ZOLLBAHNHOF…

DER WAR EINMAL…
ZOLLBAHNHOF OHNE_LEERES FELD II_10.032 ZOLLBAHNHOF OHNE_LEERES FELD_10.03einmal stand hier der zollbahnhof. es war ein interessantes gebäude mit vielen möglichkeiten. die d13 nutzte die gebäude und das hätte so weitergehen können. zumindest wäre es ein guter platz für kunst gewesen. war es ja auch zeitweise. bis fraunhofer kam und sich das gelände aneignete.

2014 mußte das gebäude weichen. seitdem läßt das neue fraunhofer institut auf sich warten. im sommer 2017 soll nun mit dem ersten bauabschnitt begonnen werden. es wird mehrere jahre dauern, bis das ganze bauvorhaben verwirklicht ist.
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hier einige hinweise, wie weit das ganze gediehen ist…

blick von oben auf das fraunhofergelände

http://emse.iwes.fraunhofer.de/baustelle/index.php

fraunhofer-standort kassel: planungen zum neubau

https://www.energiesystemtechnik.iwes.fraunhofer.de/de/institut/neubau.html

EIN HAUCH VON FRÜHLING…

PARK WILHELMSHÖHE UND GEWÄCHSHAUS…

WILH. BLASENBAUM_P1600962es wird doch nicht…  doch, doch – zarte anzeichen von frühling im blasenbaum…

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das gewächshaus bestätigt es. kamelien, primeln, orchideen, mimosen, fensterblattähliches und …

WILHELMSH.GEWÄCHSHAUS_KAMELIE I_09.021 WILHELMSH.GEWÄCHSHAUS_KAMELIEN__09.02WILHELMSHÖHE_BACH_LÖWENB.SPIEGELUNG_09.022 WILHELMSHÖHE_PLATANE_BLASENBAUM_09.024

noch klare aststrukturen am himmel – nicht mehr lange. sie sagen einiges über beschaffenheit und willensstärke des baumes aus.

BASALTSTEINBRUCH DRUSEL…

KASSEL DRUSELTAL…
STEINBRUCH KS_II_P1590176das erleben ist wohl mehr bei mir. das wilde sehen ist nicht so spektakulär für fremde augen – denke ich mal.
das herbstglühen habe ich verpasst. es braucht bei mir immer eine überwindung
über die erdbarriere in den steinbruch einzusteigen.
STEINBRUCH KS_III_BLÄTTER_23.11 STEINBRUCH KS_IV_23.111leise angerührt hat es mich. die zarten farben wie aquarelle. herausragend einzig die goldgelben lärchen. sie hocken in den hängen und leuchten in der sonne. hinzu kam ein süßlicher duft von irgendwelchen blättern. er zog durch den gesamten steinbruch. erlen nehme ich mal an. eines fische ich aus dem wasser – größer als meine ausgestreckte hand. es strahlt mich an und zeigt sich in seiner letzten pracht. dass ich dann nassen fußes weiter muss, macht mir nichts aus. es ist nicht sonderlich kalt.

STEINBRUCH KS_VI_23.113und wie viele viele verschiedene bäume da wachsen – unglaublich. habe erst jetzt darauf geachtet, wo mir die blätter zu füssen liegen.
die ganze untere ebene leuchtend in einem hellen grün – vorwiegend moos. und ich stelle mir vor, wenn diese ebene von pflanzen überwachsen irgendwann einmal noch ganz anders aussehen wird.

und mein steinkreis – unverletzt und heimlich. hätte gern die herzsteine raus genommen.
es entspricht nicht der symbolik des kreises. aber ich dachte, wenn ich es wegtue, kommt eine ganz andere energie hinzu und es zerstört mir vielleicht auch jemand meinen kreis…

der anstieg fällt mir diesmal leichter. die großen steinbrocken, die einen eingang bilden und die durchfahrt für fahrzeuge verhindert haben, haben einen platz für mich, auf dem ich eine weile ruhe.

ehe ich ganz hoch steige, gehe ich noch in den bauch, wie ich ihn nenne – ganz dicht an die sprengfelsen heran. es hat sich viel verändert seit meinem letzten besuch. es schaut aus, als hätten sich erdmassen dazwischengedrängt, bilden schlieren durch die steinwand, die kann ich mir nicht erklären. auch hier immer wieder sitzen auf steinbrocken.
STEINBRUCH KSD_I_P1590287dann hoch bis in die äußerste ecke. von da einen blick in den bauch hinab –
gefährliche tiefe. hab einen moment dort gesessen und eine banane verzehrt –
frühstück mal ganz ganz anders, aber gute luft und gute gesellschaft. steine sind wunderbar in der nähe.
STEINBRUCH KS_VIII_23.114mein blick geht immer wieder zu den lärchengeschmückten hängen hin.
hinab geht es auch nicht viel schneller. immer wieder schauen und schnuppern.
mein steinkreis von hier oben winzig klein. aber ich weiß um seine existenz. niemand würde auf die idee kommen, in diese äußerste ecke zu gehen.
STEINBRUCH KS_VII_23.115 noch nie habe ich den steinbruch bei solch einer beleuchtung gesehen und noch nie in dieser jahreszeit. wochen vor- oder nachher sieht wieder alles ganz anders aus. sehen, wie er sich verwandelt und doch immer derselbe bleibt.

DER REIZ DES VERGEHENDEN…

GLASHÜTTE SÜßMUTH…
IMMENHAUSEN
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die glashütte ist etwas, an das ich mich erinnere. nun steht das gebäude seit 20 jahren und wird nicht mehr gebraucht. es zerfällt und niemand hält den zerfall auf.
die großen alten fabrikgebäude sind auch heute noch beeindruckend. keine ahnung, warum sie niemand als erhaltenswert betrachtet. die kunst fände immer einen grund. doch wie immer, geht es ums geld. man stellt es erstmal unter denkmalschutz und läßt alles wie es ist.

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die bilder, die ich finde, sind einmalig. ich habe ein faible für abrisshäuser und bahnhöfe. es sind spuren in die vergangenheit, die ich neu ordne. dass hier einmal feinstes glas gezaubert wurde – unvorstellbar.
irgendwie fehlt der zauber des morbiden – oder liegts am regenwetter und der schlechten beleuchtung. einen reiz hat es trotzdem für mich. woher die vielen schuhe kommen – frag ich mich – und das blüschkamel und die kinderautos und und und… vielleicht dient es längst als mülldeponie – zu viel kruscht.

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dennoch beeindruckt mich die gewaltige halle. noch steht sie, als wolle sie beachtet und aufgerichtet werden. zerschlagenes geschirr und töpfe – ob hier gekocht wurde, oder nur müll. der kleinkram zwischen den beiden hallen hat seinen reiz. so zwischen schilfkolben und blühendem moos. die natur hat ihr anrecht schon gefunden.

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die vielen fenster gucken auf mich wie große gierige augen. sie sind um mich herum – fast denke ich, so bin ich nicht allein. leichter regen fällt, wie um die wunden zu kühlen oder zu tilgen. ein denkwürdiger ort. ich hoffe, er findet seine bestimmung.GLASHÜTTE_RUINE_XIII_18.119

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die geschichte der glashütte würde ich gern nachlesen können. da gibt es nichts – sagt der mann, der heute hier anwesend ist und die besucherinnen und besucher herein läßt.

 

ART ZU FINDEN…

JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL…

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meine augen tanzen – im regenlicht – im lichtregen – und dann im sonnenschein – zwischen den steinen – die steine schmunzeln – sie blinzeln mir zu – foppen – mal sitzt ein scheinchen auf der kante – winkt und ist auch schon wieder weg – mal sitzt eines auf dem gipfel – bleibt etwas länger.
dieses ausnehmende gucken macht ganz kirre – wie besoffen – mir schwindelt. die gefühle sind irritiert – sie machen mit – finden es aufreizend und amüsant. ich berühige sie mit normalen bildern zwischendrin.

JÜD. FRIEDHOF KS MAL ANDERS_III_06.11 JÜD. FRIEDHOF KS MAL ANDERS_IV_06.111 JÜD. FRIEDHOF KS MAL ANDERS_V_06.112 JÜD. FRIEDHOF KS MAL ANDERS_VI_06.113

eine heimelich anmutende szenerie zwischen den steinen im regensonnenlicht.

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NOCH VOM SELBEN TAG…

LOLITA FASHION FRAUEN…

WILH. MULANG BIS SCHLOSS_29.107_LOLITAS_II_ WILH. MULANG BIS SCHLOSS_LOLITAS_I_29.106 WILH. MULANG BIS SCHLOSS_LOLITAS_III_29.108

große überraschung die gruppe der jungen frauen in lolita fashion auf der schloßtreppe. ich darf fotografieren. ich frage nach dem hintergrund – keine kostümierung versichern sie mir und a. schreibt es auf einen zettel auf meinem rücken sorgfältig auf damit ich es im internet nachlesen kann. und dass es ein modestil sei angelehnt an einen viktorianische stil (rokoko).
s. wikipedia:
Lolita-Mode (jap. ロリータ・ファッション, RorÄ«ta Fasshon, von engl. Lolita fashion) ist ein aus Japan stammender Modestil, der auf dem viktorianischen Stil sowie Kleidung aus dem Rokoko basiert, sich aber weit über diese zwei weiterentwickelt hat.[1]
s. sagt dass sie die kleider nicht nur heute trägt sondern ständig. die wippenden röcke mit fantasievollen mustern sehen auch irgendwie puppig aus. sie kommen daher wie aus einem anderen jahrhundert. in diesem jahrhundert ist einfach alles möglich. sie beweisen mut und eigensinn obwohl angelehnt und diktiert von  – ja von wem eigentlich…

EIN PARKSPAZIERGANG IM HERBST…

WILH. MULANG BIS SCHLOSS_I_29.10der herbst wird bunt und bunter
aber nicht so wie im vergangenen jahr. da schwelgte er in allen farben. in diesem jahr sind die farben verhaltener. teils sind die blätter schon abgefallen weil sie vertrocknet sind, teils haben sie sich nochmal aufgeschwungen durch die regentage. ich schaue genau und bin zufrieden mit dem was die bäume an farbe noch hergeben. einige leuchten besonders – sie meinen vielleicht die lage noch retten zu können.
es ist samstag – die vielen menschen verlaufen sich im park und es sind keine laubpuster und rasenmäher unterwegs.

WILH. MULANG BIS SCHLOSS_II_29.101 WILH. MULANG BIS SCHLOSS_SYRIEER_II_29.105die lebkuchenbäume hatten die unsichere situation satt und haben ihre ganzen blätter auf einmal losgeschickt. wer den duft kennt der vom boden aufsteigt wird noch einen hauch davon auffinden. irgendwie schafft er dieser duft vertrautheit der an diesen ort gebunden ist.

WILH. RHABARBER_29.102 WILH. RHABARBER_II_29.103am fontaineteich der farbenfrohe rhabarber – der keiner ist – aber ich weiß den namen der pflanzen nicht. freude dass er noch nicht abgeschnitten ist und wunderbarleuchtende bilder hergibt. ergibig auch und ich halte mich ran – gut dass die sonne nicht so hervortritt die würde die farben verfälschen und übergebührend erhellen. eine farbenpracht in der landschaft und schmuck für die tempelchenteichbilder.
WILH. MULANG BIS SCHLOSS_SYRIEER_I_29.104 die fotos sind auch verständigungshilfe für gespräche mit der syrerfamilie. die beiden mädchen vielleicht vier und sechs jahre finden gefallen am fotoaustausch mit handy und kamera. sie laufen mir nach und zeigen immer wieder was sie gefunden haben wollen meine bilder sehen. der vater spricht ein bißchen deutsch und ich ein bißchen englisch und mit hilfe von händen und füßen und den kamerabildern gelingt eine erstaunliche verständigung.
sie kommen aus der nähe von aleppo, ich vergesse den namen der stadt. es ist für mich eine sehr abstrakte sprache und ich kann mir nicht einmal die verschiedenen namen merken. die fremde sprache – und deutsch ist eine schwere und komplizierte sprache – ist eine große hürde neben all den anderen vorkommnissen. wenigstens sind sie gut untergebracht – sagt man so – erzählt der begleiter vom wehlheider turnverein und dass er für die gänge in die umgebung zuständig ist.
die kinder klettern auf den alle äste herabreichenden baum auf dem ich schon und meine kinder herumgestiegen sind. sie scheinen sorglos – aber das kann täuschen.
eine gute begegnung – wir tauschen die mailadressen.

VERGANGENHEIT UND GEGENWART ZUGLEICH…

JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL I …
JÜD. FRIEDHOF KS_2_I_P1580523
heute gehe ich über den älteren teil des friedhofs. das licht ist gut, obwohl es sich dann noch einmal auftut, was fürs fotografieren nicht so dienlich ist.
heute bin ich nicht alleine. a., die tante, und l., die 11 jährige nichte, schließen sich mir an. es gibt lange gespräche, teils über die gräber, die hier im unteren teil liegen.
und – nein, sie sind nicht umgefallen die stelen. es war der besondere stil der portogiesischen juden.

JÜD, FRIEDHOF KASSEL_2_VI_14.104 JÜD, FRIEDHOF KASSEL_2_VII_14.105
in der zwischenzeit hat sich das licht zu meinen gunsten verändert. die späte nachmittagssonne taucht die szenerie in ein mildes licht und das verändert auch meine sichtweise und bilder.
heute kann ich nicht alleine sein. ein paar – blanka aus prag – haben fragen an mich.
irgendwie scheine ich den gräbern zu entsteigen und informationen mitzubringen…
nein auf dem prager friedhof war ich noch nie. ich klappere die friedhöfe nicht ab – ich muß eine bestimmte beziehung zu ihnen haben. zu prag habe ich das nur aus der ferne und über fremde beschreibungen und fotos.
dann doch noch eine kleine alleinstrecke. ich kann kaum noch laufen – aber das licht – das licht verführt mich. auch ist es nicht gar zu kahl gemäht – die schneebeeren leuchten und machen die stimmung etwas feierlich. mal wieder breche ich in eine grabkuhle mit meinem linken fuß – der herzseite – ein und denke es geschieht dir ganz recht. in das allzu feierliche und sorglose darf ich mich nicht einschwingen.

JÜD, FRIEDHOF KASSEL_2_IV_14.102 JÜD, FRIEDHOF KASSEL_2_V_14.103
die zahl 1774 bringt mich zurück in das vergangene – in das – woran ich mich erinnern will.
unter einem baum links und rechts mehrere stelen übereinandergestapelt. ich denke – es schaut aus  wie der lebensbaum und unter ihm die gesetzestafeln moses. einige der grabsteine liegen oder stehn da wie persönlichkeiten. andere am boden liegende überstrahlen sie noch durch geschickte anordnung etwa mit einem geduldeten (nicht entfernte) schneebeerenzweig die eine kecke umrahmung zaubert.

JÜD, FRIEDHOF KASSEL_2_III_14.101 JÜD, FRIEDHOF KASSEL_2_IV__14.10_bearbeitet-1
ich setze mich mal hier mal da ab und schaue genau und in verschiedene richtungen. oft entschuldige ich mich dass ich mich respektlos auf einem grabstein niederlasse. aber ich denke – mir wird verziehen ob meines alters und meiner morschen knochen.
ganz nahe bin ich den toten nicht die sich heute etwas zurückhalten weil ich nicht allein bin. doch dann wagen sie doch noch kontakt zu mir und ich bin hier dem tod ferner als andernorts. ihre lebendigkeit macht mich fast froh. froh bin ich auch dass mich mein weg heute doch noch hierher gelenkt hat.

ICH SCHLAFE – MEINE SEELE WACHT…

JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL II…
JÜD. FRIEDHOF KS_I_P1580343heute ist die totenruhe fast gewährleistet – keine arbeiter zugange – ein rotkehlchen begrüßt mich. elstern mußten ihr leben lassen – ihre totenruhe ist  nur fragmentarisch gewährleistet – die federn zeugen davon. der wesentliche teil der vögel ist in den himmel entfleucht.
JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL_II_12.10 JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL_III_12.101ich atme auf – für die verhältnisse üppiges grün. der nieselregen hält das grün und mich frisch. keine sonne – trübes feuchtes herbstwetter. es drückt mich nicht raus aus der szenerie sondern zieht mich mit hinein. die lebenden toten reden mit mir – weisen mir den weg. ich habe freude an ihnen und sie an mir. alte bekannte schmunzeln – ach du mal wieder. lange war ich nicht hier und vor ein paar wochen war ich im unteren teil des friedhofs. da sprach niemand mit mir. es war zu hell und grell und licht und schatten trieben ihr spiel. das blendete sie und mich.
ich werde den gang wiederholen.

JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL_IV_12.102 JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL_IX_12.107 JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL_V_12.103heute also die aufrechten – im unteren teil liegen alle am boden versammelt – sie sind dem schlaf näher als dem lebenden und lassen sich von einem grünen bodendecker überwachsen. das ruhe sanft ist hier erfüllt.
die aufrechten zeigen große unterschiede – teils in der ornamentik – wenn ich das mal so nennen darf – und in der beschriftung. ich kann sie besser verstehen – die ornamentik – die beschriftung – und die toten. sie sind ja zeitlich auch näher als die flachliegenden.
der nieselregen macht den efeu frisch – lässt das grüne aufleuchten und auch das gras – das grade mal wieder gemäht ist…

JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL_VI_12.104 JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL_VII_12.105 JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL_VIII_12.106 JÜDISCHER FRIEDHOF KASSEL_X_12.108ich denke gern an die zeit zurück da die friedhöfe noch nicht unter den vorschriften des kulterdenkmalschutz betreut wurden. da kroch ich im ohlsdorfer friedhof unter büschen auf allen vieren zu den kindergräbern. das war mühevoll. aber das morbide mir sehr zugetane ambiente der jüdischen friedhöfe der damaligen zeit entsprach eher den jüdischen ordnungsvorschriften.

auf dem bettenhäuser friedhof kann ich mühelos zwischen den grabsteinen gehen um meine fotos zu machen. auch komme ich besser mit den lebendigen toten in berührung. ich sitze zwischen den steinen – die hier am hang in terassenlage sich fügen – und bin von ihnen umrankt. wir reden lange und sind vom nieselregen ganz begeistert – das verbindet…

Veröffentlicht am von

UNSTERBLICH IST DIE LIEBE

jüdischer friedhof kassel

88 Seiten auf fotopapier
paperback 17,90 EURO
ISBN 978-3-8391-8183-6

zu bestellen in jeder buchhandlung
oder bei mir

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jüdische friedhöfe geben anschauliche zeugnisse jüdischer geschichte, sind vergangenheit und zukunft gleichzeitig. israelische glaubengrundsätze, zu denen die unantastbarkeit der totenruhe gehört, gewähren den gräbern und grabmalen ein ewigkeitsrecht.

in die ewigkeit ‚wachsen’ können die jüdischen friedhöfe auf diese weise, sofern ihnen in der konfrontation mit verschiedenen geisteswelten nicht das zerstörerische ansinnen anderer widerfährt – was in vielen jahrhunderten der fall war (nicht nur während der hitlerzeit). die ethnologie sagt uns, dass die kultur eines volkes im verhalten zu seinen toten und dem tod am deutlichsten wird.

diese geschichte schwingt zwischen leben und tod, zwischen den gräbern auch. sie rührt an tiefere schichten, auch wo sie in leichteren tönen schwelgt.

R O S T k u n s t …

IM WERKHOF…
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Kampfmittelräumdienst in der karlsaue.
meine fundstücke mögen unbedeutend sein – doch sie taugen immerhin, sie als rostkunst in meine sammlung einzuordnen. geradezu gierig, wie auf einen leckerbissen, bin ich hinter ihnen her. aus einem riesenmetallabfallberg suche ich sie heraus. sie zeigen sich mir in ihrem befreiten zustand und hoffen auf anerkennung – noch ein letztes mal, ehe sie dann an die schrottverwertung verkauft werden. was ihnen da geschieht, will ich gar nicht nachverfolgen. sicher verlieren sie ihre form und damit ihr gesicht, das sie mir noch zeigen.
ich weiss nicht mit sicherheit, wie lange sie im verborgenen zubringen mußten. der räumdienst sucht nach blindgängern, die jetzt an der reihe wären, sich selbst zu zünden. mit akribie suchen sie und finden sicher auch dinge, die nicht aus der bombung von 1943 stammen. ihr sucher zeigt jedes fitzelchen an.

werkhof_rostkunst_II_30.081 werkhof_rostkunst_III_30.082werkhof_rostkunst_I_30.08warum sind sie kunst – rostkunst. sie sind es für mich, weil ich das so will, weil ich sie dazu mache. sie sind es wert, betrachtet und ins licht gerückt zu werden. es erfaßt mich ein schauer, wenn sie mir begegnen und – dass sie nach so langer zeit irgendwie ihre zerschlagene form behalten haben. ihre beschaffenheit überdauert die zeit. sie sind zeitzeugen auf besondere art. sie geben nur zögerliche antworten, so man sie fragt. und ein seltsamer coca cola-knautsch veranlasst mich, die geschichte der firma nachzulesen. ich bin erstaunt, dass sie schon im vergangenen jahrhundert ihre reise begonnen hat – eine reise um die ganze welt und bis in die ablage des werkhofes in der karlsaue in kassel genommen hat. interessant und spannend finde ich die zusammenhänge. alles hat einen anfang und endet nie…