HALLOHALLOHALLOWEEN…

In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November ist Halloween, das kürbisfest schlechthin. der alte name VON HALLOWEEN lautet SAMHAIN kam im keltischen Jahreszyklus unserem Silvester gleich.
Zu Jahresbeginn bieten sich immer neue Vorsätze an, z.B. auf eine vegane Lebensweise umzusteigen – zumal am 1. November seit gut fünf Jahrzehnten auch noch der Weltvegantag begangen wird. Ein Umstieg ohne kulinarischen Verzicht, wohlgemerkt. Den Tieren, der Umwelt und nicht zuletzt dem eigenen Gaumen zuliebe.

rosadoras HALLOWEEN-Rezept zum WELTVEGANTAG

MARONENGEMÜSE

500 g maronen (geschält)
1 karotte
1 pastinake
1/4 sellerieknolle
1 gr. gemüsezwiebel
brühe
salz

maronen kreuzweise einschneiden
15 minuten kochen
abschütten
im sehr warmen zustand schälen

die zwiebel schneiden und glasig braten
karotte, pastinake und sellerie schneiden und dazugeben
mit brühe und salz garen
maronen hinzufügen und kurz ziehen lassen

UNBEIRRT HIMMELBLAU…


kompostloch gestern, 25. oktober 2012

warum mutet uns der anblick von vergehendem so traurig und trostlos an. näher betrachtet ist alles sehr lebendig, weil in verwandlung begriffen, und farbig obendrein. die farbskala verändert sich, nichts ist mehr überwiegend bunt. das sanfte überwiegt und leuchtet doch auf durch eine intensität des morbiden.
morbide wird übersetzt mit „brüchig, im Verfall begriffen, krank, marode, morsch, von Zerfall gekennzeichnet“ und ist doch auch weit mehr. das morbide wagt sich in unseren gefühlsbereich. es lässt uns aufmerksamer werden, rührt an unsere seele, die das laute und bunte eher abstösst.
ich mag diese morbiden klänge, sage klänge, weil da wirklich ein singen und klingen enthalten ist in dem morbiden.
mich einhüllen in diese farben, in diesen klang – das ist vielleicht eine altersfrage. überhaupt hat wahrnehmung mit alter zu tun. immer mehr, immer besser lerne ich sehen und begreifen, immer mehr verstehe ich die zusammenhänge von den dingen und der welt. und dazwischen wir, die menschen.

den kreislauf im kompostloch habe ich von anfang an, also vom beginn der documenta und pierre huyghes kunstwerk verfolgt und in bildern eingefangen. im april schliesst sich dann der kreislauf und bis dahin werde ich immer wieder vorbeischaun und mir ein bild machen.

es gibt da dinge, die mich beeindrucken. die starke brennnessel z. b., wenn alles sich dem ende nähert, wagt sie einen neuanfang. ihr sattes grün fällt besonders auf zwischen den beige- und brauntönen. ich werde beobachten, was sie unter der schneedecke sich einfallen lässt. mit ihren rhizomen ist sie ja so gut wie nicht ausrottbar. sie lassen sie immer neu austreiben.
im kompostloch halten sie die hoffnung wach, dass alles wieder neu beginnt.

boretsch ist fast unirritierbar, hält sich in seiner form und blüht unbeirrt und himmelblau. ausserdem bringt er jetzt im spätherbst neue pflänzchen hervor. auf dem kompost gedeihen sie prächtig.

die vielen, vielen samen des springkrautes halten es etwas vorsichtiger. nichts verrät, wo sie sich verbergen in dieser jahreszeit. umso intensiver werden sie sich hervor wagen, wenn es zeit für sie ist.
im moment verzaubern mich die vielen verwandlungskünste der niedergestreckten stengel. sie zeigen mir bruchstellen, verbindungen und das geschehenlassen in grossem urvertrauen. keine form widerstrebt ihm, und grazie und formschönheit finde ich in jedem stadium.

ich lerne verstehen. fast bis zum letzten wird mir verständnis zuteil – fast…

FRÜHER GRUSS…

ich kann nicht sagen
warum ich so gerührt war von dieser geste am frühen morgen

es war ausser mir noch niemand unterwegs
die löwenburg im nebel
das war mein sinnen

eine zärtliche geste
durch das liebevolle sträusschen
knöterich vielleicht

erst zuhause fiel mir die doppelte botschaft auf
rauchen kann tödlich sein

trotzdem hat es auch heute noch etwas anrührendes
verführerisch
wenn ich eine raucherin wäre
hätte ich nicht widerstehen können

LAUTER LETZTE TAGE…

so viel schönheit macht sprachlos
es gibt keine passenden worte dafür
schweigend geniessen

und zu wissen
dass es einer der letzten schönen tage war
macht wehmütig

der trost
dass andere schöne tage kommen werden
kalt und nass und frostig
aber doch auch zu bewundern
muss reichen

ich wollte nebel fangen
und habe sonne bekommen
was besseres konnte mir gar nicht geschehen
nebel wird noch oft kommen
aber goldene herbsttage nicht

EIN FEDERHALTER AN EINEM BERG…

FEDERHALTER-BERG

LIU LIYUN
FEDERHALTER-BERG
fuldaufer

erstmal ist der federhalterberg sehr fotogen. er macht was daher und beeindruckt. er glitzert in der späten nachmittagssonne, blinzelt mir zu. ohne erklärung sagt er mir nichts, jedenfalls nicht das, was er soll. er lädt zum draufklettern ein. ein kleiner junge versucht es.
seit der windmühlenartigen gestalt am weinberg ein flügel weggeblasen wurde, steht auf den hinweisschildern aller kunstwerke, dass man sie nicht betreten darf. teilweise sind sie umrundet von weissroten bändern, damit man sich ihnen nicht nähern kann. leider hat das nun baustellencharakter und die freiheit der kunst ist dahin. es ist für mich nichtssagende kunst, der der ausdruck und die deutlichkeit eines AI WEIWEI fehlt.
warum eine chinesische künstlerin sich auf den herkules bezieht, ist mir nicht ganz klar. herkules als tatmensch imponiert mir ebensowenig wie als kluger strateke und moralist.

die 2005 als beste junge künstlerin auf der international beijing biennale ausgezeichnete LIU Lijun arbeitet heute als freischaffende künstlerin in peking und ist als professorin an der fine arts academy of minzu tätig. für ihre plastiken und installationen wandelt sie alltägliche objekte um und bringt sie in einen künstlerischen kontext. in ihrem künstlerischen schaffen nehmen ihre seiden-installationen, inspiriert von traditioneller chinesischer landschaftsmalerei, eine zentrale stellung ein. dafür kreiert LIU dreidimensionale traumartige landschaften, die oft aus technologischen objekten wie computern bestehen.

das in kassel ausgestellte werk „federhalter-berg“ zeigt eine überdimensionierte schreibfeder, die in pop-art-optik auf einem aus stahl konstruierten berg liegt.
die plastik steht im dialog mit claes oldenburgs spitzhacke, die 1982 zur documenta 7 entstand. die spitzhacke soll die bewohner kassels an die geschichte der stadt – zerstörung und wiederaufbau – erinnern und eine verbindung herstellen zwischen dem herkules-denkmal und der stadt, wischen vergangenheit und gegenwart. die spitzhacke ist so positioniert, als habe herkules sie von seinem standort auf der wilhelmshöhe an das ufer der fulda geschleudert.
LIUs „federhalter-berg“ schliesst sich an die herkules-thematik an: tat und geist – spitzhacke und feder – ergänzen sich wechselseitig. LIU stellt herkules nicht nur als tatmensch dar, sondern auch als klugen strategen und moralisten.

liu liyun,* 1974 innere mongolei
central academy of arts, peking
institute of art and design, kent

LICHTE MOMENTE…

NEUES FOTOBUCH NEUES FOTOBUCH NEUES NEUES NEUES

LICHTE MOMENTE…

es ist keine leichte sache, der vergänglichkeit auf der spur zu sein. es ist die vorstufe zum abschied,
ehe die morbide stimmung sich ausbreitet und die farben ins matte fallen.
die bilder helfen mir, dass nichts ins vergessen fällt. rosadora

das letzte und das erste foto (cover vorn und hinten)
das ich von pierre huyghes werk in der kompostierungsanlage der karlsaue gemacht habe

es war mir ein anliegen
mich den pflanzen und ihren befindlichkeiten mehr und mehr zu nähern und damit anzunähern
das war mir wichtig für mein begreifen und verstehen
damit sich der kreislauf auch in meinen LICHTEN MOMENTEN schliesst
begleite ich das kompostloch noch bis zum april nächsten jahres
dann rundet sich das jahr und meine fotoarbeit

WHITE WALL
premium hardcover
A4 quer (57,85 euro)

HERBSTGEDANKEN…

Herbstgedanken



Da ich die grüne Pracht der Bäume zärtlich liebe

Und folglich mich anjetzt im Herbst bei ihrem Fall,

Bei der Entblätterung der Wipfel überall

Und der Vernichtigung des Laubes recht betrübe,

So deucht mir doch, ob hör ich sie im Fallen

Zu meinem Troste dies mit sanftem Lispeln lallen:

„Du siehest uns von dem geliebten Baum

Nicht, um denselben zu entkleiden,

Noch um ihn nackt und bloß zu lassen, scheiden;

Ach nein, wir machen frisch und schönern Blättern Raum.“

Barthold Hinrich Brockes (1680-1747)