W E L K E N . . .

KAPUZINERKRESSE…

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immer ist in der natur das wachsen blühen und vergehen das thema
das blühen wird bewundert das vergehen weniger

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die kapuzinerkresse ist vom frost gebeutelt und ist in die kniee gegangen die blätter hängen herunter wie wäsche von der leine
die regentropfen liefern die trauer und fangen reste des lichtes dadurch ergeben sich wunderbare bilder
was sieht sie denn da
drei ältere frauen kommen ins heilpflanzenhexagramm und meinen mich eine jedenfalls die diese frage stellt
als sie näher kommt erkläre ich dass die welken blätter der kapuzinerkresse wunderschöne kunstwerke abgeben und dass ich als fotografin diese morbiden bilder liebe und ich nicht nur das blühen sondern jeden ausdruck der pflanze anschaue
und dass es doch ein sichtbarer vergleich ist mit unserem eigenen leben

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schnell schwingt die frau sich ein – davon spricht man ja nicht gern
und sie spricht dann doch davon und wissen sie mein mann ist dement er ist 84 und sie klingt weinerlich und achgottachgott das ist so furchtbar heute hat er telefoniert und mich ans telefon gerufen er hielt eine serviette an sein ohr

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und da ist doch die verbindung von den pflanzen zu den menschen und es geht ums hinschauen um zu verstehen
ich fotografiere wie angestochen kniee auf der erde und verändere meine sicht durch standortwechsel als müsse ich mich beeilen
dass ich richtig geahnt habe zeigen mir heute einen tag später die pflanzen die auf dem boden liegen eben wie wäsche aber diesmal als seien sie von der leine gefallen
kapuzinerkresse ist sehr frostempfindlich

alles kann man wiederholen ober nichts ist wiederholbar

EXPLOSION AUF DEM ESSTISCH…

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ich sammele samen wo immer ich gehe aber explodiert sind mir noch keine
von der seidenblume habe ich berichtet und wie ihr name so gar nicht zu ihrem auftreten passt
die samenhüllen sind bis zu 10 cm lang und lassen erstmal von den samen nichts erkennen sie schaut eher aus wie die frucht einer essbaren pflanze
eine hatte ich aus neugier entwendet auf jedenfall war sie in meiner jackentasche gelandet
ihren platz hatte sie wochenlang auf dem esstisch weil ich sie fotografieren wollte

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gestern dann gab es einen wirklichen anlass dies zu tun ohne jegliches geräusch war die samenhülle explodiert und weil der wind fehlte waren die samen nicht weggeflogen sondern hockten wie seidenblasen nebeneinander

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es war ein wunderschöner anblick und die seidigen fasern an denen kleine samenblättchen hingen hielten fest aneinander als wäre diese nun bequemere lage ihr innigster wunsch oder war es nur meiner sicher war ihr auftrag ja in die welt hinein zu fliegen um sich zu mehren dies habe ich nun verhindert sei denn ich trüge sie wieder hinaus ins freie

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in kleinen dingen ist oft grosses verborgen in meiner neugier wage ich mich oft nah heran und die überraschungen sind oft frappierend

seidenblume – der name ist treffend wenn es auch über monate nicht ersichtlich ist weshalb diese ziemlich grob und plump daherkommende pflanze so heisst und das geheimnis in ihren samensäckchen versteckt ist

oder DAS WESEN DER SPRACHE…

E E E . . .
oder DAS WESEN DER SPRACHE…

dass sprache in träume eindringt ist selten
aber nicht unbedingt unüblich

heute nacht jedoch war sie so durchdringend fast aufdringlich
dass ich es hier erwähne

es zeigten sich mir bilder
in denen mir die aneinanderreihung von drei e‘s
vor den traumaugen schwirrten

ge-re-de
ge-we-be
ver-schwen-den
ver-wen-den
ge-sen-det
ge-bet-tet
be-geg-nen
be-ge-hen

die worte plätscherten vor mir herum
und kamen doch nicht von der stelle
ich sprach sie ausgedehnt auf jedem e eine betonung

deutsche schrift_BEISPIEL_images

das merkwürdige war dabei
dass sie mir in deutscher schreibschrift erschienen
in der mir das stete aufundab aufundab auffiel
enemeneme
ich versuchte mich zu erinnern und schrieb im schlaf
die worte mit den drei e‘s nach auf und ab
dafür standen die e‘s an erster stelle
dieses langweilige schriftbild wie mir schien

UND MEINE SEELE SPANNTE__index

ich habe als kind diese schrift noch erlernt
nach dem 2. weltkrieg – 1947 – wurde sie dann verboten
und die lateinische schrift eingeführt

mit schrift musste ich mich früh auseinandersetzen
dass ich die deutsche schrift nicht ganz verlernte
lag wohl daran dass meine mutter bis zuletzt eine
eigene mischung aus deutscher und lateinischer schrift schrieb
und ich bin bis heute stolz dass ich diese schrift lesen kann
das können nicht mehr viele menschen

ROTE DAHLIEN…

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der ansporn sie zu fotografieren
die nochroten dahlien
entsprang mir aus einer zeile des gedichtes von rainer maria rilke
BLAUE HORTENSIE

‚Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze‘.

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wenn es in dem gedicht auch das blaue ist das so verwaschen sich zeigt
so schien es mir auf das rote ebenso zu passen
das rote – es geht – wie das blaue
der herbst bringt farben und nimmt sie auch wieder

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ICH LIEBE…

IN MEMORIAM

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handgeschrieben für mich
gefunden im
BIS AN DEN RAND DER ROSEN UND DER DORNEN…
rosemarie stüdemann
fläming verlag

widmung
– duschenka –
…und bis an das ende aller tage…
rosmarie 20.7.93
am 28.3.1999 waren unsere gemeinsamen tage zuende
rosemarie lebte in hamburg
sie war meine freundin in der ferne

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bild rosemarie stüdemann

original des gedichtes

ich liebe diese zerbrochenen und gesprungenen töne
die in zwischenräumen ausserhalb von linien sich bewegen
ich liebe diese zarten süssen traurigkeiten
die sich um schrille dissonanzen schützend legen
ich liebe diese perlend klaren töne
die losgelöst nach fester form sich sehnen
ich liebe diesen mächtigen akkord
ich liebe dich

sie liebte die liebe
und ging daran zugrunde

KRANICHE AM SONNTAG…

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kraniche ziehen durchs land
die glücksvögel machen sich vom acker
suchen unter anderen himmeln ihr glück

sonntagskraniche
erst hör ich sie schreien
eine frau sagt KRANICHE – da sind sie –
ich schaue – richte meine kamera –
sie fliegen sehr hoch
sonnenschein und blauester himmel
so viele kraniche auf einmal – ich zähle an die 200 vögel
und das sooo früh im herbst
der mann sagt – das gibt einen frühen kalten winter
jemand sagt noch GLÜCKSVÖGEL

sie sind unterwegs – meine lieblingsvögel
sie sammeln den frühling ein und bringen ihn uns zurück
ich denke an den langen weg den sie zurücklegen
und an die leistung die sie immerwieder vollbringen
etwas wehmütig schaue ich ihnen hinterher

kassel botanischer garten so gegen 16 uhr

F L I E G E N . . .

ETEL ADNAN

‚ich werde mir flügel wachsen lassen und fliegen‘

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botschaften senden aus dem all fallen die gedanken auf die strassen haben ihren sinn verloren sind die menschen ohne den druck der engel verblassendes weiss verblendet sie haben fremderen wesen ihr vertrauen ist grenzenlos abgewirtschaftet werden die felder keine müde mark ist ihnen geblieben sind sie in alten bahnen verläuft es von meeresküste zu meeresküste sind sie gezogen wird immer nur das weisse an den rändern gibt ihnen zu denken brauchen sie nicht in den abgründen befindet sich eine ungeheure menge an glaubwürdigkeiten wird es mangelt ihnen an diesem und jenem sind sie nicht mehr interessiert gehen sie von einem ort zum nächsten zufallsprodukt werden sie gezwungenermassen haben sie einen grösseren radius müssen sie erst noch in ihrer wahrnehmung haben längst sind die verschiedensten ideen lassen sich nicht in das gehirn ist eine breite nervenmasse schwirrt ihnen vor augen haben sie immer nur das eine ist weiss ganz weiss…

rosadora
11.4.2013

MARLONSBRETT…

ein brett das ich zum kunstwerk erhebe
wann wird etwas zur kunst
wann ist es wert kunst zu werden
und was hat das mit mir zu tun

800_MARLONSBRETT6 Kopie_bearbeitet-1

in diesem falle habe ich eine beziehung zu dem brett das zum MARLONSBRETT wurde
es war der boden im unterschlupfhäuschen im ,untilled‘ von pierre huyghe während der zeit der dOCUMENTA 13
es war ein ruhepol für yuma und senior die beiden d13-hunde und den/die kunstgärtner/in in diesem werk
oft sass ich dort mit marlon oder feodora oder andré im gespräch vertieft geschützt vor den vielen besucher/innen

eine lange weile nach der d13 war klar das häuschen muss weg und kann nicht für weitere kunstaktionen genutzt werden
marlon und ich bauten es ab
marlon wollte alle teile im garten seiner eltern aufstellen
doch dann gingen nicht alle auf seinen kleinen anhänger
also blieben einige teile und auch der boden

MARLONSBRETT UND HOLZSTAPEL__2013-09-2311

später dann war eine kleine féte im kompostloch – marlon sagte mir zu spät bescheid ich war unterwegs und kriegte die kurve nicht mehr
sie hatten fast alles was sie benutzt hatten – feuer essen trinken undsoweiter – wieder aufgeräumt – nur das brett war zu schwer und blieb

das brett ist noch immer da und auch die bagger und rüttelmaschinen konnten es nicht tilgen
ich verfolgte jede situation und machte immer wieder ein paar fotos
und dann erklärte ich es zu MARLOSBRETT indem ich die gemachten fotos für collagen verwendete

KOMPO_BRETT UND WASSER__2013-09-2332

auch da dieser sog der diesem ort innewohnt
ich machte und mache noch immer neue fotos und neue collagen – immer und immerwieder
ich ernenne MARLONSBRETT-collagen zum kunstwerk indem ich sie zusammenhalte und wie zu einem puzzle füge
und vieleicht mache ich – wie etel adnan – ein buch daraus

M
ARLONSBRETT - GETEILT_2013-09-2312

die frage – wann wird etwas zur kunst –
na indem frau macht
und wenn es noch menschen gibt die sich dafür interessieren
wirds kunst im grösseren stil

und wann ist es wert kunst zu werden
das bestimme ich und meine faszination

na und was das mit mir zu tun hat
das weiss ich noch nicht
aber vielleicht weisst du es

ERGÄNZUNG
gerade lese ich bei carolyn christov-bakargiev

‚das rätsel der kunst besteht darin, dass wir nicht wissen, was sie ist, bis sie nicht mehr das ist, was sie war.
darüber hinaus wird kunst ebenso durch das definiert, was sie ist, wie durch das, was sie nicht ist; durch das, was sie tut oder tun kann, wie durch das, was sie nicht tut oder nicht tun kann; sie wird sogar durch das definiert, woran sie scheitert.‘

auf jedenfall regt diese feststellung zum nachdenken an…

PIERRE HUYGHE PARIS…

Das einmalige und poetische Werk von Pierre Huyghe ist Gegenstand einer Retrospektive: Eine Welt der Experimente!

Vom Mittwoch 25. September 2013 bis Montag 06. Januar 2014

Centre Pompidou

Pierre Huyghe, Plastiker, Video-Künstler, Designer und Architekt, schert sich nicht um die Etiketten. Sein polymorphes Werk, zwischen Fiktion und Realität, berührt unter anderem die Frage der Ausstellung, ihres Formats und der Rolle des Besuchers.

Das Centre Pompidou bietet die Gelegenheit, sein Werk mit der Ausstellung von etwa fünfzig Werken über eine Zeit von über zwanzig Jahren seiner künstlerischen Laufbahn, neu zu entdecken.

Auf diesem außergewöhnlichen Rundgang können die Besucher zwei bekannte Filme entdecken bzw. wiederentdecken: zum einen den berühmten Film Schneewittchen Lucie, der die Geschichte von Lucie Dolène, der französischen Schauspielerin des Schneewittchens von Disney erzählt, die einen Prozess gegen die Firma gewonnen haben soll, und die erstaunliche Geschichte Streamside Day, einen weiteren Film zwischen Dokumentarfilm und Fabel, in dem eine sehr realistische Fantasiewelt dargestellt wird!

Ein seltsamer und zugleich faszinierender Rundgang, bei dem Sie einem Hund mit rosa Pfote begegnen werden und mit lebendigen Gemälden experimentieren, organische Werke bewundern und weitere Kuriositäten bestaunen können.

DER PREIS DER LIEBE…

ETEL ADNAN
,der preis der liebe, den wir nicht zahlen wollen‘.

oder doch müssen…

ETEL ADNAN zog in ein haus in sausalito. vor ihrem fenstern bäumte sich der tamalpais ein berg der die landschaft beherrschte auf. er war aus sämtlichen fenstern zu sehen. es war in der zeit als sie mit dem malen begann und sie schreibt:
,ich malte nur noch den berg, und das ging jahrelang so, bis ich nichts anderes mehr denken konnte. es wurde meine hauptbeschäftigung, den berg in seiner unaufhörlichen veränderung zu beobachten. ich schrieb sogar ein buch über den berg. um ihn und meine gefühle in den griff zu bekommen – doch die erfahrung trat über die ufer meines schreibens. ich war süchtig‘.

ROSA IM KOMPO_PK_20130829-1644181

…und ich fotografiere nur noch das kompostloch
um die unaufhörlichen veränderungen zu beobachten
sie gehen schneller als ich schauen kann
und ich laufe hinter ihnen her
vielleicht auch um meine gefühle in den griff zu bekommen
wenn ich auch sage dass es mir in erster linie um das verstehen geht
verstehen wie das leben tickt was es will oder nicht und was es mir vermitteln kann mit meinen vergleichen und verbindungen

meine schwester schreibt:
,…und wünsche mir, dass Du nicht in
Deinem Sumpfloch Wurzeln schlägst ?! Diese Spielchen mit entsprechendem
Reiz waren schon immer Dein Image und die ganze Familie war in Aufruhr
bei Deinen Eskapaden…‘

oder ,wurzeln schlagen‘ ist es das was wir möchten und doch nicht können
sind wir aus dem grunde so ruhelos so umherwandernd und oft getrieben
eher treten die bilder über die ufer meines erfahrens als umgekehrt
und was wäre so schlimm süchtig zu werden nach den dingen die uns rufen und aufrufen
in allem ist leben und sinn versteckt und manchmal zeigt sich mir ein zipfelchen

ETEL ADNAN
reise zum mount tamalpais
nautilus