in der Gegenwart der Dinge
im göttlichen Aufblühen dieses Frühlings
aber die Willenlosigkeit in jenem Stück Holz
schafft Verunsicherung…
etel adnan in JAHRESZEITEN
JEN RAY
HITS
noch bis zum sonntag
der kasseler kunstverein zeigt noch bis zum 16. märz 2014 die arbeiten der in berlin lebenden new yorker künstlerin JEN RAY
sie zeigt ihre grossformatigen aquarellierten beeindruckenden zeichnungen
in ihren surreal inszenierten welten treffen sich unterschiedlichste motive in wunderbar leichter weise
in ihren motiven zeigt sie stile verschiedener epochen
sie ist eine meisterin geistreichen und humorvollen collagierens

jen ray widmet sich auch immer stärker öffentlichen performences die sie im rahmen ihrer ausstellungen inszeniert und filmt
und alles im kompostloch
sie macht was sie will – sie ist was sie ist – kunst ist beliebig – kunst ist beliebt – kunst ist geliebt und gehasst – kunst geht durch den magen – kunst fällt auf – kunst fällt raus – und manchmal auf die nase…


die einen hängen ihre wäsche auf die leine – die anderen ihre lyrik
wer liebt hier wen – das kompostloch mich – oder ich das kompostloch… oder wer wen wo was….
STÄDEL MUSEUM FRANKFURT/MAIN
GEGENWARTSKUNST 1945 – HEUTE
der einstieg in das thema will mir nicht so recht gelingen – fast 70 jahre als gegenwart zu bezeichnen schaffe ich nicht – meine lebenszeit kann ich gegenwärtig betrachten doch sie besteht zum grösseren teil aus vergangenheit – meiner vergangenheit
also nehme ich meinen eigenen gang – lasse mich inspirieren ohne berücksichtigung von entstehungsjahr und aussage
es ist die architektur die mich zuerst fasziniert – klare linien helle hohe räume und als krönung diese spiegelwand – ,mosaic mirror wall piece‘ von JOHN M. ARMLEDER – die verzerrungen lassen neue bilder entstehen und ich mag bilder die ich selber finden kann – bilder in bildern sozusagen – ich kann mich gar nicht wieder beruhigen – immer neues fällt mir auf – spiegelzerrbilder – moderne
in den neuen räume die nun schon nicht mehr so neu sind in denen die gegenwartskunst gezeigt wird begegnet mir viel bekanntes – bekannt u. a. von den verschiedenen documentas in kassel – das bekannte oder die bekannten die bei mir eindruck hinterliesen sehe ich hier nun in einem neuen kontex – ich staune was zeit vermag und was erworbenes wissen während dieser für aufschlüsse ermöglicht

vor RICHARD SERRAS ,inka‘ 1989 mischen sich ehrfurcht und erstaunen – auch grenzenlose freude zumal ich mit seinen skulpturen persönliche erfahrungen und empfindungen verbinde – dieses riesige schwarze etwas kannte ich bisher noch nicht – eine klare scheinbar leere fläche entfacht grosse fantasien lässt möglichkeiten des eignen sehens und interpretierens offen – ich schwinge mit
ROSEMARIE TROCKELS ,who will be in in ´99?‘ (wer wird ´99 in sein?) aus dem jahre 1988
ein gleichschenkliges kreuz – gestrickt – mit maschine wie vermutet wird – hängt in einer ecke hochoben – wie schützend oder segen spendend – über der dunklen skulptur von OTTO FREUNDLICHS ,composition‘ aus dem jahre 1933 – rosmarie trockel ist heute eine über die grenzen hin bekannte künstlerin – auf der d13 war sie mit ihrem ,teaparty-pavillon‘ vertreten – sie hier mit einem so alten werk präsentiert zu sehen erstaunt mich
die klaren symbole wie kreuz kreis spirale dreieck oder kreuz – ROSEMARIE TROCKEL – WALTER DAHN – JIRI GEORG DOKOUPIL – GÜNTHER ÜCKER – RUPRECHT GEIGER – GÜNTER FRUHTRUNK – erlangen mühelos aufmerksamkeit – sie geben allgemeinverständliche botschaften – bei näherem betrachten des jeweiligen bildes sagen sie doch auch noch etwas ganz anderes

so wie der STERN IN NOT von ji`ri georg dokoupil aus dem jahre 1982
der zentrale platz mit bank davor trägt vielleicht dazu bei dass man nicht drumherum kommt näher hinzuschauen – es entsteht eine rege diskussion – die nähe entsteht vielleicht aus dem dass das pentagramm des sternes den mensch als mikrokosmos offenbart –
ein stern der ursprünglich auf festen beinen steht kippt um und beginnt obendrein auch noch zu brennen – das ist sinnbildlich und ziemlich klar – zusammenbruch der bisherigen weltanschauung – wir erkennen bei näherem hinschauen dass die steine bücher sind – nichts ist mehr gültig was bisher gültigkeit besass – dokoupil will für sich keine klare aussage treffen
die ,alten‘ noch lebenden künstler wie georg baselitz – markus lüppertz – gerhard richter können für sich sprechen erhalten viel – zu viel – aufmerksamkeit

ALBERTO GIACOMETTI‘s grand nu assis – grosser sitzender akt – und femme epaule cassée – frau gebrochene schulter – rühren an indem sie zu verschwinden scheinen und doch gegenwärtig sind
er zieht mich an – er spuckt mich wieder aus – der ,grossherzog tapié von JEAN DUBUFFET – kleine augen abstehende ohren die alles zu hören scheinen zugespitzter mund und spitzes kinn lassen geist und witz erahnen
ISA GENZKENS ,fenster‘ wird zum guckkasten – es steht mitten im raum und ich hätte es fast übersehen – entschliesse mich dann aber es als guckkasten zu benutzen – mache zwei besucher zum bildinhalt – ihr markenzeichen – konfrontation von kunst mit banalität des alltags – ihre suptilen andeutungen in ihren werken lassen assoziationen wie vergeblichkeit oder ratlosigkeit aufblitzen – isa genzken ist eine der ganz grossen mit einem umfangreichen werk das kaum ganz zu deuten ist – ich verstehe sie – ich verstehe sie nicht
MARIA LASSNIG ist mit ihrem ,selbstbildnis mit affen‘ kaum zu deuten – spät wurde sie bekannt und auch berühmt – in venedig erhält sie den ,goldenen löwen‘ – sie lebt in new york – mit 60 bot man ihr eine malerei professur an – sie sagt: und jeder tag bringt eine neue wende – es ist die kunst die bringt mich nicht ins grab – maria lassning ist 93 und eine grosse in der malerei

LENI HOFFMANNS ,sansibar‘ – zwei linien aus elektrokabel – erinnert mich an Die Spur der Kordel: Sheela Gowdas „And tell him of my pain” von der documenta 12 – sie ist gut platziert – man kommt nicht drumherum
GEORG HEROLDS ,schal ohne arafat‘ – aus kaviar und lack auf leinwand – ist eines der versuche die malerei von den bisherigen vorstellungen zu befreien – das ist ihm gelungen – meine aufmerksamkeit hat er
die gemeinsamkeiten von der ,badende‘n von ALEXANDER ARCHIPENKO aus gips papiermaché auf einem innengerüst aus draht und – der ,grossen badenden‘ von HENRI LAURENS fallen mir erst jetzt auf – gemeinsam haben sie nur das thema – ansonsten sind sie gänzlich verschieden – schon wegen des materials und der daraus resultierenden aussage
ein rundgang aufschlussreich und faszinierend

was willst du da denn schon wieder – da ist doch nichts los sagt b.
ich weiss immer was ich da will – neu gucken – leben finden im scheinbar leblosen –
zunächst sind da die die sich selbst zeigen in den baumwurzeln und herausgerissenem – immer mal wieder kommt etwas hinzu – ein gestrüpp eine baumwurzel ein dicker ast – der regen das licht setzt sie in szene – die szene wechselt tagtäglich – es sind wesen die sich mir zeigen – denen ich begegne denen ich ein gesicht entlocke eine gestalt
dann sind da die von mir in zsene gesetzten – dieser sich freuende mit dem dreizack – er hält mir schon lange die treue – brennnesseln taubnesseln blühende – vogelmiere gras – alle gedeihen prächtig
das ruhende gesicht habe ich heute kreiert – den stein habe ich schon vor einiger zeit herausgezogen aus dem resteberg – und eigentlich schien er mir wie die grundlage zu einem grabstein – aber dann war mir das leben lieber – ich kratzte den dreck etwas herunter – ein eckkopf also – und dann gab ich ihm augen und nase und mund – die ohren hat er glaube ich schon – so solls sein
dann wollte noch eine spirale gestaltet werden – die die ins leben führt – mit meiner angeknacksten wirbelsäule war das eine schwere herausfordernde arbeit – aber die spirale wollte so sehr gestalt annehmen dass ich es auch wollte – das gestalten ist auch deshalb so schwierig weil die steine ja nicht einfach so herumliegen – mühsamst zusammengesucht habe ich sie aus den restebergen – doch als dann die sonne heraus kam und mein werk beleuchtete war ich glücklich wie selten
kresse
taubnesseln – rosa – blühende
und mit dem frühjahr kommt noch mehr leben in das kompostloch – wenn auch keine tulpen und rosen die gibts ja andernorts zur genüge – nein die seltenen pflanzen die sich in dem wenigen erdreich heraustrauen erstaunen mich wie mich leben an unerwarteten orten immer erstaunt – so kraftvoll die natur – so überwältigend
vor nun fast einem halben jahre wurde der kompost ja zusammengeschoben und durchgerüttelt und die kostbare erde an einen anderen ort verbracht – dass sich nun in diesem dreckhaufen – wie b. es nennt – nur noch resterde aufhält
das kompostloch hat eine geschichte – meine geschichte die ich ihm seit der documenta 13 gegeben habe – sie wird weitergehen bis dieses areal dem park wieder eingeordnet wird – das kann dauern sagt mike der gärtner – und ich denke zu meinem glück…
das war eine freude – nilgänse sind eingetroffen im kompostloch – sie sagen dass die rauhe zeit vorbei ist – ob sie sich da nicht irren… noch nie habe ich brotbrocken mit ins kompostloch genommen – heute habe ich zum ersten mal welche dabei – sie beäugen mich – aus grossem abstand mache ich schon mal ein foto mit 500ter tele
dann strecke ich vorsichtig meine hand aus um vertrauen zu erwerben und werfe einige brötchenbrocken in ihre richtung – nur sehr vorsichtig kommen sie herangewatschelt – eine flüstert der anderen etwas sehr leises zu – sie verständigen sich und passen aufeinander auf
eine krähe hat die futterbrocken entdeckt und fliegt heran – sie macht verschiedene versuche und testet ob die gänse es gestatten dass sie mitfrisst – dann schnappt sie sich einen brocken und fliegt damit in sicherheit
neben den gänsen sind jetzt auch schon viele vögel und zwitschern den frühling herbei
einen fuchsbau an nun ungewohnter stelle
leben im kompostloch in dem ja nur noch wenig kompost lagert – doch zwischen den überresten zeigt die natur ihre kraft – taubnesseln mit rosa blüten wagen sich hervor und viel anderes grünzeug
hoffnungsträger
fünfundsiebzig
werden von der oberfläche
geblasen
fünfundsiebzig
tilgen die vergangenheit
reisen ab
in das unterbewusstsein
wo ihnen nichts entgeht
nur die zukunft
hat gleisende aussicht
über den see
bläst ein leiser wind
rosadora



bei c. g. jung
steht schiff oder boot für das unterbewusstsein
im kompostlochsee leuchten kindheit
und alter um die wette
das bezaubernde bild
lässt vermutungen zu
aber welche