URBANE GARTENZWERGE IN XXL…

die
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
schreibt am 1. november 2012:

Urbane Gartenzwerge in XXL
China organisiert in Kassel seine eigene «documenta»

Kunst und Architektur


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rosadora

Was nur gibt es da zu sehen, dass sich so viel Akrobatik lohnt? Eine Plastik von Mou Baiyan auf einer Leiter vor der Neuen Galerie.
Kurz nach dem Ende der 13. documenta bespielen neunzehn überwiegend etablierte Künstler aus dem Umfeld der Zentralen Pekinger Akademie der Künste den innerstädtischen Raum von Kassel.



Christian Saehrendt
Mit Ausstellungen, Symposien, Programmen des Kulturaustausches bemühen sich westliche Staaten, das Modell «moderne Kunst» in andere Weltregionen zu exportieren, auf diese Weise dort den eigenen Einfluss zu vergrössern. Doch mittlerweile wird der Westen selbst zum Ziel einer auswärtigen Kulturpolitik, mit der die aufstrebende Macht China ihre demokratischen Defizite und ihren ökonomischen Imperialismus zu kaschieren versucht. Zum Vierzig-Jahre-Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen finden derzeit 500 chinesische Kulturveranstaltungen in ganz Deutschland statt. Geschickt nutzt die Volksrepublik dabei den Nachhall der erfolgreichen «documenta 13», um in Kassel eine umfangreiche Schau von Installationen und Grossplastiken im öffentlichen Raum zu initiieren, die den vieldeutigen Namen trägt: «Alles unter dem Himmel gehört allen».

Kassel und chinesische Kunst – da werden viele Kunstfreunde an Ai Weiwei denken, den Star der «documenta 12», der nicht nur Hunderte von antiken Möbelstücken und alten Bauteilen aus China nach Kassel importierte, sondern auch 1001 seiner Landsleute, auf dass sie sich durch die exotische Atmosphäre Nordhessens inspirieren lassen könnten. Diesmal ist Ai nicht dabei. Stattdessen bespielen neunzehn überwiegend etablierte Künstler aus dem Umfeld der Zentralen Pekinger Akademie der Künste den innerstädtischen Raum quasi im direkten Anschluss an die «documenta». Treppenwitz der Geschichte: Für die «documenta» zeichnete die Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev verantwortlich, für die sich rasch das Kürzel «CCB» einbürgerte. Nun ist die zweitgrösste Bank Chinas in Kassel engagiert, der Etat der Schau wird von der staatlichen China Construction Bank gestemmt, kurz: CCB.

Erinnern wir uns: Vor Beginn der «documenta» schimpfte der Bildhauer Gregor Schneider, dessen Ausstellung in der Kasseler Karlskirche durch eine Intervention von Christov-Bakargiev verhindert worden war, die «documenta» sei so autoritär, sie solle besser gleich «in einer chinesischen Kleinstadt» stattfinden. Nun ist es so weit: Kassel selbst hat sich in eine chinesische Kleinstadt verwandelt. Doch ungeachtet der etwas merkwürdigen, allzu diskreten Anbahnung dieses kulturpolitischen Projekts stellt sich die Frage nach der künstlerischen Qualität der Arbeiten. Die Schau bietet einen gefälligen Mix aus glänzenden Oberflächen, Materialspielereien und optischen Verblüffungseffekten. Der fette, nackte Mann auf der Leiter, der ins Museum hineinspäht, die patriotische Terminatorfigur «Guang Gong», hergestellt aus LKW-Teilen, die bereit scheint, die City leerzufegen, die buntschillernden, Jeff-Koons-artigen Edelstahllöwen und Ameisenplastiken in der Fussgängerzone – all dies sind Elemente eines niederschwelligen Kulturangebotes, es ist Kunst, die auf den Beifall beiläufiger Passanten aus ist, grellbunte Stadtmöblierung, legitimiert durch trendige Themen wie Umweltschutz, Gartenkunst, Arbeitsmigration oder erneuerbare Energien – alles Dinge, von denen man glaubt, dass sie beim deutschen Publikum gut ankommen. Summa summarum wirken die Plastiken wie bunte Gartenzwerge in XXL, und man beginnt bei ihrem Anblick die Schrotthaufen und Unkrautbeete der vergangenen «documenta» bereits schmerzlich zu vermissen.

Zudem konnten politische Missklänge nicht vermieden werden. Kassels Oberbürgermeister von der SPD brüskierte den anwesenden chinesischen Botschafter, indem er demonstrativ einem Aktivisten die Hand schüttelte, der Protestplakate gegen die Schikanierung Ais trug. Kritische Flugblätter kursierten, auch liess die Standsicherheit der Kunstwerke zu wünschen übrig. Bleibt am Ende die Frage, ob die Volksrepublik mit dieser Ausstellung ihr Image verbessern konnte. Die Kasseler Schau könnte sich in dieser Hinsicht als Nullsummenspiel erweisen.

an rosmarie in der schweiz

erstaunt
einen so objektiven artikel in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG
zu finden
fast hält er mich ab
der chinakunst weiter nachzugehen

ich frage mich auch
ist das kunst
besonders die metallig glänzenden löwen und ameisen
und anderes getier

mir kam die idee dazu
die chinesen holen die kunst im februar nicht wieder ab
und müllen uns schnell viel zu schnell mit weiteren dingen zu
tun sie ja jetzt schon…………

HALLOHALLOHALLOWEEN…

In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November ist Halloween, das kürbisfest schlechthin. der alte name VON HALLOWEEN lautet SAMHAIN kam im keltischen Jahreszyklus unserem Silvester gleich.
Zu Jahresbeginn bieten sich immer neue Vorsätze an, z.B. auf eine vegane Lebensweise umzusteigen – zumal am 1. November seit gut fünf Jahrzehnten auch noch der Weltvegantag begangen wird. Ein Umstieg ohne kulinarischen Verzicht, wohlgemerkt. Den Tieren, der Umwelt und nicht zuletzt dem eigenen Gaumen zuliebe.

rosadoras HALLOWEEN-Rezept zum WELTVEGANTAG

MARONENGEMÜSE

500 g maronen (geschält)
1 karotte
1 pastinake
1/4 sellerieknolle
1 gr. gemüsezwiebel
brühe
salz

maronen kreuzweise einschneiden
15 minuten kochen
abschütten
im sehr warmen zustand schälen

die zwiebel schneiden und glasig braten
karotte, pastinake und sellerie schneiden und dazugeben
mit brühe und salz garen
maronen hinzufügen und kurz ziehen lassen

UNBEIRRT HIMMELBLAU…


kompostloch gestern, 25. oktober 2012

warum mutet uns der anblick von vergehendem so traurig und trostlos an. näher betrachtet ist alles sehr lebendig, weil in verwandlung begriffen, und farbig obendrein. die farbskala verändert sich, nichts ist mehr überwiegend bunt. das sanfte überwiegt und leuchtet doch auf durch eine intensität des morbiden.
morbide wird übersetzt mit „brüchig, im Verfall begriffen, krank, marode, morsch, von Zerfall gekennzeichnet“ und ist doch auch weit mehr. das morbide wagt sich in unseren gefühlsbereich. es lässt uns aufmerksamer werden, rührt an unsere seele, die das laute und bunte eher abstösst.
ich mag diese morbiden klänge, sage klänge, weil da wirklich ein singen und klingen enthalten ist in dem morbiden.
mich einhüllen in diese farben, in diesen klang – das ist vielleicht eine altersfrage. überhaupt hat wahrnehmung mit alter zu tun. immer mehr, immer besser lerne ich sehen und begreifen, immer mehr verstehe ich die zusammenhänge von den dingen und der welt. und dazwischen wir, die menschen.

den kreislauf im kompostloch habe ich von anfang an, also vom beginn der documenta und pierre huyghes kunstwerk verfolgt und in bildern eingefangen. im april schliesst sich dann der kreislauf und bis dahin werde ich immer wieder vorbeischaun und mir ein bild machen.

es gibt da dinge, die mich beeindrucken. die starke brennnessel z. b., wenn alles sich dem ende nähert, wagt sie einen neuanfang. ihr sattes grün fällt besonders auf zwischen den beige- und brauntönen. ich werde beobachten, was sie unter der schneedecke sich einfallen lässt. mit ihren rhizomen ist sie ja so gut wie nicht ausrottbar. sie lassen sie immer neu austreiben.
im kompostloch halten sie die hoffnung wach, dass alles wieder neu beginnt.

boretsch ist fast unirritierbar, hält sich in seiner form und blüht unbeirrt und himmelblau. ausserdem bringt er jetzt im spätherbst neue pflänzchen hervor. auf dem kompost gedeihen sie prächtig.

die vielen, vielen samen des springkrautes halten es etwas vorsichtiger. nichts verrät, wo sie sich verbergen in dieser jahreszeit. umso intensiver werden sie sich hervor wagen, wenn es zeit für sie ist.
im moment verzaubern mich die vielen verwandlungskünste der niedergestreckten stengel. sie zeigen mir bruchstellen, verbindungen und das geschehenlassen in grossem urvertrauen. keine form widerstrebt ihm, und grazie und formschönheit finde ich in jedem stadium.

ich lerne verstehen. fast bis zum letzten wird mir verständnis zuteil – fast…

FRÜHER GRUSS…

ich kann nicht sagen
warum ich so gerührt war von dieser geste am frühen morgen

es war ausser mir noch niemand unterwegs
die löwenburg im nebel
das war mein sinnen

eine zärtliche geste
durch das liebevolle sträusschen
knöterich vielleicht

erst zuhause fiel mir die doppelte botschaft auf
rauchen kann tödlich sein

trotzdem hat es auch heute noch etwas anrührendes
verführerisch
wenn ich eine raucherin wäre
hätte ich nicht widerstehen können

LAUTER LETZTE TAGE…

so viel schönheit macht sprachlos
es gibt keine passenden worte dafür
schweigend geniessen

und zu wissen
dass es einer der letzten schönen tage war
macht wehmütig

der trost
dass andere schöne tage kommen werden
kalt und nass und frostig
aber doch auch zu bewundern
muss reichen

ich wollte nebel fangen
und habe sonne bekommen
was besseres konnte mir gar nicht geschehen
nebel wird noch oft kommen
aber goldene herbsttage nicht

EIN FEDERHALTER AN EINEM BERG…

FEDERHALTER-BERG

LIU LIYUN
FEDERHALTER-BERG
fuldaufer

erstmal ist der federhalterberg sehr fotogen. er macht was daher und beeindruckt. er glitzert in der späten nachmittagssonne, blinzelt mir zu. ohne erklärung sagt er mir nichts, jedenfalls nicht das, was er soll. er lädt zum draufklettern ein. ein kleiner junge versucht es.
seit der windmühlenartigen gestalt am weinberg ein flügel weggeblasen wurde, steht auf den hinweisschildern aller kunstwerke, dass man sie nicht betreten darf. teilweise sind sie umrundet von weissroten bändern, damit man sich ihnen nicht nähern kann. leider hat das nun baustellencharakter und die freiheit der kunst ist dahin. es ist für mich nichtssagende kunst, der der ausdruck und die deutlichkeit eines AI WEIWEI fehlt.
warum eine chinesische künstlerin sich auf den herkules bezieht, ist mir nicht ganz klar. herkules als tatmensch imponiert mir ebensowenig wie als kluger strateke und moralist.

die 2005 als beste junge künstlerin auf der international beijing biennale ausgezeichnete LIU Lijun arbeitet heute als freischaffende künstlerin in peking und ist als professorin an der fine arts academy of minzu tätig. für ihre plastiken und installationen wandelt sie alltägliche objekte um und bringt sie in einen künstlerischen kontext. in ihrem künstlerischen schaffen nehmen ihre seiden-installationen, inspiriert von traditioneller chinesischer landschaftsmalerei, eine zentrale stellung ein. dafür kreiert LIU dreidimensionale traumartige landschaften, die oft aus technologischen objekten wie computern bestehen.

das in kassel ausgestellte werk „federhalter-berg“ zeigt eine überdimensionierte schreibfeder, die in pop-art-optik auf einem aus stahl konstruierten berg liegt.
die plastik steht im dialog mit claes oldenburgs spitzhacke, die 1982 zur documenta 7 entstand. die spitzhacke soll die bewohner kassels an die geschichte der stadt – zerstörung und wiederaufbau – erinnern und eine verbindung herstellen zwischen dem herkules-denkmal und der stadt, wischen vergangenheit und gegenwart. die spitzhacke ist so positioniert, als habe herkules sie von seinem standort auf der wilhelmshöhe an das ufer der fulda geschleudert.
LIUs „federhalter-berg“ schliesst sich an die herkules-thematik an: tat und geist – spitzhacke und feder – ergänzen sich wechselseitig. LIU stellt herkules nicht nur als tatmensch dar, sondern auch als klugen strategen und moralisten.

liu liyun,* 1974 innere mongolei
central academy of arts, peking
institute of art and design, kent

FRIEDENSPREIS für LIAO YIWU…

Als Volksschriftsteller im umfassenden Sinn steht er ein für Menschenwürde, Freiheit und Demokratie.
Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hat den chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu zum diesjährigen Träger des Friedenspreises gewählt.

die verleihung, die am 14. oktober 2012 in der paulskirche in ffm. stattfand, war von ausdrucksstarken reden umgeben. der abschluss der feierlichkeiten wurde von einem von LIAO YIWU beeindruckenden lied umrahmt, das er mit 2 in schwingung gebrachten klangschalen begleitete. eine ungewöhnliche und bewegende darbietung.

menschen, die sich gegen ein so unerschrockenes und gnadenlos unmenschliches regime auflehnen, ja für ihre abschaffung plädieren, und ihr eigenes leben damit in gefahr bringen, verdienen unsere grösste hochachtung, unseren schutz und unterstützung.

meine bewunderung
meine hochachtung