PARADIESGARTEN…

DSC_7516_2

nur wenige menschen glauben, das paradies auf erden gefunden zu haben.
sie tragen eine ahnung in sich, dass das paradies der ersehnte platz sein könnte. wie und wo er ist, können sie nicht sagen. es ist mehr ein gefühl, das geborgenheit vermittelt, nach der sie sich sehnen. ein innenort sozusagen.

wenn ich mit meiner mutter in ihrem garten sass, die sonne schien und die vögel zwitscherten, muss sie diesem gefühl ganz nahe gewesen sein. sie sagte, dies ist mein paradies, breitete beide arme mit geöffneten handflächen, als wolle sie ermessen, was ihr so zu herzen ging.

in letzter zeit, nach ihrem tod, ich kenne den zusammenhang nicht, bin ich in einem kleinen teil meiner erinnerungen hocken geblieben – es ist der hoppegarten, der mir gegenwärtig ist aus meiner kindheit und nichts gegenwärtiger als dieser.
wir waren auf ein dorf evakuiert. wir hatten einen garten und noch einen und noch einen, in dem meine mutter pflanzte und erntete für unser leibliches wohl.
dieser fleck erde ist mir mit seinen gerüchen und farben und ereignissen vor augen, wenn ich kindheit denke. das paradies meiner kindheit.

heute fotografiere ich im urwald mit schöner regelmässigkeit und ausdauer.
ich gehe auch schon mal über die grenzen in den angrenzenden reinhardswald.
letztens als ich die huteallee in beberbeck und die gebäude der domäne fotografierte, kamen mir die gedanken, dass ich meine paradiesische zeit nicht verloren habe, dass ich sie nur verlegt und ausgedehnt habe. die ganzen wälder und felder ringsherum ein einziges paradies.

DSC_7515_2

DSC_7517_2

DSC_7518_2

SCHÄTZE DER NATUR…

DSC_7619_2

wie zierlich, wie wunderbar, wie mannigfaltig der bau der pflanzen auch immer sein mag, ein ungeschultes auge entdeckt zunächst nichts daran.
diese beständige übereinstimmung und doch wunderbare verschiedenheit, die in ihrer organisation herrscht, begeistert nur den, der bereits eine vorstellung von dem pflanzensystem hat.
alle anderen können vor all diesen schätzen der natur nur eine stumpfe und einförmige bewunderung empfinden.
sie sehen nichts einzelnes, weil sie nicht einmal wissen, was sie denn ansehen sollen, aber auch das ganze sehen sie nicht, weil sie keine vorstellung von jenem geflecht von verbindungen und von verknüpfungen haben, das den geist des beobachters mit seinen wundern überwältigt.
mein schwaches gedächtnis hielt mich stets auf jener glücklichen stufe, gerade wenig genug zu wissen, damit mir alles stets neu bleiben konnte, und doch genug, damit mir alles verständlich war.

rousseau

50 JAHRE KOBUSHI-MAGNOLIE…

kobushi-magnolie
im bergpark wilhelmshöhe
GUTE BOTSCHAFT AUS JAPAN

KOBUSHI MAGNOLIE_DSC_6935_2

aus japan kommend
sendet sie schönheit und duft
als weisse blütenwolke
entfaltet sie tausend
und abertausend blütenflügel
von weitem leuchtet es
durch den park
schenkt freude
lässt erstaunen

KOMBUSHI_MAGN._DSC_6948_2

KOBUSHI_MAGN._DSC_6943_2

KOBUSHI MAGN._DSC_6947_2

die pracht dauert nicht sehr lange
nach dem nächsten regen wird sie
vorbei sein, um dann im nächsten
jahr wieder zu erscheinen

KOBUSHI_MAG._DSC_6944_2

KOBUSHI MAGN._DSC_6951_2

im jubiläumsjahr
blüht dieser magnolienbaum besonders üppig.
1961 gepflanzt ist er 50 jahre alt.
erst sehr spät entfaltet diese art ihre blütenpracht.
in „bäume und sträucher“ ist sie mit 15 jahren,
bei wikipedia mit 30 jahren angegeben.

KOBUSHI_II_DSC_6984_2

dieser hier gehört auch zu den beiden, die 1961 gepflanzt wurden!!
er steht an anderer stelle, unweit vom ersten.

JUDENBRUNNEN…

aschrottbrunnen
judenbrunnen
rathausbrunnen
brunnendenkmal

DSC_6633_2

der brunnen war nie von so grosser bedeutung wie heute.
als aschrottbrunnen wurde er 1939 von den nazis verwüstet, weil
er von dem jüdischen kasseler unternehmer sigmund aschrott
gestiftet wurde.

ich kenne ihn als rathausbrunnen
seit 1943 war das brunnenbecken mit blumen bepflanzt
1963 als springbrunnen umgebaut
warum und seit wann er als judenbrunnen bezeichnet wurde,
ist mir nicht bekannt.

mit den jahren erst wuchs das bewusstsein für die opfer des zweiten
weltkrieges und des holocaust.

P1010578_2

horst hoheisel
brachte den vorschlag anlässlich eines ideenwettbewerbs des 
„vereins zur rettung historischer denkmäler in kassel e. v.“
ein, den umgang mit der geschichte zu wenden – im wahrsten sinne.
der brunnen wurde wieder errichtet, wurde aber gewendet, und in
die tiefe gelassen, soll verdeutlichen, was verloren ging.

P1010546_2

P1010530_2

P1010555_2

mit der rituellen
REINIGUNG des BRUNNENDENKMALS
könnten neue gedanken emporgebracht werden.
carolyn christov-bakargiev stieg mit horst hoheisel
auf den brunnengrund, berührte den grund der geschichte
auf besondere weise. für sie als us-amerikanerin ist es ein
„beeindruckendes monument“ und könnte damit auf die
liste der kunstwerke der dOCUMENTA 13 gelangen,
wenn es das nicht schon längst ist, dann wäre der auftakt
doppelt gelungen.
die dOCUMENTA(13) soll sich, so carolyn christov-bakargiev, sowohl in die vergangenheit als auch in die zukunft ausdehnen.
zeigt das in den boden versenkte monument in die vergangenheit oder in die zukunft oder gar beides? das sichtbarmachen der kraft der kunst durch unsichtbarmachen scheint gelungen.

DSC_6630_2

P1010535_2

P1010600_2

rosadora

Sinkt jeder Tag hinab in jeder Nacht,
so gibt’s einen Brunnen,
der drunten die Helligkeit hält.
Man muß an den Rand
des Brunnendunkels hocken,
entsunkenes Licht zu angeln
mit Geduld.
Pablo Neruda
 
ASCHROTT BRUNNEN
offene wunde der stadtgeschichte
herausgegeben vom
kulturamt der stadt kassel

KOMISCHE VÖGEL…

P1010288

ich will zum grab meiner mutter.
da pfeift es zu mir herrüber:

es tönen die Lieder
der Frühling kehrt wieder…

ich falle ein und pfeife:
…es spielet der Hirte
auf seiner Schalmei…

gepfiffen wohlbemerkt
und mit dem gemeinsamen:
trala la la …
gehe ich zu dem pfeiferling hin.

da kennt doch noch jemand volkslieder.
wunderbar, das ist ja wunderbar.
er gerät in eine aufgekratzt heitere stimmung,
erzählt wie ein wasserfall, als habe er
die letzten drei jahre mit keinem
menschen gesprochen.

er geht mit einem gehwägelchen.
daran hat er allerlei zeugs hängen.
er holt einen flachmann aus der brusttasche
seiner jacke und hält ihn mir hin.
er erzählt, dass er ein ganz eigenes rezept
erfunden habe.
er sei alkoholiker.
1/16 alkohol und den rest saft.
ganz verschiedene säfte habe er.
da könne er so viel trinken, wie er lust habe.
er weitet den einblick in seine tasche –
ein wirkliches sammelsurium…

plötzlich geht ein vogelgezwitscher los.
auf seinem wägelchen liegt so ein holzvogel,
dem diese töne plötzlich einfallen.
er lacht ganz fröhlich, wie mir scheint.
in der kö-galerie habe er hausverbot.
die werfen mich immer hinaus.
ja, spassvögel sind in unserem land
nicht sehr beliebt, sage ich.
das irritiert die menschen, wirft sie aus ihrer
gewohnten bahn.
dabei wäre ein gemeinsam geträllertes lied
eine heitere einlage.

ich frage, ob ich ein foto von ihm machen dürfe.
er hat nichts dagegen.

gemeinsam schauen wir es uns noch an
und dann verabschiede ich mich,
gehe zum grab meiner mutter.

KANON ZU DREI STIMMEN

Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder,
es spielet der Hirte auf seiner Schalmei:
trala la-la-la-la-la-la la-la,
trala la-la-la-la-la la-la.