Author Archives: Rosadora
SEHEN HEISST DENKEN…
KARLSAUE…
kätzchenbaum
bäume haben viele leben, dank ihres zusammenstoßes, jahr für jahr, mit dem frühling. sie sind im boden verwurzelt, im gegensatz zu den tieren, ihre seelen sind leichter, dem vergessenen ursprung näher. SIE KENNEN JEDEN, DER KOMMT, UND WISSEN: DASEIN HEISST, DAS CHAOS ZU UMKREISEN.
etel adnan
in JAHRESZEITEN
BAUMBILDER SPEZIELL…
KARLSAUE
du siehst nichts, was du nicht kennst. aber hast du es erstmal gesehen, wirklich gesehen, dann siehst du es immer wieder.
mit inas bemerkung zum götterbaum, dass er sexuelle aspekte hat, sehe ich sie plötzlich überall, diese aspekte. dass ich sie bewusst sehe macht auch, dass ich sie inszenieren kann, wenn es gelegenheit dazu gibt.
gestern war ein so bewusster und grossartiger sehtag. ich wollte die bäume untenherum fotografieren, also sozusagen ihre füße – da hatten sich die meisten farblichen ausprägungen angesammelt. doch dabei blieb es nicht. auch weiter oben waren sie durchgestaltet und zwar derart, dass mir die vielfarbigkeit einen verweis auf die bildhaftigkeit, ich mag es kunst nennen, gab.
es war wieder eine rundumschau – dabei hatte ich eigentlich nichts erwartet – grauer himmel und des bäumeguckens wohl nicht müde, nur eine pause angedacht. doch dann dies – das intensive grün der stämme von den vortagen hatte sich bei dem kälteeinbruch und schnee ins dunkle verwandelt mit nun vielen farbigen ausläufern.
das allererstaunlichste war, dass die bäume so verschieden damit umgingen. und ich dachte zum beispiel daran, aus den farbreich sich hervorbringenden rindenflächen gemälde herauszuschauen. wie angestochen lief ich zwischen den baumgruppen herum, so dass ich nach zweistündigem notieren völlig fertig war.
diesen entschluss, bilder herauszustellen, setzte ich an meinem mac zuhause fort – pausenlos. es entstand der entschluss, dieser möglichkeit in den nächsten tagen mit grösserer sorgfalt nachzugehen. es geht mir dabei darum, immer intensiver zu schauen und durch das genaue schauen etwas herauszufinden und zu verstehen und das verstehen zu übertragen in mein leben…
ich gehe los ohne jegliche idee, und dann überfällt sie mich an den orten, an denen ich laufe. bäume sind es zur zeit, auf die ich mich konzentriere – bäume, diese fabelhaften ideenspender/innen mit ihrer fabelhaft kreativen art. immer sind sie am wirken, niemals pausieren sie, auch dann nicht, wenn es uns so vorkommt – scheinbar.
HAINBUCHENHERBST…
„…gibt es denn bäume, von engeln beflogen, und von verborgenen langsamen gärtnern so seltsam gezogen, dass sie uns tragen, ohne uns zu gehören?“ RMR
KARLSAUE hainbuche am see…
manchmal lockt der see mit seinen wechselnden wetterbildern mehr, als alle bäume ringsherum. heute rückte die sonne mit ihrem reizvollen herbstlicht diese hainbuche ins bild – ein grund, sie zu umgarnen, sie also von allen seiten mit meiner kamera zu erobern. fast könnte ich annehmen, dass sie sich für mich zurechtrückt, sich reckt und streckt. dieses sich die weite zu erobern und wie, als wolle sie die umgebung erspüren und wahrnehmen, habe ich schon bei vielen hainbuchen beobachtet.
aber diese, ich nenne sie LOUISE, tut es in einer weitreichenden weise und dazu so gekonnt. sie bringt mit ihren hoch- und breitwachsenden ästen eine so unverschämt schöne baumform hervor, dass ich nur staune, wie sie das bei wind und wetter schaffen kann. ich neige dazu, sie als die prachtvollste hainbuche im park zu bezeichnen. ihre grundform ist so ideal, dass sie selbst so entblättert und kahl noch besticht, wo andere bäume eher mickrig dastehen, so als wollten sie sich schämen.
es gibt auch andere alleinstehende bäume, die vor kraft nur so strotzen, die ich immer beneide wegen ihrer stärke und kraft und aufrichtigkeit. hier im park nimmt man ihnen oft die möglichkeit, weil man sie in dreiergruppen gesetzt hat, sicher in dem glauben, dass sie den stürmen so besser widerstehn. da sie aber auch mehr angriffsflächen bieten, ist das oft nicht ganz richtig. ein einzelner baum übt sich im alleinsein und entwickelt daheraus seine grosse kraft.
diese hainbuche – ich berühre ihre rinde gern, so wie bei dem götterbaum ( von dem ina sagte, dass die bilder von ihm sexy seien…), wenn mir auch der begriff sexy für bäume nicht so treffend scheint, haben sie doch bestimmt auch eine sexuelle wirklichkeit.
vielleicht reckt und streckt sich mein baum nicht nur in den gebotenen platz hinein, sondern sehnt sich nach berührungen mit anderen bäumen. sie werden ja auch gern zum schattenspender für andere bäume gesetzt.
UNTERWEGS…
…IN DER KARLSAUE
W E G …

so ein laubweg kann poesie sein – er schwingt sich in deine erinnerung, berührt dein herz da, wo es nicht mehr weitergeht. du bist angekommen – bei dir.
das sind die momente, wo ich tief luft hole und erst einmal verschnaufe. das ist es, mehr geht nicht und du gehst weiter. du hast das gefühl weitergehn zu müssen. warum eigentlich. es ist das leben – es will weiter, immer weiter. es ist eigenmächtig. es bestimmt selbst, wann es aufhören will.
der weg aus laub, er gefällt mir – er macht geräusche und bringt düfte aus kindertagen, die nun ferne sind. immer näher rücken sich anfang und ende, verschlingen erfahrungen aus der kindheit mit denen von heute, ergeben manchmal erst dadurch einen sinn – scheinbar… ganzwerden auf unserem ureigenen weg.
VON BÄUMEN SPRECHEN…
GÖTTERBAUM…
…DEM HIMMEL NAH
KARLSAUE

götterbaum – den namen habe ich schon gehört, aber ich konnte keinen baum zuordnen.
er hat mich begeistert – mit ausgebreiteten armen empfängt er mich. ich folge seiner einladung und habe sogleich kontakt mit ihm. seine rinde – seinen mantel sozusagen – fasse ich an, streichle ihn. es ist ein angenehmes gefühl. ich lege mein gesicht daran und rieche den göttlichen duft. ich nehme mass sozusagen – ich messe mich mit ihm – da weiss ich noch immer den namen nicht – blindes vertrauen…
mit seinen ästen erspürt er die welt, streckt sie quer und hoch in den raum – sehr eigenwilig – er schaut sich um, ehe er sich den himmlischen sphären zuwendet. seinen wurzeln nicht entfremdet, ruft er doch auch den wolken ein ichkomme zu.
er gestattet mir, porträits von ihm zu machen. zum glück hat er kein vorne und hinten, sondern ein rundum, das bietet einige möglichkeiten. ich rücke ihm auch nahe auf die pelle, und er hat nichts dagegen. ich sage ihm, dass ich am liebsten ein teil von ihm wäre, aber solches anliegen hat er sicher noch nicht gehört. aber irgendwie fühlt er sich geschmeichelt.
der blätter hat er sich entledigt und die rasenpuster haben sie weggeweht. an ihnen könnte ich seine art besser bestimmen. ich finde noch zwei sehr dunkle und da habe ich wenigstens die form, die ich im mac nachschauen kann. es ist einer der höhepunkte des tages, als ich tatsächlich die beschreibungen für einen GÖTTERBAUM finde und weiter stöbere, damit ich mir auch ganz sicher bin.
die verbindung vom götterbaum zu den göttern liegt nahe und der weg zu seiner abstammung und herkunft ist sicher. er ist eine invasive art und aus china und dem nördlichen vietnam eingewandert. dieser ist wohl mit bedacht gewählt und hier geplanzt worden zur bereicherung der baumarten im park. für mich war es eine bereicherung meines baumwissens.
GRÜNLINGE…
KARLSAUE
…kam es mir spontan, als mich die grüne wucht überfiel. sie zog mich an und zu sich hin. die bäume wetteiferten – einer wollte grüner sein als der andere. heftiger regen hatte die bemoosten stellen an ihren stämmen dazu gebracht, die farben, die der herbst sich bemüht hatte in die vergänglichkeit zu befördern, zu erneuen und aufzufrischen.
zwischen den zur zeit vorherrschenden brauntönen nahm sich das grün grad königlich hervor und auffallend dazu. grünkraft – fiel es mir ein – die grünkraft ist immer vorhanden – bei bäumen und pflanzen, bei tieren und menschen, nur tritt sie nicht immer so prachtvoll und in gleicher weise hervor. sie ist die lebenskraft – die überlebenskraft in allem.
nach dem starken regen schauen die bäume aus, als hätten sie sich, mit so üppigem grün, geschmückt für ein fest. sie haben sich herausgeputzt für die menschen, die sich aus ihrem alltag herauswagen mitten unter sie. auch wenn sie es nicht bemerken, wie sehr sich die bäume mühen, gehen sie in dieser grünkraft einher und ihr körper speichert sie.
und wenn im winter nur ein höckerchen moos zwischen dem schnee oder an einem baumstamm neugierig hervorblinselt, ist dieses kleine grün voller energie und stellvertretend für ein grösseres inerscheinungtreten zuständig und übermittelt sie an mensch und tier.
REINE LUST…
Warum erfüllen uns Gräser, eine Wiese, ein Baum mit so reiner Lust ?
Weil wir da Lebendiges vor uns sehen, das nur von außen her zerstört werden kann, nicht durch sich selbst.
Der Baum wird nie an gebrochenem Herzen sterben und das Gras nie seinen Verstand verlieren.
Von außen droht ihnen jede mögliche Gefahr, von innen her aber sind sie gefeit.
Sie fallen sich nicht selbst in den Rücken wie der Mensch mit seinem Geist und ersparen uns damit das wiederholte Schauspiel unseres eigenen zweideutigen Lebens.
Christian Morgenstern –




