DAHLIENGARTEN HAMBURG…

EINE PRACHT AN BLÜTEN UND FARBEN…


der dahliengarten in hamburg ist eine wahre augenweide. und dass ich mich früh aufgemacht habe und noch die tautropfen an den blüten erwische, ist freude – doppelte freude. diese enorm große verschiedenheit der blütenformen und der einfallsreichtum an farben lassen mich gar nicht mehr aufhören zu staunen. am ende sind es 360 fotos und eines schöner als das andere. hier eine kleine auswahl…

fotos 2010: rosadora

BOTANISCHER GARTEN mit mirko…

WEINRAUTE IM HEILPFLANZENBEET…

wenn ich eine herausgreifen darf, dann die WEINRAUTE.
sie hat für mich ein ganz besonderes aussehen und dazu einen ungeheuer betörenden duft. die gelbstrahlende blüte hat kreuzförmig angeordnete blütenblätter und dazwischen
das strahlen verdeutlichende und richtungzeigende strahlenfinger.

als heilpflanze verscheuchte sie einst die pest – wieso heute also nicht die coronawelle.

auch heute wird sie noch als heilpflanze eingesetzt. weil das etwas kompliziert ist, bitte nur mit fachlichem rat.

mirko erfüllt mir noch einen großen wunsch – die heilpflanzen in den beeten kartografieren, also die pflanzen mit den dazugehörenden verweisschildern  fotografieren. ich kann das leider nicht mehr – mich bücken z. b. und wieder aufrichten. –  hier etwas gedrängt, aber alle vorhanden…


fotos: mirko tuschick

URWALD NOCH IMMER…

diesen text konnte ich nicht sausen lassen
er brachte mich in gegenden, in denen ich einst zuhause war
und mehr als das – er erweichte mein herz aufs neue…

VOM WEG AB…

P1060405_VOM WEG

den genauen zeitplan kannte ich nicht. ich machte mich auf den weg und fragte mich, wohin er mich führen würde und was das ganze soll.
laufen, schneller voran kommen und um das zu erfahren, war nur eine möglichkeit. ich entschied mich für das schlendern, machte immer mal wieder eine pause zwischendrin und wich ab und zu vom weg ab.
dabei merkte ich, dass das abweichen einen besonderen reiz hatte. es gab dinge zu sehen, die ich an keinem weg hätte finden können. menschenleer war diese gegend sowieso. meine neugier wurde befriedigt und das ist der grösste anreiz für abweichungen.
ich begann sie zu lieben.
so war ich vom weg abgekommen und das machte mir spass, bereitete mir ein riesiges gefühl von freiheit – frei von alltäglichem, frei von verpflichtungen, frei auch von lästigen begegnungen, sogar frei von gedanken. zwar liefen da welche in mir herum und um mich her, aber die nahmen so völlig andere gestalt an als üblich. sie eröffneten mir einen neuen aufenthaltsort für meine fantasien. ja, fantasie war üppig vorhanden. das machte vielleicht dieses auffällige grüne grün um mich herum. ich liess mich fallen. das tat unheimlch gut. alles um mich herum war leicht. es begleitete mich, flog sozusagen mit mir. wir hatten grosses vertrauen zueinander, diese wahnsinnsgrüne fantasie und ich.
plötzlich wurde es lebendig um mich herum. urwaldwesen hängten sich an mein geschlender und zwangen mich zu noch grösseren pausen. sie wendeten keine gewalt an, sie fesselten mich auf besondere art. es entstand ein dialog mit märchenhaftem gebaren.
ich fühlte, dass dies mein ort war und ich zögerte, auf den mir vorgegebenen weg zurück zu gehen. diese urwaldwesen ermunterten mich, es trotzdem zu tun. ich könne doch jederzeit wiederkommen. das tröstete mich sehr und ich versprach wiederzukommen – immer wieder.

rosadora

BOTANISCHER GARTEN

A G A V E – DU UNERMÜDLICHE…

die geduld der menschen reicht nicht aus, um den werdegang dieser agave abzuwarten. sie ist mein jahrgang – 1939 – das ist fast nicht zu glauben, und daher weiß man nicht mit ihr umzugehen. sie würde vielleicht nicht aufgeben, hätte man ihr nicht alle nachkömmlinge entwendet, in denen sie sich neu formieren konnte.
geldgierig hat man sie von ihr abgetrennt und zum verkauf angeboten. nun sind die wachskräfte in ihr erstorben. gern hätte ich gesehen, wie sie einen anderen weg gewählt hätte…

BOTANISCHER GARTEN…

FORMSCHÖNHEIT DER KAKTEEN…

sie stossen sie nicht ab – ihre nachkommen – sie bürden sie sich auf – manches mal huckepack, wie diese schöne, manchmal wie unter den arm geklemmt. zur zeit blühen sie nicht. sie brauchen ja auch mal ihre pausen. aber immer bereiten sie sich vor auf schöne blühtage.

das kakteenhaus im botanischen garten kassel beherbergt einen großen schatz an verschiedensten kakteenarten. aber es platzt sozusagen aus allen nähten. ein neues kakteenhaus wäre eine gute investition, schließlich kommen menschen von weither, diese pracht zu bewundern.

sie sehen aus, als würden sie schlafen, aber in ihnen sind prächtige wirkkräfte am schaffen. sie erfreuen uns wieder zu ihrer zeit. sie stammen aus weitentlegenen ländern und müssen sich unserer klimazone anpassen, so gut es geht – aber dann tun sie es, mit großem eifer.

WALD-ENGELWURZ…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

ein älterer beitrag fiel mir dazu ein…

E N G E L W U R Z . . .  auch angelica

in einem beet von pierre huyghes „untilled“ entdecke ich eine pflanze die mir vom namen her nicht bekannt ist
ich schaue nach
ENGELWURZ

eine pflanze die mich begeistert und ein name der mich fast umhaut E N G E L W U R Z
das muss ich mir ersteinmal bildlich klar machen
engel – himmel
wurz(el) – erde
sie verbindet irdisches und himmlisches mit ihren wirkkräften

hat man erst einmal etwas erkannt
begegnet es einem und erkennt man es immer wieder
mit ina und re die zur dOCUMENTA 13 nach kassel gekommen sind
gehen wir im ilyssia essen
ich komme gar nicht hinein in den laden
rechts und links neben dem eingang
in einem grossen blumenkübel ENGELWURZ
als würde es die arme ausbreiten
und rufen – ach da bist du ja (wieder)
ich bin so erstaunt dass es mir die sprache verschlägt

und dann weiss ich es jedesmal wieder ENGELWURZ

ein erzengel soll einem mönch zu zeiten der pest
diese pflanze verraten haben

die engelwurz – auch angelika genannt – ist eine eindrucksvolle erscheinung
wie sie wohl hier in das kompostloch gekommen ist
sie überragt mich bei weitem – ich muss zu ihr aufschauen und tue dies mit grosser neugier und aufmerksamkeit
sie hat eine eindrückliche sprache die meine seele stärkt und lockt mich bei jedem besuch alle paar tage zu sich hin
lebenskraft vermag sie zu erneuern
ihre ausstrahlung überwältigt mich
wie sie zum licht will und selbst diese lichte ausstrahlung schenkt
ihre samen hält sie wie mit fingern weitgespreizt gegen die sonne
ich lege ein paar von den samen auf meine zunge und lasse sie wirken
sie öffnet mein herz schenkt mir zuversicht und freude
engelwurz wärmt meine seele

sie braucht drei jahre um ihre blüte und grösse in voll zu erleben
die dann ihr innewohnenden kräfte erzählt sie uns in vollem rausch und ich gerate mitten hinein

ihre dreigeteilten blätter ordnen sie der zahl drei zu
drei ist eine alte heilige zahl

„Sie war das Symbol der dreifaltigen Göttin in ihrer Gestalt des jungen Mädchens, der reifen Frau und der Greisin. Symbol der drei Phasen des Lebens von Wachstum, Tod und Wiedergeburt. Eine Trinität, die untrennbar miteinander verbunden ist. Und vielleicht weist uns die Angelika darauf hin uns dem Lebensfluss hinzugeben, die Phasen des Werdens, Wachsens und Vergehens anzunehmen. Ihre Kraft, so wird berichtet, schützt in Zeiten von Krisen und Veränderung und begleitet und stärkt uns in Transformationsprozessen.“

siehe auch
http://www.heilpflanzenkunde.blogspot.de/

ROGER WILLEMSEN…

„die herausforderung besteht nicht darin zurechtzukommen, sondern nicht zurechtzukommen, d. h. jeden weg allein zu gehen, jeden massstab selbst zu gewinnen, jeden wert selbst zu erschaffen.“

aus 
deutschlandreise 
roger willemsen

warum mir gerade heute dieser satz in den sinn kommt… allein und immer alleiner …
mit jedem neuen tag die bestätigung. was du allein geschafft hast in deinem leben –
nur das ist es – war es, um was es geht im leben.
als kleines kind hast du noch diesen ehrgeiz, etwas alleine zu schaffen –
vielleicht die treppen hochsteigen – ganz alleine. und wie stolz du warst.
später dann haben immer mehr menschen versucht, etwas besonderes aus dir zu machen.
in der schule z. b., deine eltern z.b. und wie viele andere auch noch…
sie vermittelten dir, was richtig ist und was falsch. sie hatten nicht das vertrauen,
es dir selbst zu überlassen. und du verlorst das vertrauen in dich auch.

heute weiß ich, dass mein quergeist – und mein SO NICHT – mich gerettet haben.
mißtrauisch geworden für das versprechen anderer zählt nur das, was ich selbst erlebt,
was ich selbst begriffen (also angefasst habe) zu dem zählt, was mich ausmacht.
u. a. ist mein haptisches erfassen unendlich wichtiger für meinen geist und seele,
als alles einstudierte und etwa bücherwissen.

einmaligkeit – das muß frau ertragen können. aber kopieen sind einfach uninteressant………

BODENMOSAIK BEI FRAUNHOFER…

das erinnern war offensichtlich nicht wichtig bei der auswahl des kunstwerkes, das dem vorderbereich des fraunhofer gebäudes eindruck verleihen soll.
man hat sich für die künstlerin katja davar mit ihrem bodenmosaik entschieden. es soll die fragilität unseres planeten zeigen.
damit das für nichteingeweihte erkenntbar ist, müßte man eine tafel aufstellen, auf der das umfangreich erklärt wird. mir, als künstlerin, erschließt es sich ohne diesen hinweis nicht unbedingt.


wie viel wichtiger wäre es für uns kasseläner gewesen, an das, was man weggeräumt hat, um das fraunhofer gebäude zu errichten, nämlich den zoll- und verladebahnhof, zu erinnern – mit einer kleinen geste.
diese möglichkeit bot sich förmlich an – gleich zu beginn, beim herausriss der gleise und träger stand da, wie ein fingerzeig, ein fertiges kunstwerk. teil eines trägers in form und färbung wie gemacht. es war so grazil, wie man es nicht besser hätte anfertigen können.
nicht nur für mich war es ein glücklicher umstand. schnittger trug den arbeitern auf, es für mich aufzubewahren,  und tatsächlich haben sie es die ganze zeit über wie ein juwel umgangen.
da sie es nicht auf dem grundstück aufbewahren konnten, hätte ich es bis zum baubeginn aufbewahren müssen. das ging nicht, weil ich kein grundstück besitze. außerdem wäre es enorm teuer geworden – abtransport usw. mit fraunhofer hätte ich abklären müssen, ob sie es denn übernehmen wollten.

der abbau und der baubeginn lagen jedoch zu weit auseinander
da hatte ich zu fraunhofer noch gar keinen kontakt –
also 2014 abbau und 2017 zaghafter baubeginn mit
unterbrechung.


also, dass ich dem ganzen noch heute nachtrauere, hilft ja nun auch nichts mehr. ich muß mich mit meinen vielen fotos, die ich von dem prunktstück gemacht habe, zufrieden geben. alles einfach schade…

 

 

 

 

 

 

 

rosadora

ICH HAB MICH VERGESSEN…

‚ich hab mich vergessen. irgendwo ist mein name liegengeblieben…’
Das suchen hat schon begonnen, lange vor meiner zeit. Ich werde gerufen mit falschen namen. alle fliegen an mir vorbei. sie finden mich nicht. sie hängen in den lüften. erhalten keine antwort. schon von anfang an haben sie gesagt, das bist du. aber sie irrten. ich war eine andere. sie konnten es nicht verstehen. auch sehen konnten sie es nicht, obwohl hellsehen eine begabung von ihnen war. oder dachte ich das nur, weil ich hellsichtig war und annahm, sie müssten es auch sein? es heisst: ich rufe dich mit deinem namen. und was, wenn er oder sie gar nicht weiss, welches mein name ist. woher sollten sie ihn kennen. er ist mir entsprungen, mitten aus mir heraus ist er gehüpft oder geflogen. auf jeden fall war er nicht ausserhalb von mir. ich trug ihn in mir als ich die welt betrat. sie wollten mich umbenennen. soweit ist es ihnen auch gelungen. aber als sie mich riefen, fühlte ich mich nicht gemeint. ungehorsam war die folge. wie kann eine hören, wenn sie mit falschem namen gerufen wird. und ich kann das so sagen, weil sich alles in mir sträubte. jedesmal, wenn ich den falschen name hörte, verstopfte ich mir die ohren. ich reagierte nicht auf das, was sie sagten.
es gab eine zeit, da war es mir lästig, mich ständig zu wehren. ich reagierte wie eine schwerhörige, die plötzlich hören konnte. aber gemeint fühlte ich mich nicht. ich erfüllte ihre anforderungen scheinbar, wie sie es wollten. es war eine viel zu lange zeit, in der ich das tat. während der zeit muss es passiert sein. ich habe meinen so sehr gehüteten name verloren. ich suchte ihn allenorts. von meiner kümmernis sprach ich nie. so konnte mir auch keine helfen danach zu suchen. die vielen ratschläge, mich doch mit dem jetzigen zu begnügen, umging ich so.
es entstand ein zerrbild meines namen, das mich einerseits verwirrte, andererseits aber sagte, dass es, solange er, wenn auch nur gezerrt, vorhanden war, ihn noch geben müsse. er konnte ja nicht einfach davonschwimmen, oder sich in luft auflösen. verloren gehen kann er schon, aus dem gedächtnis zum beispiel. ich fühlte mich, so angepasst, immer unwohler. ich musste in den tiefen meiner erinnerungen suchen, wo mein name abgeblieben war.
es ist ja unlogisch, dass ein name, an dem eine so hängt, einfach verschwindet.
gehirnwäsche nennt man die vorgänge, die menschen so irritieren, dass sie sich an nichts mehr erinnern. ich wollte, ich musste ihn finden, den name, der mich und nur mich meinte. ich ging das ganze alphabet durch, von a – z. aber ich war zu fahrig und versuchte es noch ein zweites mal. da war es. bei a zuckte es in mir so stark, irgendetwas in mir war so erregt, dass ich beim a blieb. aa, ab, ac, ad, ae, af, ag, ah,ai, aj, ak, al, am, an….da wars:
ana. der name sprang mich an, er zog sich in aaaaaaaaannnnnnaaaaaaa, und mir war es warm um mein herz. herz, das war der springende punkt. das herz reagierte auf ana. ich bins, hallo ana. ja, ich weiss. entschuldige, dass ich dich verloren habe, wohl nicht genug aufgepasst.
lass das mal, das brauchst du nicht. wieso nicht. weil ich immer in dir war…

rosadora

GISÉLE FREUND…

„ich habe es nie aufgegeben, erfahren zu wollen, was sich hinter einem gesicht verbirgt.“

giséle freund

foto: tom fecht

ein gesicht ist ein geheimnis. was sich hinter einem gesicht verbirgt und es erkennen zu können, ein noch viel größeres.
physiognomische festlegungen gibt es zwar allzu deutliche und in einer großen vielzahl, die helfen aber nicht weiter. das allein kann nicht ausschlaggebend sein.
kürzlich habe ich eine schulfreundin aus der grundschulzeit wiedererkannt – und das ist immerhin über 70 jahre her – und ich rätsele, was es ist, das mich menschen, denen ich einmal begegnet bin, in meinem gedächtnis speichere. welcher teil von einem gesicht bleibt mir. man sagt, die augen. aber es gibt ja noch so viel anderes. vielleicht stimme, vielleicht gestik, vieleicht bewegung oder etwa etwas ganz anderes. ob ich dem auf die spur komme, oder nicht – es bleibt auch mir ein geheimnis.
es war kein einzelfall. bedingung ist nur, dass ich mit den menschen zu tun gehabt haben muß – verbindungen reißen vielleicht nie ganz ab.
bei der jüngeren generation, die sich kosmetisch verunstaltet, so dass es ein eigentliches gesicht nicht mehr gibt – und ach ja, sonnenbrillen riesig schwarze, welche die augen nicht zu erkennen geben – da stehe ich ratlos da.
vor einiger zeit auf einem gang durch die aue traf ich eine frau, sprach auch eine weile mit ihr. und bei einer wiederbegegnung kurze zeit danach, erkannte ich sie nicht – sie trug eine große schwarze sonnenbrille bei unserer ersten begegnung.
eindruckvolle gesichter sind sowieso rar geworden. alle versuchen jünger auszusehen. männlein wie weiblein täuschen ein jugendliches aussehen vor und laufen sich die lunge aus dem hals. dass sie vor sich selbst davonlaufen, kommt ihnen nicht in den sinn.
zu weit abgeschwiffen – aber es gehört zum thema.
in letzter zeit fällt mir an mir selbst auf, dass ich in einem gesicht lesen kann und je deutlicher ich das erlebe, desto mehr kommt mir in den sinn, dass das mit dem, was ich herauszulesen glaube, nicht stimmen kann. vielleicht ist es ein wiedererkennen, aber kein erkennen. und menschen lassen sich nicht durchschauen. eben sind sie so – und dann wieder ganz anders…
ein gesicht ist und bleibt ein geheimnis.