DAS WORT MENSCH…

johannes bobrowski

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das wort mensch, als vokabel
eingeordnet, wohin sie gehört,
im duden:
zwischen mensa und menschengedenken.

die stadt
alt und neu,
schön belebt, mit bäumen
auch
und fahrzeugen, hier

hör ich das wort, die vokabel
hör ich hier häufig, ich kann
aufzählen von wem, ich kann
anfangen damit.

wo liebe nicht ist,
sprich das wort nicht aus.

KRANICHE – IN DER ZEIT…

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da sind sie nun – kraniche verlässliche ankünderinnen des winters. immer ist es ein kleines glück sie zu sehen. diesmal bin ich auf dem jüdischen friedhof als ich sie erst höre und dann – weit, weit entfernt – sehe. mein herz hüpft vor fräude. ich bleibe stehen, um diesen moment zu geniessen. sie sind die glücksbringer, sie holen den frühling zurück.

hoch fliegen sie, sehr hoch. ihr reisetag ist brillant gewählt. sonne, am 17. tag des november, wie nie in den vergangenen jahren, gegen 11 mittags. auch im vergangenen jahr sah ich die ersten am 17. november, einen weiteren zug am 28. november.

nun schneie mal, winter, und zeig was du kannst…

ICH LIEBE MEIN BILD…

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etwas ergibt ein bild. ich erkenne es als solches. es entstand aus einer zerstörung. etwas, was war, ergibt etwas neues, ein neues bild.
auf den ersten blick erkenne ich eine menschliche gestalt, eine weibliche. die gestalt befindet sich auf einem grabstein. er ist vielleicht zersprungen. die gefangene und eingesperrte seele sucht nach befreiung, will heraus – zu mir – in die welt – zu den lebenden. dass es lebenshunger ist, glaube ich nicht. sie hat noch etwas zu klären, will einem geliebten menschen beistehen, das leben zu ertragen.

mit jedem neuen bild, das ich finde, finde ich auch eine geschichte. das foto ist nun nicht nur foto. es ist ein bild in einer geschichte, in meiner geschichte. die geschichte bereichert es und es beginnt zu leben. es liegt nicht, hin und wieder betrachtet, in einer kiste, sondern geht zu den menschen mit seiner geschichte.
ich liebe mein bild und danke ihm für seine offenheit.

FEIER DER NATUR…

‚o störe nicht, die feier der natur…’

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die natur hält viele feiern ab im jahr und lässt uns daran teilhaben.
eine der schönsten und farbenprächtigsten ist der herbst, wenn er der erde schmeichelt und sie umgibt mit einem mantel aus laub – von gelb bis gold von rot bis braun, von rosa bis hin zum violett. wenn der wind mitspielt und hindurchpustet und alles aufwirbelt, auch mich, und ein lebendiges schauspiel zelebriert – eine grossartige inszenierung. mein wohlbefinden und meine fräude schweben in unermässlichem.

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die letzten tage war ich so unermüdlich unterwegs, weil die blattfresser am werk sind, das heisst, das ganze werk zerstören. wohl weil sie müssen. aber da ist sie wieder – diese zerstörerische ordnungsliebe, von wem eigentlich? die gefegten wege und wiesen treiben mir die tränen in die augen. spielverderber, wüteriche, störenfriede (wo lauert bei dem letzten wort eigentlich der ‚friede’?). kahl liegen sie da, die feier ist vorbei. ach, käme doch der schnee und deckte alles zu, käme er, um mein gemüt zu beruhigen.

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ich gehe in den wald, da kommen sie wohl nicht hin, die blattfresser. da darf das laub bleiben und seinen werdegang vervollkommnen.
wälzen im laub, wie gut das tut, raschelwege furchen und die bäume fragen, wo es lang geht.

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