EIN BAUM GEHT…

1. mai und im urwald…

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irgend etwas unter meinen füßen ist ungewohnt weich – wie ein dicker wollteppich. doch was sich hier ausgebreitet hat ist kein teppich, sondern ein ganzer baum in seinem vergehen. ich muss erst genau schauen ehe ich begreife, was da vor mir liegt wie ein wesen, das arme und beine von sich gestreckt hat. ganz entspannt weich und warm liegt es vor mir.

URWALD_MAIENGRÜN_VERGEHENDER BAUM_I_01.05und wieder einmal darf ich teilhaben an dem vorgang des sich auflösens eines ehemals grossen starken baumes und wie er sich in die erde hineinbemüht oder gezogen wird ohne widerstand – darf ich erfahren was es heißt von einem zustand in einen anderen zu wechseln.

URWALD_VERGEHENDER BAUM_IV_P1470875_bearbeitet-1als ich weitergehe ist es, als schaue er mir nach, als wolle er mir sagen, schön dass du da warst, danke dass du mir deine aufmerksamkeit geschenkt hast, wunderbar dass du mich erkannt hast. und ich sage, es war mir eine große ehre – ich komme wieder…

F L O O R . . .

IM URWALD
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2011 fand ich sie und nahm sie als eine der gestalten in mein buch
DIE DUNKLE SCHÖNE UND IHRE URWALDWESEN
nannte sie FLOOR

in der zwischenzeit ist sie mir nur ein mal begegnet

und
und
heute

fand ich sie wieder

und sie ist schöner denn je
URWALD_FLOOR_II_P1470702und was ich noch entdeckt habe
sie ist die verbindung zwischen zwei bäumen
hainbuchen
wie eine brücke
eine liebesbrücke
neigt sie sich                                                                                                                       ist vermittlerin
ist energiespenderin

solange lebt sie nun schon und ich fand
dass ihr flügel gewachsen sind
oder einer

o diese entdeckerinnenfreude

heute nacht dachte ich
es sind siamesische zwillinge – die beiden bäume
und floor hat es nicht geschafft
hat sich nicht ausbilden können zum drilling
siamesische drillinge – wären eine besonderheit
und sind es schon so
man muss es nur sehen können
auf jeden fall ist sie kein totholz
sie ist angebunden an den baumkreislauf
der siamesischen baumzwillinge
daher ihr überleben über die jahre
URWALD_FLOOR_III__30.04in meiner geschichte im buch
hat sie vom der welt der menschen geträumt
da ist sie wohl hängen geblieben
in ihrem starken wünschen
und hat es sich dann anders überlegt

sie kommt mir fast schwesterlich vor
wie eine schwester
in die ich mich nun hineinzudenken habe
das ist nicht leicht und ich versuche
wenigstens ein bisschen baum zu sein

wunderbare FLOOR

Rosadora sagte am : Bearbeiten

Liebe Rosadora,
erneut ein wunderbarer Beweis dafür, was der Urwald den unterschiedlichsten Besucheranprüchen bieten kann. Gerade diese ungeheure Formenvielfalt ist beeindruckend. Der Eine betrachtet sie aus botoanischer Sicht, der Andere lässt die Fantasie und die Gedanken springen. Wie oft habe ich das schon bei den Gästen erlebt. Gerade die Ecke, in der Du die Fotos gemacht hast, ist das Mekka dieser Baumfantasien.
Und dabei spielen die rund 200 Jahre alten Hainbuchen eine besondere Rolle. Sie sind am Ende ihrer physiologischen Leistungskraft, schauen dem Tod ins Auge. Die schönste von ihnen ist vor ein paar Jahren auseinandergebrochen. Sie ist zigmal fotografiert worden und in zahlreichen Veröffentlichungen zu finden. Die skurilen Baumformen kommen daher, dass ihre Bedeutung weniger in der Holzproduktion lag. Es waren Schneitelhainbuchen, also Bäume, deren Äste in gut 2 Metern Höhe regelmäßig geschnitten (geschneitelt) wurden, um daraus Strohersatz für die Ställe zu machen und um an den Ästen das Laub abzustreifen, das dann Laubheu ergab. Eine wichtige Nutzungsform des Waldes, die sich auch im wiss. Namen der Hainbuche – Carpinus betulus – findet. Schließlich kommt Carpinus von carpere (rupfen, reißen, pflücken, nutzen). Man denkt dabei auch an Carpe Diem – nutze den Tag!
jupp

INITIATION…

…ist ein anfang – ein ausgangspunkt
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mein baum – ich besuche ihn seit er stirbt regelmäßig. er – der so viele tode stirbt – konfrontiert mich mit meinem eigenen sterben. einmal habe ich gedacht, dass ich in ihm sterben möchte. aber jetzt, da ich  mich in sein inneres gewagen habe, sage ich zu ihm – heute aber bitte nicht.

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woher kam der mut mich so zusammengekauert hindurchzuzwängen. ich spürte einfach nur den drang es zu tun. ihn umgab ein riesiges anemonenfeld – da wo sonst der adlerfarn jegliches durchkommen zu ihm versperrt – diese ungeheure blühkraft machte meinen sinn leicht – frühlingsleicht – eben leichtsinnig.

URWALD_anemonenparadies_29.042es gab keinerlei widerstände – ich schlüpfte einfach hindurch – fühlte mich geborgen – embrionale vorstellungen. das neu- geborenwerden erwartete mich. aber viel zu schnell entschwand der augenblick des entlassenwerdens in ein neues. aber ging nicht meine geburt in diese welt ebenso schnell vorüber – vielleicht vorbei – um immer wieder erinnert werden zu müssen….
ich vergass zu singen – die anstrengung war groß – es knickten mir die beine weg und ich musste geduldig verharren und abwarten.

URWALD_INITIATION_III__29.045URWALD_INITIATION_IV_29.046nur mein baum ist zeuge, dass ich mich in seinem inneren aufgehalten habe.
ein neuanfang steht an – vier tage habe ich zeit um klar zu sehen, worin dieses neue anfangen besteht, und ich sollte mich möglichst viel im freien aufhalten. ich bin neugierig und ganz offen. vielleicht bringt mir ein traum gewissheit. in den vergangenen nächten träumte ich ungeheuer intensiv. ich muss einfach nur besser aufpassen, was sie mir sagen, meine träume. immer waren sie angenehm und am liebsten wäre ich gern in sie zurückgeschlüpft. dem neuen brauche ich also nicht mit angst zu begegnen – ausserdem bin ich viel zu neugierig…

KAUKASISCHE FLÜGELNUSS…

in der karlsaue
KAUKASISCHE FLÜGELNUSS_P1460472KAUKASISCHE FLÜGELNUSS_IV_P1460469ich erkenne sie an den langherabhängenden flügelnüsschen am band. vom vergangenen jahr sind noch ein paar übrig – mal mit mal ohne nüsschen – ein bisschen wie an einem weihnachtsbaum. dieser baum ist gewaltig und ausschweifend. er lädt ein zum drauf- sitzen zum miteinanderreden und fachsimpeln. karola ist mit mo aus china unterwegs. ich beobachte sie erst von weitem und freue mich wie sie den baum umkreisen und rätseln. wir kommen dann ins gespräch und die flügelnüsschen die restlichen begeistern. karola spricht vom basteln ich überlege sie in erde zu stecken um sie wachsen zu sehn.
die flügelnuss hat männliche und weibliche blüten. sie in dem stadium auseinanderzuhalten ist für mich fast unmöglich.

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auf der seite
Bochumer Botanischer Verein e. V. – Bilder/Pictures
Gehölze mit roten bis orangen Blüten
sind sie schön aufgeführt und ausführlich erklärt. und viele viele andere ebenso.

HALL OF FAME 2016…

HIP-HOP-FESTIVAL “MAI JAM” 2016 findet in diesem jahr nicht statt.

HALL OF FAME_I_P1460835„Grund dafür sei laut Quinting vor allem die Sicherheitsauflagen gewesen. Notwendige Gelder für Rettungskräfte und Notfallmaßnahmen.“ HNA                                              wenn die stadt meint, es müßten kräfte für notfall und rettung gestellt werden, dann sollen sie es tun – auf ihre eigenen kosten. bei der letzten veranstaltung ist mir nicht aufgefallen, dass solche „kräfte“ erforderlich gewesen wären. in einem notfall können die rufnummern 110 für polizei und 112 für notarzt feuerwehr und rettungsdienst angefordert werden. die sind nicht kostenpflichtig (habe mich soeben bei der polizei erkundigt).
HALL OF FAME_III_22.04überall werden gelder gestrichen. aber hier ist es völlig unverständlich und planlos. es ist der treffpunkt für viele graffiti künstlerinnen und -künstler, die bei der mai jam immer sehr viele kontakte ermöglichten auch mit namhaften künstlern von übersee.
eine lautstarke veranstaltung in der art ist in kassel so nirgends denkbar. 80tausend besucherinnen und -besucher bezeugen eine gute und ausgelassene – nie aus den fugen geratende stimmung.HALL OF FAME_IV_22.041HALL OF FAME_V_22.042ich treffe sascha und wir reden lange und bedauern die nichtstattfindende „mai jam“ und hoffen, dass sich einige unaufgefordert doch zusammentun werden.
ein vater mit seinen kindern – swingradfahrenderweise. ein graffitilier am werk – übermalt ein vorhandenes werk – das ist hier wohl die regel.

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EIN KINDERPARADIES…

im versteck
AUE_BÄUME_BASIN_KOMPO II_PARADIES_II_21.04_bearbeitet-1solange kindern so etwas noch einfällt ist nichts verloren. ein thron – umkränzt von farnwedeln – gepolstert mit tannengrün – ein baumstamm als tisch und größere überschwemmungen abwendend eine ablaufrinne aus baumrinde.

AUE_PARADIES_KL. AHORN_P1460657gleich daneben ein kleiner ahorn – sichtbar gemacht durch ein astdreieck damit ihm nichts geschehen kann.

AUE_BÄUME_BASIN_KOMPO II_PARADIES_21.041ich bin gerührt  frage mich ob ich es wagen darf  einen moment zu verweilen. ich nehme platz und genieße die stille und geborgenheit im schatten. so ein versteck aber auch. die vögel geben ein konzert dazu. eine geschenkte weile – ein kleines glück.
ich hinterlasse einen dank ein pfand sozusagen. lege einen blitzblanken cent in die mitte des baumtisches und umgrenze ihn ebenfalls mit einem rindendreieck – bezeuge damit dass ich hier war.

ZAUBERWORT…

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,schläft ein lied in allen dingen,
die da träumen fort und fort,
und die welt hebt an zu singen,
triffst du nur das zauberwort.‘

„Eichendorff hat es gewußt, er hat die Dinge träumen sehen.
Er hat sich in ihren Träumen bewegt
wie in einem Meer aus Liedern.

Im übrigen: die Welt singt längst,
gleichgültig, ob die Dinge
träumen oder nicht.
Aber nur wer das Zauberwort trifft,
vermag ihr Singen wahrzunehmen.

Nicht die Dinge müssen erwachen,
die mit den Wörtern müssen es,
indem sie einen von ihnen, welchem auch immer,
so tief auf den Grund gehen, dass es sich ihnen öffnet
als Zauberwort, als das, was am Anfang war,
als Amen, als Om, als Mu
als DU.“

michael vetter
DIE PSYCHOLOGIE DER SEINSERFAHRUNG
1997

CHILENISCHER RIESENRHABARBER…

in der karlsaue

rhabarber rhababer -
ein zwischenrufen bei unverständnissen aus kindertagen…
palavern eben
AUE_RHABARBER_III_P1460394die pflanzen wagen sich hervor – schon. die späten nachtfröste die sicher noch kommen könnten ihnen schaden. eigentlich sollten sie von april bis mai mit einem gewächshaus aus folie umbaut sein.

AUE_rhabarber_I_18.04in ihrem hervorbrechen aus dem laubbett bringen sie grazile gebilde hervor. sie verzaubern mich immer wieder – dieser widerspruch von gebrechlich und riesenhaft hat einen besonderen reiz. dieses zurschaustellen der geheimsten vorgänge die bei kleineren pflanzen verborgen bleiben ob der winzigkeit.

AUE_RHABARBER_II_18.041im herbst konnte ich zusehen wie er verpackt wurde – dieser riesenrhabarber. gestern fand ich ihn beim entblättern und seiner befreiung aus der herbstblätterumarmung. grünkraft in großer form.

HAINBUCHEN IM PARK…

HAINBUCHE_O_P1460094ich höre sie schlürfen – die bäume. dieser sturmfreie bäume und pflanzen erquickende  regen. man kann förmlich zuschauen wie alles wächst. die vielen verschiedenen grüntöne, die forschen blüten und die folgenden blätter die sich eben hervor wagen – es ist zum jubeln.

AUE_HAIBUCHEN_II_14.041hier im park sind eine große anzahl hainbuchen. alle haben sie eine ganz eigene form – oft muß ich genau schauen und rätseln. sie machen es mir nicht einfach – aber es ist spannend. die ganz geraden sind selten – die knorrigen haben meine vorliebe. sie fantasieren sich in die unvorstellbarsten gestalten.

AUE_HAIBUCHEN_I_14.04hinter dem betriebshof steht eine hainbuchenriesin. sie hat einen guten platz und viel raum. sie konnte sich ausdehnen ganz nach ihren vorstellungen. und heute sehe ich sie strotzen in ihrer ganzen kraft. ich besuche sie hin und wieder und nun werfe ich auch noch ein besonderes auge auf sie – schaue nach was die jahreszeiten mit ihr machen.

AUE_HAIBUCHEN_III_14.042ich fädele mich durch eine ganze reihe von hainbuchen – größer und kleinerer art – hin bis zum basin. da sitzen die sonnenanbeter/innen und haben nicht die geringste ahnung von dem, was sich hier rings um sie herum im geheimen tut.
es wird mir schwer werden sie in zukunft zu ignorieren – immer sind sie da und überall – die hainbuchen…