DER SOMMERFADEN…

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Da fliegt, als wir im Felde gehen,
Ein Sommerfaden über Land,
Ein leicht und licht Gespinst der Feen,
Und knüpft von mir zu ihr ein Band.
Ich nehm‘ ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen, wie die Lieb‘ es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!

Uhland, Ludwig (1787-1847)

W A S S E R . . .

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WASSER
WASSSER WASSSER
WASSSSER WASSSSER WASSSSER
WASSSSSER WASSSSER WASSSSSER WASSSSSER
WASSSSER WASSSSER WASSSSER
WASSSER WASSSER
WASSER

ein gedicht über eine wasserfontaine fand ich nicht
so lasse ich es einfach plätschern
taucht ein, taucht unter
geht baden auch – ausnahmsweise

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Es ist nicht möglich,
die Zeit totzuschlagen
ohne die Ewigkeit zu kränken.

henry david thoreau

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Henry David Thoreau
wurde heute vor 193 jahren
am 12. Juli 1817 in Concord, Massachusetts, geboren.

HEUTE, AN SEINEM GEBURTSTAG, FIELEN MIR SEIN APHORISMEN
VOR DIE FÜSSE. JEDEN SEINER SPRÜCHE KÖNNTE ICH BETEUERN.
ES SIND NICHT NUR SPRÜCHE, ER HAT AUCH DANACH GELEBT…

er starb am 6. Mai 1862 ebenda.
er war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Philosoph.

DIE DREI LEBENSALTER…

gustav klimt

JUNGE FRAU
FRAU
WEISE ALTE

DIE DREI LEBENSALTER
kennen wir aus kunst und mythologie.

in der gr. mythologie sind es die DREI NORNEN, die leben schenken, es erhalten und wieder nehmen.

in der indischen mythologie
ist es shiva, der für Neubeginn steht, ebenso wie für Erhaltung und Zerstörung.

in der kunst ist das bekannteste beispiel
die drei lebensalter von gustav klimt.

es liesse sich noch vieles anführen.

wir durchlaufen sie, diese drei stationen.
im gesicht eines menschen wird sichtbar, wie er seine lebenszeit durchlebt hat,
ob er die möglichkeiten zu wachsen, auch innerlich, nutzen konnte.
eine harte, vielleicht nicht frei gewählt arbeit hinterlässt ebenso spuren, wie eine
geistige, die der eigenen seele platz gibt sich zu entfalten.

beim betrachten der bilder vonJESSYE NORMAN fielen mir diese drei phasen besonders auf.
ihre enorme zugewandheit zu ihrem gesang und die tiefe seelenarbeit zeigen sich in ihrer entwicklung. ihr gesicht spricht von all dem. diese seelenarbeit und ausgeprägte menschliche haltung lässt sie, so scheint mir, schöner und schöner werden,
im sinne von ausstrahlung.

als JUNGE FRAU kommt sie mir vor, wie ein ungeschliffener diamant. sicher waren da ihre guten gaben und anlagen schon vorhanden. ihr war bewusst, dass sie die nicht vergeuten
durfte und arbeitete und bemühte sich um vervollkommnung.

als FRAU kommt sie wild und ungebändigt daher. die anstrengung steht ihr im gesicht.

als WEISE ALTE frau ist sie angekommen in ihrem leben. ihr gesicht spricht von erfüllung, ist ausgeglichen und auf eine weise schön, das die menschen bewegt. mit ihrer ausstrahlung gibt sie eine energie, die auf ihr publikum überspringt.

DAS MACHT, ES HAT DIE NACHTIGALL…

ROSENINSEL KASSEL WILHELMSHÖHE

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stehe
zwischen den rosen
sehe
fotografiere
empfinde
empfinde
grosse freude
schmerz auch
der sich legt
auf den bogen
des beginns
der gegenwart
und des sterbens
stehe
schaue nach innen
wo es beginnt
das leben
wo es ende

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die gesten der rosen, die spielerisch und unbewusst dies alles vollziehen, rühren mich an. in bildern versuche ich zu fassen, was ich nicht verstehen kann. ziehe parallelen zwischen menschenleben und rosendasein.
vergänglichkeit ist in diesen tagen schon deutlich. blütenblätter, die sich einrollen, die sich verfärben vom zartesten rosa ins braune, die zu boden fallen, das oben, zwischen und unten versinnbildlichen. und immer wieder noch neue knospen. der kreislauf öffnet sich, schliesst sich, fällt ins nichts, das uns unbegreifliche.

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Das macht, es hat die Nachtigall 

die ganze Nacht gesungen

Da sind von ihrem süßen Schall

da sind in Hall und Widerhall

die Rosen aufgesprungen

theodor storm (1817 – 4.7.1888)

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es ist der 4. juli, der todestag theodor storms. er hat diese wunderbaren zeilen geschrieben. aber schillernder noch werden sie mir durch den vortrag von jessye norman. ihre stimme, ihre mimik, ihre gesten – niemand kann einem inneren erleben so sehr gestalt geben. ganz rose, ganz aufspringen, ganz freude. ihre hände, ihre zarten gebärden – mit ihnen lässt sie die rosen aufspringen, langsam und unbemerkt nach rosenart.
ich fühle mich reich beschenkt an diesem tag. fast verliebe ich mich ein bisschen in diese frau mit dem wunderbar klassischen gesicht und der noch eindrucksvolleren stimme. sie sagt:

ICH LEBE ALLEIN
IN MEINEM HIMMEL
MEINER LIEBE
MEINEM LIED

ICH BIN GLÜCKLICH

eigentlich wollte ich von der roseninsel schreiben. aber so ist es auch gut. es zeigt, was sich zwischen den rosen so tut. es tut sich viel. interessante menschen traf ich noch und wir begegneten uns im gespräch. rosen sind eine wunderbare überleitung zu gesprächen anderen inhalts.

AGAPI MOU…

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…oder der text im küchenschrank…

da hängt er
der text
schon einige jahre
ich weiss nicht
wie lange
er hängt

heute rührt er mich besonders an. ich weiss nicht, warum. dabei will ich mich doch nicht anrühren lassen – nicht von diesem text.
ich könnte ihn entfernen, damit er mich nicht täglich anspringen kann. aber er geht nicht weg.
hartnäckig beharrt er auf seine gültigkeit – für immer.
als ob es das gäbe – für immer. aber so, schrift geworden, beharrt er auf seine gültigkeit.
hatte er je gültigkeit?
er behauptet es. wenn er je gültigkeit besessen hat, so ist er heute nur noch erinnerung.
ich hasse erinnerungen. meine erinnerungen bringen es nicht fertig, sich zu sondieren in gut und schlecht, so dass ich das eine oder das andere abrufen könnte. deshalb rufe ich nicht ab.
auch nicht in diesem falle. es hat mich gerufen.

es war wie es war und es ist wie es ist, basta…

ROSENHANG IN DER KARLSAUE/KASSEL…

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den rosenhang als solchen auszumachen, wenn man nicht ortskundig ist, ist etwas schwierig. schwierig deshalb, weil rosen grundlage für einen rosenhang sind, was bei diesem nicht unbedingt eindeutig ist. zu wenig rosen eben, und rosen, rosen, rosen wollen rosenbegeisterte ja sehen, wenn sie schon mal herkommen.

eine million kubikmeter trümmerschutt wurden nach dem krieg einfach so unterhalb der schönen aussicht hingekippt. irgendwo musste der ja hin. am auerand war platz. nur war das keine wirkliche lösung.
1955 legte professor hermann mattern sein konzept vor, den schutthaufen teil der bundesgartenschau werden zu lassen. er liess ihn in einen rosenhang verwandeln. das war eine geniale und grossartige idee.

dass das glanzstück der buga von 1955 heute nicht mehr als solches daher kommt, stellten schon elsemarie maletzke, frankfurter schriftstellerin und gartenjournalistin und markus gnüchtel, kasseler landschaftsarchitekt in ´hauptsache kultur´, im september 2009 fest.
markus gnüchtel spricht von einem efeuhang und dass büsche und bäume geschnitten werden müssten, um den wunderbaren blick in den park wieder frei zu kriegen. bei jedem richtungswechsel eines weges wäre das der fall. und rosen, rosen, rosen – zur buga waren es 25.000 pflanzen.
ich will die mängel, welche die beiden aufgelistet haben, hier nicht aufzählen, sondern von meinem ganz eigenen erleben am heutigen morgen berichten. aber es wäre schade, wenn kassel diesen magnet, den rosenhang in neuer, alter höchstform, der er weit über die stadt hinaus sein könnte, nicht wieder bepflanzen und damit beleben würde.

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zur zeit fange ich rosen mit meiner kamera ein, so auch heute.
die idee, nach rosen in kassel zu suchen kam mir erst, nachdem ich am samstag im rosarium sangerhausen fotografiert hatte. schliesslich haben wir hier den rosenhang in der karlsaue und die roseninsel in wilhelmshöhe. die roseninsel war mir geläufig über all die jahre. am rosenhang eine grössere anzahl rosen zu vermuten, war gar nicht in meinem bewusstsein. wahrscheinlich sind meine erinnerungen weniger und weniger geworden, weil auch die rosen am hange immer weniger und weniger geworden sind. irgendwie wollte ich nachschauen, ob am rosenhang noch rosenstöcke stehen und wie viele. ich war 10 jahre in der schweiz, da kann sich auch vieles verändern und verhuschen.

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also ging ich heute morgen los. über nacht hatte es geregnet und es lag nebel über allem, der sich dann langsam verzog. erst war ich enttäuscht, weil der rosenhang den namen nun wirklich nicht verdient. ein paar büsche, die sich auf wenige arten beschränken.
unbedingt wollte ich diese aber einfangen in bildern und tastete mich langsam heran, bis ich meinem blick öffnete für das, was war, was auch war und ich nicht vermutet hatte. regentropfen. regentropfen auf rosenblättern haben einen ganz besonderen reiz. und rosen in pflanzen verwoben, von winden umschlungen, von farben der nachbarsblumen umschmeichelt, eingebettet in efeu – einfach idyllisch, ein bisschen kitschig zuweilen, postkartenmotive eben, aber ganz so, wie die leut es mögen, denke ich.
ich dachte an die im beet ordentlich in reihen stehenden rosen in sangerhausen. da gab es zwar unzählige arten von rosen, aber sie zeigten sich alle vereinzelt in ihrer pracht.

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es dauerte eine weile, um mich auf diese veränderte situation einzulassen, wie es jedesmal ein einlassen ist auf bilder, die ich finden und nicht suchen kann.
fasziniert von der zartheit der rosenblätter und den zarten rosengebärden, den sich scheinbar ergebenden ohne starrheit und frei von vorstellungen, denen wir menschen nachhängen.
so wolkenleicht, so bezaubernd grazil, so einschmeichelnd duftend, lakonisch morbide, makaber erotisch auch. und was nicht noch alles liesse sich über die rose sagen.
für diesen moment werfen sie ihren zauber über mich, stillen sie meine sehnsüchte und wünsche.
dieses vermag schon eine einzige rose…

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