ORANGERIE KARLSAUE…
außer dem münzapparat ist alles dran an der MÜHLE DES BLUTES in der karlsaue von josé antonio vega macotela aus mexico. nächste woche mittwoch bringt ihn der künstler persönlich vorbei. ob er damit auch schon die mühle ingang setzen wird – schon mal ausprobiert. daß er daran seit 2010 gearbeitet hat – naja.
gegen den dunklen regenhimmel sieht sie recht dramatisch aus, die mühle. mit den bänken schaut sie ein wenig aus wie ein gastronomischer treffpunkt – wird es ja vielleicht auch… der duft des holzes steigt mir in die nase, wirkt einladend. wenn der zaun der firma rennert verschwunden ist, werde ich sicher mal dran schnuppern. spannend, wie die documenta 14 duftet. hauptsache sie stinkt nicht…
MARTA MINUJIN parthenon…
friedrichsplatz

bücher fehlen – 14 säulen noch frei
http://www.documenta14.de/de/
also
noch mal nachschaun in den bücherregalen
ob bücher für die spende dabei sind

,Zensur, die Verfolgung von Schriftsteller_innen und das Verbot ihrer Texte, motiviert durch politische Interessen und mit dem Ziel, unsere Gedanken, Vorstellungen und Körper zu beeinflussen, sind nach wie vor weit verbreitet.
The Parthenon of Books (Der Parthenon der Bücher) ist ein Zeichen gegen das Verbot von Texten und die Verfolgung ihrer Verfasser_innen. Für die Realisierung des Werks sammeln die argentinische Künstlerin Marta Minujín und die documenta 14 Bücher, die nach Jahren des Verbots wieder verlegt werden oder in einigen Ländern legal verbreitet, in anderen aber untersagt sind.‘
documenta.de
MAN WALKING TO THE SKY…
JONATHAN BOROFSKY d IX – kulturbahnhof vorplatz …

ihn da so allein walken zu sehen, stimmt ziemlich traurig. er kommt nicht von der stelle der arme mann und der gang zum himmel ist ziemlich weit. auch weiß er nicht, was ihn erwartet – aber das wissen wir ja auch nicht oft. wir können uns ziele setzen, auch wenn es so etwas wie ein ziel gar nicht gibt. so walkt er, so wandern wir und darauf kommt es an – aufs gehen, aufs vorwärtsschauen und niemals aufzugeben.

ein walker – ein geher – ein mensch mit buntgefärbtem haar und hochwärtshahnenkamm bringt bewegung, bringt farbe ins bild und somit in den tag. ja, ich kann ihn fotografieren, so geht er nicht verloren. ein paar worte, die beleben den moment, mehr ist nicht drin.
nein, er will nicht in den himmel, aber er gibt dem himmelsstürmer eine besondere note, er schmückt das kunstwerk, was mich erheitert.
d14 FRIEDRICHSPLATZ…
MENSCHEN BEGEGNEN…

der parthenon ist etwas gewachsen. es wird gemunkelt, dass die bücher nicht ausreichen, überlegungen angestellt, was da zu machen wäre. ich bin zuversichtlich – es gibt immer eine lösung.
sie hält die hände über die augen, um den gegenlichtparthenon ungeblendet zu betrachten. nein, sie kommt nicht wegen der d14 her. sie erklärt, ich verstehe kein wort und noch will ich garnichts wissen.
doch dann die frau mit der pudelmütze in begleitung einer frau aus kassel. ich bin noch nicht ganz anwesend, weiß mein thema noch nicht. und dann und dann und dann – schlag auf schlag, MENSCHEN – aus la, aus lx und und und zierenberg.
wie ein äffchen springt er auf die mauer, der aus zierenberg, jens, bleibt oben, fotografiert und welche frage das gespräch eröffnet, weiß ich nicht mehr. es wird ein längeres und interessantes – über fotografie, über die art zu schauen, wahrzunehmen, die dinge und die menschen und die welt – und sich selber…
dem friedrich gegenüber eine göttin vielleicht. sie hält das feuer unter kontrolle und ihn. die welt in der rechten, die weitsicht im blick. was mit den büchern wird, ist ihr ziemlich egal, wundert sich über die menschenansammlung und versteht diese ganze aufregung nicht.
nein, es ist kein feuer, es ist dampf. mit den grünen baumkronen gibt es sich malerisch. heute zwei herde – mit einem macht es nicht viel daher.

am unteren teil des friedrichsplatzes eine menschenansammlung – die kasseler tafel. toxi erklärt mir die lage und sich, seine tatoos und wie er dazu kam und was sie bedeuten. ob ich eine suppe haben möchte. ich sage nicht nein, es gab kein mittagessen bei mir. wer die gekocht hat – die kommt aus dem elisabethkrankenhaus oder auch mal anders. hirse und gemüse – sie schmeckt mir. danke.
im röhrenbau, von hiwa k, steckt eine fest, wie mir scheint. eine zusammenarbeit mit studenten, sie richten wohneinheiten ein mit schlafmöglichkeit und allem, was man so braucht, um zu überleben. es sind noch plätze frei, du kannst dich noch melden. ich schäkere, dass das eine gaudi wäre, die jungen student/innen und so eine alte. einen moment reizt es mich, doch meine knochen fänden es nicht so gut, so eingeengt zu sein.
ich erfahre so einiges und belasse es heute erstmal dabei.
ROSE AUSLÄNDER – 11.05.1901 – 03.01.1988 …
im seidigen
maigrün
einer frühlingsnacht
bin ich
geboren
erzählte mir
meine mutter
der frühling ist
mein liebstes
alphabet
{rose ausländer}
Mai
Mit Maiglöckchen
läutet das junge Jahr
seinen Duft
Der Flieder erwacht
aus Liebe zur Sonne
Bäume erfinden wieder ihr Laub
und führen Gespräche
Wolken umarmen die Erde
mit silbernem Wasser
da wächst alles besser
Schön ist’s im Heu zu träumen
dem Glück der Vögel zu lauschen
Es ist Zeit sich zu freuen
an atmenden Farben
zu trauen dem blühenden Wunder
Ja es ist Zeit
sich zu öffnen
allen ein Freund zu sein
das Leben zu rühmen
(Rose Ausländer)
13.8.86
für rose ausländer
ich bring dir
worte
vom kreuz des südens
wo sterne sich türmen
von den wassern der ozeane
aus ihren tiefsten tiefen
leg meinen traum
zu deinem
der da nun ruht
unabänderlich
(duschenka-rosadora)
https://de.wikipedia.org/wiki/Rose_Ausländer
d14 – MÜHLE DES BLUTES…
ANTONIO VEGA MACOTELA – MEXIKO…
vor der orangerie entsteht das kunstwerk – soll 9 m breit und 6 meter hoch werden.
ein arbeiter erklärt mir, dass es eine druckmaschine, gelddruckmaschine, werden soll.
mehr weiß er auch nicht. na, dann mal her mit der pinke, damit die d14 ohne schulden raus kommt…
tulla tulla – jaja
movART
macht den blinker, ist der hammer schlechthin. slogan der documenta…
MANITOU
klingt indianisch. ob die hier mitwirken…
mateco
ein kleiner bruder, der auch mitspielen will…
alles ein spiel – die documenta, das leben eben…
unter mitwirkung und aufsicht von
ZACATLAN, PUEBLA, MEXICO
ach, wieder ein zipfelchen d14
SEEROSENTEICH…
FINDELI HAT GEBURTSTAG…
…ER IST HEUTE 12 JAHRE – 05.05.2005…
und wer im mai geboren ist
tritt ein – tritt ein – tritt ein
der mache zuerst einen tiefen knicks
recht tief – recht tief – recht tief
findus dreh dich
findus dreh dich
mach hoppsassassa
findus dreh dich….
findeli schaut mich an, als würde er alles, aber auch jedes wort, verstehn,
wartet, dass ich es wiederhole – sein geburtstagslied.
so ein schatz aber auch…
dass ich die geschichte meines katers unterschlage – das geht gar nicht. schließlich ist er ein ganz besonderer kater und und und – heute 12 jahre.
2005 war ich mit einer reisegruppe auf sifnos. abends nach dem wandern gingen wir immer zum essen. da ertönt ein jämmerliches weinen unter einem boot hervor. die schweizerinnen und schweizer waren voller mitgefühl – ach armes chätzli – armes chätzli.
wir aßen und auf dem heimweg mußten wir wieder an dem chätzli vorbei, das immernoch herzerweichend miaute. klitzeklein war es noch. und wieder – armes chätzli, armes chätzli.
und – ich war die letzte – keine/r hatte sich erbarmt. ich war also in der pflicht. es war klein und schmutzig, und wie sich herausstellte, ein katerchen. eine plastiktüte lag herum und ich packte es da hinein und trug es mit ins hotel.
ein bißchen waschen mußte sein und ich setzte es in das spülbecken und machte ihm ein warmes bad. es schien es zu genießen. vielleicht spürte es, dass etwas geschah für sein gutes. ich barg es in meinen händen. die äuglein waren zugeklebt und helena besorgte augentropfen und katzenmilch und eine pipette. damit versorgte ich dieses kleine wesen erst einmal. in der nacht setzte ich es in eine schublade mit mützen und tüchern, damit er auf dem boden nicht unter meine füße gelänge, so klein und fast übersehbar im dunkeln, und ließ ein spalt offen.
bald ging es ihm schon besser. wir gewöhnten uns aneinander. er war ein so geschickter kleiner kerl. ich besorgte ein kistchen und füllte es mit meersand und, als wenn er bisher nichts anderes gekannt hätte, machte er sein kleines geschäftchen nur an diesem ort.
wir waren beide nichtwissende und spielten uns geschickt aufeinander ein.
nach dem bad stellte sich heraus, was für eine schönheit das kleine tier war. von da an bevorzugte er als ruheplatz meinen hals. ich sah das so, als sähe er in mir seine pflegemutter. gern spielte ich diese rolle und war vom ersten moment in das katzentier verliebt.
da war noch nicht klar, dass ich ihn bis in die schweiz mit nachhause nehmen würde. der tierarzt war besoffen, und konnte ihn nicht impfen, weil das tier noch viel zu klein war. der taxifahrer riet mir, schmeiß ihn doch weg und der hotelbesitzer zeigte nicht die geringste neigung, dieses tier bei sich aufzunehmen. ich war überrumpelt – es war mein katerchen.
findus nannte ich ihn, weil mir vorschwebte, meine enkelkinder in hamburg könnten freude daran haben. aber die schwieger meinte, es kommt mir kein tier ins haus. also, voll und ganz mein tier.
ich gewöhnte mich an den gedanken. erstmal ging mein gesamter urlaub zum großen teil in die katzenpflege.
ich überlegte, wie ich das anstellen könnte – 3 stunden schiff, 3 stunden flug und kontrolle, 2 stunden bahn bis nach st. gallen. da wohnte ich zu derzeit.
in einem kleinen handlichen täschchen würde ich ihn verbergen und transportieren können. für die kontrolle am flughafen nähte ich ein rundhalstuch an einer seite zusammen. darin würde er versteckt auch durchleuchtungen überstehen können – dachte ich. an der anderen seite nähte ich einen dünnen schal, band mir das gebilde samt katerchen um den bauch und überzog mich mit weiten gewändern.
noch war ich naiv. die überfahrt bis athen mit dem schiff ging gut. findus war neugierig, er ließ sich die heimlichtuerei gefallen.
sogar einen besuch bei einer athener tierärztin überstand er mühelos. die rieb ihn mit irgendetwas infizierendem ein und gab mir auch noch ein schreiben mit, auf dem sie den vorgang bestätigte und, dass findus gesund sei. es beruhigte mich nicht sonderlich, weil ich wußte, dass dies keinem impfgeschehen gleich kam. aber immerhin – und wer weiß…
im flughafen mußte ich findus vom täschchen in den bauchumhang verfrachten. auf den toiletten war zum glück kein großer andrang und findus spielte wieder mit. aufgeregt war ich nun. die gesamte reisegruppe nahm abstand von mir. mit einem zwischenfall wollten sie nichts zu tun haben. ich würde also ganz allein dastehn mit meinem geschick oder ungeschick.
das durchleuchten ging gut – nichts beanstandet. sie dachten vielleicht ich sei schwanger…
aber am kontrollband – ohje – packen sie mal den rucksack aus. in dem war ein kulturbeutel mit einem runden silberanhänger. der war verdächtig. äußerlich zeigte ich keine regung, aber innerlich war ich aufgeregt, wie noch nie in meinem leben. und…. findus verhielt sich vorbildlich, er tat keinen mucks. überstanden und erlöst. wir waren in der schweiz.
zuhause erstmal keine vorrichtung mit katzensand, kein futter, kein nichts. und findus spielte wieder mit. als er mal pinkeln mußte, stellte er sich mit dem kopf in die ecke als wenn er bitten würde, erlös mich mal. dann hatte er auch ein klöchen und essen und alles, was er brauchte.
neugierig war er, der kleine schatz, interessierte sich für alles, setzte sich auf den staubsauger, auch wenn er lief, sprang auf regale und schränke und bald hatte er auch seine lieblingsplätze.
schatz habe ich in meinem leben bisher nur meinen kater genannte und er ist es bis heute, 12 jahre nach seinem auffinden, noch immer.
d14 PARTHENON BEI REGEN…
es wird gearbeitet, auch wenn es nicht so ausschaut. vielleicht muß das büchergestell bis zur d14 gar nicht fertiggestellt sein und die arbeiten sollen über die gesamte documenta hinweg reichen. und dannach. ich bin gespannt. die aktion des abbaus ist sicher ebenso aufwendig wie das errichten.


die bücher sind gut eingepackt. immer mal wieder bringt jemand ein buch vorbei – oder zwei. ab jetzt können sie auch im neuen presse- und informationszentrum – leder meid – abgegeben werden. m., unterm schirm, passt auf, dass niemand unbefugtes das gelände betritt. eine elend langweilige aufgabe – und bei so einem regen. da ist sie froh, daß ich ein bißchen mit ihr rede. noch bis 16 uhr muß sie aushalten. das sind noch mehr als zwei stunden. die andern sitzen im häuschen, verschweißen die bücher, etwas beengt, aber trocken.

die dem fridericianum zugewandte seite ist geschafft. zwei arbeiter – der eine spricht englisch und der andere – der versteht dich nicht, der ist aus frankreich. internationale besetzung. der eine schneidet die drahtgitter in die richtige größe, der andere schleppt sie dorthin, wo sie gebraucht werden – auch wenn da zur zeit nicht gearbeitet wird.
d14 PRESSE- UND INFORMATION…
…gedichte von DMITRI ALEKSANYCH
die gedichte von DMITRI ALEKSANYCH beachte ich nicht gleich. ich nehme nur ein paar und hole die anderen später.
sie bringen regen und sonnenschein, wärme und energetische wunder und gehen so:
Bürger_innen!
Dieser leichte Regen,diese Sonnenstrahlen gleich darauf – sind sie nicht eine Metapher unseres irdischen Glückes!
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Der Regen wird diese Schriftzeichen verwischen, der Wind diese Papierfetzen abreißen und mit unbekanntem Ziel davontragen, die Worte aber werden sich festsetzen in euren Herzen!
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Menschliche Wärme wärmt nicht nur den zu Wärmenden, sondern auch den, der die Wärme abgibt – ein energetisches Wunder!
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Die Sonne macht keinen Unterschied, ob sie das grüne Gras liebkost oder den grünen Schimmel oder uns, die wir grün sind von seelischen Leiden, die überflüssig waren!
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Citizens!
Here I am looking out of the window and I see snow, and I know that you are also looking out and you also see snow – and I feel good!
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ausgesucht von 143 gedichten in drei sprachen, deutsche übersetzung von peter urban, hg. literarisches colloqium berlin 1991




wildapfelblüten
