URWALD-REINHARDSWALD…
hexen und andere fantasiegebilde…



URWALD-REINHARDSWALD…
hexen und andere fantasiegebilde…




fadensonnen
über der grauschwarzen ödnis.
ein baum –
hoher gedanke
greift sich den lichtton:
es sind noch lieder zu singen
jenseits der menschen.
paul celan

aber hören wir denn,
wie der baum sich entfaltet,
der junge…?
und immer war einer,
der sagte,
die sonne geht unter.
und immer war einer,
der sagte,
fürchtet euch nicht.
aus:
marie luise kaschnitz – fürchtet euch nicht

FRIEDWALD im reinhardswald bei kassel
VERNISSAGE – GALERIE FERDINAND VON REITZENSTEIN
UND VORSTELLUNG DES BUCHES
´MEIN BRUDER, DER MALER´
FERDINAND DER MALER_19.09.09
ein gesamtwerk des künstlers zu zeigen, der seit seinem 10. lebensjahr malt, gestaltet sich sehr schwierig auf dem dafür viel zu kleinen raum.
dennoch hat heiko kannenberg versucht, aus der vielzahl der bilder eine auswahl zu treffen, die die vielseitigkeit erahnen lässt und einblick gibt in das lebenswerk des künstlers. er hat eine gute auswahl getroffen, die das auge mühelos vom stilleben zum portrait zur landschaftsmalerei führt. das thema des leidensweg christi, kohlezeichnungen, hat einen eigenen platz und erwirkt damit eine tiefe eindrücklichkeit.
im buch, FERDINAND DER MALER, widmet sich JOHANNA FUCHS den ersten jahren des künstlerischen schaffens ihres bruders und gibt einen einblick aus ihrer sicht. eine liebevoll gemeinte geste.
das interesse der besucherinnen und besucher war gross. es wurden einige bilder gekauft. viele gespräche fanden nicht zuletzt statt, weil das wetter eine grosse sommerabschiedsshow lieferte. auch garten und haus waren für das publikum grosszügig geöffnet.
gratulation und dank an ferdinand von reitzenstein und johanna fuchs.

johanna begrüsst die gäste Continue reading
ins kraut geschossen
ist der sommer
auch
meine liebe schwirrt
und tiriliert nicht mehr
des herbstes nebel
legen früh sich nieder
schon
meine liebe
liegt
im erntehauch
das ganze land
trägt früchte
vom vergangnen jahr
blieb nur die liebe
blieb die liebe nur

robert walser
wer lebhafteren geistes ist, spinnt eben ab und zu mal…




es herbstelt
zwischen dem sommerseuselwind
unbemerkt farbenwechsel
von grün zu beige zu gelbrotbraun
der hitze ein unterton beigemischt
wie
ach wie lange noch
und bald vorbei
im sommerofen sitzen und geniessen



nicht krampfhaft suchen, aber schauen
nicht in besitz nehmen, kommen lassen
dem ort der freude und gelassenheit nachspüren
lächelnd zulassen was ist
nicht finden wollen
er wird mir gebracht
es ist liebe auf den ersten blick
der kopf harmonisch oval
die lockenpracht dezent und bis in den nacken
sein gesicht geheimnisvoll lächelnd

die ohren bis auf die schultern
ein dicker und ein dünner reif um den hals
ein anderer um den körper
von der schulter unter dem rechten arm
ein sari über die linke körperhälfte
wunderbar in falten
die schmalen hände ineinandergelegt
die rechte zu oberst, die linke schützend
der rechte fuss über den linken geschlagen
auf einem wunderbaren ovalen lotuspodest sitzt er
er bereitet mir freude
er verbreitet ausgeglichenheit
er begleitet mich von nun an
in der traumfabrik, wo ich vor einiger zeit den buddha und den gartenzwerg fand, wollte ich schauen, ob ich einen buddha für mich finde.
wie ich schon sagte, alles zu allgemein dekorativ.
als ich mit der dekorateurin redete, die beim letztenmal zeugin meines erkennens war, hatte die plötzlich eine idee. hier in der nähe ist ein kaktusladen, da habe ich solche buddhis stehen sehen.
ich fand ihn schliesslich, den ‚laden’, der für mich alles andere war als ein solcher. eine riesenkaktusfläche im freien, die mich denken liess, meine dekofreundin hat geträumt. doch es geht in ein inneres, wie ein gewächshaus, nur eben ganz anders. zwischen den kakteen tatsächlich hier und da ein buddha und andere figuren. ein ganesha, ein denker, ein schläfer – der liegt auf dem sofa mit einer katze und hört mich nicht. leise gehe ich zwischen kakteen und figüries, will mich hinausschleichen, weil ich nichts interessantes für mich sehe, da räkelt er sich, der schläfer, ganz verträumt in die höhe.
an dem gewächshaus noch anschliessende räume. der erwachte geht mit mir hinein. sagt, zur zeit haben wir nicht so viel, – buddhas meint er – ob noch welche kommen, er sei nur ein angestellter und wisse das nicht.
aus noch weiter sich anschliessenden räumlichkeiten ein mann, im hintergrund winkt noch eine frau, wohl auch im mittagsschlaf gestört. ich winke zurück.
alle freundlich, hören sich an, was ich suche, wie mein buddha aussehen soll – meine güte, als ob ich das so genau wissen würde.
ich hab um drei einen termin, es ist schon viertelnachdrei, aber die gelassenheit der menschen hält mich. ich sage, ich komme nochmal wieder.
da ruft die frau, sie hätte da vielleicht noch was für mich. sie habe ihn für sich ins regal zurückgestellt und sei schon mal irgendwo geklebt. aber ihr würde er sehr gut gefallen.
sie stellt ihn vor mir auf – er ist aus geschmeidigem speckstein. ich berühre ihn sanft an schultern und knien – es ist mein buddha. er lächelt mich an, ist wohl mit meiner wahl zufrieden und die frau sagt, ich habe ihn hervorgeholt, weil ich denke, dass der zu dir passt. ich sage, dass ich ihn möchte. und wir sind uns einig. der buddha geht mit mir.
etwas zwickte mich, als ich den buddha und den gartenzwerg
auf einer ebene in der ‚traumfabrik’ fand. ganz angeregt rief ich die dekorateurin und teilte ihr den grund meines schmunselns und meiner entdeckung mit. genau konnte ich es nicht benennen.
vielleicht war es die parallele, die mir dazu einfiel, dass die menschen, die sich einen buddha aufstellen irgendwie gleichzusetzen sind mit denen, die sich einen gartenzwerg in ihr beet stellen.
bei buddha, der immer, wie es scheint, mit geschlossenen augen dargestellt wird, sie aber immer halb geöffnet hat, geht es um das erwachen.
bei dem gartenzwerg, dem in den letzten jahren eine auferstehungsphase vergönnt war, der eine immer grössere metamorphose erfährt, fehlt dieses erwachen, bei allen wachhundeigenschaften, die er wohl auch hat.
vielleicht sind es talismane, vielleicht aber auch handelt es sich bei den menschen um die erfüllung einer freude, die ihnen diese gestalten schenken.
ich habe keinen buddha und hatte noch nie einen gartenzwerg. die fülle in den läden lässt mir die einmaligkeit fehlen, so in dem sinne, dass es nur mein buddha zu sein hat. doch es könnte ja auch sein, dass er, indem er bei vielen menschen einlass findet, auch eine möglichst grosse einkehr bewirkt.
also, ob buddha oder gartenzwerg – es kann nichts schaden sie nahe bei sich zu haben. mit einem buddha hab ich immer schon mal geliebäugelt.

»erwachen, beachten, aufmerksam machen«

Das Beten als Symbol für geistig-philosophische Fähigkeiten aber genauso als gesellschafts-verbindende, wie auch weltweit verstandene Geste wird mit einem Multiple dem Gartenzwerg zuerkannt
Beim gartenzwerg fiel mir spontan noch das lied ein:
will ich in mein gärtlein gehen
will ein bisschen jäten
steht ein bucklig männlein da
fängt gleich an zu beten
in wirklichkeit heisst es aber:
Will ich an mein Bänklein knie’n,
Will ein bischen beten,
Steht ein bucklig Männlein da,
Fängt gleich an zu reden:
„Liebes Kindlein, ach, ich bitt‘,
Bet‘ für’s bucklig Männlein mit“.
(aus: Des Knaben Wunderhorn)

der halbe tisch
der sonnenblick im glas
die schiffe fahren zum mond
noch heute
einen blick zum himmel
du kommst gerade recht
der tanz hat schon begonnen
im schwingenden lieben ein lied
guten morgen du schöne
der tag ist lang


