I_KOMPO_75 SCHIFFE_ 73
SCHIFFFAHRT

fünfundsiebzig
werden von der oberfläche
geblasen

fünfundsiebzig
tilgen die vergangenheit
reisen ab

in das unterbewusstsein
wo ihnen nichts entgeht
nur die zukunft

hat gleisende aussicht
über den see
bläst ein leiser wind

rosadora

75 SCHIFFE KOMPOSTLOCH_P1030201KOMPO_75 SCHIFFE_P1030206KOMPO_75 SCHIFFE_P1030213
bei c. g. jung
steht schiff oder boot für das unterbewusstsein
im kompostlochsee leuchten kindheit
und alter um die wette
das bezaubernde bild
lässt vermutungen zu
aber welche

noch einmal FERDINAND VON REITZENSTEIN…

liebe rosadora,
habe soeben deinen blog kopiert und auf drei A4 seiten in farbe gedruckt, inklusive der bilder. ich werde die seiten einfach in das kondolenzbuch einkleben, damit sie nicht herausfallen können.

deine geistige anwesenheit ist aber jetzt schon gegeben, denn ich habe ferdi unter anderem eine klappkarte von dir mit einem foto eines seiner gemälde vorn drauf, in seinen sarg gelegt. dazu habe ich auch noch etwas persönliches geschrieben. diese klappkarte fand ich in seiner wohnung.
……
liebe grüße
alexander

27.11.07_FERDINAND_I_die besonderen teestunden 138_bearbeitet-2lieber alexander
das rührt mich jetzt sehr dass du so sehr auf meine geistige anwesenheit bedacht bist
ich bin sicher ferdinand wird es so akzeptieren und dass ich ihn sogar mit deiner hilfe
bis ins grab begleiten darf
heissinnigen dank
rosadora

ich war heute nicht zur beerdigung um 14 uhr

sondern schon um 11 uhr in der kapelle – ganz alleine

habe mit ferdinand gesprochen – und ihm einige

LAUDATE OMNES GENTES gesungen

das war sehr tief und bewegend für mich

FERDINAND VON REITZENSTEIN…

12.06.08__FERDINAND DER MALER_III 001

Ferdinand von Reitzenstein – 11.5.1930 – 11.11.2013

27.11.07_FERDINAND_die besonderen teestunden 139

lange zeit stand dieses bild dieses engelsgleichen blonden weissgekleideten mädchens auf den stufen zum ersten stock
es zeigt so sehr die seelenverfassung von ferdinand wie kaum ein anderes
genau in der zeit seines sterbens hat es die grösste entsprechung
es erinnert an die rückkehr des lichtes

es schwingt zwischen lucia der lichtgöttin und dem abendsegen engelbert humperdincks
,abends wenn ich schlafen geh
vierzehn engel (lichtlein) um mich stehn…
die mich weisen
zu himmels paradeisen‘.

das was einem bild seine tiefe bedeutung gibt
ist wenn es im leben eines menschen
hier von ferdinand von reitzenstein
seinen platz gefunden hat
oft ist das nicht zur zeit der entstehung
ferdinand war ein hellsichtiger und weitsehender mensch mit hoher sensibilität für das was andere nicht sehen und wahrnehmen können
dazu bedarf es einer besonderen gabe
diese gabe besass ferdinand von reitzenstein

er konnte es nicht in worte fassen
die worte anderer erschlugen ihn oft wenn sie über ihn hinweg sprachen weil sie glaubten er könne sie nicht verstehen – die zeit war zu oberflächlich und hektisch

er sprach durch seine bilder seine gemälde
15.13.07_ferdinand_stadt 083_weihn_aufgeh Kopie
den buntbelaubten herbstbaum den der schnee überraschte malte er vor 17 jahren – wohl genau in dieser jahreszeit

…..

rosadora

 

LEBEN GEHT…

STILLES BILD_DSC_8570

am kummer sollst du wachsen
den tiefen gefühlen nicht widerstehn
du kennst den urgrund der brunnen
du weisst
dort müssen wir hin
tief tief liegt verborgen
was uns trägt
tief ist alles
was leben ausmacht
wer in den höhen sich bewegt
wird von der sonne verbrannt
wird zur aschewolke
fliegt fliegt fliegt

rosadora

STILLES BILD I_DSC_8571

ein boot
es fährt in leichter sonne
es ist gut ausgestattet
es wird gut getragen
es nimmt sich alle zeit
es grundet tief
dort
wo alles leben endet
wo alles leben beginnt
wo ein kleines licht
für uns aufgespart ist
für heute und morgen
für allezeit
das
ist unser trost

DER PREIS DER LIEBE…

ETEL ADNAN
,der preis der liebe, den wir nicht zahlen wollen‘.

oder doch müssen…

ETEL ADNAN zog in ein haus in sausalito. vor ihrem fenstern bäumte sich der tamalpais ein berg der die landschaft beherrschte auf. er war aus sämtlichen fenstern zu sehen. es war in der zeit als sie mit dem malen begann und sie schreibt:
,ich malte nur noch den berg, und das ging jahrelang so, bis ich nichts anderes mehr denken konnte. es wurde meine hauptbeschäftigung, den berg in seiner unaufhörlichen veränderung zu beobachten. ich schrieb sogar ein buch über den berg. um ihn und meine gefühle in den griff zu bekommen – doch die erfahrung trat über die ufer meines schreibens. ich war süchtig‘.

ROSA IM KOMPO_PK_20130829-1644181

…und ich fotografiere nur noch das kompostloch
um die unaufhörlichen veränderungen zu beobachten
sie gehen schneller als ich schauen kann
und ich laufe hinter ihnen her
vielleicht auch um meine gefühle in den griff zu bekommen
wenn ich auch sage dass es mir in erster linie um das verstehen geht
verstehen wie das leben tickt was es will oder nicht und was es mir vermitteln kann mit meinen vergleichen und verbindungen

meine schwester schreibt:
,…und wünsche mir, dass Du nicht in
Deinem Sumpfloch Wurzeln schlägst ?! Diese Spielchen mit entsprechendem
Reiz waren schon immer Dein Image und die ganze Familie war in Aufruhr
bei Deinen Eskapaden…‘

oder ,wurzeln schlagen‘ ist es das was wir möchten und doch nicht können
sind wir aus dem grunde so ruhelos so umherwandernd und oft getrieben
eher treten die bilder über die ufer meines erfahrens als umgekehrt
und was wäre so schlimm süchtig zu werden nach den dingen die uns rufen und aufrufen
in allem ist leben und sinn versteckt und manchmal zeigt sich mir ein zipfelchen

ETEL ADNAN
reise zum mount tamalpais
nautilus

HEISS UND INNIG…

BRIEF VON ROSADORA an rosmarie
antwort auf ALLES UND NICHTS…

liebe rosmarie

die vorstellung des nichts

alles oder nichts
alles ist immer da
das nichts gibt es nicht

das alles verschwindet
ins nichts nur in unserem
bewusstsein als mensch

raum und zeit
legen wir in unseren
massstäben fest

es gibt samen
die überdauern unsere
lebenszeit bei weitem

sonnenblumenkerne
bleiben hunderte von jahren
keimfähig

nun weisst du
warum ai weiwei
dieser schlaue hitzkopf

und exzelente denker
sie zu seinem kunstwerk
verwendet hat

leben ist schön
und hässlich und spannend
leben wir es

liebend durchs leben gehn
ganz hereinnehmen das leuchtend schöne
das sich zur zeit so deutlich zeigt
hineinfallen und mitblühen
und danken
dass wir so gesegnet sind

heiss und innig
lebensklänge von
rosadora

AUS EINEM ALTEN …

aus einem alten artikel
5. januar 2008

manchmal finde ich einen alten artikel von mir und denke
das sind wunderbare worte und noch weiter
dass ich die heute gar nicht mehr so finden würde
vielleicht ist die suche eine andere
vielleicht haben sich körper geist und seele verwandelt
und sind nicht mehr so aufnahmefähig
oder ich bremse die durchlässigkeit
wie auch immer
ich warte auf neue
ich warte immer wieder
ich warte

das leben ist die kunst der begegnung.
(vinícius de moraes)
ich begegne menschen, dingen, tieren und den elementen gleichermassen. aus diesen begegnungen entsteht etwas tiefempfundenes und unwiederbringliches, das ich speichere in meinem herzen, in meiner seele, in meinem ganzen körper, und etwas von der schönheit und dem licht beginnt zu leuchten…..

ROSMARIE – ODER DANK AUS DEM ALL…

ZU PIERRE HUYGHES
EHRENPREIS FÜR “UNTILLED” dOCUMENTA 13

ausschnitt aus einem brief von rosmarie schmid einer kunstkennerin
freundin aus der schweiz
vom 27. januar 2013

……

ich kann aber diese mail nicht absenden, ohne eine ganz andere wertvolle & zuversichtliche tatsache zu erwähnen:
der preis von pierre huyghe und die für mich noch schönere tatsache, dass du sein ganz wichtiges kunstwerk an der dOCUMENTA 13 von allem anfang an entdeckt hast !! das erfreut mich und ich bin glücklich, dass ich davon viel, so-so-viel mitbekommen habe durch deine mails und beim gemeinsamen besuch in den auen von kassel. das ist etwas grossartiges!! deine achtsamkeit, deine erlebnismöglichkeiten hast du einfach weiterverschenkt an mich und vermutlich an ungezählt viele besucherinnen und besucher ….  in deiner präsenz ist das kunstwerk lebendig geworden als ganzes phänomen in unserer aktuellen zeit.

ich kann dir nicht genug sagen, wie ich dich “verantwortlich” mache für ganz viele unbeschreibliche – übertragene freuden. wie oft habe ich den kassel-reisenden mitgegeben können, sie sollen  sich zeit nehmen und sich der lust stellen für das erleben der kompostieranlage von huyghe … und  nach der rückkehr haben sie mir von der überraschung oder vom guten ergebnis des verweilens erzählt. eigentlich solltest du auch etwas vom preis bekommen. das ist kein spass …
aber wie ist es zu machen, dass jemand kundiger davon weiss und dir wenigstens die bekanntschaft mit huyghe schafft? du kannst dich ja nicht selber loben, aber wenn du die adresse von ihm weisst, kannst du ihm gratulieren und ihn daran erinnern, dass du die frau bist, die ihm 2000(?) fotos geschenkt hat. vielleicht auch das buch senden …… wie kann es bloss geschehen, dass er dir dann noch immer keinen dank sagen wird!

vielleicht denkst du jetzt, das ist alles nicht meine sache, in mir geht ganz was anderes vor, als einen meister kennen zu lernen. dabei könnte ich ja sehr enttäuscht sein, obwohl sein kunstwerk mich anzieht. da hast du vermutlich recht, doch von aussen betrachtet, liegt die möglichkeit im raum, dass sich ev. zwei verwandte seelen austauschen oder finden könnten.

…..

allerherzlichst rosmarie

LIEBE ROSMARIE

so viel nur jetzt und kurz
es ist 1 uhr und als ich aufs klo ging
war es mein mac der nicht ruhe gab wie ich ihm befohlen
sondern er strahlte mich an und ich fand deine mail

was du dir immer für eine mühe machst
eben nur zu huyghes preis

es weiss aber niemand der vermitteln könnte von meinem werk
insgesamt sind es über 5 tausend fotos und ich fotografiere noch immer…….

es wäre schön wenn ich bei der preisübergabe dabei sein könnte
am 16. mai im kunsthaus in zürich

da bin ich aber wahrscheinlich gerade mit mirko unterwegs nach bilbao

deine achtung und dein lob sind mir so viel wert
dass ich auf das eventuelle von huyghe verzichten kann

ich weiss ja selbst am besten was ich erfahren habe
durch meine aufmerksamkeit und hingabe

die welt ist nicht wichtig
du bist die welt stellvertretend

liebste grüsse in die nacht
rosadora


und da ist sie doch wieder – die verbindung ins all, der strahl der mich überall umgibt, auch wenn er sich mir mal nicht zeigt….

AGAPI MOU…

P1010755_AGAPI MOU

…oder der text im küchenschrank…

da hängt er
der text
schon einige jahre
ich weiss nicht
wie lange
er hängt

heute rührt er mich besonders an. ich weiss nicht, warum. dabei will ich mich doch nicht anrühren lassen – nicht von diesem text.
ich könnte ihn entfernen, damit er mich nicht täglich anspringen kann. aber er geht nicht weg.
hartnäckig beharrt er auf seine gültigkeit – für immer.
als ob es das gäbe – für immer. aber so, schrift geworden, beharrt er auf seine gültigkeit.
hatte er je gültigkeit?
er behauptet es. wenn er je gültigkeit besessen hat, so ist er heute nur noch erinnerung.
ich hasse erinnerungen. meine erinnerungen bringen es nicht fertig, sich zu sondieren in gut und schlecht, so dass ich das eine oder das andere abrufen könnte. deshalb rufe ich nicht ab.
auch nicht in diesem falle. es hat mich gerufen.

es war wie es war und es ist wie es ist, basta…