ROSEN SPRINGEN INS BEET…

rhododendron verliert sich
rosen springen ins beet
der frühling
gleitet in den sommer

das kräftige violett
weicht zartestem rosé
und sommergelb
die farben wechseln

mit den neuen tönen
kommt der rosenduft
dieser alles versprechende
dieser herzverzücker

ich lege mich
gleich neben das blühen
sommer trägt mir zu
rosenduft

rosadora

MARLON MIDDEKE – OUTSIDE…

ulrike petschelt hatte marlon middeke in ihre galerie eingeladen.

marlon, selbsternannter künstler, dokumentierte und erklärte mit seiner installation aus dingen, die ihn 100 tage während der dOCUMENTA 13 umgaben, seine eigene befindlichkeit. er trug vor, was ihn körperlich, seelisch und geistig bewegt hat. aus seinen tagebuchaufzeichnungen las er kurze fragmente, die er in englisch verfasst hat.

diese ausstellung ist ein versuch der verarbeitung des erlebten. auf verschiedene weisen geht marlon damit um, er schreibt, malt und zeichnet, fotografiert und filmt und spricht davon, dass dieses kapitel seines lebens eine fortsetzung finden wird.

langsam ist dieses erleben aus dem „untilled“ in ihm gewachsen. war es zuerst ein job, wie er sagt, um geld zu verdienen, entdeckte marlon bald, dass ihn die dinge um ihn herum innerlich ergriffen und bewegten und auch veränderten. er begann zu beobachten und freundete sich mit dem gedanken an, kunst zu studieren.

er erzählte auch, wie er manchmal genervt war, mal von den besucherinnen und besuchern, mal von den hunden, es regnete tagelang, und dann war es zu heiss. er führte gespräche mit den menschen und wenn es ihm zu viel wurde, zog er sich zurück an einen ort, wo diese nicht hinkamen.

er hätte noch stundenlang erzählen können und wird dies im laufe der ausstellung noch tun. zweimal in der woche wird marlon und 1 mal andré, der sein kollege war während der d13-zeit, in der galerie anwesend sein und zu weiteren gesprächen bereit.
die ausstellung ist gut gelungen und lässig aufgezogen.

die dinge aus dem „untilled“, erinnern an die zeit und berühren mich im nachhinein. fast die gesamten wände der hütte, die marlon, feeodora, andré und den hunden human und senior während der zeit eine unterkunft gaben, sind hier aufgestellt oder aufgehängt, die kleidung, die marlon trug, die utensilien, aufgereiht auf einem brett an der wand, ein eimer mit morbide zerbrechlichen stengeln des springkrautes, marlons aufzeichnungen. nur die videoaufzeichnungen bedienen sich eines fremden mediums, alles andere ist „echt“. das macht den grossen reiz für mich aus.

der stil der jungen künstler setzt sich immer mehr durch, ganz im sinne von caroliyn christov-bakargiev, die die kunst wieder dort hinholen will, wo sie hingehört, zu den menschen, frei von gewinnträchtigen geschäften, eher dem verständnis für mensch, tier und natur zugewandt. mit durchscheinenden gedanken und arbeiten den kunstraum erhellen.
eine grosse chance für die jungen künstler.
also marlon, packs an….

UND GLÜCKWUNSCH…

MARLON

JUNG UND ALT WAREN GEKOMMEN

mal, um eingelassen zu werden,
mal, um sich abzukühlen und ein schwätzchen zu halten
der 1. heisse sommertag
im vergangen jahr der beginn der d13

PIERRE HUYGHE…

Europas höchstdotierter Kunstpreis, der Roswitha-Haftmann-Preis, geht erstmals an einen Franzosen. Der Stiftungsrat der Roswitha-Haftmann-Stiftung vergibt den mit 150 000 Franken dotierten Preis dieses Jahr an Pierre Huyghe. Die Übergabe findet heute im Kunsthaus Zürich statt.

Der im Jahr 1962 in Paris geborene Pierre Huyghe fand zuletzt mit seiner Installation aus Pflanzen, Objekten und Tieren auf der dOCUMENTA 13 weltweit Beachtung.

nach einem jahr steht der kompostgarten (kompostierungsanlage der stadt kassel) in schönstem grün
nichts erinnert mehr an die d13
die psychodelischen pflanzen wurden entfernt
die bienenfrau abtransportiert und
die bienen in ihren heimatort witzenhausen zurückgeholt
die hunde human und senior wurden von ihrer gastfamilie adoptiert

die grösste fläche wird von brennnesseln bedeckt
sie dominieren und sind die heimlichen siegerinnen
in diesem frühjahr entdeckte ich bis jetzt über 25 pflanzenarten
die gräser nicht eingerechnet

der ort weiss von seiner berühmtheit nichts
er wird weiterhin für seine bestimmung existieren
kompostieren

ES LACHT INSGEHEIM…

es braucht nur zwei hände
in die es sich legen kann
und die ohren spitzen
für die wohltat des augentrosts

ich bin rund wie ein ball
sagt das frettchen
kugelt sich zusammen
und lacht insgeheim
dietlind

zwei hände
hätte es gebraucht
damit es sich hätte
hineinlegen können
was ist schief gegangen
ich weiss es nicht
aber
es lacht insgeheim…
rosadora

dietlind kinzelmann
aus:
WILDFÜSSIG NACH NINIVE
christel göttert verlag

INSEL SIEBENBERGEN…

EIN TAG AUF DER INSEL…

es ist ein hochgenuss
von blüten farben und düften umgeben
der duft berauscht mich
die blüten mit ihren mannigfaltigen farben verführen mich zum schauen und fotografieren

schön und fantasievoll angelegt sind die beete und erfreuen mich in ihrer vielfalt
die bäume begrüssen mich und von hell- bis dunkelgrün und rotbraun sind alle farbnuancen vertreten
die fadenblättrige buche hat jetzt ihre prächtigste und klarste form
ihre stattliche erscheinung beeindruckt

blumen pflanzen und bäume haben ihre schönste zeit
ein mairundgang
reich beschenkt und beglückt – ein tag von seltener schönheit

SCHWAN NUN ALLEIN…

mirko fragte mich
was mit dem partnerschwan sei
schwäne bleiben ein lebenlang zusammen

ich fand ihn gestern im schwanenteich
er stocherte in dem schwimmenden überrest des kampfes
der wohl stattgefunden haben muss
und vielleicht auch den jungschwänen das leben
gekostet hat
kleine federn erzählen davon
er umkreist den ort
als würde er ein trauerritual abhalten
schwäne können sehrwohl trauern

nun zieht er allein seine runden
andere schwäne habe ich nicht entdeckt
der teich ist bevölkert von gänsen aller colleur
und die schwaneninsel ist zur gänseinsel geworden
warum das so ist
werde ich erkunden

futter für den schwan habe ich schon im gepäck
als trost für ihn – oder für mich

JUBILÄUM – EIN JAHR KOMPOSTGARTEN…

heute vor einem jahr habe ich in
pierre huyghes „untilled“
mein erstes foto gemacht
ein jahr – der kreislauf dreht sich und dreht sich…

SCHWANENGESANG

der ring
ich erinnere mich
da war der ring aus metall
immerwieder begegnete er mir
er wird zum zentrum

die schnecke
ich fand die leere schnecke
heute
ich nahm sie mit
und gab ihr den platz im kreis
sie spiralt das ganze in
richtung leben

die schwanenfedern
ein schwan musste sein leben lassen
wie kam er in das kompostloch
wodurch oder durch wen
verlor er sein leben
mehreremale bin ich darüber
hinweggestiegen
heute sammelte ich sie ein
und umgab damit den ring
deutlich spüre ich den flügelschlag
es fliegt mich

die anordnung habe ich erst
im moment des auslegens
des kleinen kunstwerkes vorgenommen
es geschah wie selbstverständlich
wie in tance
nicht gewollt
es ereignete sich

die dinge haben für sich allein
eine starke symbolik
die gewählte anzahl der federn ebenfalls

der indianische anschein
berührt etwas in meiner seele
ein kraftsymbol
durch das kreuz wird es
verdoppelt und somit verstärkt

man stelle sich vor
ein schwanenkreuz
es singt
ich höre schwanengesang
ein schwanenpaar singt
und ruft seine sieben kinder
hier sind alle wieder vereint
ein symbol der liebe

von innen nach aussen

das schneckenhaus (spirale)
die schnecke ist u. a. ein symbol
für langsamkeit bedächtigkeit
für sensibilität vorsicht
empfindlichkeit
und fruchtbarkeit u.v.m.

die spirale
ist das symbol des lebens und des todes
symbol der seelenreise
uraltes symbol der menschheit

der kreis
der kreis ist ein symbol für ganzheit
kein anfang und kein ende
für gleichgewicht harmonie
ausgewogenheit und kosmos

sie sieben (3 + 4) geistiges und seelisches prinzip
und körper – das menschliche prinzip

die 4 ist die zahl für die elemente
für die materiellen dinge
siebeneck (gräber – ewige ruhe)

die drei
die triade ist die zahl des ganzen
insofern sie
einen anfang
eine mitte
und ein ende
hat

die zwei
zwei – die kraft der gefühle
die zwei
ist das lachen und das weinen

die neun
sie ist eine dreifache triade
und steht für vollendung und erfüllung
den anfang und das ende