SONNEN – UNTERGANG…

AUF DIE KNIEE…

SONNENUNTERGANG_DSC_6433

vor jedem sonnenuntergang falle ich auf die kniee
bis ich mich dann wieder aufrichten kann ist es morgen
die ganze nacht bin ich geblendet von dem licht von der schönheit von den guten gedanken die er hervorlockt
bis zum nächsten tag habe ich sie dann wieder in ihre schranken vertrieben
ich bin matt von der anstrengenden unternehmung
alle kräfte sind verbraucht der tag ist der leidtragende
nichts gelingt ohne skeptische umwege
das herz ist nicht unbeteiligt crataegut kommt ihm zur hilfe doch der gedankenfluss stockt vor misstrauen
die schönheiten liegen nicht am weg – sie sind sonnentrunken und nehmen sich zeit
bis sie mir wieder etwas vorgaukeln können müssen sie abstand wahren
das wissen sie und ich auch
den sonnenuntergang meide ich – so viel schönheit kann ich nicht ertragen

den schönheitsberg versuche ich abzutragen mit logischen gedanken werfe ihm vor er sei ein protzkopf führe menschen in die irre
wir glauben an schönheiten nehmen nicht wahr dass es spiegelungen sind die das lügen als grundlage haben
der widerspruch liegt schon im wort sonnen-untergang und ich –
ich kniee nieder – aus dankbarkeit oder ist darin schon ein flehen enthalten dass das licht der sonne mir wieder scheinen möge gleich den alten ägypter/innen die diese szenerie ängstlich beäugten – sahen wie maat die sonne am abend verschluckte und sie diese inständig baten sie möge sie am morgen wiedergebären

mein niederfall, weder brandig angehaucht noch geheuchelt, sondern im niederfall die kraft des lichtes vom tag spürend – die nun abnimmt und versucht mich mit sich zu ziehen – diese kraft diese energie die mich leben macht und mir gleichsam meine ohnmacht vorstellt – sie ist mir unfassbar unbegreiflich und ich falle auf die kniee

BOTANISCHER GARTEN KASSEL…

DAS DUFTGEHEIMNIS
ich bin im botanischen garten
wieder einmal bin ich an dem ort wo es so betörend gut duftet
als würde hier gelee gekocht
kürzlich fragte mich eine frau ob ich denn wüsste woher der duft komme
nein – weiss ich nicht
heute beschliesse ich den grund ausfindig zu machen
es lockt mich eine riesenfläche mit pilzen unter einem baum
und da ist er – der duft
ich kreise herum und schnuppere
es ist dieser baum unter dem die pilze stehen

EISENHOLZBAUM – PARROTIA PERSICA
ZAUBERNUSSGEWÄCHS
Collagen43

und noch ein stück weiter noch einer und noch einer
es ist wie ein zauber ein richtiger kleiner zauberwald
ich lese auf dem schild ZAUBERNUSSGEWÄCHS
und ich gehe wie betört und betäubt umher
nur was den duft ausmacht kann ich noch immer nicht sagen
und blüten sind keine zu erkennen
ich lese nach
der EISENHOLZBAUM blüht von januar bis märz
wieso er einen namen so ganz ohne zauber trägt
ist mir unerklärlich
die blätter sind jetzt mitte oktober goldenleuchtend
den stamm werde ich mir näher anschauen müssen
vielleicht verbirgt sich da das geheimnis des dauerduftes
oder doch an der wurzel…

die geschichte nimmt einen total anderen verlauf
am nächsten tag bringe ich kakteenfotos zu magdalene ins kakteenhaus
sie hat viele jahre den bauerngarten gepflegt
nun – fast 90 jährig – betreut sie am freitag und samstag die kakteen
vom vorigen tag und meinen erfahrungen mit den zaubernussbäumen
hatte ich ihr nichts erzählt
da reicht sie mir einen grossen plastikbeutel und sagt – riech mal
da ist er der geruch den ich nicht definieren kann
es sind die blätter des judasbaumes
du musst die blätter auf die heizung stellen und sie ab und zu befeuchten
dann duften sie wunderbar
und sie beschreibt wo ich den baum finde nr. 23
ich bin beglückt und gehe nun um den richtigen duftbaum in augenschein zu nehmen
er ist riesig und alle blätter liegen wie ein teppich ausgebreitet unter dem baum
JUDASBAUM_DSC_9061
JUDASBAUM
CERCIDIPHYLLUM JAPONICUM
oder
BROTBAUM
Collagen42
es liegen einige bunten ahornblätter darüber – deshalb nicht gleich auffindbar
also wurzel war schon ganz nahe dran – aber eben der falsche baum…
JUDASBAUM_2013-10-19
im netz finde ich beschrieben dass er BROTBAUM genannt wird
weil er den duft von lebkuchen ausströmt

SPECULATIONS ON ANONYMOUS MATERIALS…

fridericianum
erste ausstellung nach der dOCUMENTA 13
mit der neuen leiterin susanne pfeffer

FRIDERICIANUM AUSSTG._142

,die ausstellung Speculations on Anonymus Materials bringt weltweit erstmals internationale künstlerische positionen zusammen, die die anonymen materialien des rasanten und eingreifenden technologischen wandels neu denken lassen‘.

diese worte entnehme ich dem kleinen beiheft weil mir keine umschreibenden worte für die ausstellung einfallen
ich ,denke neu‘ und stelle fest dass sich junge kunst weder sinnvoll umschreiben noch erklären lässt – junge künsterinnen und künstler sind es die hier ihre eindrücke zeigen
neues – ,weltweit erstmals‘ – lässt durch die verschiedenen auffassungen – nicht nur von kunst sondern auch von welt – das verstehen ins schlingern geraten
ich sehe es mit meinem hintergrund verstehe nichts oder nur teilweise

ich widme mich besonders dem wasser-thema
wasser – weltweit ein begriff obwohl nicht überall vorhanden –
volvic weltweit bekannt –
bodum – weltweit vertrieben

VOLVIC_139

wasser vulkanischem ursprungs in plastikflaschen abgefüllt – ,in seinem eigenen inhalt gekocht‘ – die flaschen – sollen ,die alltäglichen auswirkungen technologischer entwicklung und virtueller simulation erfahrbar werden‘ lassen
was auch immer – mich interessieren die spiegelungen und blasen welche das wasser in den flaschen hervorbringt es will heraus wohin denn bloss
ich bilde mir ein das wasser mit meinem akt zu befreien – trinke es mit den augen – mache mir ein bild von dem welchen weg es gehen wird…

B O D U M _

die bodum-kaffeebereiter haben einen ausgesprochen klassischen platz
er entspricht dem design das sich schon jahrelang hält und welches ich bewundere die klare form hat hier zwischen den klaren kanten der wände einen stimmigen platz
schwarz weiss und als ermunterung für den blick der farbige inhalt
das ist das highlight und mein genuss dieser ausstellung
wenn ich es in verbindung bringe mit den ländern die weder wasser noch bodum-behälter haben – kommt etwas anderes bei heraus…

eine frau mit zwei jungen knaben – ein begleitheft in der hand – flutscht durch die ausstellung – liest und sagt – alles gesehen und nichts verstanden

ein junger student der auf die kunstexemplare aufpasst sagt – ich mag degas lieber mit dieser art der kunst weiss ich nichts anzufangen

AUSSTLG. SPECULATIONS...141

ich versuche mich einzulassen um zu verstehen was um mich herum passiert
um die ,schier unfassbare synchronität paralleler wahrnehmungsebenen‘ einzufangen
die ,eine selektive und subjektive fokussierung einfordert‘
was heisst hier subjektiv…

LEBEN GEHT…

STILLES BILD_DSC_8570

am kummer sollst du wachsen
den tiefen gefühlen nicht widerstehn
du kennst den urgrund der brunnen
du weisst
dort müssen wir hin
tief tief liegt verborgen
was uns trägt
tief ist alles
was leben ausmacht
wer in den höhen sich bewegt
wird von der sonne verbrannt
wird zur aschewolke
fliegt fliegt fliegt

rosadora

STILLES BILD I_DSC_8571

ein boot
es fährt in leichter sonne
es ist gut ausgestattet
es wird gut getragen
es nimmt sich alle zeit
es grundet tief
dort
wo alles leben endet
wo alles leben beginnt
wo ein kleines licht
für uns aufgespart ist
für heute und morgen
für allezeit
das
ist unser trost

OKTOBERPILZE IM KOMPOSTLOCH…

PILZE IM KOMPOSTLOCH II_

ich weiss dass alles immer wieder neu ist
aber dann überrascht es mich eben doch
ich will nicht sagen dass ich meine runde ohne erwartung mache
aber ich erwarte eben nichts bestimmtes

PILZE IM KOMPOSTLOCH III_

diesmal sind es pilze in grosser verschiedenheit
ich weiss nicht welche man verspeisen kann und welche nicht
ich lasse sie sowieso allesamt stehen und erfreue mich an ihrer schönheit
die form die farbe die oft seltsam gewählte lage der ort
und allesamt am 13. oktober wo andernorts schon schnee gefallen ist

PILZE IM KOMPOSTLOCH_

PILZANSAMMLUNG_DSC_8518_bearbeitet-1

PILZE EN MAS_DSC_8512_bearbeitet-2

der tag ist heute ausgesprochen mild und damit angenehm zum fotoschlendern
regentage gingen voraus und im kompostloch sammelt sich das wasser in riesigen pfützen ja fast seen – ganz zu meiner freude
das licht verändert sich auffallend von tag zu tag

TANNENSPIEGELUNG_DSC_8476

die tannenspiegelung von meinem letzten besuch schaut heute ganz anders aus
eindrucksvoller plastischer und was sollte mich abhalten dasselbe also das was nicht mehr dasselbe ist noch einmal zu fotografieren – ein bisschen anders geguckt ein wenig anderer standort
mit meinen trittsicheren stiefeln kann ich durch flache wasser und den matsch waten – das macht spass – ganz wie in kindertagen

DAS NEUE GRÜN_DSC_8489

neues grün macht sich breit schafft neuer bilder in meinem gedächtnis
hoffnung auf immer neues

ASTERN IM REGEN…

Gottfried Benn

Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

REGENASTER WEISS_DSC_8194

Noch einmal die goldenen Herden,
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

REGENASTER WEISS_DSC_8204

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du –
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

REGENASTER WEISS_DSC_8207

Noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewissheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
und trinken Fahrt und Nacht.

REGENASTER ZART BLAU_DSC_8193