G I S È L E F R E U N D . . .

zum 100sten geburtstag

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‚zum andenken an eine seltene frau’. als ich den herabgestürzten grabbogen auf dem jüdischen friedhof in hamburg ohlsdorf fotografierte, wusste ich mit diesem begriff der ‚seltenen frau’ nicht recht etwas anzufangen.

wenn ich das leben und werk gisèle freunds, der künstlerin, fotografin, soziologin, reporterin, kritikerin, u. u. u. betrachte, habe ich eine ahnung, was es sein könnte, eine ‚seltene frau’ gewesen zu sein. ihr leben erklärt mir, was das gewesen sein könnte. gisèle freund sucht ihres gleichen, war einzig, war gegen konventionen und widersprach dem angepassten lebensstil. sie war kritisch mit offenen augen. das war zu ihrer zeit nicht überall gern gesehen und oft nicht geduldet. Continue reading

BIRD’S NEST…

und ai weiwei

‚man muss ein nest bauen, um phoenixe anzulocken’,

du musst ein nest bauen, damit die vögel darin nisten können.
das nest, es ist voraussetzung für vieles, aber nicht für alles, und wenn man die phoenixe nicht haben will, darf man gar nicht damit anfangen…
gegen vögel, möglichst bunte, ist nichts einzuwenden – ich meine die, die sich der kunst verschrieben haben, der kreativität, des freien denkens und handelns, die möglichst den anderen nicht schadet, sondern sie bereichert.

ich weiss nicht, wo ich das BIRD’S NEST in peking in meinem denken und fühlen einordnen soll oder kann. es spricht vieles dagegen in mir, aber es begeistert mich auch. die architektur ist einmalig. die einwände gegen alle vorwürfe, in china zu bauen, der beiden architekten jacques herzog & pierre de meuron, dass es nicht angehen könne, den chinesen die fehlende demokratie vorzuwerfen und lieber nicht mit ihnen geschäfte zu machen, kann ich fast verstehen. eher sehe ich darin eine chance des gegenseitigen verstehens und kann sehen, dass das grosser mühen bedarf und kein leichtes unterfangen ist.

ich möchte ein vogel sein und um das nest kreisen, um es von allen seiten zu betrachten. mich fasziniert immer wieder, wie man mit so schwerem material eine solche leichtigkeit erwirken kann. 44 000 tonnen stahl und beton – das nest scheint in den lüften zu schweben.
die allianz-arena ist mir dagegen plump wie ein grosser autoreifen. würde man damit das schwimmen oder fliegen versuchen, müsste man untergehn.

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„pierre und ich haben mit formen gespielt, entwürfe diskutiert und verworfen“, erzählt der von der jüngsten documenta bekannte ai weiwei, „das war eher ein philosophisches gespräch als ein facharchitektonisches.“

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ai weiwei – künstler und architekt – das ist eine glückliche fügung. er sagt, dass er ‚ES’ tut, weil er design liebt. mir scheint, er liebt auch die menschen, er liebt das ganze universum und bezieht daher seine inspiration und energie für sein tun.

zur informastion noch ein interview mit ai wei wei:

www.faz.net.

K U N S T . . .

‚entspricht dem geschmack und der denkungsart ihrer zeit…’

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‚mir haben immer die bilder am meisten gefallen, die zum denken auffordern; es beweist, dass sie einen inhalt haben. ich weiss gar wohl, dass dieses eine kontroverse ist, aber dem satz, dass ein kunstwerk sich selbst erklären solle, kann ich nicht beitreten. es geht auch nicht an, ihn allgemein zu machen; das widerlegt sich schon aus einer besichtigung der galerien, und die gefeiersten werke raffaels, um mit dem namen den widerspruch zum schweigen zu bringen, widersprechen dem. …
überhaupt hat die bildende kunst ihre eigenen gesetze Continue reading

F R I E D A K A H L O . . .

100. GEBURTSTAG…

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frida kahlos bilder besitzen eine einmalige ausdruckskraft. Bei dieser künstlerin werk und person zu trennen ist unmöglich. Erst in der zusammenschau haben sie die kraft einer frau, die in den bereichen leben und tod gleichsam zuhause war. ihre fantasie entnahm sie dieser tatsache, der sie sich stellte und aus der sie sich nährte. Daneben lebte sie auch die hoffnungslosigkeit – ‚mir bleibt nicht mehr die geringste hoffnung…’ Continue reading

…UND IMMER WIEDER DIE SCHWALM…

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ferdinand von reitzenstein

…UND IMMER WIEDER DIE SCHWALM…
gerhardt-von-reuter-haus willingshausen – schwalm

vernissage samstag, den 19. mai 2007, 15 uhr
die ausstellung dauert bis zum 1. juli 2007

ferdinand von reitzenstein ist ein besonderer künstler.
in dem alter, wo andere kinder eingeschult werden, entdeckte man bei ihm seine besondere begabung der wahrnehmung und der sehr genauen wiedergabe. schon mit neun jahren begann er portraits zu malen. in diesem genre und dem des stillebens drückt sich sein ganzes talent aus, dahinein gibt er seine ganze liebe. Continue reading

KÜNSTLER(INNEN)NEKROPOLE KASSEL…

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HARRY KRAMER, professor an der gesamthochschule kassel,
hatte die idee mit der letzten ruhestätte für künstlerinnen und künstler.

eigentlich war ich auf einem kleinen gang mit sohn mirko, der plötzlich sagte, ‚da oben ist die künstlernekropole. ich war da schon mal’. da ich schon verschiedene anläufe genommen hatte die gräber zu suchen, was mir nicht gelang, war ich trotz schlechter ‚konstellation‘ bereit, meinen spaziergang auszudehnen.

im habichtswald, ganz verstreut, in der nähe des grünen sees, sind die male zu finden. jetzt, im herbst, ist alles sehr urwüchsig, die pflanzen ringsherum üppig und erntebereit, die stimmung ‚abschied’. ich liebe die morbiden ausdrücke, nicht nur in der natur. Continue reading

‚KLEINE SACHEN AUS BROT…‘

‚da hab ich angefangen, aus brot kleine sachen zu formen.’

LOUISE BOURGEOIS

bei den ‚kleinen sachen’ ist sie nicht geblieben. sie hat sich herausgewickelt aus dem pausenlosen reden des vaters, der sie nicht nur mit seinen worten verletzte. sie lenkte sich ab und formte diese ‚kleinen sachen aus brot’.
brot, dieses wichtig nahrungsmittel, wurde zu ihrem ersten baustoff.
aus ‚stoff’ waren auch die wandteppiche, die sie mit ihrer mutter ausbesserte. da war sie acht jahre alt. Continue reading