KARLSAUE
…kam es mir spontan, als mich die grüne wucht überfiel. sie zog mich an und zu sich hin. die bäume wetteiferten – einer wollte grüner sein als der andere. heftiger regen hatte die bemoosten stellen an ihren stämmen dazu gebracht, die farben, die der herbst sich bemüht hatte in die vergänglichkeit zu befördern, zu erneuen und aufzufrischen.
zwischen den zur zeit vorherrschenden brauntönen nahm sich das grün grad königlich hervor und auffallend dazu. grünkraft – fiel es mir ein – die grünkraft ist immer vorhanden – bei bäumen und pflanzen, bei tieren und menschen, nur tritt sie nicht immer so prachtvoll und in gleicher weise hervor. sie ist die lebenskraft – die überlebenskraft in allem.
nach dem starken regen schauen die bäume aus, als hätten sie sich, mit so üppigem grün, geschmückt für ein fest. sie haben sich herausgeputzt für die menschen, die sich aus ihrem alltag herauswagen mitten unter sie. auch wenn sie es nicht bemerken, wie sehr sich die bäume mühen, gehen sie in dieser grünkraft einher und ihr körper speichert sie.
und wenn im winter nur ein höckerchen moos zwischen dem schnee oder an einem baumstamm neugierig hervorblinselt, ist dieses kleine grün voller energie und stellvertretend für ein grösseres inerscheinungtreten zuständig und übermittelt sie an mensch und tier.
REINE LUST…
Warum erfüllen uns Gräser, eine Wiese, ein Baum mit so reiner Lust ?
Weil wir da Lebendiges vor uns sehen, das nur von außen her zerstört werden kann, nicht durch sich selbst.
Der Baum wird nie an gebrochenem Herzen sterben und das Gras nie seinen Verstand verlieren.
Von außen droht ihnen jede mögliche Gefahr, von innen her aber sind sie gefeit.
Sie fallen sich nicht selbst in den Rücken wie der Mensch mit seinem Geist und ersparen uns damit das wiederholte Schauspiel unseres eigenen zweideutigen Lebens.
Christian Morgenstern –
GUTE SCHWINGUNG…
BAUMLIEDER…
der kraft der bäume
vertrauen
mich anschmiegen
anlehnen
umarmung versuchen
buchenleise lieder singen
nicht aufhören können
aber
leiser werden
und immer leiser
rosadora – 24.09.2011
ETEL ADNAN IN ZÜRICH…
http://www.swr.de/kunscht/etel-adnan-portraet/-/id=12539036/did=16204246/nid=12539036/y75r5v/index.htmlSY
an eine freundin
ETEL ADNAN
eine meiner lieblingskünstlerinnen
(ich mag die alten)
mehr noch als ihre bilder
mit der man sie jetzt hervorholt
(lassen sich besser herzeigen und verkaufen)
liebe ich ihre texte
ihre bücher habe ich nach der d13
wo ich sie kennen lernte
verschlungen
sie ist eine grosse filosofin
und nicht im üblichen sinne
nicht nachgeplappert und übern kopf
bei ihr geht alles übers herz
anfassen – begreifen
sehen – verstehen
sich einlassen – einmischen
dass sie über 30 jahre lang ihren berg TAMALPAIS gemalt hat
wieder und immer wieder
sagt einiges aus
und ich wunderte mich gar nicht mehr
weshalb ich immerzu an meinem kompostloch festhielt
festhalte
weisheiten liegen nicht wie schnee vor der tür
man muss sie erkennen
und das geht nicht einfachsooooo
schau dir die etel mal an
aber erst nach dem lesen ihrer bücher
wirst du begreifen
warum ich sie so mag
liebe grüsse
rosadora
ausstellung
Etel Adnan – La joie de vivre
Museum Haus Konstruktiv zürich
29. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016
sie hat eine homepage
das sind auch ihre werke verzeichnet
SPIEGELWESEN…
LAUBSCHWIMMEN AUF DEM SEE…
wie sie selbst das wasser schmücken – die blätter –
wie sie dem see eine so andere ausstrahlung geben.
wie sie am ufer segeln und sich wiegen.
das schwingen am baum war ähnlich.
luft wasser erde – mit allen in begegnung –
mit allen in kontakt – alle stufen durchlaufend,
die verwandlung macht sie reich,
lässt sie leben ewiglich…
gestern noch dieses bild – heute alles weg.
erst blähen sich die laubpuster auf, dann ein nicht endenwollendes
geräusch von den booten im seeufer, welche die blätter aufsaugen.
aus – bald auch der letzten farbtupfer beraubt.
das laub, das sich so anstrengte, mit farenfrohem gebärden zu erfreuen,
verschwindet – werweisswohin…
KOMM IN DEN PARK…
AUEPARK
komm in den totgesagten park
komm in den totgesagten park und schau:
der schimmer ferner lächelnder gestade.
der reinen wolken unverhofftes blau
erhellt die weiher und die bunten pfade,
dort nimm das tiefe gelb, das weiche grau
von birken und von buchs, der wind ist lau.
die späten rosen welkten noch nicht ganz.
erlese küsse sie und flicht den kranz.
vergiss auch diese letzten astern nicht.
den purpur um die ranken wilder reben
und auch was übrig blieb von grünem leben
verwinde leicht im herbstlichen gesicht.
stefan george
UND DANN DER URWALD…
…URWALD SABABURG IM REINHARDSWALD…
den zeitpunkt abpassen, wo der urwald sich herbstlich schmückt… in den letzten wochen bin ich mehrmals hingefahren, um ihn zu treffen. nun leuchtet es – von oben und unten, nun raschelt es unter den füssen – und – so habe ich es noch nie erlebt. herbst ja, doch dieser herbst ist besonders. die buchen im goldrausch, die eichen kriegen die farbe wieder nicht hin, wenige birken, die das goldgelbe laub noch festhalten und kahllinge gibt es auch schon grosse mengen. das moos ist herbstlich gestimmt und begrünt üppig die stämme und äste, besonders die vergehenden am boden liegenden. das grün sticht ins auge und motzt die herbstfarben auf.
die wappeneiche ist belagert von fotografen – es sind 20, die aus gudensberg angereist sind. sie verstopfen förmlich die sichtachse und waldwege. 20 – das musst du dir mal vorstellen. sie haben die unart, mit stativen die gegend unsicher zu machen und die rucksäcke vollgestopft mit zeugs, dass du denkst, sie wandern nach amerika aus…
die wappeneiche hat ein besonders schönes und mildes licht – einmalig. aber ich gehe weiter und komme später wieder, wenn die horde abgereist ist. nur – dann ist das licht auch weg…
die kamineiche ist nicht umzingelt. die haben sie wohl nicht gefunden. ich schaue sie mir mal von hinten an – das habe ich bisher noch nicht gemacht und gehe um sie herum, als sähe ich sie zum erstenmal. achja, und da ist sie gerissen – von unten bis oben. von vorn zeigt sie sich einladend und stark…
mein herzbaum hat wohl keinen offiziellen namen. so regennass zeigt er sich in besonders kräftigen und eindrücklichen farben. das herz ist auch noch da – fast schöner als bisher. herzen können auch mit zunehmendem alter noch bezaubernd sein…
die kurve geht heute nicht sehr weit. ich nehme das ganze mit video auf und kann auch das fotpgrafieren nicht lassen. das nimmt doppelte zeit in anspruch und ermüdet.

ich gehe in richtung parkplatz und kann meine augen doch nicht ganz geschlossen halten. diese dicke eiche noch – und ich gehe um sie herum und – ich erkenne meinen LIMANGO wieder (ein bärenartiger kopf), der in meinem buch von der DUNKLEN SCHÖNEN UND IHREN URWALDWESEN eine rolle spielt. erkennen ist freude – ist reine reinste freude.
an der wappeneiche habe ich dann keine lust mehr. das licht ist weg und ich dann auch…
eine woche vorher sah es so aus
URWALDLIEBLINGSBAUM…
URWALD SABABURG IM REINHARDSWALD…
november 211
was lieblingsbäume so an sich haben – sie bereiten freude – sie bereiten schmerz. diesen hier kenne ich schon seit jahren. er zog mich an als er noch aufrecht stand, und zieht mich an, jetzt da er in verwandlung begriffen, für mich in besonderem masse seine haltung bewahrt. seine ausstrahlung ist einmalig. er gibt einblick in sein tiefes inneres und ich bewundere dies. sein innen verschwindet, bevor seine äussere hülle sich zersetzt. pflanzen und moose dürfen auf ihm wachsen. sie geben ihm ein schönes frisches aussehn. er täuscht mir vor, dass er noch ewig so da sein wird.
den sommer über konnte ich durch den hohen adlerfarn nicht zu dem baum – ich nenne ihn auch jetzt, da er niederliegt, noch baum, durchdringen. aber jetzt hat der herbst den farn bezwungen. er liegt flach am boden. mit seinen geknickten stielen bildet er schlingen und ich muss aufpassen, dass er mich nicht fängt und niederreisst. aber ich habe es geschafft…
zur wintersonnenwende wandere ich mit einer dicken kerze zu ihm, begrüsse ihn und bedanke mich dafür, dass er mich in seiner nähe duldet. kein wesen auf der welt ist über die dauer der jahre so den jahreszeiten ausgesetzt, keines speichert die zeit so sehr in für mich unvorstellbarer weise. seine weisheiten kann er uns nicht vermitteln, was an unserem nichtverstehen liegt, doch er lässt uns unsere erfahrungen machen, wenn wir mit ihm in eine beziehung treten und mit ihm reden.










