
…drüber unsre herzen gehn…

…drüber unsre herzen gehn…

im sternengeflecht
die mondin
erwarten
sie macht die nacht
zum tag
setzt nachtgeschichten
an den saum des himmels
verschweigt
das laute geschäft
des tages
streut mondkringel
für mondtänzerinnen
rosadora

den tag
tragen durch den tag
die zeit
tragen durch die zeit
mich tragen
durch mein menschsein
einst fallen
aus tag
zeit
und sein
engelhafte fluggeräusche
vage vorstellungen
suchen halt
am rande
meiner fantasie
seelenruhig
gehe ich
in richtung licht
raabe, wilhelm (1831-1910)

wenn man auch allen sonnenschein wegstreicht,
so gibt es doch noch den mond und die sterne
und die lampe am winterabend.
es ist so viel schönes licht in der welt.







johannes bobrowski

das wort mensch, als vokabel
eingeordnet, wohin sie gehört,
im duden:
zwischen mensa und menschengedenken.
die stadt
alt und neu,
schön belebt, mit bäumen
auch
und fahrzeugen, hier
hör ich das wort, die vokabel
hör ich hier häufig, ich kann
aufzählen von wem, ich kann
anfangen damit.
wo liebe nicht ist,
sprich das wort nicht aus.

da sind sie nun – kraniche verlässliche ankünderinnen des winters. immer ist es ein kleines glück sie zu sehen. diesmal bin ich auf dem jüdischen friedhof als ich sie erst höre und dann – weit, weit entfernt – sehe. mein herz hüpft vor fräude. ich bleibe stehen, um diesen moment zu geniessen. sie sind die glücksbringer, sie holen den frühling zurück.
hoch fliegen sie, sehr hoch. ihr reisetag ist brillant gewählt. sonne, am 17. tag des november, wie nie in den vergangenen jahren, gegen 11 mittags. auch im vergangenen jahr sah ich die ersten am 17. november, einen weiteren zug am 28. november.
nun schneie mal, winter, und zeig was du kannst…

etwas ergibt ein bild. ich erkenne es als solches. es entstand aus einer zerstörung. etwas, was war, ergibt etwas neues, ein neues bild.
auf den ersten blick erkenne ich eine menschliche gestalt, eine weibliche. die gestalt befindet sich auf einem grabstein. er ist vielleicht zersprungen. die gefangene und eingesperrte seele sucht nach befreiung, will heraus – zu mir – in die welt – zu den lebenden. dass es lebenshunger ist, glaube ich nicht. sie hat noch etwas zu klären, will einem geliebten menschen beistehen, das leben zu ertragen.
mit jedem neuen bild, das ich finde, finde ich auch eine geschichte. das foto ist nun nicht nur foto. es ist ein bild in einer geschichte, in meiner geschichte. die geschichte bereichert es und es beginnt zu leben. es liegt nicht, hin und wieder betrachtet, in einer kiste, sondern geht zu den menschen mit seiner geschichte.
ich liebe mein bild und danke ihm für seine offenheit.

so rot wie dich
sah ich noch keine
dazu violett
acht lange beine
novembersonne
die tut gut
dir spinnenfrau
die keiner was tut
ich find dich schön
du kleines spinnentier
fänd dich ganz gerne
nächstens
wieder hier