AUF ROBERT WALSERS SPUREN…

zwei tage nach seinem geburtstag – er wäre 128 jahre – zieht es mich hinaus. es ist das hineinspüren, was einer empfindet bei seinen langen wanderungen, von denen er nicht ablässt, nicht ablassen kann, über all die jahre. das ganze jahr über fühlt er sich verpflichtet der natur, die ihn hält, die ihn lieben lässt, leben lässt, in die er sich einfügt ein leben lang, die ihm anstoss ist zu seinen texten, er ‚entfernt’ sich von seinen mitinsassen tagtäglich in der mittagszeit, an sonn- und feiertagen, an denen er nicht arbeiten muss, um danach zu ihnen zurückzukehren – eine pflicht, die er nicht verletzen will. Continue reading

ROBERT-WALSER-SOMMER

der dritte robert-walser-sommer ist eröffnet…

am 15. april (robert walsers geburtstag) wurde im cinétreff in herisau der film
DER VORMUND UND SEIN DICHTER von percy adlon (frei nach carl seeligs ‚wanderungen mit robert walser’) gezeigt.
die filmmatinée war – ungeachtet des ostersamstags – ausverkauft bis auf den letzten platz. ich war erstaunt und überrascht gleichermassen über so viel interesse. zum teil hatte ich den film, der 2003 bei sat 3 zu sehen war, schon gesehen. die originalschauplätze, an dem der film 1978 auf 16 mm agfa negativfilm aufgenommen wurde, kenne ich zum grossen teil. ich werde sie mir mit wanderungen durch das jahr wieder in erinnerung rufen, vor allem die sommerliche landschaft. (der film wurde, aus kostenersparnis, ausschliesslich im winter gemacht.) robert walser und carl seelig waren ja nicht nur, wie im film, im winter unterwegs. Continue reading

einmal zufrieden sein…

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die zufriedenheit ist in gefahr. sie würde sich gerne bei den menschen einnisten, doch diese weisen sie ab mit ihren unverschämten forderungen. der habensmodus hat sich zur sucht ausgebreitet. die bescheidenheit, die schwester der zufriedenheit, weiss auch ein lied davon zu singen. früher hatten die zufriedenen, die bescheidenen menschen nur den einen wunsch, dass alles so bleiben sollte, wie es war. bescheiden zu sein war eine tugend, zufriedenheit ein previleg. Continue reading

MUT ZU SCHREIBEN…

es gehört viel mut dazu zu schreiben. auch zu schreiben, wenn es eigentlich gar nicht schreiben will. es schreibt, oder es schreibt nicht.
dieses es, es macht mir klar, wie abhängig ich von ihm bin, wie ich ohne dieses es den ton nicht treffen kann. ich kann schreiben, aber es ist wie eine mahlzeit, die ich nicht essen will. ich zwinge mich. muss mich zwingen, wenn ich sagen will, ich schreibe. etwas in mir ist dann nicht mit im spiel. etwas im text ist so, als würde die tiefe echtheit fehlen. so aufgesetzt, fällt er leicht in sich zusammen. lacht mich hämisch an, ach so siehst du das. Continue reading

D E R K Ü N S T L E R . . .

‚ja, sein lebenswandel ist wie ein traum, und seine erscheinung ist wie ein rätsel.’ (robert walser)

ein rätsel bleibt uns jeder mensch – aber robert walsers rätsel ist unauflösbar.
man ordnet sein werk ein, von bodenlos erfolglos bis literarisch und sprachlich bedeutsam. seine art zu schreiben bezeichnet man als skurril, faszinierend, modern und noch mehr. man erklärt ihn und sein leben, als könne man auf den grund sehen und verliert sich in vermutungen, zuschreibungen, mal sachlich, mal leichtsinnig, mal unverschämt – aber immer irgendwie augenfällig daneben.
als könnte man einen menschen wie robert walser in einen rahmen zwingen, wo es sein höchstes ziel war frei zu sein, im räumlichen, wie im denken. einer, der in den ‚abgründen der mutlosigkeit’ das ‚beste’ gewinnt – ‚sich selbst’. dem würde man auch heute noch misstrauen. Continue reading

ES SCHNEIT, SCHNEIT…

‚es schneit, schneit, was vom himmel herunter mag, und es mag erkleckliches herunter.
das hört nicht auf, hat nicht anfang und nicht ende.
einen himmel gibt es nicht mehr, alles ist ein graues weisses schneien. eine luft gibt es auch nicht mehr, sie ist voll von schnee.
eine erde gibt es auch nicht mehr, sie ist mit schnee und wieder mit schnee zugedeckt.’

robert walser (1878-1956), schneien

und wie es schneit, und wie es schneit, die ganze zeit.
ja, ein bisschen schneien, ein paar schneeflocken, das stünde einem
5. april wohl an und zu, aber in der von robert walser beschriebenen weise und so zutreffend, das nimmt mir niemand ab, fällt unter die kategorie des aprilscherzens. Continue reading

ROBERT WALSER

als mir vor vielen jahren ein text von robert walser in die hände fiel, der mich tief beeindruckte , hatte ich von ihm noch nie gehört.
‚GRÜN’ – er schildert darin ein totales überwältigtsein und wie das grün alles überwuchert.
ich habe mit dem grün meine eigenen erfahrungen, die dem sehr nahe kommen, und war deshalb so angerührt. ich fotografierte das ausbrechende grün im park und band die fotos mit dem grün-text in ein bändchen. es bedeutete mir etwas. ( text siehe anhang)

seit einigen jahren lebe ich in der schweiz. es war ein verschneiter wintertag, der 25. dezember. dass das datum von bedeutung war, erfuhr ich erst später. ich stampfte durch den schnee und fand ihn auch, den robert-walser-weg. Continue reading