EIN HAUS IM WALD…

inzwischen stehen die häuslein wie in einem wald, so haben die bäume ausgeschlagen ins grün.
sommer ists geworden – mitten im frühling.
die leut schauen teils interessiert, teils nicht interessiert. viele haben nicht die geringste ahnung, für was dies alles geschieht. documenta, was ist das. na, sowas…
30 sollen es werden, 30 häuslein, von denen auch die erbauer nicht wissen, was damit oder darin geschehen soll. alles geheimnisvoll. die d13 rückt näher und die leut denken eher ans sonnenbaden – warum auch nicht.

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TREE TO ONE…

Max Neuhaus: „Three to One“, AOK-Gebäude, DOCUMENTA IX, 1992

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Max Neuhaus
„unsere wahrnehmung des raumes hängt so viel auf das, was wir hören, als das, was wir sehen“
Unsere Wahrnehmung des Raumes hängt so viel 
von dem, was wir hören, wie von dem, was wir sehen ab…

In Kassel war Max Neuhaus erstmals 1977 auf der documenta 6 mit einer „sound sculpture“ in der Karlsaue.
• 1995 präsentierte der Kunstverein Kassel die Ausstellung „Max Neuhaus: Sound Work Zeichnungen“ im Fridericianum.
• Zur documenta 9, 1992, schuf er für das Treppenhaus des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes der AOK in Kassel an der „Schönen Aussicht“ das Klangwerk „Three to One“.
• Die Stadt Kassel hat im Jahr 2007 dieses Werk, dessen technische Grundlage erneuerungsbedürftig geworden war, mit Förderung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie der Hessischen Kulturstiftung erworben und mit neuer Technik ausgestattet. Am 4. Mai 2007 konnte „Three to One“ in Anwesenheit des Künstlers der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden. Das documenta forum Kassel e.V. hat die „Patenschaft“ für das Kunstwerk in der AOK übernommen (www.documentaforum.de).

die klanginstallation ist so gut in das treppenhaus integriert, dass ich sie gar nicht wahrgenommen habe. in vollem klang habe ich sie nicht erlebt.
ich werde mich nochmal erkundigen, ob sie noch intakt ist. vielleicht bekomme ich sie auch zu hören.
ich berichte.

das treppenhaus ist eine wucht. die aussicht ist überwältigend. freischwebend scheint sich die treppe in der landschaft zu erheben. ein kunstwerk besonderer art.

d13 – DAS WORT ZUM SONNTAG…

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„Es ist der selbstbewusste Umgang mit der Inhaltslosigkeit, der Christov-Bakargiev auszeichnet. Ihr Konzept ist ein „Nicht-Konzept“, dazu steht sie. Auf die Frage, welche Ideen sie mitbringe, sagt sie: „Am meisten beschäftigt mich, wie man ein Kulturprojekt ohne Konzept auf die Beine stellt.“

DIE WELT
22.04.2012
Konstantin Richter

VERTIKALER ERDKILOMETER…

walter de maria
vertikaler erdkilometer
friedrichsplatz, d 6, 1977

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bei jeder documenta gab es bisher und gibt es immer wieder ärger über die unverschämt anmutenden bau- und vorbereitungsarbeiten.
das verschwinden der aufmerksamkeit war bei den bohrarbeiten, welche den halben friedrichsplatz mit bohrerde überschüttete, und den hass auf die moderne kunst der kasseläner schürte, nicht abzusehen. sie sprachen nur noch von dem „loch“.
alles hat sich wieder beruhigt, ob es auch in vergessenheit geraten ist, kann ich nicht sagen.
bohrtürme hat der friedrichsplatz bis heute nicht wieder erlebt, aber umwälzungen jeglicher art, ob für das mohnfeld oder für mehrere grosse zelte und in diesem jahr für die baumbadewanne vor dem theater.

WALTER DE MARIA hat bei seinem VERTIKALEN ERDKILOMETER darauf zurückgegriffen, dass das museum fridericianum nicht nur aufklärend vermittelte, sondern dass es einmal historische instrumente aufbewahrte. diese waren zum messen von zeit und raum entworfen worden. in diesem sinne dem erdkilometer nachgedacht, geht es noch immer um das vermessen und verstehen der welt.
ich stelle mich in die nähe des erdkilometers und denke ihn mir in den himmel gerichtet. und da wäre ich dann real betrachtet erst bei zwei kilometern. in meinen gedanken erlaube ich ihm überdimensionale grösse und schaffe es doch nicht, dass er sich durch die welt bohrt, um am anderen ende zu erscheinen. entfernung und zeit – irgenwie bleiben sie unvorstellbar…

FREMD SEIN UND BLEIBEN…

DIE FREMDEN…
Altan des ehemaligen Roten Palais‘
thomas schütte, D9, 1992

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auch nach 20 jahren sehen sie so aus, als seien sie noch immer fremd in dieser stadt. das integrationsbemühen hat für sie wenig oder nichts gebracht. ganz, oder fast ganz so, wie in der wirklichkeit. sie kommen einfach nicht vom fleck. hätte man sich um sie bemüht und sie mal hier, mal dort und ganz wo anders aufgestellen, wäre die aufmerksamkeit vielleicht grösser.
kassel hat viele FREMDE. und würden diese drei sich darunter mischen, sie würden wirklich nicht auffallen.

thomas schütte
(Foto entliehen: Nic Tenwiggenhorn / VG Bild-Kunst, Bonn 2010)

thomas schütte hat die rückgewinnung der „ kunst des bauens“ für das feld künstlerischer arbeit als kritik und alternative seit seiner studienzeit beibehalten.
mit seinen „one man hauses“ und dem „ferienhaus für terroristen“, (wobei ich mich vertat und
„ferienhaus für touristen“ zu lesen bekam, eine für mich angenehmere variante…), würde er in den plan der Carolyn Christov-Bakargiev für die 13. ausstellung der documenta in das aue-konzept gut hinein passen. sie böten sicher fantasievollere modelle als die bisher sehr schlicht gehaltenen ferienhäuschen…

KEIN UNTERSCHLUPF…

Raumskulptur
Du-Ry-Straße
Per Kirkeby, d9, 1992

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keinen unterschlupf bietet diese skulptur. mit schildern und autos verstellt wirkt das gebäude, das keines ist, nicht sehr einladend. es bietet keinen schutz vor wind und wetter und keine sicht. es hat keine fenster. ein durchgang vermittelt den eindruck, man trete in etwas hausähnliches ein, um gleich wieder im freien zu stehn.
illussionen bleiben es meistens auch, es sei denn, man stellt sie auf die probe. es steht da, um zu sagen, ich war auch hier.

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DOCUMENTA 12 – JUNI BIS SEPTEMBER 2007

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DOCUMENTA 12
JUNI – SEPTEMBER 2007
220 SEITEN s/w
16,90 EURO

gedanken, fotos, eindrücke von der d 12.
es folgt in diesem jahr die 13. documenta, und somit
werden neue denkanstösse und überlegungen zur kunst
sichtbar gemacht.

die d12 ist so leicht nicht zu übertreffen.
sie hat vieles ans licht gebracht und mich zu eignem
kreativen tun angeregt.
kunst ist ein prozess und immer in bewegung.
kunst, das ist das leben, sagt ai weiwei.

rosadora

RAHMENSCHAU…

Rahmenbau
am Staatstheater
Haus Rucker und Co., d6, 1977

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der rahmen wurde dieser tage neu gestrichen. die welt muss einen guten eindruck haben von der documenta-stadt kassel.
35 jahre schon begeistert er die menschen. aus der entfernung ist er zu vergleichen mit einer camera obscura. kriecht man hinein, verwischt sich der eindruck und man muss sich entscheiden, ob man teil von der camera oder der landschaft ist.

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das hauptaugenmerk liegt auf der orangerie und man möchte wie ein vogel zu ihr hin fliegen und die schwerkraft vergessen.
zu träumen verführt es, dieses fenster und beeinflusst sie, je nach jahreszeit, in fantastischer weise.

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es hat auch etwas torähnliches. nur mit was sollte man es treffen. so ohne netz fängt es nichts auf und alles flutschte hindurch, wohin auch immer.
fast gehört dieser rahmen zur landschaft. nach entfernung dieses kunstwerkes entstünde sicher ein loch in meinen sehgewohnheiten.

DER BLOCK…

ULRICH RÜCKRIEM
Neue Galerie, documenta 7, 1982

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„Ein in drei Teile gespalten, der mittlere Teil in vier Teile geschnitten, alle Teile zur ursprünglichen Blockform zusammengefügt, der untere Teil in die Erde eingelassen“.
dieser block ist bodenständig, festgenagelt, wenig einschmeichelnd, wenn nicht überhaupt nicht.
am Solinger Rathaus stehen zwei steinblöcke, die mir mehr zusagen würden – leichter, farbenfroher, in den himmel weisend.
ich bin froh, dass ich nachgeschaut habe und ulrich rückriem nicht an diesem massiven block festgemacht habe und frage mich, warum er für die kasseler documenta keinen augenscheinlicheren stein gefunden hat. aber nun steht er mal da und wird nicht weichen, den rasenmähern im wege und mir im fliessenden blick.

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SPITZE HACKE…

SPITZHACKE
von Claes Oldenburg
Am Ufer der Fulda
documenta 7 – 1982

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das kleine gross machen, das klassische denkmal vom sockel stossen, der künstlichkeit der wirklichkeit eine neue ausdrucksform geben, das war der anstoss für claes oldenburg.
dazu braucht es nicht das märchen vom herkules, der die spitzhacke an die fulda geschleudert hat und auch die vorstellung der verlängerten achse der wilhelmshöher allee fällt mir schwer.
es ist, was es ist. dazu kann sich jeder sein eigenes bild machen. die freiheit der eigenen vorstellung sollte der kunst nicht durch vorgegebene deutung verstellt werden.
mich hat diese spitzhacke noch nie begeistert, wie angeblich so viele der kasseler und kasseläner.
sie ist mir zu spitz, zu eckig auch und hackt in mein eigens märchen ein grosses loch. das kann ich füllen und zwar so, dass das loch immer tiefer und tiefer wird, und zuletzt diese für mich so hässliche hacke im erdloch verschwindet.