
wortfenster
öffnen
wintersätze
hinaushängen
frühlingswind
hindurchpusten lassen
damit sie sich läutern
leichter werden
immer leichter

wortfenster
öffnen
wintersätze
hinaushängen
frühlingswind
hindurchpusten lassen
damit sie sich läutern
leichter werden
immer leichter

meine gefässgöttin umgestaltet zur AUGENGÖTTIN.
weit aufgetan die augen ist sie die seherin, die, die nicht nur sieht, was ist, sondern nochmehr das, was sein wird. so sehr ihre seherinnengabe befragt war, so sehr war sie auch verhasst – verhasst, weil sie nicht nur das gute voraussagte, sondern auch schlimme ereignisse deutlich erkennen konnte. ob sie davor warnte, weiss ich nicht zu sagen, aber das kann ich mir nicht vorstellen. das schicksal liegt letztlich in den entscheidungen der menschen.
wie sie in verschiedenen kulturen unterschiedliche namen trägt, so hat sie auch alle anderen eigenheiten und eigenschaften in sich vereint. sie ist niemals die, die nur sieht – sie ist allumfassend und allesumschliessend.
ich bin froh sie in meinen ‚heiligen hallen’ zu haben, erinnert sie mich doch daran selbst zu entscheiden, nichts schleifen zu lassen. sie ist mir mein spiegel, aus dem ich lesen kann.


‚…wie dich das grosse einatmen
überkommt mit einemmal
mischst du die farben
füllst du die flächen
an nichts dich haltend neu…’
BRIGITTE FUCHS
in DAS BLAUE VOM HIMMEL ODER ICH LEBE JETZT
glendyn verlag – aarau 1993
als lägen unsere tätigkeiten nebeneinander – du gestern, ich heute. dabei sind jahre dazwischen und die aufforderung ‚flächen neu zu füllen’ unabhängig voneinander. 1993 – 2009 – was bedeuten jahre?
alles erfüllt sich zu seiner zeit.




vielfachdrehung
am morgen
den sprüchegarten
durchforsten
rotierende einbildung
der du
immer neu erliegst

diese augen
beruhigen diese augen
die ständig sehen müssen
und entdecken
auch
was sie nicht wollen
diese augen besänftigen
sie legen
auf einen blauen grund
der abschweifung ist
für graume zeit
das nichts ahnen lässt

sperrgebiete
wachsen in mir
wie pilze
schieben sich
zwischen
mich und die wirklichkeit
laufen mir nach
von einem ende
zum anderen

die magische wirkung geht nie verloren – so schien es mir, als ich diese beiden ‚modernen’, besser vielleicht modischen vasen fand.
ich dachte an die kultgefässe aus alten zeiten, da die gefässgöttinnen ihren platz im täglichen leben der menschen hatten. die gefässe weisen auf den schützenden und ernährenden aspekt der grossen göttin hin. sie waren im täglichen gebrauch und hatten einen tiefen sinn und waren schmuck zugleich.
ich weiss nicht, warum ich im nachhinein – ich sah sie diesertage – dieses dringende bedürfnis habe, eine od. beide dieser vasen in meinen besitz zu bringen.

wohin denn ich
am morgen
vor dem tag
wohin denn ich
am abend
vor der nacht
ich strecke meine hände aus
werfe jeden stock von mir
mein weg
findet mich

eintreten
in den traumraum
raum
im raum
träumen
im raumtraum
traum
im traum
wieder fallen
aus allen träumen
in die raumräume
raum
