dOCUMENTA (13) – ES WIRD – ES WERDE…

es wird – es werde…
AUE – 7 HÜGEL

mit grossen schritten auf die dOCUMENTA (13) zu.
mein platz ist dieser tage im orangerie-café.
bequem in einer polstergruppe, um das UNBENANNTE OBJEKT in seinem werdegang zu beobachten.

meiner aufforderung – hier ist noch frei – nehmen ursula und volker aus frankfurt platz.
sie waren angereist, um im kulturbahnhof die CARICATURA anzuschauen. doch da war geschlossen für ein paar tage.
auch die markthalle hatte nichts zu bieten. tote hose in kassel.
es entspinnt sich ein gespräch, das lange dauern wird. über kunst kommen wir leicht ins gespräch und es will nicht enden. das unbenannte objekt in der karlsaue lockt fantastische gedanken hervor.
ursula assoziiert DAS AUF UND AB DES LEBENS
oder auch DIE VERSCHLUNGENEN WEGE DES LEBENS
noch abstrakter KLETTERFELSEN FÜR MUFFLONS.

das alles muss erlaubt sein und ich freue mich über jede fantastische auslegung.

nach den reisigrollen wird heute erde aufgetragen. kein leichtes unterfangen. die trockenheit lässt sie leicht abrutschen. auch für die arbeiter ist es wie ein tanz auf dem seil.
vermutung meinerseits – blumen sind das nächste…

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dOCUMENTA (13) SIEBEN HÜGEL…

S I E B E N . . .
sieben hügel – sieben berge

die frau sagt, ihr mann sehe 4 hügel, sie sagt, es sind 7 – 7 hügel, wie die sieben berge…
gut geschaut und gut überlegt. ich zähle auch 7 hügel. ich darf ja nicht verraten, was es sein könnte.
diese verdammte geheimnistuerei.
jetzt haben sie ein fernrohr aufgebaut vor der orangerie. wohin soll man da bloss schauen …
der kleine junge – 3 jahre alt – bringt seine mutter dazu, geld einzuwerfen, damit er durchsehen kann.
er ist zu klein, die mutter hebt ihn hoch, dann rutscht ihr das fernrohr weg. der junge verliert die geduld,
läuft längst wieder seinem ball hinterher.
die mutter meint, geldschneiderei. ich stimme ihr zu.
aber es macht sich gut vor der orangerie, und zusammen mit dem planetarium hat es vielleicht sogar
einen tieferen sinn.

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JOSEPH BEUYS HAT NUN EINE STRASSE…

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heute vor 30 jahren startete Joseph Beuys bei der 7. documenta seine „Stadtverwaldung“.
nun benennt man ihm zur erinnerung eine strasse, an der nordseite des hauptbahnhofs in kassel.
damit das strassenschild nicht übersehen wird, nicht so einsam dasteht, pflanzt man auch einen baum.

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es ist keine strasse, die von fussgänger/innen eifrig beschritten wird.
vielleicht ändert sich das mit beginn der 13. documenta, die im juni beginnt.

das bewusstsein um die bedeutung der von joseph beuys inszinierten pflanzung wird nach 30 jahren durch die damit veranstalteten erinnerungesfeiern aufgefrischt und bekommt einen veränderten stellenwert. fast ist der unmut des anfangs vergessen und die bewohner der stadt sehen den wert, den das grün der 7000 bäume gebracht hat. kassel liegt nun im wald…
auch die grösse des künstlers und sein bekanntsheitsgrad in der kunstwelt sind den kasseläner/innen und kasselern bewusst geworden und macht sie stolz. seine verwaldung macht kassel in der welt bekannt.

dOCUMENTA (13) IM KLEEBLATT…

dOCUMENTA (13) IM KLEEBLATT…

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aus der vogelperspektive sieht das bollen(bowling)grün, so sagen die alten kasseläner/innen,
sieht die grosse fläche aus wie ein dreiblättriges kleeblatt.

die darin herumbutteln sehen aus wie kinder im sandhaufen, den man extra für sie aufgeschüttet hat.
dass es ein kunstwerk wird, ist noch nicht unbedingt zu erkennen. ahnen kann man es und aus den vielen geheimniskrämereien der
d 13-veranstalter entnehmen.

der künstler ist schon mal da
und der bauherr herwig auch.

ich versuche eine perspektive für das, was ich sehe, zu finden.
7 hügel (roms) kassels mit der karlskirche im hintergrund – das hat was.
auch neue galerie und die ganze häuserreihe am weinberg geben ein gutes bild,
und die orangerie, die nicht wegzudenkende.

am himmel, so blau wie noch nie in diesem jahr, schwingt und schwebt ein buttelwerkzeug. es wird doch dem himmel nicht wirklich… nein, es wird nicht.

alles hat seine ordnung und herwig spricht schon vom nächsten projekt. ist anzunehmen, dieses hier wird rechtzeitig fertig werden.

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CIRCUITUS – GUNTER DEMNIG…

in der KÜNSTLER-NEKROPOLE KASSEL
wurde heute das GRABMAHL von GUNTER DEMNIG eingeweiht und der öffentlichkeit übergeben.

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CIRCUITUS
bedeutet u. a. kreislauf. die skulptur ist in anlehnung einer wasserpumpe gedacht, die in dem lebensspendenden wasser die vorstellung von leben und vergehen birgt.

in der künstler-nekropole harry kramers sind es somit 9 grabmale, die von den künstlerinnen und künstlern selbst gestaltet wurden. nach ihrem tod wird ihre asche dem jeweiligen mal beigegeben.

die künstlerinnen und künstler setzen sich damit bewusst mit ihrem eigenen tod auseinander.
im künstlerischen gestalten des eigenen grabmals beginnt eine annäherung an das thema tod.
bis sie gedankliche und seelische dimensionen erreicht, muss eine ungeheure öffnung geschehen für das, was uns bis zuletzt verborgen bleibt.

die grabmalkunst, die mit ende des 17. jahrhunderts zuende ging, gewinnt hier in der nekropole harry kramers seine künstlerische bedeutung wieder. die individuelle gestaltung des eigenen grabmals ist nicht nur die wiederbelebung der grabkultur, sondern die kultur eines volkes erlangt eine wertschätzung in der beschäftigung mit dem tod.

gunter demnig hat eine skulptur geschaffen von ungeheurer klarheit.
dass sie am ufer des blauen sees ihren ort hat, stellt eine symbolische verbindung zwischen stele und wasser her. der platz ist mit grosser besonnenheit gewählt – das wasser in seiner tiefe – die bäume, die bis in den himmel reichen – verbundenheit zwischen profanem und transzendenz.

zu den die skulptur umgebenden pflastersteinen sehe ich die parallele zu gunter demnigs projekt
STOLPERSTEINE. seit 2000 verlegt er steine vor häusern, in denen vom naziregime verfolgte und ermordete menschen gewohnt haben. er gibt ihnen ihre namen wieder und trägt damit zum nichtvergessen bei.
hier in der nekropole sind die steine wieder namenlos, wechseln die ins bewusstsein gerufenen auf eine ebene, gehen ein in die grosse weltenseele, aus der wir kommen.

alles bewegt sich, alles schwingt mit – es ist tod im leben – es ist leben im tod.

ergänzende erklärung von gunter demnig:
Liebe rosadora;— das mit der Wasserpumpe stimmt so denn doch nicht;— das Prinzip geht zurück auf die Zeitmessung
der Völker vor der Erfindung und Berechnung der Sonnenuhr von den Griechen. Wassersysteme wurden auch zur Zeitmessung eingesetzt.
In meinem Fall ist diese Arbeit allerdings in gewissem Sinne doch statisch; sie bleibt unbeweglich im höchsten Stand während meiner Lebenszeit; wenn die Urne drin ist, wird der sog. Schwimmer abgesenkt und schaut dann nur noch
ca. 12cm über die ‚Wanne‘ hinaus. Die Zeitmessung ist symbolisch gemeint. Es ist allerdings das Prinzip einer EinlaufWasserUhr.

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zu GUNTER DEMNIG
www.stolpersteine.com/