
gras
sonnentrunken
liegt es am boden
schafft sich
bündelweise
selbst aus der welt
wer mag sagen
was war
was wird
wie es sich anfühlt
ergeben
rosadora

gras
sonnentrunken
liegt es am boden
schafft sich
bündelweise
selbst aus der welt
wer mag sagen
was war
was wird
wie es sich anfühlt
ergeben
rosadora

ich möchte garten sein
wo blumen heimlich träumen
wo pflanzen sich aufbäumen
und so klar und rein
dem himmel gegenüberstehn
im rauschen der bäume sinnend
im blau des himmels beginnend
der sonne in die augen sehn
ich möchte mich verlieren
in pflanzenfarben milde
und ganz in ihrem bilde
erscheinen – nicht agieren
rosadora

und nun ein klang
und dann ein lied
und wann ein chor
aus allen sommerstimmen
und eben ein klingen
und nun ein singen
und jetzt ein lauschen
in den sommersonnentag
und noch ein versingen
und dann ein verklingen
und fast ein staunen
stille des sommertages
rosadora
Rainer Maria Rilke

Wo ist zu diesem Innen
ein Außen? Auf welches Weh
legt man solches Linnen?
Welche Himmel spiegeln sich drinnen
in dem Binnensee
dieser offenen Rosen,
dieser sorglosen, sieh:
wie sie lose im Losen
liegen, als könnte nie
eine zitternde Hand sie verschütten.
Das dunkle Roseninnere
Sie können sich selber kaum
halten; viele ließen
sich überfüllen und fließen
über von Innenraum
in die Tage, die immer
voller und voller sich schließen,
bis der ganze Sommer ein Zimmer
wird, ein Zimmer in einem Traum.

tasche mindestens 100 jahre alt…
es singt ein fluss
es singt ein baum
sie singen leise
du hörst es kaum
es singt ein dach
es singt ein stein
du musst mit ihnen
verbunden sein
gestern sang
eine tasche für mich
ganz sanft und leise
rührte sie sich
sie sang von längst
vergangnen geschichten
so schön ich könnte sie
nicht erdichten
ich nahm sie mit
und hin zu mir
hängte sie
an meine tür
da fing sie wieder
an zu singen
alles herum
begann zu schwingen
die tasche
ich habe es vernommen
ist extra her
zu mir gekommen
dass sie recht lang
noch singen mag
wie heute
so an jedem tag
nichts angetan
hat ihr das alter
seelen- geschichten-
und zeitverwalter (in)
rosoadora
sie sang mich an in einem laden der REGAL heisst
da kannst du ein regal mieten – sachen hineinlegen zum verkauf
und du kannst dinge finden – die du eigentlich nicht brauchst
das ist das ding mit der nachhaltigkeit



rhododendron verliert sich
rosen springen ins beet
der frühling
gleitet in den sommer
das kräftige violett
weicht zartestem rosé
und sommergelb
die farben wechseln
mit den neuen tönen
kommt der rosenduft
dieser alles versprechende
dieser herzverzücker
ich lege mich
gleich neben das blühen
sommer trägt mir zu
rosenduft
rosadora




schon wieder
brennst du mir
mein knie wie im
vergangenen jahr
auf der südseite dein
brennendes maul
waldgrün und wild-
gewordene nessel du
und ich schwesterlich
verbunden die augen
gehen mir über und
im tee grunden wir beide
rosadora


die poesie
tanz und gesang auch
ist eine elementare form der kunst
du drückst nicht nur funktionale dinge aus
nein du willst es ausdrücken
das sich beinahe unmöglich sagen lässt
also sagen wir es poetisch
wir schreiben ein gedicht
etel adnan
schriftstellerin und malerin
unterrichtete geisteswissenschaften
und philosophie
in san rafael, kalifornien
war feuilletonredakteurin
in beirut
u. u. u….

das feuer
ist erloschen
die tage
werden kürzer
ich fliege um die wette
mit der zeit
rosadora

über mir
sonne mond und sterne
hinter ihnen
unendliche welten
hinter dem himmel
unendliche himmel
über dir
was deine augen sehen
in dir
alles sichtbare
und
das unendlich unsichtbare
rose ausländer