
herzen
flattern und fliegen
erfahren
die lieder der welt
in immer
feineren tönen
bis ihnen
eines gefällt
das von
liebe singt
in seiner
ganzen wucht
rosadora

herzen
flattern und fliegen
erfahren
die lieder der welt
in immer
feineren tönen
bis ihnen
eines gefällt
das von
liebe singt
in seiner
ganzen wucht
rosadora

pilze weinen
wenn die nacht vergeht
und die sonne beisst
pilze weinen
berühre sie nicht
lass ihrer trauer raum
pilze träumen
wenn sie weinen
in den tag hinein
pilze haben
wunderbare tränen
ganz glühend von leben
rosadora



strauchkastanie
die sommerwärme
erst bricht dich auf
hebt deine wundervollen
blütenkerzen ans licht
duftend
fällst du in den tag
strahlend
erhellst du mir mein gemüt
so blütenrein
und weiss wie schnee
nicht vorstellbar
dein reiches fruchtgeschenk
heute sehe ich dich
in deinem vollsten glanze
rosadora





bild von cy twombly
es gibt viele arten von müll,
aber nur eine art der stille.
cy twombly
25.04.1928 – 05.07.2011
maler, fotograf


der regen
bringt die
gärten zum murmeln
levkojen
trinken
sich um kopf und kragen
die taglilien
haben den kelch voll
nur du
glaubst nicht
an den regenzauber
rosadora

wortgekringel
das rundläuft
zwischen kopf und bauch
sich windet und ziert
wie es haken schlägt
ehe es sich entschliesst
den weg ins freie
zu wagen
rosadora

diese stille minute
vertrauensvoll
der blick der nachtigall
ganz nah
am glücklichsein
rosadora

es sei denn
du verleugnetest dich
sagen wir du zueinander
so kurz der sommer
in den tiefen des sees
die gekrönten unklarheiten
wer den himmel filtert
verliert seine liebe
rosadora

zum 10. todestag von hannelore kohl
die haltung, die man einem menschen hoch anrechnet, war bei hannelore kohl in die starre abgerutscht – weit entfernt vom aufrechten gang einer menschenfrau, wie er zu wünschen wäre.
sie trug die perfekteste maske, die ich an einem mir bekannten menschen kenne, und die ist nicht
mit den ereignissen aus ihrer kindheit zu erklären.
ihre eisernen frisuren spiegeln ihren willen und das streben nach perfektion.
mit maske und frisur und immer adrett gekleidet und mit guten manieren ausgestattet, wollte sie ihrem machtmenschen an ihrer seite treu und in gewisser weise damit auch ergeben sein.
den mythos von der lichtallergie haben die ärzte in der zwischenzeit wiederlegt.
dass sie das licht nicht mehr ertragen konnte, (das licht der macht), war reine flucht in die krankheit.
der stern dazu – aus einem gespräch mit heribert schwan
Ist Hannelore Kohl an einer Überempfindlichkeit gegen Licht zugrunde gegangen, wie ihr Mann glauben machen will?
Heribert Schwan zu stern.de:
„Ein klares Nein! Die Dermatologen, die sie damals behandelt haben, haben festgestellt, dass sie nicht an dieser Lichtallergie gelitten hat. Es gab keine Symptome dafür. Die Dermatologen sagen damals wie heute: Lichtallergie ist heilbar. Ich glaube, nicht zuletzt nach meinen Gesprächen mit den Therapeuten, dass sie unter schweren Depressionen litt.“
…Hannelore Kohl als eine extrem einsame Frau, die unter vielen Zwängen leidend über Jahre an diesen zugrunde ging.
der stern
„Und so ist dieser Suizid vielleicht ein emanzipatorischer Akt gewesen; der befreiende Tod einer Frau, die ihr eigenes Leben weitgehend aufgegeben hatte, damit ihr Mann das Seine so gestalten konnte, wie es ihm passte.“
sie war eine dienerin (vor dem herrn), treu bis in den tod, in diesem falle in ihren eigenen.
wo genau der knackpunkt liegt, weshalb sie aus ihren vielen begabungen nicht das eigene machen konnte, wird niemals klargestellt werden können.
im falle einer trennung hätten ihr all diese attribute gereicht, ein eigenes selbständiges leben zu führen. aber da ist der haken, das hat sie nicht getan. strenge und katholische erziehung kann eben wirken bis zuletzt, wenn frau nicht zeitig dagegen wirkt.
dass der sohn ebenfalls die absicht hatte sich umzubringen, lässt ahnen, unter welchen zwängen diese bilderbuchfamilie lebte und litt.
ich mochte hannelore kohl nicht besonders, weil sie so sittsam und steif daher kam. das gerüst um sie her war für mich deutlich sichtbar.
mich interessiert frauenleben und warum es so läuft wie es läuft.
sie war sicher vorbild – gefährliches vorbild, wo es darum ging, eine heile familie vorzugaukeln.
in heilen familien sind sicher mehr frauen verstrickt als vorstellbar, und bilden sich ein, dass das ein erstrebenswertes ziel sei. dabei ist der auslöser für depressionen und selbstmorde am allerhäufigsten in der familie zu suchen.
ich weiss, wovon ich spreche. während meiner ehe (alle dachten, ich führte eine bilderbuchehe, wohlbemerkt) wollte ich immer nur sterben, sterben, sterben – doch ich hatte nicht den mut dazu. meine lage war nicht annähernd die der h. kohl und auch die heftigkeit der zwänge traf nicht zu, aber darauf kommet es wohl nicht an.

das alles überwuchernde grün ist nicht mehr das grün des beginnens.
es ist matt, es ist stumpf und vor allem verdunkelt es die welt.
depressionen, am grün fest gemacht, erreichen jetzt ihren höhepunkt.
dem auge fehlen die anreize der verschiedenen grüntöne.
im beginnenden frühling erreichen sie eine endlose skala von hell- zu dunkelgrün.
die blättchen wickeln sich aus vom winter ins frühjahr.
ihre unendliche fantasie verzaubert, lässt staunen, lässt hoffen.
die farbe grün wird zu einem seelengetränk, das die lebensgeister weckt.
es zu schlürfen macht trunkenheit.
die grünen wortergüsse verfallen dem schwelgen.
aber warum nicht.
das frühjahr ist die einzige jahreszeit, der das schwelgen
und den wortüberlauf glaubhaft unterstreichen.
im schwelgen merken wir nicht, dass sich der facettenreichtum des grün
mehr und mehr zu einem einheitsgrün verwandelt.
jetzt fahre ich in den wald wie in eine dunkle höhle.
keine blume am boden, kein hellgrünes winken in der höhe.
das blühen der bäume hat ein ende.
im schweren, dunklen grün lassen sich die bäume nur nur schlecht unterscheiden.
fast nimmt das fahle, stumpfe grün eine drohende haltung ein.
die sommerblumen versuchen ihr bestes, schütten farbtiegel um farbtiegel in die landschaft,
malen üppige farbtupfer in das ermattete grün.
es gelingt ihnen auch uns zu erfreuen und staunen zu machen,
doch das grüne grün in seiner ausbreitung und beharrlichkeit gewinnt immer wieder die oberhand.
die farben nehme ich in meinen bilder auf und breite sie um mich herum aus, wie einen sommerteppich.
für eine weile kann ich die farben des sommers erinnern und das grün vergessen.
doch auch die bilder verblassen und das erinnern wird schwächer.
die jahreszeiten fliessen und mit ihnen die farben.
rosadora