SPRUCHBÄNDER… neu

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SPRUCHBÄNDER
gespräche mit engeln

Klappentext des Buches
um mit engeln sprechen zu können, bedarf es einer bestimmten befindlichkeit – der zwischen himmelhoch-jauchzend und zu tode betrübt. in unser tägliches tun mischen sie sich weniger ein, es sei denn, wir triften ab in melancholie oder ironische überheblichkeit.|
mir begegneten sie in hamburg auf dem ohlsdorfer friedhof. eine langjährige freundin starb und fand dort ‚ihre letzte ruhe’. meine trauerarbeit begann mit den engeln vom ohlsdorfer friedhof. in meinem ersten band ‚zwischen ewigkeiten’ fragte ich nach dem ort, an den die freundin gegangen war und an den ich auch gehen würde. diese form der gespräche half mir sehr, die fernen engel und den noch ferneren ort zu mir heranzurücken. so konnte ich genauer schauen, was den begriff des jenseits ausmacht und was engel sein könnten. ich fand alles mitten im leben.

mit dem zweiten band ‚spruchbänder’ lockerte sich der ton. das war erforderlich, um der angst vor dem unbekannten zu entkommen.

ISBN 978-3-8391-1207-6, Paperback, 64 Seiten

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AUSGENOMMEN JEDER TAG…

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m ä r z . . .

… wenn rosenblätter wachsen an den bäumen nun sind die menschen haben sich aufgeschwungen in die täler und höhenflug ist nicht unbedingt angesagt sind andere haben gar eine melodie im ohr ungeahnte geräusche über den frühlinsweg laufen die zauberfee bemüht sich im schwimmbad schon erste anzeichen der lethargie haben die bestaunten blumenbeete für sich ausgenommen ist jeder tag hat den zuwachs an gewinn verzeichnen nun auch der schreiberling hat frühlingsgefühle machen sich breiten ihre flügel über den bergen der sturmwin xynthia lässt nach den lachenden kindern fällt ersteinmal der eichelhäher hat im garten die ganze welt in aufruhr…

rosadora g. trümper tuschick

B E H U T S A M . . .

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KEERRY JAMES MARSHALL

den poesiestern leicht
auf die geöffnete hand legen
ihm schöne augen machen
das losungswort verraten
flüstern
damit wir
seinen schlaf nicht stören

gewiss sein
dass er es hört
behutsam
an seiner seite gehen
wenn er sich langsam
in den tag bewegt

LUFTIGE BOTSCHAFTEN…

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nahezu greifbar
der frühling
mit seinen
luftigen botschaften
in aller munde
hör ich das wort
frühling
frühling

kinderlied
Singt ein Vogel, singt ein Vogel,
singt im Märzenwald.
Kommt der helle, der helle Frühling,
kommt der Frühling bald.


Komm doch lieber Frühling,
lieber Frühling komm doch bald herbei,

jag den Winter, jag den Winter fort
und mach das Leben frei.

JEDER KLEINE AUGENBLICK…

BRIGITTE GEB._03.03.09 001

jeder kleine augenblick ist ein vergnügen
und ein vergnügen ist ein vergnügen
oh ja ein vergnügen
ist ein vermögen zum begnügen

aus
gertrude stein
für minuten

es erinnert mich an – rose ist eine rose ist eine rose,
ist eine rose…
das ist auch von gertrude, der sehr eigenwilligen,
die von sich sagte, ich bin ein genie.
sie unterhielt in paris einen salon mit ihrer ehefrau alice b.
auch ernest hemingway und f. scott fitzgerald tummelten
sich bei ihr, sowie ganze heerscharen amerikanischer
kunsttouristen und andere neugierige.
man nannte sie ´mama of dada`
1874 pennsylvania- 1946 paris

R A N D V O L L . . .

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bild: KEERRY JAMES MARSHALL

sätze V
randvoll
randvoll sind die gemachten erfahrungen lassen uns nicht zur ruhe kommen wir noch lange nicht ist die erde befriedet liegen den gräbern die unsrigen sind im diesseits zuhause hat die schinderei überhand genommen haben die bissigen bemerkungen wollen nicht enden die langen reden wir über etwas anderes ist uns im wege stehen die bäume als allee gefällt mir die ästhetik ohne inhalt ist eine leere versprechungen schocken über die tatsachen hinaus können wir die ganze sache geht so zuende ist die vorstellung von den höchsten der häuser geht eine dynamische effektierung auf den geist ist kein verlass die heimat in der gewissheit liegt wenig sicherheit hält die welt schreit auf der anderen seite gehen die passagiere wollen aufs schiff zurück geblieben ist der rest des tages bekommt noch eine ganz andere wendung hat die reise wird enden bevor die bekannten orte sind unbekannt geworden ist die ganze gegend schreitet sich aus der beklemmung befreien…

rosadora 2001

UNSTERBLICHKEIT…

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bild: KEERRY JAMES MARSHALL

bei einer zigeunerin hatte ich einst ein tuch erworben, das mich unsichtbar macht. ich habe ihr dafür ein viertel meiner unsterblichen seele verkauft. dreiviertel unsterblichkeit genügt mir. ich weiss nicht, wie die allmacht es verrechnen wird. hoffentlich darf ich drüben ein viertel weniger leiden. auf erden ist eine ganze seele unerträglich. ich war glücklich, wenigstens ein viertel loszwerden und mich ungesehen durch die welt bewegen zu fürfen. auf diese weise erfahre ich die wahre gesinnung meiner freunde. früher oder später komme ich darauf, dass der eine oder andere alles andere als ein freund ist. aber wenn man nur dreiviertel seele hat, tut es doch ein viertel weniger weh.

rose ausländer
aus
visum

TAT-SACHE…

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seit einiger zeit habe ich ein sonderbares talent; ich kann mit dem kopf durch die wand gehen. es ist kein kunststück. nur ein gewisser körperlicher (oder seelischer?) zustand, der sich manchmal einstellt, je nachdem wie ich eingestellt bin. ich kann nichts näheres darüber aussagen. wenn es so weit ist spüre ich, dass ich es tun kann, ja, dass ichs tun muss. es gibt mir ein gefühl der kraft und freiheit. ich zerbreche mir nicht den kopf darüber, warum und wozu ich durch die wand gehen soll. ich gehe einfach, hin und zurück. die tat-sache genügt mir.

rose ausländer
ohne visum
sassafras verlag 1974

F L Ü G E L . . .

P1130151_TISCHHERZ

damals, entscheide du wie lange es her ist,
als wir uns rücklings in den schnee fallen liessen,
die arme ausbreiteten und wie mit flügeln schlugen,
damals,
als wir engel im schnee liessen: frühlingsschatten,
der abdruck unseres glücks -wir werden, liebe,
ich bin sicher, uns entgegengehen
und die flügel werden uns aus den schultern wachsen,
leicht und flüchtig
wie schnee.

aus
peter härtling
die gedichte