die bohrtürme machen meinem schornstein wahrzeichen konkurrenz. die langen stahlwürmer müssen in die erde. sie fesseln den flüssigbeton, machen den untergrund sicher, ehe es dann in die höhe geht. es ist spannend, welche voraussetzungen solch ein gebäude erfordert…

 

HÜGELIGES VOM BAHNHOF…

FRAUNHOFER NEUBAU…

erde brocken klumpen steine
hoch und höher up und down
gehoben gewendet verschleppt
geschoben gehäufelt geplättet

furchen rinnen glatte hohe
zeitweilig verworfen
die orte nicht ständig
verschoben wieder und wieder

erdkraft vermindert
pflanzen verhindert
wer sieht sie wer hört sie
in allem das leben

heut schmeicheln die hügel
zuversicht keimt auf
auf zugeteiltem platz
räumt natur alles auf

BEBERBECKER FRIEDHOF…

WENN BÄUME GRÜSSEN…

tun sie das nicht für den moment, sondern für eine lange zeit – oft über jahre.


so etwa der beberbecker friedhofsbaum. im laufe der zeit hat er sich sehr verändert – er hat sich in sich zurückgezogen sozusagen. in erinnerung bleibt er mir noch lange als mit beiden armen schwungvoll grüßend. das tut er heute zwar noch immer, aber den armen fehlt der schwung – etwas stummelig kommt es mir rüber.

vor drei jahren

 

 

 

heute

ich besuche ihn nach langer zeit mal wieder und ich freue mich, dass er mich noch wiedererkennt – oder erkenne ich ihn…
dass er noch recht lange lebt wünsche ich und er auch weiterhin die richtung vorgibt in dieser zeit, wo die menschen so richtungslos umher irren…

BIOTOP BAHNHOF…

…UND ENDE NOVEMBER

in dert natur gibt es keinen stillstand. noch die reduzierteste form rührt mich, mach mich neugierig. immer ist es spannend, was da neues kommt. die pflanzen auf dem biotop scheinen eine besondere metamorphose zu durchlaufen, wenn sie sich in ihrer form verändern. zum winter hin neigen sie dazu sich zu minimieren. im frühjahr haben sie sich dann so verändert in größe und oft auch in der form, dass ich sie freudig empfange, obwohl ich sie kaum wiedererkenne.

der sommerflieder wagt mehrere anläufe, als brauchte er das frühjahr gar nicht, er kann es einfach nicht abwarten. seine herkunftsländer weisen andere bedingungen auf, so daß das blühen kaum unterbrochen wird.
die nachtkerze ist auch ungeduldig – kaum verblüht, hat sie sich schon wieder in eine form gebracht, als könne sie jeden moment wieder blüten hervorbringen. ich schaue, ob sie unbeschadet den winter übersteht, eingemummelt wie in einen pelz sind ihre blätter ja.
die goldrute imponiert mir noch besonders. im wintergegenlicht verströmt sie einen wahren zauber.
wie auch immer eine jede pflanze sich in ihre verwandlung fügt, einen zauber verströmen alle und meine neugier läßt nicht nach.