VARIATIONEN DES WARTENS…

christine reinckens
kunstbalkon kassel
vernissage 28.08.09

WARTEN
ein aus sehnsucht gesponnener traum
ein ganz besonderer zustand, wenn wir ihn füllen, mit unseren träumen
oder ein ins stocken geratener zeitfluss, der quält und wütende ungeduld
heranschwemmt

christine reinckens wartende sind lässig entspannt, lassen die betrachtenden gleichgültig an sich vorüberziehen, unirritierbar, ohne auch nur den blassesten schimmer erkennen lassend, worauf sie warten
sie sind nur sie selbst, tragen weder taschen, noch handys , noch Einkaufstüten, tauchen doppelt auf,
schliessen sich fast zum kreis durch die beiden an den äusseren rändern sitzenden, wie in einer schlussposition beide den kopf aufstützend
mittelpunkt ein paar gelborange schuhe, um die sich der kreis mir in gedanken schliesst
die beine und füsse sehr ,entgegenkommend´, sich in den kreis sehnend

wartend – eher ab-wartend – erscheint mir die szenerie
das warten friedlich hinnehmend
variationen des wartens einer gleichgearteten menschengruppe

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EIN TRAUM…

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für sabine…

Ein Traum, ein Traum ist unser Leben

Auf Erden hier.

Wie Schatten auf den Wogen schweben

Und schwinden wir

Und messen unsre trägen Tritte

Nach Raum und Zeit;

Und sind (und wissen’s nicht) in Mitte

Der Ewigkeit.

(1. Strophe aus „Amor und Psyche auf einem Grabmal“.)

Johann Gottfried Herder (1744-1803)

N I E M A N D . . .

robert walser
’niemand ist berechtigt, sich mir gegenüber so zu benehmen, als kennte er mich.‘

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‚freundchen, ich kenne dich doch’, bedrohlich und herabwürdigend ausgesprochen, vom vater z. b., und verdächtigt, irgendetwas auszuhecken, von dem er längst weiss, dass es geschehen wird.
ich war naiv und wusste nicht einmal, was er meinte. ich war aber auch trotzig ob solcher anschuldigungen. ich sann nach und überlegte, mit was ich ihn beunruhigen könnte. es müsste ja etwas sein in der nähe dessen, was er mir unterstellte, aus der sicherheit heraus, dass er mich kennte.
ich war von seiner angemassten autorität so eingeschüchtert, das ich mich nichts traute. doch, ihm wasser in seinen motorradtank zu kippen, ihm mal richtig die matte unter den füssen wegzuziehen oder üblere scherze, gingen mir durch den kopf, blieben aber leider nur in meiner fantasie.

BUDDHA KOMMT ZU MIR…

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nicht krampfhaft suchen, aber schauen
nicht in besitz nehmen, kommen lassen
dem ort der freude und gelassenheit nachspüren
lächelnd zulassen was ist
nicht finden wollen
er wird mir gebracht
es ist liebe auf den ersten blick
der kopf harmonisch oval
die lockenpracht dezent und bis in den nacken
sein gesicht geheimnisvoll lächelnd

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die ohren bis auf die schultern
ein dicker und ein dünner reif um den hals
ein anderer um den körper
von der schulter unter dem rechten arm
ein sari über die linke körperhälfte
wunderbar in falten
die schmalen hände ineinandergelegt
die rechte zu oberst, die linke schützend
der rechte fuss über den linken geschlagen
auf einem wunderbaren ovalen lotuspodest sitzt er

er bereitet mir freude
er verbreitet ausgeglichenheit
er begleitet mich von nun an

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in der traumfabrik, wo ich vor einiger zeit den buddha und den gartenzwerg fand, wollte ich schauen, ob ich einen buddha für mich finde.
wie ich schon sagte, alles zu allgemein dekorativ.
als ich mit der dekorateurin redete, die beim letztenmal zeugin meines erkennens war, hatte die plötzlich eine idee. hier in der nähe ist ein kaktusladen, da habe ich solche buddhis stehen sehen.
ich fand ihn schliesslich, den ‚laden’, der für mich alles andere war als ein solcher. eine riesenkaktusfläche im freien, die mich denken liess, meine dekofreundin hat geträumt. doch es geht in ein inneres, wie ein gewächshaus, nur eben ganz anders. zwischen den kakteen tatsächlich hier und da ein buddha und andere figuren. ein ganesha, ein denker, ein schläfer – der liegt auf dem sofa mit einer katze und hört mich nicht. leise gehe ich zwischen kakteen und figüries, will mich hinausschleichen, weil ich nichts interessantes für mich sehe, da räkelt er sich, der schläfer, ganz verträumt in die höhe.
an dem gewächshaus noch anschliessende räume. der erwachte geht mit mir hinein. sagt, zur zeit haben wir nicht so viel, – buddhas meint er – ob noch welche kommen, er sei nur ein angestellter und wisse das nicht.
aus noch weiter sich anschliessenden räumlichkeiten ein mann, im hintergrund winkt noch eine frau, wohl auch im mittagsschlaf gestört. ich winke zurück.
alle freundlich, hören sich an, was ich suche, wie mein buddha aussehen soll – meine güte, als ob ich das so genau wissen würde.
ich hab um drei einen termin, es ist schon viertelnachdrei, aber die gelassenheit der menschen hält mich. ich sage, ich komme nochmal wieder.
da ruft die frau, sie hätte da vielleicht noch was für mich. sie habe ihn für sich ins regal zurückgestellt und sei schon mal irgendwo geklebt. aber ihr würde er sehr gut gefallen.
sie stellt ihn vor mir auf – er ist aus geschmeidigem speckstein. ich berühre ihn sanft an schultern und knien – es ist mein buddha. er lächelt mich an, ist wohl mit meiner wahl zufrieden und die frau sagt, ich habe ihn hervorgeholt, weil ich denke, dass der zu dir passt. ich sage, dass ich ihn möchte. und wir sind uns einig. der buddha geht mit mir.