BETON UND ZUGENÄHT…

FRAUNHOFER BAUSTELLE…

ich kann ins nichts schauen, oder auch ins gewusel. im nichts sehe ich ganze verläufe, eine vorgegebene linie und schlicht die verbindung vom himmel zur erde.

stahlgefächertes neben betonglattem. am abend wird alles betonglatt sein. mit stelzen käme ich vielleicht durch den stahlteppich – am abend könnte ich dann tanzen auf betonglattem boden. schöne vorstellung.
die arbeiter nehmen mal wieder den segen von oben, schütten ihn an den ort, den nur sie kennen, ziehen, schieben, glätten – es schaut so einfach aus.

diese grüne gewundene schlange am himmel, in weißer führung, im spiel mit den stracken hohen riesenkrankrallen, gegen blau-blau-bewölktem himmel – ein schauspiel für sich. ich kann die augen nicht lassen, die szene verändert sich dauerhaft – am himmel, wie im baugrund. für meine begeisterung gibt es nur die erklärung, die neugier heißt und das finden neuer bilder.


manuel, der hier den betonfluss dirigiert, sagt, du solltest hinauf klettern, in das häuschen des kranführers und von dort fotografieren und lacht. wahrscheinlich kann er sich denken, dass ich von dort eine wahnsinnsaussicht habe und mit wahnsinnsbildern wieder herabsteigen würde. es erwächst in mir der wunsch, aber kein bauleiter der welt würde eine so steinalte in den himmel klettern lassen. also, bleibt es bei der vorstellung.


ich bleibe unten und setze mich auf einen plastikballenstapel, von dem aus ich ins innere des stahlbetongeheges schauen kann. es wuselt und wimmelt. das ganze ist wie eine bühne, auf der die arbeiter agieren. ich bin fasziniert, wie alles so reibungslos flutscht – wie mir scheint…
der dunkle quader im grund wird ein aufzug und erinnert mich an den fahrstuhl im grimm-museum. hier ist er das, woran der blick festhält.


der beton kommt in großen betonmischern aus kaufungen. mal wieder fährt ina eines der riesenfahrzeuge.

manuel. achja, und es kommt b. hinzu, der sagt, ich kenne sie, kenne sie aus dem fernsehen. da hab ich den film vom abriss des zollbahnhofs gesehen, im offenen kanal. na sowas. immerhin ist das schon fünf jahre her. schön, dass in wenigen menschen verschwundenes noch lebendig ist.

AUCH WETTER…

FRAUNHOFER NEUBAU…

wetter ist ein phänomen, das nichts und niemanden unbeeinflußt läßt – auch die ereignisse auf einer bausteller nicht – achja, und in keinem fall  nicht meine bilder, die ich einfange. stürmisches wetter macht auch stürmische fotos – und wie ich die liebe, nicht nur die fotos – auch die wetter.
heute zog eine horde wilder wolken plötzlich auf – und auch wieder ab. dementsprechend mußte ich mich sputen, um sie in die bilder einfliessen zu lassen. das dramatische zog allzu schnell vorbei – eigentlich schade.

 

 

 

 

 

 

 

 

auf einem teil des grundstücks, das der stadt gehört, lagern werkzeuge und materialien, die vom baugrund getrennt sind, aber doch dazu gehören. sie haben auf mich einen besonderen reiz – wahrscheinlich deshalb, weil ich sie sonst nicht zu sehen bekomme. formen und färben muten fast märchenhaft an, etwas mystisch auch und an abenteuer erinnernd und unangemessen auffordernd. wozu sie dienen, weiß ich nur teilweise, und will ich so bis ins kleinste detail auch nicht wissen.

sand-, split- und kiesberge schaffen in meiner betrachtung vor den übergrünen baum- und hintergrundlandschaften eine ganz neue erfahrung. alles ganz neu und auch die freude darüber stellt sich immer wieder ein.

FRAUNHOFER NEUBAU…

…DICHT UND DICHTER…

 

 

 

 

 

 

schön, ein schwimmbad – so vermutete vor monaten ein ehepaar und beteuerte noch, dass es auf dem aufsteller doch so zu sehen sei.
unterschiedliche sehweisen und wie…
es ist zwar für wasser, und das sogar 4 meter tief, aber es sorgt für die kühlung im sommer – mit einem 600 m³ Eisspeicher – und die erwärmung im winter – einer 220 kW Wärmepumpe als Wärmeerzeuger – also ein Temperaturausgleicher. das gebäude kommt darüber.

 

 

warum erinnert mich das rosa an das bauhaus – weil zu den bauhausformen – rund, viereck, dreieck – noch etwas neues hinzu kommt – die ungewohnte farbe, so im bau nicht verwendet. nach hundert jahren hat sich da in der architektur auch einiges verändert. die von mir geliebte zahra hadid mochte die ecken nicht so sehr. auch ein fraunhofer gebäude hat sie entworfen. vielleicht hätte fraunhofer noch einmal auf ihre entwürfe zurück gegriffen – wäre sie nicht viel zu früh verstorben…
r. holt mir von dem rosa material ein langes stück, damit ich verstehe, wieso dieses sich vom üblichen styropor, mit dem diese viereckquader ummantelt sind, unterscheidet. es ist, und er erklärt mir ausführlich den unterschied, wasserabstossend. vielleicht ein guter grund, daraus kunst zu machen. hier werden die quader überbaut.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

r. erklärt mir, dass für den einen speziellen riesenkran noch ein kranführer gesucht wird. ich biete mich an – großmaul – und mir zittern schon bei der reinen vorstellung die kniee.
sie verbringen ganze tage auf ihrem hochsitz, haben eine flasche dabei für ausspülungen. und wie sie bloß da hoch kommen… auf einer schmalen treppe – ohje…

mit riesigen fahrzeugen und geräten wird hier gewerkelt – nein, richtig schwer geschafft. die fahrzeuge und geräte kommen mir besonders durch die größe oft vor wie kunstwerke. sind sie ja auch, und in den kräftigen farben machen sie mir ordentlich eindruck.

vorsicht ist geboten, um nicht plattgewalzt zu werden – so viele fahrzeuge wuseln gleichzeitig hier herum – auch das ist eine kunst – finde ich.
ina ist als einzige frau auf so einem großen teil – meine hochachtung – sonst ist keine andere frau auf der baustelle – nur fotografinnen und so…

mein schärfstes bild mache ich, schon im wegfahren begriffen, aus meinem auto heraus.
SCHNITTGER entsorgt das AA huckepack. ein spitzenfoto – schnappschuss. ich erkenne das szenario erst am i mac. immer fällt beim arbeiten auch freude ab – kunst – schnappschüsse und… und was????

und hier die kunst…

FRAUNHOFER BAUSTELLE…

HIMMELSSTÜRMER EXZELLENZ…

wie angekündigt steht das neue himmelsvehicle an der vorgesehenen stelle. ich staune, es übertrifft all meine erwartungen – 20 meter hoch oder höher. wer sich diese kategorie von bauhilfen wohl ausdenkt. kunst – schwirrt es mir durch den kopf – KUNST am bau. b. ist auch noch da. wir reden ein bißchen über das vehicle. und dann ist er weg und die riesigen lastwagen sind auch verschwunden.

der rest ist festhalten, wie es voran geht auf der baustelle und möglichst schöne bilder machen. die bunten farben der baufahrzeuge machen die düstere baustelle lebendig, wie auf einer messe oder wie beim zissel in kassel. die größe hat sie zumindest.

 

TREPPENSTRASSE…

KIRSCHBÄUME MIT OBELISKBAU…

die treppenstrasse ist besonders atraktiv, wenn die kirschbäume blühen. in diesem jahr wird die szene gestört durch den aufbau des obelisken. der hätte längst stehen können und mit den kirschbäumen eine besondere umrahmung erhalten. so versperren die bauarbeiten den blick auf die szenerie. schade, wäre doch was besonderes gewesen – für den blick und die menschen.

FRAUNHOFER BAUSTELLE …

…EIN SONNIGER TAG…

zugefallenes glück. freitagnachmittag – ich kam zur baustelle um zu fotografieren. die arbeiter waren schon weg – bis auf zwei. einer werkelte noch an einer maschine herum – drinnen – ein anderer wollte ihn noch hinaus lassen, um dann den gitterzaun abzusperren – draussen.
ach, könnten sie mir noch ein foto machen von den stelzen im loch, fragte ich den drinnen. und der draussen sagte: hier ist doch offen. da können sie doch selbst noch rein und fotografieren. der eine b. sicherte mich noch ab beim hineinkraxeln in den baugrund.
das war wirklich glück. außerhalb der zeit auf das grundstück… ich beeilte mich, denn es war ja längst feierabend.
was die betonstelzen da im grund bewirken sollen, fragte ich noch. geduldig erklärten sie mir, warum der grund so betoniert abgesichert werden muß. und dass ab montag dann auf die vorbereiteten platten ein großes gestell kommt, von dem aus die bauarbeiten getätigt werden. na, ich bin neugierig und gespannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

und die KUNST – sie ist überall. fast ist sie documentatauglich. zumindest erinnert sie an werke – hier an die d 11 – an die herumschwirrenden lumpen der Annette Messager.

OKWUI ENWEZOR…

 

 

 

 

 

 

 

fotos: rosadora

als unkonvenzioneller anreger und vermittler zwischen den kulturen machte er sich als mister documenta, wie silke müller von art spezial ihn nannte, einen ruf, der bis heute nachklingt.
für mich war es seine ausstrahlung, die ihn umgab und bis heute nichts eingebüst hat und mir über seinen tod hinaus in erinnerung bleiben und weiterwirken wird.

mit einem blauen buch in einem blauen gewand stand ich vor ihm und bat um seine genehmigung, den besucherinnen und besuchern ihre eindrücke über die d11 zu entlocken und mit einer kurzen notiz in meinem blaues buch zu notieren.
mit WITH COMPLIMENTS! YOU ARE MOST WELLCOME und OKWUI 21.9.02 KASSEL.
gestattete er mir mein vorhaben.
mit den besucherinnen und besuchern tauschte ich viele ansichten aus und mit SIE SIND EIN KUNSTWERK, wegen des blau in blauem outfit, war ich reichlich belohnt.

OKWUI ENWEZOR ist der kurator einer documenta, und ich habe alle erlebt, der mir in erinnerung blieb und bleiben wird. er ist jahrgang 1963, dem jahr, in dem auch einer meiner söhne geboren wurde – das verbindet doppelt. sein tod traf einen der menschen, die verdient hätten, doppelt so alt zu werden, um ein angefangenes, in die zukunft weisendes, vollenden zu können.
meine trauer ist grenzenlos.