ALLERLIEBSTE ELFENSCHLEIER…

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DSC_4454Im Herbst

Der schöne Sommer ging von hinnen,
der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
so manches feines Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
mit kunstgeübten Hinterbein
ganz allerliebste Elfenschleier
als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
dem Winde sie zum leichten Spiel,
die ziehen sanft dahin und schweben
ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
wo Liebe scheu im Anbeginn
und leis verknüpft ein zartes Bändchen
den Schäfer mit der Schäferin.

(Wilhelm Busch)

VON DER SONNE DURCHSTRAHLT…

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wie leben bäume mit dem wechselnden licht des tages –
mit der sonne, die sie durchstrahlt,
mit dem wind, der sie durchstreift,
mit dem regen, der ihr laub glänzend erfrischt
oder mit dem sternenhimmel?
mit den vögeln, die von ihnen zum himmel aufsteigen,
mit vielerlei getier zwischen wurzeln,
stamm und zweigen?
still, festgewurzelt in der erde
und doch ständig wachsend in bewegung,
mit allen elementen in verbindung,
kräfte empfangend aus erde und wasser,
von sonne und mond, winden und lüften,
der kälte wie der wärme ausgesetzt.

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kein anderes lebewesen spiegelt den kreislauf des jahres wie sie:
im steigen ihrer kräfte, im schwellen ihrer knospen,
in ihrem zarten frühlingsgrün und himmlischen blühen,
in ihrem überfluss und flammenden herbstlaub,
ehe sie ihr leben ganz in sich zurückziehen.
und in der grossen winterruhe, die sie überkommt,
bereiten sie den neuen frühling vor.

gerda gollwitzer

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dann
tragen die lüfte
planetendunst
durch den morgen.
von einem anderen gestirn
niederfallen silbertropfen.
man atmet
den wechsel
der jahreszeit,
von der feuchte zum wind,
vom wind zu den wurzeln.
träume speichernd,
wirkt unter der erd
abgründiges, dumpfes
zusammen
kauert die erdkraft sich,
der gürtel
der fruchtbarkeit
schliesst
seinen ring.

pablo neruda

IM HOHEN LIED DER BÄUME…

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ganz neu, diese gegend,
ganz neu, mein blick,
ganz neu das gefühl zwischen so viel leben, soviel sterben,
beschienen von einer zärtlichen herbstsonne.
die lieder der farben,
sie beginnen im wind zu säuseln, zu singen gar.
farbsinfonie – welch wunderbare töne.
ich beginne zu schweben,
falle ins steppengras,
brombeerzangen klammern.
sonne wirft lange schatten,
in die ich mich stelle,
um gegen das licht
schauen zu können.

die blicke gleiten,
rutschen auf baumschwingen,
machen halt an markantem,
finden sich ein im hohen lied der bäume.

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GELBE STROPHEN…

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gelbe strophen

im regen losgelaufen
und festgestellt,
wie alles intensiver duftet,
die verhaltenen farben
auch ihren reiz haben,
der entschluss belohnt wird.

und wenn sich später die sonne zeigt,
wenn ein herbsttag so zuende geht,
wird einem ganz froh ums herz
und man wagt zu denken,
dass es ein erfüllter tag war.
die sonne im bunten laub,
zieht in bann.
ich wende mich noch einmal um,
lasse den tag vorbeiziehen
wie einen film, den ich mir wünschen,
aber nicht selber aussuchen konnte.

das kleine glück
in gelben strophen

MEIN HAAR WIRD GRAU…

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mein haar wird grau
angesichts
dass die blätter fallen und
angesichts
dass mein haar wird grau
sehe ich
dass wir sterben müssen
mitten im leben
begegnet es uns
lassen müssen wir
ganz leicht werden
noch in dieser zeit
damit einst
unsere seele steigen kann
sich hindurchschlängeln kann
auf den sternenbahnen
auf unserer reise
zur grossen mutter
der zeit
zur zeitlosen moira
die schicksal gibt
und schicksal nimmt
ganz wie ich will

rosadora